[Vorbemerkungen: Diesmal gibt es ausnahmsweise kein Audio, weil der Text nur vorübergehend als Blogartikel zur Verfügung steht. Er wird als Teil eines E-Books erscheinen.
Lies bitte auch den ersten, theoretischeren, Teil zu Sinn und Aufgabe in der Rückführungstherapie "Neues vom Salatbesteck"! Und natürlich solltest Du vorher ungefähr wissen, was Rückführungstherapie ist, hier grob nachzulesen... 😉 ]
"Ich habe keinen Platz!"
Welch ein Satz.
Lass´ Dir diesen Satz einmal durchs Herz gehen.
Wie fühlt sich das Leben wohl an, wenn Du diese Überzeugung hättest? ("hättest", falls Du die damit verbundenen Gefühle nicht kennst)
Wie wäre Deine Beziehung zu dem Ort, wo Du lebst, zu einem Zuhause, zu den Dich umgebenden Menschen?
Wie ist dann Deine Beziehung zu Dir selbst oder zu Deinem Körper? Willst Du hier sein oder lieber nicht?
Und wie wäre mit dieser Überzeugung das Gefühl, dass das Leben hier sinnvoll, glücklich und bereichernd sein kann?
Vielleicht kommt Dir das auch sehr bekannt vor. Denn solch ein Glaubenssatz ist verbreiteter als Viele, auch die davon Betroffenen selbst, denken würden: Denn alle anderen kommen ja (angeblich) so gut zurecht mit ihrem Leben, sind so "drin", gehören dazu, sind erfolgreich. Zumindest "packen" sie es hier ja augenscheinlich… Das macht dann noch einsamer, isolierter, als es sowieso schon ist.
Als Therapeut habe ich da sicherlich eine andere Sicht darauf, enthüllen Klient*innen doch mir gegenüber in meiner Praxis ihre tiefsten Ängste, Probleme und Überzeugungen. Und dann sieht es oft sehr anders aus als die vielleicht noch "funktionierende Oberfläche". Eine Oberfläche, die oft nicht einfach ist, aufzugeben, den Blick dahinter freizugeben und sich den auftauchenden Erinnerungen und Gefühlen zu stellen. Leiden und Verzweiflung - Folgen davon, dass es einfach zu schlimm geworden ist - helfen dabei (leider oder zum Glück?), den Widerstand dagegen zu überwinden. Dieses ÖffnenMüssen/"Wollen" ist natürlich eine Voraussetzung für eine tiefergehende Therapie wie die Rückführungstherapie.
Die Klientin, von deren Sitzungen ich hier erzählen möchte, nennen wir sie Marie, hat diesen Mut, sich dem zu stellen, sich zu offenbaren. Und hat mir netterweise erlaubt, von unserer Arbeit zu berichten.
Ich schreibe so wenig bis keine "Fall"beispiele (das Wort geFÄLLt mir gar nicht), denn ich habe wohl selbst zu viele davon gelesen und bin sie überdrüssig geworden (dieses "Frau E. hat Neurodermitis und kam in einem früheren Leben im Feuer..."...ach!...). Und da ich ganz egoistisch nur schreibe, was mir selber Freude macht, lasse ich das Konkrete oft weg. Wiewohl ich verstehen kann, dass man als Interessierte plastische Beispiele für so eine spannende Arbeit bekommen möchte - gerade, wenn man selbst solch eine Therapie noch nicht erlebt hat und sie sich daher schlecht vorstellen kann. (Es geht jedoch nichts über die eigene Erfahrung, also los...! 🙂 )
Daher ist aber dieser Bericht auch sicher nicht typisch für sonstige "Fallbeispiele", da ich hier offen meine Gedanken in Form von Kommentaren in BLAU gegeben habe und nicht nur den Sitzungsverlauf, die Inhalte, protokolliert habe. Dieser Blick hinter die Praxiskulissen ist hoffentlich auch spannender als nur "Frau E. und ihrer Verbrennung" auf den Scheiterhaufen zu folgen… Auf jeden FALL ist es das für mich, es zu schreiben… 😉
Es gibt Dir hoffentlich auch ein offenes Bild von meinem Therapiestil, der, kurz gesagt, ohne viel SchnickSchnack (Atemübungen, hypnotische Schlafeinleitungen, Musik etc.) - und sei er noch so angeblich "spirituell" (Engels- oder Geistführerunterstützung, Höheres Selbst etc etc….). Das alles wirst Du bei mir nicht finden, jedenfalls nicht künstlich aufgerufen. Spirituell ist diese Arbeit sowieso. Ich bin auch nicht so der Einhorn-Delphin-Erzengel-Gabriel-Freak, das wird sicher schon auf meiner Website klar. Wenn Du das brauchst, bin ich sicher nicht der richtige Therapeut für Dich (oder gerade…. 😉 ) Meine Begleitung ist eher puristisch, direkt, gedönslos, einfühlend und unterstützend zum Kern vordringend.
Mein Vorgehen hat sich über die Jahre an Erfahrung gebildet (Du kannst mich alter Hase nennen, bin ich doch seit 2001 Rückführungstherapeut und seit 35 Jahren an psychologischer und spiritueller Entwicklung interessiert, inklusive des Psychologiestudiums) und hat sich in dieser Zeit weit von dem in meinen Ausbildungen Gelernten entfernt: hin zu einem persönlichen, mir und meinen Erfahrungen passenden - wie es ja auch sein soll. Ausgerichtet an Authentizität und Effektivität, nicht an Regeln und Dogma. Ich folgte damit meinem Weg, wie ich jetzt im Überblick sehe, selbst immer weniger Widerstand gegen das Leben aufzubauen oder festzuhalten. Und damit wurde Therapietechnik im Sinne von "Machen" und "Wegmachen" eher zu DaSein, die Klienten möglichst nah und einfühlsam Begleiten - und Annehmen. Annehmen auch seines oder ihres Leids.
Wenn Du bis jetzt weder viel über andere TherapeutInnen gelesen hast, noch Therapieerfahrungen hast, kannst Du zwar nicht vergleichen, aber auch sicher so spüren, ob Dir solch ein Vorgehen liegen könnte.
Diese Sitzungsbeschreibung ist auch ein Beispiel für die (Mit-)Bearbeitung des Themas Sinn (lies bitte den VORIGEN ARTIKEL darüber), das nicht explizit angesprochen, angezielt wurde, sondern - wie meist - im Zusammenhang mit anderen Problemen auftaucht.
Der vorige Artikel darüber, welche Rolle die Themen 'Sinn' und 'Aufgabe' in der Rückführungstherapie spielen, sollte erst gar keine Fortsetzung bekommen. Dann häuften sich jedoch ("zufälligerweise" 😉 ) Sitzungen, wo es explizit um diese Themen ging. Und nicht nur das, auch ging es dabei um die im Artikel nebenbei erwähnten "außerirdischen" Vorleben, die für das bzw. die Erdenleben eine große Rolle spielen können. Sie betreffen den Kern unserer Existenz auch im Heutigen, da es um unsere Herkunft geht, also um tief in uns sitzende Erfahrungen von Seelenheimat und Zuhause, und vor allem auch von Aufgaben und Zielen von damals, die heute immer noch in ungebremster Stärke unbewusst wirken und die meist alle Lebensbereiche betreffen.
Also entschloss ich mich, diesem Wink zu folgen (auch hier, nicht nur in den Sitzungen, "mit dem Lebensstrom" gehen 😉 ) und doch einmal ein lebendiges Beispiel zu geben. Also eine Premiere hier im Blog!
Der Intensität wegen arbeite ich mit Klient*innen immer an zwei Tagen hintereinander zusammen (s. VERLAUF), der Schwerpunkt meiner Schilderung liegt hier auf dem zweiten Sitzungstag. (Natürlich hat mir die Klientin ihre Einwilligung gegeben - vielen Dank dafür nochmal! Ich habe natürlich ihren Namen geändert und bestimmte Umstände unscharf beschrieben, damit sie nicht identifiziert werden kann.)
Dieses Beispiel ist nicht so exotisch (zumindest für meine Praxis - jede/r Therapeut/in hat da natürlich individuell andere Resonanzen), wie es für manche vielleicht klingen mag. Schon gar nicht, was die dahinterliegenden Themen betrifft, die auftauchten; auch Du wirst Dich darin sicher oft wiedererkennen. Hier kommen ganz grundlegende Themen zur Sprache, die (fast) alle hier Inkarnierten betreffen - ob es ihnen bewusst ist oder nicht.
Und es macht deutlich, dass das Thema "Sinn" immer auch mit anderen Themen zusammenhängt und gar nicht so isoliert dasteht.
Und es wird vielleicht durchschimmern, dass das therapeutische Begleiten geschmeidig dem Fluss der Aufmerksamkeit folgt. Es weicht jedoch nicht allem aus, das die Klientin vermeiden möchte, sondern bleibt sanft und nahe an diesem Strom, der etwas ans Licht bringen möchte, das wir dann zusammen bergen können.
Das Vertrauen in den Willen der Seele zur Selbstheilung, genau das Richtige zu bringen, damit wir es durcharbeiten können, unterliegt diesem aufmerksamen und liebevollen Begleiten einer Klientin und ist die Ernte meiner Erfahrungen und der Sicherheit durch die bald zwanzig Jahre therapeutischer und selbstverständlich auch innerer eigenen Arbeit.
Natürlich kann in solch einem sehr verkürzten Bericht nicht die Arbeit und Mühe für die Klientin (und aller Klient*innen natürlich), die dieses Bergen kostet, transportiert werden - dies ist auch schwer möglich, soll aber in einer ehrlichen und ungeschminkten Beschreibung nicht unerwähnt bleiben. Wer Darstellungen auf meiner Website nur ein wenig kennt, weiß, dass ich nichts schönreden oder marketinggerecht aufblasen möchte. Sitzungsbeispiele sind immer einfacher zu lesen als zu erleben. (Dafür hat man aber auch weniger davon…)
Apropos Lesbarkeit: Ihretwegen habe ich auf den sprachlich korrekten Konjunktiv bei den Aussagen von Marie verzichtet ("es wäre so und so gewesen, sagt sie" ist einfach sperrig.)
Genug der Vorrede, wo war ich? …"wo bin ich - und wie?" … darum geht es übrigens auch in der Beschäftigung mit dem Satz
"Ich habe keinen Platz!"
Im Erstgespräch, das der tieferen Therapie - zum gegenseitigen Kennenlernen, VertrauenVertiefen, Klären von Fragen, Sondieren der Probleme - natürlich immer vorausgeht, äußert Marie diesen wichtigen (Glaubens-)Satz schon.
Wo ist dann der Platz? Warum habe ich ihn nicht? Hatte ich ihn mal? Geht es um einen Ort oder um ein Gefühl für Heimat? wären beispielsweise gute Fragen, die aber nur in der späteren Arbeit mit dem Unbewussten wirklich beantwortet werden können. Aber wir sind jetzt noch im Erstgespräch, im Bewusstsein sozusagen, offene Augen, gegenübersitzend, kennenlernend, "normal therapeutisch". Dieses Gespräch kann schon sehr tief und emotional sein und ist es hier mit Marie auch. Ihre Situation, nicht verwunderlich mit diesem das gesamte Leben und alle seine Bereiche betreffenden Satz im Hintergrund, ist mittlerweile in der letzten Zeit unerträglich geworden:
In großem Maße Schlaflosigkeit, eine starke Energielosigkeit, körperliche Symptome (Magen, Schilddrüse, Haut), das Fehlen von Sinn oder Zielen. Auch Selbstmordgedanken hatte sie in der Vergangenheit schon, verständlich.
Die Verzweiflung an ihrer Situation ist groß.
Sie ist um die 50, die Kinder zum größten Teil außer Haus. Doch eine 'einfache Midlife-Crisis' ist keine Begründung, wie sowieso überhaupt kein Etikett irgendeine Begründung liefert, noch irgendeine Hilfe darstellt. (Übrigens auch das nahe liegende Etikett 'Depression' nicht. Es sei denn für einen Psychiater, von dem man entweder ein Psychopharmakon möchte oder eine Krankschreibung.)
"...um die 50…" Sicher spielt für uns das Alter oft eine wichtige Rolle (s. a. mein ARTIKEL ÜBER DIE 50er…) im Sinne eines Katalysators und Druckes, in diesem Leben noch Potentiale einzubringen oder/und Themen zu lösen: wir merken, unsere Zeit ist begrenzt, bestimmte Lebensabschnitte (die Kindererziehung z.B.) sind abgeschlossen. Und nicht zuletzt: die Energie, ein möglicherweise angepasstes und in Teilen unechtes, aus den festen Strukturen aus Kindheit und früheren Inkarnationen entstandenes, Leben aufrechtzuerhalten, kann nicht zusammengehalten werden.
Kurz: Der innere unbewusste Widerstand, der zum Echten & Heilen, ruft, wird stärker - nenne es Selbstheilung - und will endlich durchkommen.
In einem sehr aufgeladenen Kampf zwischen Wollen/NichtWollen, Funktionieren/UngeliebtFühlen und Freiheit/wirklicher Bestimmung kreierst Du genau die Situationen, vor denen Du immer - bewusst oder unbewusst und mehr oder minder erfolgreich - geflüchtet bist. Genau das Drama spielt sich jetzt in der Krise auf Dir ab, vor dem Du die ganze Zeit geflohen bist: Schwäche, Einsamkeit, Depression, NichtMehrKönnen, Abhängigkeit, VerlassenFühlen, SchuldigFühlen - was immer Du als größte Katastrophe in Dir trägst, kommt jetzt durch. Weil der innere Druck nach dem "echten", authentischen Leben stärker wird ("Mach´ jetzt endlich hin!") und gleichzeitig der innere jahrzehntealte Widerstand erschöpft ausbrennt… (...das heißt jedoch keinesfalls, dass Jüngere nicht schon dasselbe Problem haben können. Alter ist ja relativ und der Druck kann auch in früheren Jahren schon stark werden…)
Dadurch kommt es, dass Du Dich dann in exakt Deinem unerwünschtesten inneren (vorher unbewussten, jetzt 'realen') Film wiederfindest - genau in dem, den Du immer verhindern wolltest - das Verdrängte drängt zurück und zeigt sich. Und Dein Widerstand, d. h. Leiden und Verzweiflung, wird dadurch wiederum größer.
JETZT sitzt Du richtig im Schlamassel.
Das ist sicher ein Teil der jetzigen Situation von Marie (und jeder, die mit unerwünschten Problemen kämpft): Jetzt genau, in diesem Tief, ist also die Zeit, an diese Themen zu gehen. Für Viele ist das der Weg in körperliche Symptome oder in Therapien - oder beides. Rückführungstherapie ist hier ein Weg, den aufgetauchten, unliebsamen Erscheinungen wirklich auf den Grund zu gehen, da uns unbewusste Erfahrungen und abgespaltene Emotionen dorthin gebracht haben.
Aber es ist nicht nur die jetzige Situation, in der Marie wenig Unterstützung in der Beziehung fühlt, kaum Freundschaften hat, wenig Liebevolles erfährt, feststeckt, keine Kraft mehr hat. Diese Situation, das wird schon im Erstgespräch klar, ist ihr - nicht sehr überraschend mit solch einem Glaubenssatz - schon seit der Kindheit vertraut:
Ihre Kindheit ist geprägt von extremer Ablehnung bis hin zu physischer Gewalt, lieblos dominiert von den Eltern und daher im Gefühl, von Anfang an nicht willkommen zu sein, nicht dazuzugehören, sich extrem isoliert zu fühlen, einsam, mit einem starken Bedürfnis nach GeliebtWerden, VerbundenFühlen, Sicherheit und Schutz. Letzteres findet sie nur alleine, im Rückzug von den anderen, denn keiner stellt der kleinen Marie das zur Verfügung. Die Eltern sind viel weg, niemand beschützt sie vor dem abwertenden und gewalttätigen Bruder, dem sie also allein ausgeliefert ist.
Hier gibt es kein Zuhause für sie, keinen liebevollen Platz - das lernt sie schnell (ob sie mit dieser Überzeugung schon in diese Inkarnation gestartet ist, wissen wir noch nicht; ist also jetzt, im Erstgespräch, nur eine Annahme). Die emotionale Situation der "kleinen" Marie hat sich später eigentlich nie wirklich verändert, sich in den letzten Jahren eher noch zugespitzt. Die Schlaf- und Energielosigkeit schwächt jetzt nur noch mehr und lässt irgendwelche Ziele, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und sich mehr mit Menschen zu verbinden, eher weit weg erscheinen. Die Kraft reicht ja gerade noch für das, was im Alltag nötig ist, für Herausforderungen jedoch nicht mehr.
Das Erstgespräch ist durch ihre Offenheit schon sehr tiefgehend. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass sie nicht unerfahren in Therapie ist, sie hatte unter anderem schon viele Familienaufstellungen. Unser Vorgespräch jedenfalls hat uns wichtige Themen auf der bewussten Ebene gezeigt und hat durch die Geballtheit, das "Leben" in so kurzer Zeit komprimiert zu erzählen, einiges emotional verdichtet und fokussiert. Eine gute Voraussetzung für die kommenden Sitzungen. Das Clearing folgt gleich nach einer kurzen Pause von wenigen Minuten. Damit nutzen wir die Energie des Vorgesprächs gleich für die Sitzung (KompaktIntensivPaket s. VERLAUF).
Was jetzt? Sie findet verständlicherweise die Schlaflosigkeit zur Zeit am quälendsten und schwächendsten. Dieses Thema werden wir im Hinterkopf behalten, ich kläre sie jedoch auf, dass wir - mit ihrer Einwilligung natürlich - zuerst mit dem Clearing beginnen.
Das als erste Sitzung bei mir standardmäßig durchgeführte Clearing hat das Ziel, mit möglicherweise wirkenden fremden Energien (mehr Informationen HIER) in oder bei ihr Kontakt aufzunehmen. Sie beschweren uns in den meisten Fällen eher, auch dann, wenn sie nicht feindlich gesonnen sind. Und wenn sie uns im Leben sabotieren möchten, könnten sie, wenn nicht vorher angesprochen, auch unsere weitere therapeutische Arbeit torpedieren. Und außerdem zeigt uns das Clearing, egal, was uns begegnet, vor allem schon die unbewussten Themen auf, Resonanz sei dank.
Ich möchte mich hier jedoch der Rückführungsarbeit und eben dem Beispielthema "Sinn" zuwenden, das in der ersten Sitzung nur indirekt eine Rolle spielte. (Doch versprochen, ein Beispiel für mein Vorgehen in der Clearingarbeit werde ich Dir in einem der nächsten Artikel geben. Wenn Du automatisch über kommende Artikel informiert werden möchtest, abonniere meinen Newsletter HIER, falls Du das noch nicht getan hast.)
Nur so viel zur ersten Sitzung: Marie öffnet hier Ihr Inneres weiter und daher gewinnen wir schon viel Boden und wir können Einiges bearbeiten. Wir entdecken eine widerstreitende Energie in ihr, die sich, so könnte man sagen, im heutigen Leben in ihrer Mutter verkörpert hat. Es geht hier schon darum, dass Marie sich in ihrem HierSein von der Mutter bedroht fühlte. Und es geht auch um den Willen, diesen Kampf aufzugeben, indem sie ihr Leben in der Pubertät beenden will. Sie schafft es in der Sitzung dann, durch Bewusstwerdung von diesen sich bekriegenden Energien, schon einen guten Schritt in Richtung einer Integration dieser Kräfte zu gehen.
Marie kommt mit einem Schmerz im Oberbauch in die Sitzung. Der hatte sich am ersten Tag noch nicht gezeigt.
Der erste Tag setzt immer auch etwas frei - und das muss nicht immer gleich angenehm sein - Therapie ist ein Prozess, das kann man nicht oft genug betonen. "Instant Happiness" wird hier eher selten bedient - wer das will, muss woanders suchen...
"Wasch mich, aber mach mich nicht nass" ist meines Erachtens jedenfalls keine Option, wenn es um Therapie geht. Du willst ein Symptom loswerden, aber Dich nicht ändern?
Wenn ich mich nicht gleich top fühle nach einer Therapie, gehört das dann auch dazu. Weitermachen wie vorher? Als wäre nichts gewesen? Als hätte man nicht traurige, wütende, unangepasste Teile nicht ewig unterdrückt und nach dem Freilassen soll alles wieder zurück in die Reihe, schön weiterfunktionieren? Das geht nicht immer. Es geht erst einmal ums besser FÜHLEN, nicht ums BESSER fühlen. Da kann dann endlich Bewegung hinein kommen, die nicht immer angenehm ist, weil ja vorher alles in einer zwar ungesunden, aber immerhin in Balance war. Doch die war trügerisch und krankmachend.
Wir haben jetzt jedenfalls den Vorteil, wir können am zweiten Tag eines Doppeltermins gleich weiterarbeiten. Jetzt ist Marie drin im Fluss und wir können noch tiefer gehen, die nächste Schicht anschauen, da das Vertrauen durch die erste Sitzung und das Erstgespräch gewachsen ist und wir schon einiges am ersten Tag durcharbeiten konnten.
Wir gehen gleich in die Sitzung und untersuchen diesen Schmerz im Bauch. Ich frage Marie, wie er aussieht: es ist eine rote, bewegliche Kugel "so groß wie ein Tennisball" unter dem Rippenbogen (Solarplexusbereich). Außerdem nimmt sie von dem "Ball" in der Mitte nach links und rechts Bänder - eine Art "Geländer" - wahr, starr und in etwas anderem Rot. Dieses "Geländer" ist jedoch nicht immer da, aber sie kennt es.
Jetzt zeigt sich, wer informierter Laie ist und wer in meiner Sicht guter Profi: Der informierte Laie - und viele schlaue Experten - haben gleich Hypothesen: "unter Rippenbogen" = Solarplexus = 3. Chakra = …. und zu "rot, beweglich" = Feuer = Aggressionen. Das alles kann wahr sein oder auch nicht, mir ist dieses Wissen im Moment gleichgültig, es nützt mir nichts. Was sollte man mit diesem "Wissen" jetzt anfangen? Besser nichts! Sonst kämen nur schlaue Kommentare vom Therapeuten, wo Marie jetzt steht - oder sogar schlimmer noch: hin müsste. Oder es sind "nur" innere Kommentare im Therapeuten, das ist auch nicht viel besser ("Ah, das ist es jetzt … und da sollte sie jetzt hin."). WENN Marie etwas mit Aggressionen zu tun hat, kommt es sowieso - oder nicht - oder NOCH nicht - egal. Ich muss nicht vorher wissen, was los ist, ich muss nicht mehr wissen; ich vertraue hier nicht meinem Wissen, sondern lieber ihr: dem, was auftaucht und ihrer Entwicklung - mehr, als sie höchstwahrscheinlich sich selbst vertraut.
- Möglichst einen Freiraum lassen, in dem alles unbewertet und wie von alleine erscheinen und sich entwickeln kann.
Hinter WissenWollen steht meist das Bedürfnis nach Kontrolle (s. a. diesen ARTIKEL).
Und die Klientin sollte es selbst erfahren, nicht von außen hören, was für sie richtig ist und was ihr Innerstes ausdrücken möchte. Es ist halt, wie gesagt, Therapie und kein Kaffeesatzlesen (nichts gegen gutes Kaffeesatzlesen, aber nicht hier.).
Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass nicht nur wie hier Klientin Marie, auch wir TherapeutInnen gerne Kontrolle haben - hier dann durch Techniken ("Toolbox") oder durch Wissen. Das sind perfekte Waffen gegen direkte Erfahrungen - auf in den Kampf mit dem ganzen Equipment! Es macht uns Helfer vermeintlich sicher, reduziert die Angst vor dem, was in der Klientin hochkommen könnte, macht alles griffig, denn: "das kriegen wir alles schon hin". Diese Art der Experten-Ausstrahlung haben wir verständlicherweise sehr gerne. Alles im Griff, das weckt Vertrauen. Doch eigentlich bedeutet es: Gemeinsam mit der Klientin im Widerstand mit dem unerträglichen jetzigen Zustand, der Verzweiflung, dem BurnOut, der Depression, der Angst etc.
Doch: "einfach" begleiten, sich als Therapeut offen halten, möglichst nichts dagegensetzen. Das ist der bessere Weg. Und ist eine ganz andere, tiefere Sicherheit des Therapeuten.
Ich habe irgendwann angefangen, meine Sicherheit nicht mehr auf Wissen und Techniken zu bauen, sondern auf Vertrauen in den Moment, in "das Ganze", wenn Du so willst. Das schließt, könnte man sagen, natürlich das Vertrauen in den Klienten oder die Klientin (in seine oder ihre Seele vielleicht ein wenig mehr als in die Konzepte, wie etwas sein müsste… 😉 ) und ihren Prozess ein; das heißt, in das, was geht oder nicht geht - jetzt im Moment. Meine Motivation dabei war ganz einfach: Freiheit. Ich wollte/will frei sein von Ängsten und Widerständen, die meine Arbeit und/oder mein Leben (was ja untrennbar ist…) zu sehr einschränken. Das heißt für mich dann auch, die Widerstände in mir selbst anzuschauen, denen ich möglicherweise in der Arbeit begegne.
Klient*innen selbst wollen natürlich meist den Prozess kontrollieren, forcieren, weil sie etwas "loswerden" wollen. Dazu gehört auch die Überzeugung, nie gut genug zu sein. In all seinen Auswirkungen und Schattierungen ist das der Mangel, der die Eigenliebe herunterzieht und Schuldgefühlen Tür und Tor öffnet, bewusst oder unbewusst. Dies und das soll weg sein oder anders werden, aber das ist der EIGENTLICHE, tief sitzende Mangel, der ihn oder sie in die Praxis gebracht hat - nie (gut) genug zu sein, falsch, nicht ausreichend, nicht liebenswert (für sie selbst zuerst) -zumindest nicht ohne Leistung und Mühe.
Und das Problem oder Symptom ist auch nicht gut, klar.
Darin ist dann auch "folgerichtig" eine Angst vor der ersten Sitzung begründet (die jedoch unbegründet ist 😉 ): "Ich bekomme das mit der Rückführung nicht hin" - oder (noch besser! 😉 ): "Der Therapeut kriegt es vielleicht nicht hin". Denn solch eine Überzeugung schließt auch immer die Umwelt mit ein: "nicht nur ich bin, nein, es ist nie genug, was ich bekomme. Die anderen sind auch nicht genug (s. Helferbeziehungen) oder geben mir auch nie genug". Der Schluss daraus dann: noch besser werden, mehr anstrengen, sich noch mehr kontrollieren, perfekter werden - dann klappt es schon, dann werde ich geliebt und liebe mich dann auch selbst mehr.
Dieser Druck, es richtig zu machen, macht auch vor einer Praxistür nicht halt. Nur: Hier in der Praxis ist nichts falsch, musst Du nicht irgendwo hin, irgendwie anders sein, ist irgendwas zu schaffen, zu leisten, zu bringen. (Du kannst sogar den Druck mitbringen…. oder die Probleme wieder mitnehmen, wenn Du sie festhalten möchtest! 😉 ) Jedenfalls ist hier aus meiner Sicht nichts "gut" oder "schlecht" zu machen. Klient*innen, wie gesagt, sehen das oft weniger relaxt und glauben, sie könnten "versagen"... (und, ähem, auch ich habe etwas gebraucht, um als Mensch und Therapeut mir "genug zu sein"…)
Natürlich gibt es Voraussetzungen (s. FRAGEN UND ANTWORTEN - "Bin ich geeignet...?"), und darunter auch solche, die eine Therapie "einfacher", "schneller effektiver" machen, was mir persönlich jedoch nicht wichtig ist. Überkontrolliert zu sein z. B.: Doch wenn eine Klientin sich nicht (mir nicht, im Moment nicht oder überhaupt nicht) öffnen, emotional sein, d. h. etwas Kontrolle loslassen kann - so what? Dann können wir uns doch immer weiter herantasten und Boden an Vertrauen gewinnen, als Voraussetzung dafür, sich dann immer weiter zu öffnen, um dann dickere Brocken auszuräumen. ...zumindest wenn die Ungeduld (was nichts anderes ist als wieder der Kontrollwille und Widerstand) nicht zu groß ist und sie nach einer Doppelsitzung schon "geheilt" sein wollte und daher nicht mehr wiederkommt. - Um lieber den nächsten Therapeuten oder die nächste Therapieform "auszuprobieren"... Dann so.
Tja - es dauert, so lange es dauert. Hier in diesem sensiblen Bereich große Versprechungen zu machen oder die Brechstange anzusetzen ist nicht nur schlechter Stil, sondern auch kontraproduktiv.
Ist doch der Widerstand zwar nicht effektiv, um zu dem zu kommen, das man ist. Aber in dem Widerstand stecken langerprobte Schutzmechanismen, begründet auf dem Misstrauen in die Welt, die man manchmal nicht mal eben so in fünf Minuten ablegen kann, weil ich vielleicht ein netter Kerl bin. Wir umarmen jedenfalls die Widerstände in der Therapie und nehmen sie mit, machen sie gegebenenfalls zum Thema. Das ist das Geschmeidigste: mit dem Fluss schwimmen. Dann kommen wir da schon an, wo die Seele hin will, was sie zeigen will, wodurch sie heilen kann.
- Doch ich schweife sehr ab, zurück zu Marie - die mit dem Einlassen auf die Sitzung wenig Probleme hatte, wie viele Klient*innen auch.
Also: roter Ball - Schmerz im Bauch. Diesen Schmerz hätte Marie in den letzten zwei Wochen vermehrt gehabt - und sie kenne ihn von früher aus Situationen, die sie als sehr stressig empfunden hat. Was genau ist das für ein Stress?
Es liegt auf der Hand, wir gehen jetzt zurück, um den Schmerz weiter zu erforschen:
Wo und wann ist der Schmerz schon einmal aufgetreten, der früheste Moment, der ihr jetzt einfällt?
Meist formuliere ich die Bitte, zurückzugehen, so frei, dass die Seele wählen kann, ob sie schon weit zurück geht oder noch "in sichererem Terrain" bleibt, d.h. in Erinnerungen, die ganz oder zum größten Teil schon bewusst sind. Die Seele muss nicht (und SOLLTE meines Erachtens auch nicht) in frühere Situationen GEDRÜCKT werden. Es kommt schon, was nötig ist, zu dem Zeitpunkt, zu dem es freigegeben werden kann. Das ist - oder sollte sein - alleine abhängig von dem Vertrauen, das auch wirklich verarbeiten zu können, was kommt.
Daher lautet die Devise, schon wieder: Einfach auf die Seele verlassen, nicht auf Techniken.
Es taucht eine Situation auf, in der Marie ein Fest vorbereiten wollte, das ist viele Jahre her: Es gibt viel zu tun, doch die professionellen Helferinnen arbeiten nicht so, wie sie es möchte. Dieses Fest ist ihr sehr wichtig, daher soll alles schön werden und sie möchte es gut machen! Ein ganzer Strauß von Emotionen explodiert in ihr: Druck, es so machen und hinbekommen zu wollen, wie sie möchte: Wut, darunter Ohnmacht und Hilflosigkeit. Doch das ganze Gemisch erlebt sie bewusst nur in einer Starre: da ist es, das "Geländer im Bauch". Im Bauch wird signalisiert, so Marie: "Alarm! Aber Ruhe bewahren! Aufpassen!" Sie lässt ihrer Wut damals keinen Raum und spürt, dass das "Geländer deeskalierend" wirkt. Es beschützt sie (und die anderen…) davor, "wie ein Berserker" (Maries Worte) auszuflippen, "aus der Bahn geworfen zu werden". Mit dem "Geländer" kann sie diplomatisch bleiben. Sie verletzt niemanden mit Worten oder gar Taten und bewahrt sich so auch vor Schuldgefühlen und möglicher Ablehnung.
So ist die Gefühls- & Widerstands-Kette, die wohl das "Geländer" im Bauch kreiert und alles dort festhält. Eine Art Rahmen, der sie in der Bahn hält:
Bedürfnis nach Liebe - Ohnmacht, das Gefühl falsch oder nicht ausreichend zu sein, Wut gegen andere, die auch nicht genügen und das Ergebnis torpedieren könnten - Starre, letzteres scheint erst mal in dieser früheren Situation das Passendste zu sein.
Wir arbeiten mit diesen Emotionen und Zuständen Abhängigkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut - und den Widerständen gegen diese Zustände genauer, in Form von Übungen, die ihr Annehmen ermöglichen.
Ich höre sie jetzt, die "Diagnostiker" unter den LeserInnen, die nun Recht bekommen haben 😉 : Schilddrüsenprobleme (5. Chakra: u. a. Ausdruck, Kommunikation) und Magenprobleme (3. Chakra: u. a. Ego, Durchsetzung, Abgrenzung). (Übrigens, wer sich da schlau machen möchte, kann sich gerne mein kostenloses Chakra-E-Büchlein auf der SCHÄTZE-SEITE anschauen oder herunterladen. 😉 )
Man sieht aber hier auch, diese Hypothesen hat es gar nicht gebraucht…
Diese Situation vor dem Fest ist so stark aufgeladen, jedoch bei gleichzeitigem Fehlen eines "existentiell wichtigen Anlasses" für die Stärke der Gefühle und des Widerstands dagegen. Die Frage "Aus welchem Erlebnis genau kommt die Angst vor dem Äußern der Gefühle der Wut und ihrer Gedanken bzw. ihr Gedanke ˋRuhe bewahren´?" bleibt natürlich daher in meinem Hinterkopf, das ist ja die Ursache für den Widerstand bzw. das "Contenance-Geländer".)
Wir bleiben weiter bei diesem Thema. Es kommt noch mehr und wir verfolgen den Faden "nach hinten". Und ja, dieser Schutz, den das Geländer und die Starre darstellen, spielte schon mal eine Rolle in ihrer Vergangenheit. Sie spürt diesen "Berserker" hinter dem Geländer deutlich: ein "Borstenvieh", wie sie ihn nennt. Sein Name ist ja schon vielsagend... Wir haben dieses Vieh gestern in der ersten Sitzung schon kennengelernt, da war es aber noch weit weniger explosiv und eher versteckt hinter dem Geländer, noch ausschließlich starr - eine Entwicklung... mal sehen...
Sie beschreibt das Vieh so: Es ist eine sehr irdische, bodenständige Energie, die helfen und beschützen kann, sich frei und stark fühlt, jedoch - einmal losgelassen - richtig gefährlich wird und keine Grenzen oder gar Gerechtigkeit kennt. Dieses Borstenvieh kann in anderen sein, das weiß Marie. Und es ist in ihr, also gefährlich und böse und gleichzeitig gut und nötig... Diese Kombination ist nicht ganz einfach (ok, wenn es einfach wäre, wäre Marie nicht Klientin).
In diesem Zusammenhang tauchen jetzt Erinnerungen an ihren Bruder auf. Das Borstenvieh hat sie da geschützt. Denn beides kann schützend sein: Nicht-Explodieren und Explodieren, was, anders gesagt, bedeutet: "Totstellen" und Kampf, zwei evolutionäre Reaktionsweisen auf existentielle Bedrohung. Für beide Schutzreaktionen ist es anscheinend zuständig. (Die andere mögliche Reaktion, Flucht, findet sich bei Marie in der Todessehnsucht, den Selbstmordgedanken wieder.)
Und jetzt plötzlich wird Marie bewusst: Da gibt es noch etwas anderes, das im Schatten des Borstenviehs steht, von ihm beschützt wird, aber dort nicht wachsen kann und vom Borstenvieh verstellt wird, unsichtbar ist. Es taucht quasi hinter dem Raum einnehmenden, großen Vieh langsam auf, lugt vorsichtig hervor: Und das ist etwas Zartes, Empfindsames, Empathisches...
Da ist also jetzt eine Polarität aufgetaucht (die sehr häufig und in den Extremen in Sitzungen bewusst wird), nämlich die zwischen Härte, Schützen, Aggression, "Stärke" einerseits und andererseits dem Zarten, Hellen, Leichten, Lichtvollen, Zerbrechlichen.
Diese Polaritäten zeigen sich im irdischen Spiel auch oft als männlich vs. weiblich, körperlich vs. seelisch, dunkel vs. hell, erwachsen vs. "kindlich unschuldig", stark/schwach, kontrollierend/ausgeliefert, mächtig/ohnmächtig - am Ende: Licht und Dunkelheit, yin und yang.
Also eine sehr grundlegende Polarität in aller unserer Leben. Im Missbrauch z. B. crashen diese beiden Polaritäten brutal zusammen. Die archetypisch männliche dunkle "machtvolle" überwältigende aggressive Energie und die archetypisch weibliche zarte kindliche helle "schwache" ausgelieferte Energie. Im Extrem der Widerstände, in der extremen Abspaltung der Anteile in beiden, in Opfer und Täter, kann dieses Zusammentreffen in einem Missbrauch traumatisch werden.
Jetzt gehe ich mit Marie in eine Situation mit ihrem Bruder hinein. Marie ist neun oder zehn Jahre alt, ihr älterer Bruder steht vor ihr, sie fühlt sich alleine, hilflos, ohnmächtig und tief verletzt durch seine Worte und Schläge.
Nur darüber reden hilft nicht viel: wir müssen uns mit der Person, die wir damals waren, verbinden, so gut es geht, sonst bleibt alles ein mentales Filmchen ohne viele Auswirkungen. Man muss sich manchmal aus einer Distanz annähern, wenn der Widerstand groß ist, aber dabei bleiben sollte es nicht. Wir wollen die Erfahrung möglichst eins zu eins, dann erst findet das heilsame Annehmen statt, nicht durch weiteres VonSichWegHalten und Abwehr. Daher: immer möglichst direkt hinein in die Situation! Aber ohne Druck.
Der Bruder ist machtvoll, verletzend, böse zu ihr, schlägt sie manchmal. Eine ablehnende Angstfigur, der sie jeden Tag ausgeliefert ist und vor der sie weder Eltern noch Großmutter schützen, deren Lieblingsenkel er auch noch ist. Alle Liebesbeweise - zum Beispiel Bilder, die sie für ihn gemalt hat - helfen nichts, genügen nicht(!). Nichts hilft. Er will sie nicht; nicht ihre Zuneigung, ihre Friedensangebote oder ihre Geschenke. Er schlägt sie weiter und sie ist wehrlos und noch dazu allein damit. Angst, Ablehnung: "Ich habe keinen Platz" - wo auch, wenn nicht mal in der eigenen Familie.
Das Borstenvieh möchte aber helfen - es ist der Teil, der hier sein will, sich schützen, den Platz verteidigen, damit das Zarte leben kann. Marie will hier nicht untergehen, gar sterben, aber es fühlt sich jetzt schon fast so an (und Selbstmordgedanken sind nicht weit). Sie fühlt sich ungeliebt, ausgeliefert, hilflos, isoliert, ungeschützt und total unverbunden - weder mit sich noch mit der Welt eins. Man könnte sagen, "im Stich gelassen", aber sogar dafür müsste in diesem Leben wenigstens schon mal jemand wirklich für sie dagewesen sein.
Im direkten Kontakt mit dem Bruder bleibt nur die Starre, das NichtRühren, um nicht alles noch schlimmer zu machen durch Wehren. Oder ihn gütig stimmen wollen, was ja aber auch nichts bringt, wie sich immer wieder zeigt.
Eigentlich bringt absolut nichts etwas, um ihre Situation zu ändern. Und von außen kommt auch keine Unterstützung. Niemand stellt sich vor sie. Sie muss sich selber helfen und ruft innerlich das Borstenvieh.
Borstenvieh lässt sie ein Buch gegen die Wand schmeißen vor Hass und Verzweiflung. Wenigstens das bleibt, mal eine Entladung.
Es ist das Schwanken zwischen einerseits Totstellen/SichAbschneidenVonGefühlen/"Geländer" und aktivem Borstenvieh/Rage/SichAktivSchützen/"Ball" - zwei Verteidigungsschichten. Und zwar einerseits (Ball) gegen die Angst vor dem Untergehen, Verschwinden, Sterben, ZerstörtWerden - und andererseits (Geländer) die Angst gegen das SelbstZumZerstörerWerden, SchuldigWerden - wiederum zwei grundlegenden Ängste.
Und dann dieses Zarte, das mühsam und tief drinnen überleben will und immer noch die Sehnsucht nach einem Platz hier hat, wo es endlich ungefährdet leben und wachsen kann und eine Freude ist, willkommen, dazugehörig, geliebt - hell und leicht.
Und in Maries Drama ist der Bruder hier der Gegenspieler. Und eigentlich ist er jetzt die dunklere, "bösere", grenzüberschreitende Version des Borstenviehs.
Die Beschreibung einer Sitzung gibt, wie erwähnt, kein sehr genaues Bild:
Was hier z. B. nicht übermittelt werden kann und was hier als kurzer und schnell zu lesender Text erscheint, ist manchmal mühsam abgerungen. Es dauert oft etwas, dem Widerstand und der Verdrängung sei dank, bis Situationen erforscht sind und möglichst alles darin bewusst ist. Vielleicht taucht erst mal ein Bild oder gar ein Wort auf, und wir nehmen es auf und untersuchen es. Es wird nicht sofort der Breitwand3D-Buntfilm gegeben, der mühelos abläuft.
Dabei antwortet eine Klientin auch meist nicht so schnell wie in einem normalen Gespräch. Sie geht ja in sich, lässt eine Antwort zu, die nicht einfach schnell "aus dem Kopf" kommt (der das Meiste sowieso nicht beantworten könnte und oft Vieles für Quatsch hält…)
Und außerdem bleiben wir in Sitzungen immer wieder bei den auftauchenden Emotionen, die uns begegnen, denn sie sind das Zentrale in unserer Arbeit. Sie sind es ja, die über Trauma oder nicht, Zuviel und Überforderung oder "AllesSafe" entscheiden.
Und die Emotionen, die in den früheren Situationen am stärksten waren, sind die, denen wir in der Therapie begegnen und die wir bewusst machen und "zur Blüte" kommen lassen wollen. Und dadurch die Widerstände abschmelzen lassen, damit diese eben nicht mehr in unserem Leben genau das wieder kreieren, das wir gerade vermeiden wollen und was uns zu Klienten gemacht hat.
(Das war die absolute Kurzfassung zur Rückführungstherapie. Wenn Dir das verständlicherweise zu komprimiert war, schmökere einfach ein bisschen hier auf der Webseite und im Blog weiter.)
Bis jetzt waren es bei Marie schon viele aufgeladene Emotionen und Zustände wie Druck, AusgeliefertFühlen, Trauer, Wut, Schutzlosigkeit, Abhängigkeit von der Zuwendung - und jeweils die Widerstände dagegen: körperliche (Starre z. B.), gedankliche ("Das ist zuviel, ich will weg", "Es ist egal, was ich mache, ich kann nichts ändern", "ich werde nicht geschützt, nicht geliebt" und der bekannte Satz "Ich habe keinen Platz"), und wiederum emotionale (Wut als Widerstand gegen Ohnmacht etc.)
Sich diesen Emotionen in Ruhe und mit Begleitung zu widmen, erleichtert schon wesentlich, dabei tritt oft schon eine Entspannung ein. Ich leite sie mit einfachen Übungen an, um das Annehmen der Emotionen systematisch zu erleichtern. Das übt schon einen annehmenderen und gesünderen Umgang mit Emotionen auch im Alltag ein, wenn Marie diese Übungen dort weiter anwendet, um sich dem Leben widerstandsfreier und energieschonender widmen zu können. Eben mehr im Flow! Nicht mehr auf der Bremse stehen oder auf dauernden Umwegen um bestimmte ungeliebte Emotionen herumlarvieren oder in Ablenkungen flüchten vor dem, was ist.
Wir sind jetzt hier bei eine zentralen Fragen des Seelenlebens überhaupt:
Wie schütze ich hier meine zerbrechlich anfühlende Seele, mein Licht?
Was ist mit DIR? Wie hast DU es bis hierher geschafft? Wie hast DU Dein kleines, zartes, helles Wesen bewahrt? Gab es dabei innere Verluste? Hast Du etwas verkauft, um es zu behalten? Etwas gewonnen? Kontrolle anstelle von Vertrauen gesetzt? Funktionieren anstelle von Fühlen? Erwachsen spielen, "stark, tough und selbständig", aber eigentlich innerlich doch noch abhängig vom Außen … aber keiner soll´s entdecken, Du am Ende auch nicht mehr? Oder hast Du beides gut in Dir integriert: Kannst Dich mal anlehnen, hingeben, vertrauen, mal alles laufen lassen und dann auch mal wieder machen, führen, Dein Leben steuern, Dich abgrenzen?
Wenn Dein Resultat dieser Fragen ist, diese Wechsel sind noch nicht so geschmeidig in Dir, gehörst Du wahrscheinlich zur Mehrheit der Menschen. Wir haben wohl alle mehr oder mehr Probleme mit dem Themenkreis Kontrolle und Vertrauen.
Was ist das "Zarte" aber genau? Wir wollen es untersuchen, es ist von Marie so wenig beachtet worden, dort im Schatten des schützenwollenden Borstenviehs. Schon das ist wichtig und wird vielleicht unterschätzt: Wir kommen in den Sitzungen immer an Energien (seien es Emotionen oder Zustände), die wir weg geschoben haben, meist schon über viele Leben hinweg. Wir ahnen sie vielleicht, manche kennen wir vielleicht sogar, aber gemeinsam ist ihnen: wir wollten sie immer so wenig wie möglich wirklich haben. Wir leben ja mehr oder weniger oft und viel im Widerstand mit unserem (Er-)Leben. Meist ist uns nicht einmal bewusst, wie sehr. Verdrängungen und Verleugnungen stellen dabei die stärksten Widerstände dar. Das, was wir überhaupt nicht in und von uns wahrhaben und wahrnehmen wollen. Für Solches ist dann Therapie da, da das schwer oder gar nicht alleine geht.
Manche nennen ungewollte, verleugnete innere Anteile "unsere Schatten". Und, wie das "Zarte" hier uns lehrt, sind Schatten nicht immer nur düstere Energien aus Gewalt und Schuld, sondern auch vom "Bewusstsein geliebte" wie Freiheit, Stärke, Leichtigkeit - oder eben dieses Zarte. Aber auch dagegen haben wir meist Widerstände.
Das "ruft" jetzt, daher muss ich hier jetzt zu Marie zurückkehren…
Was ist das Zarte genau, was ist so unbedingt zu beschützen und so fragil?
In Marie erscheint ein Bild einer "Pflanze in ätherischem Hellblau", so sagt sie.
Interessant! "Nur" ein Bild - oder eine Erinnerung? Wir Rückführungstherapeuten schließen NIE aus, dass es eine Erinnerung ist, gleich, wie merkwürdig oder absurd es einem (bzw. dem Verstand) erst einmal vorkommen mag, sind aber auch offen für Symbolisches (- letzteres ist meiner Erfahrung nach zugegebenermaßen weitaus seltener als TherapeutInnen anderer Richtungen glauben. Zum Thema Wahrheit in Rückführungstherapien siehe die Artikelreihe "ICH WAR NIE CLEOPATRA!").
Wir müssen es sowieso erst untersuchen, bevor wir irgendetwas in Richtung "Wahrheit" entscheiden können. Schubladenlosigkeit in Form von möglichst unvoreingenommenem Fragen ohne Theorienbelastung - wie oben schon bei den Chakren erwähnt - macht einen guten Therapeuten aus. Daher ist möglichst große Angstfreiheit auf Therapeutenseite gefragt, damit Raum für Auftauchen und Annehmen entstehen kann. Sonst würde dann gleich das SichEntfaltende nach dem "HalloSagen" schon gedeutet, verändert oder gar weg geschoben.
"Was ist mit dieser Pflanze?"
"Diese zarte Pflanze hat etwas Schutzengelhaftes.… und hat zu tun mit LIEBE."
Hier taucht also noch einmal das Thema "Schutz" auf … und …. Liebe...
"Wo siehst Du sie?"
"Sie ist außerhalb von mir, rechts oben…"
Marie hält kurz inne, lässt das Bild auf sich wirken.
Diese Haltung ist wichtig, WirkenLassen statt DarüberWegHuschen. Annähern, es senken lassen: in diesem fragilen Feld geschieht Annehmen. Sich dem, was kommt, in Ruhe aussetzen, JA sagen dazu, was vorher unbewusst war und ein NEIN hatte. Und das braucht auch Zeit.
AUS DER RUHE KOMMT DIE KRAFT, könnte man hier in Abwandlung eines Spruches sagen.
Oder - noch eine Abwandlung: GESCHWINDIGKEIT IST HEXEREI. Und damit meines Erachtens schlechte Therapie, Aktionismus, Therapeut und Klientin im gleichen Widerstand: Das Unangenehme schnell verändern, wegmachen, loswerden. Das ist sicher NICHT Annehmen. Und transportiert dadurch wieder das, was die Klientin in die Praxis gebracht hat: Es gäbe etwas, das absolut nicht anzunehmen ist. Die Symptome vorneweg, aber auch das dahinterliegende natürlich erst recht - das Wegschieben dessen hat ja die Symptome erst verursacht.
Damit sind Wissen und VerändernWollen, wie erwähnt, immer in der Gefahr, grundlegende therapeutische Fallen zu sein!
Tückisch, sind wir Therapeuten doch da, damit sich etwas verändert… Paradox…
Es arbeitet sichtlich in ihr.
Dazu kommt ein überraschtes:
"Ich bin das selbst! - Die Pflanze bin ich selbst!"
Solche "Schreckmomente" gibt es häufig in der Rückführungstherapie. Sie sind die logische Folge der vorherigen Verleugnung und sind aber (bzw. daher) sehr heilsam. Wie Du Dir vorstellen kannst, bemerkt die innere Stimme in solchen, selbst entdeckten Erkenntnissen zuerst kopfschüttelnd: "Das kann nicht sein, das warst Du nicht (je nach dem: weil zu peinlich, zu monströs, zu gewalttätig, zu spirituell, zu mächtig, zu dunkel, zu hell, zu ohnmächtig)."
Doch etwas Tieferes weiß schon jetzt: "Es stimmt. Ich war´s. Klar."
Und das ist dann immer auch sehr erleichternd, sogar wenn der Schrecken unangenehm ist und man zum Beispiel "Täter" in einer Situation war. Erleichternd, weil es eben das besagte JA zu einer Wahrheit ist, die bis dahin verleugnet wurde. "Unbewusst gewusst" hat man es ja doch immer. Nur nicht zugelassen - was es eher schlimmer als besser macht.
Dieser Konflikt zwischen Wahrheit und Verleugnung (=Lüge) hat bis dahin eine starke innere Spannung aufgebaut, die sich jetzt endlich, oft nach Jahrhunderten, entspannen, befrieden kann.
Den Widerstand also loslassen und die damit einhergehende Erleichterung durch das Annehmen und Integrieren führen auch dazu, die ewigen unangenehmen Wiederholungen lassen zu können, die sich durch Abwehr und die daraus folgende Resonanz immer wieder ergeben haben.
Das alles sei auch den Vielen gesagt, von denen ich, halb lustig gemeint, höre: "Ich finde Deine Therapie ja spannend, Ulf, aber ich will gar nicht wissen, was ich irgendwann mal gemacht habe!" Und dann folgen normalerweise natürlich "lustig gemeinte", ganz "zufällige" Beispiele, was sie alles Furchtbares gewesen sein könnten... 😉
Tja… Chance (noch) nicht genutzt, sich das anzuschauen und zu überprüfen - nicht mehr unbewusst wirken zu lassen, sondern loszulassen... dann kommen die eigentlich Neugierigen irgendwann vielleicht: wenn der Druck größer ist, das Verdrängte "real" in ihrem Leben wird… ich kann warten… 😉 (Sarkasmusalarm 😉 )
Maries "Ja, ich bin das!" ist ein wichtiger Schritt zur Integration. Denn Sie IST das auch JETZT im Moment, diese Pflanze - sie WAR das nicht nur. Sie ist sehr lebendig in ihr - und mit ihr all das, was das Pflanzendasein begleitet hat. Und das werden und müssen wir herausfinden. Das ist der Grund, warum die Pflanze als Thema aufgetaucht ist. Sie hat jetzt eine Verbindung mit irgendetwas Erlebtem, das überhaupt zur Verleugnung geführt hat. Diese Pflanze ist heute wichtig für Marie, sie stellt etwas Blockiertes dar, das sie aber braucht.
Es ist klar, das Wort "Pflanze" ist nur ein Begriff, der uns jetzt zwar etwas sagt, aber nicht irdisch-wörtlich gemeint ist. Es ist die Beschreibung einer Energieform, die sicher feiner und unkörperlicher ist als unsere Pflanzen hier auf der Erde, feinstofflich eben, "ätherisch", wie sie sagt..
Meiner Erfahrung nach sind außerirdische "Leben" oft wenig star-warsmäßig, eher feinstofflich (komisch, dass man sie immer noch nicht mit Teleskopen gefunden hat… 🙂 ) und oft Ziel einer ("Todes-")Sehnsucht von Menschen, da das der Seele nähere Gefühl der Verbindung und des Friedens und der Leichtigkeit stärker war - bis ein Abschied von oder der Verlust dieser Welt eine schmerzliche Trennung verursacht. Die Rückverbindung dahin und IN diesem Menschenkörper diese Energie umzusetzen stellt dann eine Herausforderung dar.
Weiter geht´s mit der Untersuchung! (...und da äußern manche unerfahrenen Klient*innen beim Hinlegen auf die Couch die Befürchtung, sie könnten einschlafen!…):
Meine Frage an Marie ist jetzt, woher kommt diese "Pflanze"? Wo ist sie zu Hause? Auf der Erde? Auf einem anderen Planeten?
Die Antwort kommt ohne Verzögerung:
"Die Pflanze …ich …komme nicht von einem Planeten, da ist kein PLANET", stellt sie klar.
An diesem Ort gäbe es aber noch andere, die ihr ähnlich sind. Sie ist nicht alleine dort - wo immer das ist.
"Die Erde ist da unten irgendwo, aber hier oben fühle ich mich wohler.
Aber ich musste gehen…"
Beim Lesen stutzt der Laie vielleicht: Wie kommt man auf sowas, bzw. AN sowas? Tiefenhypnose? Weg geschossenes Bewusstsein durch psychedelisch wirksame Pilze? Exzessive Weihrauchinhalation?
Nein, Quatsch. Wir haben genau das gemacht, was ich hier am Anfang beschrieben habe, nicht mehr und nicht weniger. Keine Schlafbefehle, keine Entspannungsübung, keine künstliche Atmung oder sonst eine noch so schillernde Brechstange, um irgendetwas zu öffnen, was sich gar nicht öffnen wollte.
Bei Marie hier nur anfänglich die Konzentration auf das Körperliche (hier: den Bauch) - und dann der Spur folgen, so einfach ist das. Dann kommt an die Oberfläche, was sich zeigen MÖCHTE. Das "kannst" auch Du, LeserIn.
Manchen begegnet bei diesem Vorgehen vielleicht mehreres aus der Kindheit, manche springen gleich in ein früheres Leben, manche später erst - das liegt an der Stärke des Widerstandes gegen das, was da tief drinnen auftauchen möchte.
Beschleunigung?
Kann man nicht ungeduldig aufs Gas treten und gleich zum Kern vorstoßen?
Auf (auch sanften) Druck oder gar Befehl wird (zum Glück bzw. zum Schutz) gar nichts gehen. Verständlich.
Und: Wir WOLLTEN da nicht hin (so in dem Stil: "Geh´ doch einfach mal in eine vorirdische Existenz!"). Nein, wir SOLLTEN da hin - über die Empfindungen im Bauchbereich, nicht über unser Wollen.
So jedenfalls ist Marie am zweiten Sitzungstag schon in einer vorinkarnationellen (? gibt´s das Wort? glaube nicht…), sagen wir: "vorirdischen" Existenz, gelandet, die nicht nur zeitlich vor den Inkarnationen liegt, sondern dadurch auch alle folgenden Inkarnationen mit dieser Erfahrung geprägt haben wird. Aber das sehen wir erst noch, ich nehme vorweg…
"…ich MUSSTE gehen…"
Da wird man natürlich hellhörig (dumme Formulierung, das ist man als Therapeut ja immer...).
"…da war was, da muss ich hin!"
Hm. Wir forschen weiter…
"Ich muss da hin, um was zusammenzubringen, Menschen verbinden…"
Warum gerade auf der Erde?
"Die Erde lag in meinem Sichtfeld."
Aus irgendwelchen Gründen hatte sie also von vornherein die Erde im Fokus. Und eine Aufgabe mit dieser Erde gefühlt - im wahrsten Sinne des Wortes eine Berufung.
Spannend, oder? 😉 Ja, Du siehst, neben allem Leid, das einen in die Rückführungstherapie bringt, ist sie doch immer auch eine spannende Entdeckungsreise - auch wenn sie nicht immer in solch exotische Gefilde führt wie hier. Immer auch eine "Reise zu Dir", den verlorenen Teilen oder Wurzeln, zu Deiner verschütteten Wahrheit.
Und jetzt willst Du als LeserIn hier natürlich mehr über dieses "Pflanzenleben" wissen.
Die Klientin sondiert zusammen mit mir das Terrain, um Widerstände abzubauen und Bewusstsein über das Vergangene zu schaffen. Man könnte jetzt hier als Begleiter alles Mögliche fragen, was sicher hochinteressant wäre. Auch in anderen Rückführungen: "Wie hat das genau geschmeckt, was Du da gegessen hast?", "Wie genau hast Du da in der Schmiede gearbeitet?", "Wie fühlt sich so ein Römerschwert genau an?", für Frauen im heutigen Leben: "Wie ist das Pinkeln als Mann? oder für Männer: "Wie ist es, als Mutter ein Kind zu säugen?" etc. etc.
Aber bei aller Neugier für die Historie oder andere Existenzformen sind die Fragen doch immer davon geleitet, die Klientin weiterzubringen. Sie kann dann immer nochmal selbst zu Hause innerlich dorthin gehen und weiter forschen, wenn sie mehr wissen möchte. Denn ist einmal der Widerstand aus der Situation draußen, kann sie ja auch alleine wieder hineingehen und sich mehr anschauen. Wir konzentrieren uns in den Sitzungen auf das therapeutisch Nötige, da haben wir genug zu tun.
Ich frage daher weiter nach, wie das genau war und warum sie unbedingt gehen musste.
"Es war keine plötzliche Idee. Und es war dann schwer für mich, zu gehen. Es war so, wie wenn man seine Familie zurücklässt..."
Da ist sie also, Maries "eigentliche" Familie. Die Heimat. Die Geborgenheit, Sicherheit und Verbundenheit. Und scheinbar überhaupt kein Anlass, sich schützen zu müssen.
Da "oben" zumindest.
Und "da oben" ist nicht ein fiktiver "Himmel" oder eine viel beschworene "geistige Welt" (zu diesem Unwort sage ich nichts mehr) - nein, es ist eine Erinnerung an einen ganz bestimmten Ort in einer bestimmten Zeit (auch wenn wir sie nicht bestimmen müssen).
Und diesen Ort und diese Zeit hat Marie ihrem Gefühl nach verloren. Das ist die Tragik, die deutlich wurde. Kein guter Abschied damals und damit keine gute Ankunft hier, da ein Teil von ihr noch oben blieb.
Damit hat sie sich auch von den Gefühlen der Verbundenheit getrennt und sie in dieser Phase "zurückgelassen". Schwer, es dann woanders wiederzuerlangen. Und dann, mit der Ablehnung des Neuen trifft sie dann auf die Ablehnung durch die Anderen, die Neuen, die Erdenbewohner.
Der Einstieg in eine/jede Erdinkarnation ist daher schon kompliziert und unharmonisch. Auch diese Gefühle sind nicht einfach etwas "Altes von früher", etwas "Aufgewärmtes aus früheren Leben, mit dem wir nichts zu tun haben, weil wir ja genug Probleme im heutigen Leben haben" (ein uraltes, ignorantes und falsches Argument gegen die Rückführungstherapie), sondern, wie ihre Erfahrungen ja im heutigen Leben zeigen, sehr aktuell und immer wiederholt.
Aber weiter:
Da ist eine große Zerrissenheit in ihr:
"Es ist so… wo hingehen, wo man weiß, dass es schwer wird… es war klar, dass es traurig wird:
Es ist WIE IN DEN KRIEG ZIEHEN."
Das war ihr von vornherein klar, sagt sie.
Sie weint sehr. Sie ist nochmal da, bei dem Abschied, erlebt ihn wieder. Gut. Heilsam.
Eigentlich ist sie unbewusst immer in diesem Verlust; mal mehr, mal weniger ausgelöst.
Wie kam sie in die Praxis? Schlaflos, energielos, Schmerzen…
Nicht, dass wir alles auf dieses eine "Leben" bzw. diese Phase zurückführen können, das wäre vermessen. Aber, wie schon gesagt und hier sicher deutlich wird: es sind zentrale Erlebnisse, die die Gefühle der Schwere, Trauer und Isolation, das Nicht-Mehr-Wollen begründen. Und dahinter die Vergeblichkeit und die Sehnsucht nach dem, was sie tief drinnen als Heimat kennt und der Unterschied zwischen den Welten, der einen zerreißen kann…
Das alles kennt Marie ja so gut: keinen Platz haben.
Worum geht es in diesem Krieg und wieso ist er so wichtig?
"Es geht um den Kampf; darum, dort Ruhe und Frieden hineinzubringen. [Mit "dort" ist die Erde gemeint]
Was für ein Kampf ist das?
"Es geht eigentlich um den KAMPF ZWISCHEN BORSTENVIEH UND PFLANZE!"
[bzw. den Energien, die sie repräsentieren, darf ich hier der Leserin anfügen]
PENG!, da ist es ´raus! Genau der Konflikt, der uns schon gestern, am ersten Tag, beschäftigt hat, weil er uns als Einstieg angeboten wurde (die Seele hat´s einfach drauf…) und uns heute weiter beschäftigt! Wer eine Bestätigung brauchte, dass die Seele in den Sitzungen immer von selbst das Wichtigste nach vorne bringt, dem ist hier wieder ein Beispiel gegeben.
Es ist also DER grundlegende Konflikt, DIE Kernpolarität, die sich durch Maries Leben (Plural) zieht und so ziemlich allem unterliegt, da es eine so allgemeine Polarität ist, dass man ihr schwer oder gar nicht aus dem Weg gehen kann.
Und sich nicht nur als Konflikt durch die Leben zieht (es gibt jedenfalls keinen Grund anzunehmen, warum es Leben gegeben haben soll, in denen dieser Konflikt keine Rolle gespielt haben soll. Die Erfahrungen sind ja ab dem "Abschied" in ihrer Seele, samt der Verdrängungen.). Also nicht nur der Konflikt, sondern auch als unerfüllte Aufgabe bis heute. Eine Aufgabe, die sonst weiterwirken würde, ohne dass man ihr und diesem Konflikt wüsste - nur die Symptome, problematischen "Ausläufer", Muster, Wiederholungen - so stellt es sich eben vor einer Therapie dar.
(Und mal ganz nebenbei gesagt, welche Therapieform fällt Dir noch ein, die überhaupt so etwas Zentrales aufdecken und bewusst machen kann?) (Marketingalarm)
Genau dieser innere Konflikt stellt den Sinn in Form einer Aufgabe her, die hier auf der Erde im Außen zu meistern ist. Der GRUND, überhaupt hier zu sein. Das ist, klar, nicht gerade etwas Marginales im Seelenleben und noch weniger in den Erdenleben.
Und der Hinderungsgrund, hier einen Platz zu finden. Schlechter Start durch
- erstens nur halbfreiwilligen Aufbruch,
- zweitens die Aufgabe sehr groß und die Konfrontation Pflanze-Borstenvieh sehr polar war,
- drittens die Ressourcen fehlten, mit den fremdartigen (Borstenvieh-)Energien zurecht zu kommen, auf die sie hier auf der Erde getroffen ist ("ich reiche nicht, schaffe es nicht"),
- viertens soll oder will sie genau diese ihr fremde Borstenvieh-Energie mit ihrer eigenen (und damit denen ihr ähnlichen auf der Erde, in allen Erdlingen befindliche) befrieden! Sie konnte ja selbst diese beiden Kräfte nicht in sich integrieren!
Das alles führte genau wieder zu einem Verlust bzw. Verstecken, Verleugnen des "Pflanzendaseins" und sich trotzdem gleichzeitig anders, einsam und unter den Erdlingen isoliert fühlend - die Pflanze ist ja nicht tot in ihr. Und dann immer wieder die gleichen Konfliktsituation im Außen anziehend. Diese Sehnsucht nach Schutz, die aber auch Menschen, Partner, Umfeld anzieht, die sich oft - nicht erstaunlich - als "starke", lieblose Vertreter dieser Borstenvieh-Energie entpuppen.
Was wiederum verstärkt, wegzuwollen - ob zurück oder einfach weg.
Unerträglich hier.
(Das ist auch die Antwort auf die vielleicht aufgekeimte Frage "Und was war jetzt so schlimm daran? Kein Tod auf dem Scheiterhaufen, kein Beziehungsmord, kein Blutrausch?".)
Wir gehen jetzt zurück auf den ganz aktuellen Zustand von Borstenvieh und Pflanze, hier und jetzt im Moment in Marie:
Wir nehmen Kontakt auf, rufen die Energien nochmal explizit auf und dabei sieht sie die beiden vor ihrem inneren Auge vor sich:
Das Borstenvieh ist kleiner geworden, etwas zurückgetreten und die Pflanze in Maries inneren Raum ist nach vorne getreten: "Das Borstenvieh hat seinen Dienst getan", sagt Marie, "es ist nicht mehr so feindlich und böse, blind und wütend… es hat mir auch geholfen, wenn man richtig mit ihm umgeht…" Marie weint wieder sehr. Ihre Sehnsucht nach der verlorenen Welt, wo diese Art Schutz nicht nötig war und der Schmerz über alles, was sie mit ihm und durch diese Energie in den anderen erlebt hat, ist noch groß, die ganze Einsamkeit und Hilflosigkeit und das Gefühl, ungeliebt und nicht richtig zu sein ist noch sehr präsent. Sie fängt jedoch an, sich voller Liebe für sich und Trauer über diese Zeiten davon zu verabschieden.
Das Weinen lässt nach und sie spürt schon etwas Zutrauen: "Die Pflanze kann jetzt schon überleben hier… es wird jetzt erst mal anders. Es ist Zeit für einen Stellungswechsel zwischen den beiden."
"Stellungswechsel". Ein passendes Wort dafür, dass sich hier die scheinbaren Polaritäten neu arrangieren. Denn sie waren vor den Sitzungen 1. weitgehend unbewusst, 2. haben sich gegenseitig nicht abgesprochen, 3. nicht auf eine gesunde Art (im wahrsten Sinne des Wortes) in Marie austariert: das Borstenvieh "zu stark und zerstörerisch", aber "zu starr" und unterdrückt - und die Pflanze "zu schwach für diese Welt".
Man könnte auch sagen, das Verhältnis der beiden hat einmal früh in ihrem Leben im Sinne einer Überlebensnotwendigkeit gestimmt, aber als Dauerzustand hat Marie unter dem Schutz und damit der weitgehenden Unterdrückung der Pflanzenenergie gelitten. Und auch unter der Unterdrückung des Berserkeranteils des Borstenviehs.
Chronisch ist dieser Kampf keine Lösung, er ist nur überlebenswichtiges Notfallprogramm.
Außerdem hat sie ja interessanterweise das Wilde des Borstenviehs, also das Trennende, die Wutseite, die sie von ihrer Heimat "da oben" nicht so kannte, aber dann doch hier auf der Erde in sich gespürt - die Energie, die nötig ist, um die Pflanze zu verteidigen. (Übrigens: Wenn dieser Konflikt gelöst ist, geht es nicht mehr um Kampf und Verteidigung, weil keine Bedrohung empfunden wird.)
Und dann wurde das Borstenvieh aber von ihr kontrolliert und unterdrückt, warum? Was wir bis jetzt wissen: Aus dem Gefühl der Fremdheit und Ablehnung des Irdischen, aber auch, weil sich dann so viel aufgestaut hatte, dass es drohte, zur zerstörerischen Bestie und schuldig zu werden. Und wenn sie das Vieh auch nur ein kleines Minibisschen von der Leine lässt, hat(te) sie Angst, gleich die Liebe der anderen zu verlieren. Und das in einer Umgebung, in der sie sich sowieso nie heimisch fühlte, auch noch einsamer und verlassener fühlen, ist kaum eine Option...
Also blieb wohl nur, es an die kurze Leine nehmen (mit dem "Geländer" im Bauch), brav sein, um die Liebe ringen, beschwichtigen, versuchen, sich einzureihen und die eigenen Bedürfnisse und das Gefühl, Vieles so nicht zu wollen und eigentlich gar nicht dazuzugehören, nach hinten zu drücken, und doch immer wieder zu versuchen, "dabeizusein".
Leben im Widerstand - gegen Innen, gegen Außen; gegen das "rohe, gewalttätige" Irdische und gegen das "schwache, sensible" Außerirdische. Und damit nach allen Seiten isoliert.
Mit diesem Widerstand ist aber fatalerweise, wieder Resonanz sei Dank, diese Borstenvieh-Energie in ihr so aufgeladen, dass sie in der Umwelt genau solche Menschen anzieht, die diese Energie im wahrsten Sinne des Wortes verkörpern und ausleben. Und zwar dann gegen Marie - so wie eben der Bruder im heutigen Leben und später im Leben andere Personen. Schutz und Bedrohung durch solche Menschen, die Zugriff auf diese inneren Energien haben, liegen sehr nahe beieinander.
Wehren ohne Schuldgefühle oder Angst vor Ablehnung und das SichSelbstSchützenKönnen (und es vielleicht dann auch nicht mehr brauchen) - das ist die Integration des Borstenviehs, die Viele brauchen können.
Woher genau diese Unterdrückung stammt, die Erfahrung, dass dieses Borstenvieh zuviel ist und so zerstörerisch, wäre eine sehr gute therapeutische Frage für weitere Sitzungen, um auch die Energie noch weiter anzunehmen und zu integrieren. Denn es könnte sein, dass es nicht nur so zerstörerisch ist, weil es immer wieder unterdrückt wurde (die Cholerikervariante), sondern - das wäre der "Klassiker" - irgendwann einmal so unangenehm stark gewesen, dass es danach verleugnet werden musste (in einem "Täterleben", wenn ich diesen Begriff auch sehr ungenau finde). Aber jetzt können wir uns in dieser Sitzung nicht mehr damit beschäftigen. Alles kann man oft auch in einer Doppelsitzung nicht ausräumen. Wir sind schon weit gekommen, auch wenn manches noch offen bleibt, was ja in einer weiteren Sitzung Thema sein kann. Marie und ich haben in dieser einen Sitzung heute schon fast vier Stunden intensiv gearbeitet. Jetzt ist nicht mehr viel Energie für mehr übrig, daher machen wir die Sitzung jetzt noch rund.
Das war die Situation von Marie vor der Sitzung: Rückzug, Energielosigkeit, unbewusste Selbstvorwürfe, Abwertung, Schlaflosigkeit, körperliche Symptome.
Dazu kennen wir jetzt schon wichtige Hintergründe. Sie hat die Pflanze unterdrückt, das Borstenvieh unterdrückt, sich nie hier heimisch gefühlt, daher schon lange Sehnsucht nach einem Ende des Daseins hier auf der Erde. Sehnsucht nach Schutz (der auch gefühlten Wert bedeutet) und auch in der Todessehnsucht wahrscheinlich das unbewusste Verlangen nach dem Platz, den sie hier nicht findet, weil dieser "da oben" ist, wo das (Pflanzen-)Dasein mühelos war, und das AngenommenSein gar kein Thema. Und das war natürlich auch die Zeit vor ihrer Aufgabe, die immer noch unerfüllt über ihr schwebt, aus ihrer Sicht bis jetzt da versagt, sie hat in ihren Augen nie genügt, es nicht gut genug gemacht! Und sie erfährt hier starke Ablehnung, lehnt selber ab, fühlt sich falsch, sie reicht nie. Woher sollen dann Eigenliebe und Selbstwert kommen?
Wir sind also sehr weit gekommen. Trotz anderer Therapien vorher hat sie viel Neues tief in ihr kennengelernt.
Die Aufgabe und ihre Heimat ist jetzt bewusst. Sie hat angefangen, die Emotionen anzunehmen, die mit den Polaritäten zusammenhingen, die die Widerstände gegen beide Pole darstellten. Die Übungen, die wir in den Sitzungen zum Annehmen dieser Emotionen gemacht haben, sind dabei gut und sehr wichtig gewesen.
In manchen Fällen ist es förderlich, die Übungen mit den Emotionen aus den Sitzungen zu Hause weiterzuführen. Vor allem, wenn sehr viel Widerstand eine Rolle spielte, wir noch nicht alles durcharbeiten konnten und Marie daher noch Reste im Alltag spüren sollte, kann sie dann - anhand einer Mail, die ich ihr, wie jedem Klienten, nach der Sitzung zusende - die Emotionen selbständig weiter bearbeiten. Und auch selbstverständlich jede andere unangenehme Emotion, die ihr im Alltag begegnet: Denn weniger Widerstand gegen das Leben macht uns insgesamt zentrierter, ruhiger, annehmender - uns selbst und anderen gegenüber.
Das war ja der Anlass, diesen Artikel zu schreiben, das Thema "Sinn"! Das ist natürlich wichtig. Wir kommen darauf noch einmal zurück.
Maries Aufgabe ist noch offen, die (jetzt bewusst kennengelernten) Polaritäten in der Welt zu befrieden. Als Beispiele nennt Marie ihre Ursprungsfamilie und ihre jetzige. Das ist noch nicht erledigt. Doch jetzt, mit diesem Bewusstsein kann sie sich überhaupt entscheiden: Will ich diese Aufgabe überhaupt jetzt noch? Ist sie doch zuviel oder könnte es jetzt, bewusster, klappen? Welche Aufgabe soll sie haben, wann ist sie erfüllt? Bewusstsein ist daher wichtig, denn im Laufe unseres Seelenlebens übernehmen wir uns sehr gerne mal in unseren Aufgaben. An deren Zielerreichung knüpfen wir unsere Erwartung an uns. Und wir fesseln auch unsere Eigenliebe daran, weil wir so sehr identifiziert mit der Zielerfüllung sind. Das letztere ist eigentlich das Fatalste, sonst könnten wir alles spielerischer nehmen und es würde nicht gleich zu so dramatischen Verallgemeinerungen wie "Ich genüge nicht", "Ich schaffe es nicht", "Es reicht nie aus" etc. führen.
Wenn wir uns nur in der Perfektion oder Zielerreichung, dem LeistungErfüllen lieben, "bedingungsvoll", ist es fatal.
Dann, wenn ein Malheur (d. h. traumatisches Versagen in der Aufgabe oder wie hier durch die zweifelhafte Startsituation) passiert, können wir die Aufgabe aber durch die Verdrängung des Traumatischen gar nicht mehr revidieren! Wir versenken alles so gut wie möglich im Dunkel, auch die Aufgabe selbst. Vergessen, als wäre sie nie gewesen. Doch sie arbeitet unbewusst trotzdem weiter, sie ist ja unerfüllt. Das ist sicher sogar der Normalfall: Denn das allermeiste, was wir tun, ist durch unbewusste Erfahrungen "kontaminiert": unterstützt oder blockiert.
Und Marie kann sich bzw. ich sie jetzt fragen: Kann sie sich vergeben, dass sie es bis jetzt nicht geschafft hat? Das wäre ein Schritt hin zum Ende von Schuldgefühlen, Versagensgefühlen, Selbstvorwürfen, HelfenWollen und Abhängigkeit von Liebe, dem Glaubenssatz "Ich reiche nicht aus, bin nicht genug" und damit der enttäuschten Erwartung, Hoffnungslosigkeit und Vergeblichkeit, die das alles verursacht. Also der dicken Portion Selbsthaß, die das alles begleitet und die in alles, was man tut oder möchte, ausstrahlt - Beziehungen, Beruf, Kinder, Freude, alles.
Selbstvergebung entlastet sehr, wie Du Dir vorstellen kannst. Endlich enden damit diese Selbstvorwürfe - oder zumindest beginnen sie zu heilen.
Vergebungen dürfen aber nie ein Muss sein! Das einzige Muss ist hier, dass sie echt sein müssen. Kein aufgesetztes, verstandesgesteuertes "Ist schon ok, verzeihe mir/dir/ihm, dann bin ich frei". Da höre ich als Therapeut sehr genau hin. Das, was gegebenenfalls doch nicht so recht vergeben möchte, müsste angesprochen werden. Davon ist hier bei Marie aber nichts zu spüren.
So gesehen ist Marie mit einer Aufgabe hier "herunter" gekommen und landet dann - nicht verwunderlich - genau mitten im gleichen "Themenschlamassel". Der Kampf, der im Außen tobt und uns wohl fast alle beschäftigt, ist plötzlich auch in ihr. Die Themen Identifikation, Schutz, Kontrolle, Sicherheit, Macht, Getrenntheit aber auch "einfach Sein", Ohnmacht, Verletzlichkeit, Vertrauen, Freiheit, Verbunden-/EinsSein spielen dabei eine Rolle, wie wir gesehen haben.
Genau um solche Themen geht es in der Rückführungstherapie, d.h. wenn wir unter die Oberfläche der Symptome schauen, eigentlich immer. Höchstwahrscheinlich wirst Du also, wenn Du tief genug nach innen gehst, auch über diese Themen stolpern.
Wir haben also hier gesehen, dass die Aufgabe zwar das vemeintliche "Außen" betrifft, doch derselbe Konflikt im Innen liegt. Wie kann man jedoch im Außen erfolgreich wirken, wenn im Innen derselbe Kampf tobt? (Marie wollte dies ja auch schon gar nicht mehr, so hoffnungslos war die Situation für sie, was aber nichts an dem inneren Konflikt änderte.)
Wenden wir uns alle also besser erst mal uns selbst zu, wie Marie dies mutig in diesen Sitzungen tut, dann können wir uns immer noch um die anderen kümmern - zumindest, wenn wir wollen bzw. uns dann bewusst dafür oder dagegen entscheiden können. Frei(er) von Schuldgefühlen, Ängsten vor Ablehnung, Versagen, NichtGenugSein, dem Druck, dass die anderen unbedingt anders und besser sein sollen etc etc. - das fühlt sich schon allein beim Lesen leichter an, oder? Und der innere Konflikt wird ja nie durch Arbeit am Außen befriedet, das ist Hamsterrad, irgendwann BurnOut.
Zurück in die Sitzung.
Die beiden Energien, Borstenvieh und Pflanze, sind bewusst und haben sich also schon neu formiert und "berappeln" sich jetzt. Mit Hilfe der besagten "Hausaufgaben-Übungen" kann Marie selber noch weiter daran feilen.
Zum Abschluss der Sitzung bitte ich Marie, nacheinander die Personen, die sie einmal war und die in unseren beiden Sitzungen eine Rolle gespielt haben (in ihrem Fall die 3-, 9- und die 14-jährige Marie aus dem heutigen Leben) in der Vorstellung zu sich zu bitten. Eine innere Gegenüberstellung mit sich und anderen ist eine meiner seltenen "Standards" in einer Rückführungstherapie, weil so machtvoll und versöhnend.
Dabei noch einmal in Kontakt sein und das aussprechen oder mit dem inneren Gegenüber das tun, wonach sich Marie oder ihr jüngeres Gegenüber schon so lange sehnt: GesehenWerden, Mit-Fühlen, Sprechen, Umarmen, Vergeben, Bestätigen, InsOhrFlüstern "Du bist richtig und hast alles richtig gemacht", GehaltenWerden, AngenommenWerden…
Da kann in Marie auch noch viel heilen, was mich, der Zeuge sein darf, auch sehr berührt ja, auch als Therapeut hat man des öfteren ein Tränchen in den Augen, die Klient*innen sehen es nur nicht…). In solchen Momenten der inneren Begegnung passiert so viel, was so lange unerfüllt gewartet hat.
Es kommen hier in Marie noch viele Emotionen nach oben, vor allem Trauer und tiefe Rührung. Hier findet echte Vergebung statt und ganz viel Vereinigung und Liebe zu sich selbst.
Das alles ist wichtig für die Aussöhnung mit sich selbst: sich umarmen bei allen sogenannten "Fehlern", die wir angeblich gemacht haben, dem vermeintlichen "ZuwenigSein" oder gar "FalschSein". Sich die Liebe geben, weil alles so richtig war, nicht anders sein konnte, wir immer unser Bestes getan haben. Wir haben uns in diesen Therapiesitzungen bewusst und wirklich tief vom Herzen her verstanden, wenn wir uns vergeben. Die Bedingungen, die unsere Eigenliebe hatte, fallengelassen und uns "virtuell" in den Arm genommen. Jeweils die Person, die wir damals waren: innere Kinder, Ichs aus früheren Inkarnationen...
Vereinigung, Annehmen, Integration.
In Marie ist es jetzt sehr ruhig geworden. Ein Frieden ist in sie und die Praxis eingezogen, der typisch ist für das Ende von Sitzungen am zweiten Tag. Wir haben begonnen, viel von ihren inneren erschöpfenden Kämpfen zu befrieden.
Ein guter Moment, die Sitzung zu beenden, wir haben genug gearbeitet an den zwei Tagen.
Erschöpft und erleichtert öffnet Marie die Augen und kommt wieder ganz "in die Gegenwart zurück"…
Noch ein wenig Nachbesprechung, so viel Marie das jetzt überhaupt noch braucht.
Doch Marie braucht jetzt nicht viel, weil erst einmal nicht viel mehr zu klären ist.
Und hoffentlich hat sie jetzt ein wenig den Platz "da oben", den sie verloren bzw. aufgegeben hat für ihre Aufgabe, wieder etwas zurückgewonnen. Und durch die begonnene Aufarbeitung des Abschiedes mehr hier "herunterholen" können auf die Erde, in ihr Jetzt. Denn das ist passiert: Wir haben den großen Widerstand um alles herum, was mit ihrem Platz und ihrer Aufgabe zu tun hatte, schon sehr aufgeweicht. Der Platz, der eigentlich immer in ihr ist (wir waren ja vorhin "da" und sie hat sich dadurch wieder mit ihm verbunden!), nicht nur "damals, da oben", scheinbar getrennt von ihr, wie es bisher war.
Das Alles dank der Empfindung des Druckes in Maries Bauch am Anfang der Sitzung! (Der übrigens jetzt am Ende der Sitzung nicht mehr so spürbar ist.)
Kommunikation mit dem Verdrängten und Verleugneten führt zu Annehmen, Entspannung, Befreiung, größerer Leichtigkeit und Lebensfreude
Der Faden, den uns Symptome & Probleme in die Hand legen, aufnehmen und in die Tiefe verfolgen und das dort Gefundene (Situationen, Emotionen, Glaubenssätze etc.) bewusst machen dadurch Annehmen und auflösen.
So zeigt sich hier auch, was alles buchstäblich an einem Symptom hängen kann. Genau an dem, was uns lästig ist und wir ja eigentlich loswerden möchten und dessen Sinn wir erst einmal nicht verstehen. Wenn wir aber dann der Spur folgen, offen, mutig und mit Begleitung den Weg in die Tiefe gehen, das Angebot des Körpers annehmen, wir alles bergen können! Wir stoßen immer auf unsere zentralen, wichtigen (Lebens-)Themen, die wir dann bearbeiten können.
Das muss sich in Marie sicher alles erst mal "setzen"! Das ist schon ein Hammer, so mal eben die eigene Herkunft wiederzuerleben und auch die vielen Erkenntnisse und unterschiedlichen durchlebten Emotionen!
Und Marie wird in den nächsten Tagen, in der nächsten Zeit, sehen - besser: fühlen, wie es ihr geht, was sich verändert hat und ob noch etwas offen ist, um da die Übungen anzuwenden. Wir haben getan, was wir konnten in der Zeit. Es ist sicher noch nicht alles an Problemen und Symptomen ausgeräumt. Was nicht so überraschend ist, wenn der Widerstand gegen das Leben und HierSein so groß war wie bei Marie. Etwas Unterstützung für die Übungen ein paar Tage später am Telefon noch und sie macht erst mal für sich weiter. Sie kann sich ja immer dafür entscheiden, an diese tiefe, intensive Arbeit anzuknüpfen und wiederzukommen, das weiß sie natürlich.
Wir könnten dann gut anknüpfen, das Vertrauen ist gebildet und wir könnten weiter gehen: Neues entdecken oder, wenn nötig, das Bekannte weiterbearbeiten: Sind noch Emotionen übrig, die schwer annehmbar sind, sind die Polaritäten immer noch Polaritäten, wie steht es jetzt mit der Eigenliebe, der Einsamkeit, Aggression, den Möglichkeiten, sich mit anderen zu verbinden, den körperlichen Symptomen, wie steht es mit Abschieden, der Aufgabe, dem NichtGenugFühlen?
Das wären meine anknüpfende Einstiegsfragen bei einer weiteren Sitzung. Mal sehen…
Heilung im FastFoodStil, das wollen wir alle. Schnell ´raus aus der Misere. Viele Klient*innen halten ihr Unglück unbewusst auch nach Jahren oder gar Jahrzehnten psychotherapeutischer und spiritueller Arbeit fest und sind trotzdem (oder gerade deswegen) ungeduldig. Verständlich. Doch schöner wäre, wir könnten liebevoller mit uns umgehen und uns etwas Verständnis entgegenbringen, dass da etwas sehr Tiefes, mit sehr viel Widerstand Behaftetes (Emotionen wie totale Ohnmacht, Angst oder ein immenses Schuldgefühl z.B.) dem Leiden zugrunde liegt.
Und, wie hier gesehen, wir immer mit grundlegenden Kernkonflikten zu tun haben, die unsere Freiheit und positive Widerstandslosigkeit verhindern, damit wir nicht immer wieder das Ungewollte in unser Leben ziehen.
Das ist nicht mal nebenbei erledigt, fordert schon etwas von Klient*innen, auch vielleicht über eine Sitzung hinaus, in Form von Eigenarbeit und/oder weiteren Terminen.
Weiter haben wir gesehen - und ich verallgemeinere das mal aufgrund meiner langen Erfahrung:
Nur wenn wir diese ehren und uns vor ihr verneigen, können wir ein Leben führen, das sich nicht immer in Widerstand lebt - in (oft unbewusster) permanenter Angst, in Misstrauen und dem Willen nach Kontrolle - über uns selbst oder/und andere.
Diesen Urgrund von den Erfahrungen zu befreien, die uns irgendwann Gefühle von Schwäche, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ausgeliefertheit mit etwas Negativem, Traumatischen verbinden ließen, dafür ist die Rückführungstherapie das geeignetste Mittel. Sie allein kann auch die Widerstände gegen die andere Polarität befreien, die wir ebenfalls nach Erfahrungen weg geschoben haben: die Macht und Stärke, das Erreichen im Tun in den Welten. Auch diese ist zurückzugewinnen in der Therapie.
Danach sinken diese Polaritäten geradezu in die Selbstverständlichkeit und sind gar keine mehr.
Dass da immer etwas Unverletzliches, Ewiges ist, was immer geliebt ist, können wir danach (hoffentlich) etwas besser erahnen oder gar erfahren.
Und Du bist ihr dann durch solche Arbeit in Deiner Haltung zu Dir selbst näher gekommen, weil Du wieder Teile von Dir angenommen hast, errettet aus der Unbewusstheit und Ablehnung. Mehr "Seelennähe", Leichtigkeit, Lebendigkeit, Emotionalität.
Und um noch einmal auf das Thema "Sinn" zurückzukommen: Es war auch spannend zu sehen, wie sehr diese Themen mit einer Aufgabe verknüpft waren und das Durcharbeiten davon die Aufgabe nach so langer Zeit wieder befreien kann. Auch die Verbindung von Sinn mit der Eigenliebe und auch dem inneren Konflikt in uns, um den es eigentlich geht, wurde sehr deutlich. Es gibt keine Aufgabe, aus der wir mit unserem Innenleben "draußen" sind und nur im vermeintlichen Außen etwas bewegen oder bewirken wollen.
Mach Dich auch auf!
Ich bin für Dich da.
Und bitte vergiss nicht: Das Sein braucht eigentlich gar keine Aufgabe! (s. Salatbesteck Teil 1)
Herzlichst, wie immer,
Dein
Ulf Parczyk
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Photos: Beitragsbild Sternenhimmel von Clemente Ruiz Abenza, Unsplash; Pflanzenbild (von Autor verändert) auf pixabay von InspiredImages, pixabay: pixabay.com/de/l%C3%B6wenzahn-tau-natur-blume-pflanze-843587/ , CC0;
Sinn finden. Das ist ein zentrales Motiv des Menschen und auch Du hast Dich sicher mindestens einmal gefragt, ob "das alles hier" Sinn macht und wenn ja, welchen es wohl hat: das "Große Ganze", wie auch persönlich Dein eigenes Leben, Deine tägliche Arbeit oder sogar das morgendliche Aufstehen. Bei vielen Klient*innen meiner Praxis ist dies oft ein zentrales Thema, da Rückführungstherapie durch ihren seelischen, mehrere-leben-übergreifenden Charakter unter anderem auch dafür prädestiniert ist.
Nicht nur "wir Laien", auch Generationen von Philosophen haben diese Frage natürlich in ihren Stuben gewälzt, sie bewegt ja (fast) alle, bewusst oder unbewusst:
Hat Leben, hat Leiden einen Sinn? Wenn ja, ist dieser vorgegeben oder nicht?
Wenn ein Aspekt in diesem Universum sinnlos wäre, z.B. das Leiden, kann dann der Rest einen Sinn haben?
Kann eine Einzelne überhaupt etwas bewegen in der Welt, geht es um Effektivität des Tuns (Stichwort Sisyphos)?
Geht es überhaupt ums Tun, geht es darum, einen Nutzen für die Gemeinschaft zu haben, zu dienen? Oder um reines Glück für mich?
Geburt, Leben, Tod, Zwischenphase, Geburt, Leben, Tod, Zwischenphase, Wiedergeburt… was soll das eigentlich, ist das ein System ohne Ende - und wofür überhaupt?
Welche Stellung habe ich in dem Ganzen, welche Bedeutung habe ich und was ich tue?
Auch die Psychologie/Psychotherapie kümmerten sich um das Thema. Allen voran die Logotherapie, die "Sinn" schon im Titel trägt. Erschaffen von Viktor Frankl, dessen eigenes Schicksal und seine Erfahrungen im Konzentrationslager und die seiner Mithäftlinge seine Psychotherapie geprägt haben. Er fand, dass diejenigen, die nicht aufgegeben und überlebt haben, die waren, die einen Sinn über die Zeit im KZ hinaus in sich fanden.
Im Persönlichen bildet sich der Sinn auch in dem Thema Beruf und vor allem "Berufung" ab: Das Empfinden, mein Tun folge einem höheren Ruf und gibt dem Beruf - und oft damit dem ganzen Leben - einen übergeordneten Sinn. Es fragt sich da: Muss ich meine Berufung erst finden und wenn ja, wie? Unzufriedenheit mit einer Arbeit, die "uns nichts bringt", aber auch eine Arbeit, die unserer Meinung nach auch anderen nichts bringt (das sind zwei Aspekte - sind sie das wirklich?) kann zu einer Krise führen, die sich als emotionale Lage schnell ausweiten kann in ein energieloses Funktionieren, weil "man ja das Geld braucht". Meist ist das nicht ohne Verluste an Energie und/oder dem Erwerb von Krankheiten bis zum Ende der Erwerbstätigkeit durchzuhalten.
Im spirituellen Bereich sprechen wir in diesem Zusammenhang auch oft von "Aufgabe", die nicht unbedingt im beruflichen Sektor liegen muss, und unserem Leben auch Sinn geben kann. Eine einmal angenommene oder sich selbst gegebene Aufgabe, die nicht erfüllt worden ist, kann ähnlich dauerhaft über Leben hinaus wirken wie ein Versprechen oder Gelöbnis und kann damit auch für das heutige Leben sehr bindend sein, ist oft unbewusst und kann sich daher sehr unfrei anfühlen. Davon später aber mehr.
Es geht also oft beim Thema "Sinn" nicht nur um das Arbeitsleben, sondern überhaupt um unser gesamtes Leben:
In gedrückten Stimmungen bis hin zu depressiven Phasen spielen Gefühle von Sinnlosigkeit, die die emotionale Komponente von einem scheinbaren Fehlen von Sinn darstellen, meist eine große Rolle; in der Entscheidung zum Selbstmord vielleicht am stärksten: "Es hat alles keinen Sinn (mehr)", zusammen mit einer düsteren Zukunftsprognose, die man Hoffnungslosigkeit nennen kann - diese dunkle Zweiheit kann sich als üble Sackgasse für ein Leben darstellen und manche sehen eine Lösung darin, den Körper sterben zu lassen, um nur aus dieser Situation heraus zu kommen. (Mit einem Konzept von Wiedergeburt ist das sicherlich eine fragwürdige Lösung, begleiten uns unsere ungelösten Probleme doch weiter. Ein "Ausruhen" in der Zwischenphase jedoch kann es zumindest bringen, viel mehr aber auch nicht. Übrigens auch nicht die Verdammnis, die manche noch vermuten.)
- Es geht also scheinbar ums Ganze bei dieser Frage.
Dieser Satz ist wörtlich gemeint. Das sehen wir später noch besser.
oder: Was ist "Sinn"?
Es gibt ja interessanterweise mehrere Bedeutungen des Wortes Sinn. Sehen wir sie uns an:
Die meisten beziehen sich im engeren Sinne auf das, was wir hier untersuchen:
Mit Sinn geben wir irgendetwas im Universum (Ereignissen, Erfahrungen, Sachen…) eine Bedeutung:
ein Ding wie ein Salatbesteck wird z.B. sinnvoll, weil wir es (be-)nutzen können. Sinn ergibt sich also aus Zusammenhängen, die wir ziehen:
Salat + Besteck, mit dem Salat vermischt und aufgetan werden kann => Salat, servierfertig.
Sinn entsteht also erst aus Beziehungen zwischen einzelnen Teilen. Damit wird etwas erst wirklich verständlich und sinnvoll im dafür vorgesehenen Sinn, d.h. hier Gebrauch. Ohne Salat kann Salatbesteck schön sein, bewundert werden, aber erfüllt sonst keinen Sinn, ist nutzlos.
Wir können natürlich Salatbesteck auch für das Umrühren einer Suppe oder das Ausgraben von Unkraut verwenden, aber das wäre ein suboptimaler Einsatz, da es dafür andere, von findigen Menschen erfundene Spezialwerkzeuge gibt: Es wäre eine "Zweckentfremdung".
Auch wenn nur die Stiele übrig sind, das alte Besteck kaputt ist, kann es zumindest den vorgesehenen Zweck nicht mehr erfüllen und wir werfen es weg oder benutzen es z.B. als Ständer für Fingerpuppen (so ein Un-Sinn, keine Ahnung, wie ich gerade darauf komme).
Ein prägnantes und der Therapie näheres Beispiel für das Erkennen von Bedeutung und Sinn wäre:
"Weil ich damals Krebs hatte, habe ich überhaupt Spiritualität kennengelernt".
Die Erfahrung einer Krankheit führte hier zu einer Suche nach einer Lösung, die im Spirituellen lag und bekam damit einen Sinn.
Für Viele beginnt über den Wunsch und die Suche nach Heilung auch eine Suche nach Hintergründen für Krankheiten, Mustern oder Ereignissen. Und dies nicht selten gerade motiviert durch die Suche nach einem Sinn, nach einer Ursache: "Warum ich?" oder auch "Warum passiert mir das jetzt?"
Es ist schwer für uns, etwas als sinnlos zu begreifen. In Zeiten von Verlust, Vergeblichkeit, Hoffnungslosigkeit kommt bei den meisten von uns die Sinnfrage auf. Wir sind dann Meister darin, gerade unangenehmen Umständen einen Sinn zu unterstellen und suchen vor allem dann danach (s. mein Blogartikel über das Verstehen-Wollen), um diese Spannung zu lösen und damit Unglück in einen positiven Zusammenhang stellen zu können - ein "Reframing" (einen neuen Rahmen geben), wie es die Psychologie nennt. Ein Vorgang, der uns das Schicksal scheinbar erträglicher macht - oder machen soll.
Wenn etwas Sinn macht, der ja definitionsgemäß über den einzelnen Teil oder Lebensausschnitt hinausgeht, den wir gerade erleben oder erlebt haben, erleichtert uns das: das Üble hat zumindest einen Nutzen. ("Es macht Sinn" steht ja neudeutsch auch für "Es ist verständlich", ich kann es in das, was ich weiß, einreihen, in Beziehung setzen. Damit scheint es kontrollierbarer zu werden.)
Oft spielt die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung eine Rolle. Durch diese Beziehung, diesen Zusammenhang, wird uns etwas sinnvoll und verständlich: "Ah ja, weil ich damals abc ist heute xyz." Dieses Erkennen von Zusammenhängen findet natürlich auch immer in der Rückführungstherapie statt, auf die wir noch näher eingehen.
Wichtig ist, festzustellen, dass das alles Konstrukte sind, die Zusammenhänge herstellen, an die wir dann glauben, keine ultimative Realität. (Was ja auch eine bestimmte Freiheit gibt, durch die Möglichkeit des Austausches, der Veränderlichkeit. Welchen Sinn ich z. B. einer Sache als Jugendlichem zuschrieb, verändert sich über die Jahre möglicherweise.
Eine andere Bedeutung des Wortes "Sinn" bezieht sich auf den Bereich der Wahrnehmung: wir haben klassischerweise fünf (bis sieben 🙂 ) Sinne, vermittelt durch die Sinnesorgane, die die Welt erfassen.
Wir können die Wortbedeutung von "Sinn" vielleicht für unsere Zwecke für eine bessere Erinnerung reduzieren auf das Wortpaar "sinn-voll" und "sinn-lich".
Wir schauen uns das Thema genau unter diesen beiden Aspekten an.
Über diese "Doppeldeutigkeit" des Wortes kann man sinnieren, ebenso über die Wortherkunft von "Sinn", nämlich "streben, begehren, reisen, sich begeben" (Quelle siehe hier).
Wir kommen auch darauf zurück und dann macht auch das Sinn. 🙂
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Jetzt untersuchen wir das näher, wie immer hier im Blog.
Hinter dem Bedürfnis nach Sinn (setze ruhig "Berufung" ein, wenn es gerade passender für Dich ist) steht zuerst ein Mangel, hier: ein Mangel an Sinn, Verständnis, Lebensfreude, Platz in der Welt, Verbindung.
Irgendetwas ist nicht richtig in meinem Leben, ich bin nicht am richtigen Ort oder tue nicht das Richtige, habe meine Tätigkeit in der Welt nicht gefunden - oder im extremen Allgemeinen: mein Leben ist hohl und leer, ich bin haltlos umhertreibend, nichts ist erfüllend, ich kann keine Verbindung spüren - nicht zu mir und nicht zu anderen, alles ist sinnlos.
Dann ist kein Sinn für uns wahrnehmbar, etwas fehlt scheinbar, was das Leben lebenswert macht. Der (sinnvolle oder gänzliche) Zusammenhang, das Empfinden der Verbindung fehlt: zwischen mir und anderen Menschen oder zwischen mir und dem, was ich tue oder erlebe. Es bleibt ein seelen- und herzloses Funktionieren in Rollen, die uns nicht passen.
Dieser Mangel kann mich dann motivieren, mich woanders hin zu begeben (s. Wortherkunft von "Sinn"), etwas anderes anzustreben oder zu begehren: Aus dem Mangel in eine zufriedenstellendere, erfüllendere Zukunft. Oder eine andere Interpretation des Geschehens zu finden, die sich erfüllender anfühlt:
"Für etwas Bestimmtes/meine Entwicklung/meinen Erfahrungsschatz wird es gut sein." ist hier ein Klassiker. Damit ist das, was passiert, positiv gedeutet und lässt uns, wie schon gesagt, Vieles ertragen (die gedankliche Einordnung von KZ-Erfahrungen, von denen Viktor Frankl schrieb, ist solch ein Extrembeispiel... In der spirituellen Szene wird oft behauptet, man hätte sich alles "ausgesucht", was dem Ganzen auch Sinn gibt - darauf bin ich an anderer Stelle im Blog schon eingegangen).
Wir können daher sagen, Sinnfindung findet meist aus einem Widerstand, einem Nicht-Annehmen von Umständen, Vorfällen, Vorgängen statt. Etwas kann nicht alleine für sich stehen, es muss dann geradezu in andere oder überhaupt einen Zusammenhang gestellt werden, damit ein "Sinn", etwas "Positives" und damit eine Entspannung entstehen kann.
So zentral es für uns Menschen eben ist, spielt das Thema Sinn natürlich auch in der Rückführungstherapie eine Rolle. Zuerst einmal in Form des Gefühls der Sinnlosigkeit als Motiv, überhaupt eine Therapie aufzusuchen und spirituelle Antworten bekommen zu wollen. Den eigenen Platz nicht einzunehmen, vielleicht nicht einmal zu kennen, aber das Gefühl, der jetzige sei auf jeden Fall der falsche.
Auch, etwas spezifischer, die eigene Berufung nicht gefunden zu haben oder (noch) nicht ausüben zu können wegen möglicher Blockaden, ist ein häufiges Einstiegsthema. Gefühlte (oft gar nicht genau zu benennende) Hemmungen oder Blockaden, die verhindern, im gewünschten Beruf weiterzukommen.
Indirekt bzw. auf übergeordneter Ebene bewirken Rückführungen, dass wir uns und andere besser verstehen, weil wir die Ursachen für gegenwärtige Probleme mit uns selbst, in Beziehungen, oder auch von Krankheiten kennen. Wir stellen das heutige Leben in einen Kontext und Gründe für unselige Muster werden uns klar und wir können die Ursachen und mit diesen Ursachen die Emotionen, die damit verbunden sind, besser loslassen. Ich komme dadurch "mehr zu mir", meinem Zentrum (das m.E. der eigentliche Platz ist, den wir uns wünschen, nicht ein äußerer).
Diese Wirkungen der Therapie sind jetzt hier sehr kurz gesagt, aber dennoch ziemlich positiv im Erleben 😉 ...und haben auch Auswirkungen auf das Gefühl der Sinnlosigkeit. Aus der Erfahrung mit den Sitzungen und ihren Effekten kann ich schließen:
Leben kann sich nicht sinnlos anfühlen, wenn Du mit dem Leben wirklich verbunden bist
(was gerade nicht heißt, dass diese Verbindung immer nur mit angenehmen Gefühlen verbunden ist - eben der ganze Regenbogen gehört zum Leben / ist das Leben, wie ich immer sage).
Und Sinn heißt ja, ein bestimmtes Teil einordnen, in einen Zusammenhang zu stellen. Das findet in oder nach Rückführungstherapiesitzungen selbstverständlich dauernd statt. Das Verständnis und Finden von Ursachen ist ja, wie erwähnt, auch mit einem Gefühl von Sinnhaftigkeit verbunden. Daher gehen Klient*innen viele "Kronleuchter" auf, wenn klar wird, warum da eine Panik ist, die vorher gar nicht begründbar war, woher die Kopfschmerzen kommen, oder woher eine Anziehung durch ein bestimmtes Land kommt, ein Interesse für Textilien etc. etc. Die Therapie deckt diese Zusammenhänge in einer Weise auf, die Therapien, die lediglich im heutigen Leben arbeiten, nie vermögen werden, weil in den allermeisten Fällen keine Ursachen von Problemen im heutigen Leben zu finden sind (nicht einmal so etwas "Einfaches" wie eine Phobie kann die herkömmliche Psychologie erklären.)
Klar wird der obige Satz, wenn wir uns die andere Seite ansehen, das Gefühl des Fehlens von Sinn, Sinnlosigkeit. Es ist ein Gefühl, abgeschnitten, unverbunden zu sein, auf der dunklen Seite des Mondes, außerhalb der Liebe, in Eiseskälte - also von allem scheinbar abgetrennt. Oft gepaart mit dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit, dass dieser Zustand auch nie enden wird, bilden diese Gefühle vielleicht die größten Widerstände gegen das Leben ab, daher spielen sie in der Motivation zum Selbstmord eine große Rolle.
Lebendigkeit fragt nicht nach Sinn.
Du weißt ja wahrscheinlich als fleißige/r Leser/in schon, worauf die Rückführungstherapie basiert (wenn nicht, bitte lies unbedingt das kostenlose E-Book hierüber). Es geht seeeehr kurz gesagt darum, dass wir von vergangenen traumatischen (Ohnmachts- oder Schuld-)Situationen in der Gegenwart an unserer Entfaltung im Heute gehindert werden.
Wenn wir in einem früheren Leben in der Ausübung eines Berufes gestoppt wurden (d.h. z.B. ermordet wurden oder durch unser Schuldgefühl, wenn wir etwas in unseren Augen Schlimmes in unserer Tätigkeit angerichtet haben), bleibt in dem entsprechenden Leben verständlicherweise noch einiges offen. Wir haben unsere Tätigkeit ja nicht freiwillig beendet und hätten sie vielleicht gerne noch weitergeführt oder uns bei denen, die wir geschädigt haben - im Falle von Schuldgefühlen - gerne entschuldigt.
Wir hängen so zwischen ErfüllenWollen und VermeidenWollen - ein klassischer (Annäherungs-Vermeidungs-)Konflikt.
Demgemäß führen unabgeschlossene Handlungen und Ziele in der Vergangenheit, meistens in früheren Leben, zu einer Spannung, die zum Abschließen drängt. Für uns ist noch etwas offen. Es zieht uns an, es abzuschließen oder weiterzuführen, doch gleichzeitig schreckt es ab, das Interesse, die Tätigkeit oder das Potential wieder aufzunehmen (zumindest, wenn es Probleme im heutigen Leben damit gibt), weil das Schicksal damals traumatisierend war.
Leider ist uns das Ganze aber gar nicht mehr bewusst, da es traumatisch war! Also wirkt dieser Konflikt im Unbewussten und wir wissen gar nicht, warum wir nicht am richtigen Platz sind oder Blockaden haben, unsere Berufung zu leben (Vermeidung). Da bleibt m.E. nur die Rückführungstherapie, damit wir uns die Hintergründe überhaupt bewusst machen können, durch Annehmen loslassen und uns dadurch von den Hemmungen befreien und unseren Potentialen ohne blockierende, nicht-integrierte Erfahrungen folgen können.
Berufung führt m.E. die meisten unserer vorher noch verstreuten Potentiale zusammen, sie macht unsere verschiedensten Fähigkeiten eben sinnvoll, d.h. können wir sie in einem erfüllenden Zusammenhang erleben und nutzen. Oft kommt es uns dann vor, dass wir erst jetzt doch gebrauchen können, was wir uns vorher in einer als überflüssig angesehenen Tätigkeit angeeignet haben. Plötzlich brauchen wir sie, die am Telefon in einem ungeliebten Aushilfsjob in einem Call-Center geschulte Stimme und Kontaktfähigkeit mit Fremden dann in unserer Selbständigkeit, oder der Umgang mit vielleicht verhassten Computern und Textverarbeitung in einem furchtbaren Bürojob später im Traumberuf, etc. Klar, haben wir damit zuerst "nur" Geld verdient, darüber hinaus hat sich die Tätigkeit aber sinnlos angefühlt. Das ist dann später in unserem "Berufungs-Beruf" anders, die vorherige Tätigkeit wird eingebunden und in einen anderen, erfüllenderen Zusammenhang gestellt.
Sinn ergibt sich eben meist erst im Nachhinein... 😉
, da es ja eine gedankliche Interpretation von etwas Geschehenem ist.
Das Gefühl von Sinn und Bedeutung und Erfüllung sind dann die emotionalen und gedanklichen "Nebenwirkungen" der Berufung. Wir können uns in die Welt effektiv mit unserer Energie einbringen - und sind dann interessanterweise auch sicher "nützlicher" für die Gemeinschaft als in einer Position, die vielleicht sicher, im äußeren Sinne "erfolgreich" ist, vielleicht sogar sozial, aber nicht der richtige Platz für uns war (burnout-trächtig, klar).
Viele sprechen in diesem Zusammenhang von "eine Aufgabe haben". Auch das ist ein hochinteressanter Ausdruck und taucht oft auch in Rückführungssitzungen als Motiv auf. Wer hat uns die Aufgabe gegeben, wollten wir sie, warum habe ich sie, will ich sie weiter verfolgen? sind dann wichtige Fragen, wenn eine Aufgabe von früher uns bewusst wird, um jetzt frei und bewusst entscheiden zu können. Sind wir in der Aufgabe gescheitert (dann heute schnell ein "Ich schaff es nicht"), wurden wir abgehalten, war sie zu groß, haben wir etwas nicht berücksichtigt? - sind weitere spannende Fragen, wenn wir in Rückführungstherapien darauf stoßen. Was nicht selten ist, da unabgeschlossene Aufgaben eben bis zu ihrer Erfüllung oder freiwilligen Niederlegung geduldig auch unbewusst weiterwirken.
Denn vielleicht waren wir im heutigen Leben früher "nur" korrumpiert durch Anerkennung (der Eltern, der Gesellschaft, des Umfelds), durch das Gefühl von scheinbarer Sicherheit und durch das Bedürfnis nach wirtschaftlichem "Überleben", im besten Falle nur durch Luxus. Und wir haben dadurch einen Weg eingeschlagen, der irgendwann nicht mehr passt und bei dem wir Mut brauchen, ihn zu verlassen (oder die Energie ausbleibt oder der Körper "versagt", d.h. zeigt, dass es so nicht weiter gehen kann). Denn die Angst vor Verlust von Liebe, die Angst vor Einsamkeit, Isolation, AusgegrenztWerden und daher ein LieberDazuGehören und im gesellschaftlichen Sinne ErfolgreichSein, führen oft zu Berufswahlen, die sich zumindest später im Leben oft als nicht ganz frei und selbst gewählt anfühlen - wir fühlen uns dann vielleicht wie oben das Salatbesteck beim Umgraben "zweckentfremdet"… "Das bin gar nicht ich". Solch eine Situation erfüllt uns nicht gerade mit Sinn.
Dann, beim Entdecken der eigenen Stärke, dem Konfrontieren von diesen Ängsten, können wir in unsere Bahnen kommen, dem ureigenen Strom folgen. Und oft erst dann kommen vielleicht auch vorher versteckte, "unpopuläre" Potentiale wie HeilenKönnen, "übersinnliche" Wahrnehmungen wie Hellfühlen, Hellsehen etc. oder künstlerische Gaben durch, die vorher im "Funktionieren" als unbeliebt und störend angesehen und weggedrückt wurden.
So kann man auch sagen, dass jede Befreiung von alten Blockaden und Einschränkungen durch die Vergangenheit, gleich welchen Themas, uns immer auch unserem Sinn näherbringt, weil sie uns mehr in unseren "Flow des Lebens" kommen läßt. Und da die Evolution Dich hervorgebracht hat, wird es auch einen Platz für Dich geben, ohne Ziehen und Zerren am Schicksal. Einfach so.
Im Mühelosen liegt die Kraft.
🙂
Generelle Gefühle von Sinnlosigkeit können, wie gesagt, Teil eines ganzen Themenkomplexes sein. Aufgabe des Erstgesprächs ist u.a. sich da zusammen klarer zu werden, wie dieses Gefühl in die gegenwärtige Situation einzuordnen ist. Ist es das "Hauptgefühl", steckt noch etwas anderes dahinter, in welchem Lebensbereich ist dieses Gefühl existent, wann fing es an, etc.?
Was noch "hinter dieser Sinnlosigkeit stecken" könnte, wären u.a.: Gefühle von fehlender Effizienz, Hilflosigkeit, Ohnmacht, die dazu führen, nichts mehr anpacken und erfolgreich (in jedem möglichen Sinne gemeint, nicht nur im wirtschaftlichen oder beruflichen) sein zu können, die eigenen Potentiale nicht mehr in die Welt bringen zu können, Hoffnungslosigkeit, Verluste von Lieben. Das wären dann sicherlich auch mögliche Ansatzpunkte für die Therapie, nicht unbedingt "direkt" der fehlende Sinn. Aber das würden wir vor der Therapie gemeinsam untersuchen und zusammen einschätzen.
Natürlich können wir auch ganz direkt anpeilen, woher Gefühle von Sinnlosigkeit kommen.
Dieses Gefühl kann aufgeladen sein durch eine Auslösung (ähnlich eines flash backs) einer Erinnerung, wo wir das Gefühl schon einmal hatten, z.B. während eines Todes, in dem wir dieses Gefühl von "es hat alles keinen Sinn gehabt" als letzten Eindruck dieses früheren Lebens hatten und dann mit diesem Gefühl schon in das heutige Leben wieder gestartet sind. Kein leckeres Eigenvermächtnis, das wir da dann antreten...
Das durchzuarbeiten wäre dann natürlich unsere Aufgabe.
Das Gefühl von Sinnlosigkeit kann auch durch eine fremde Energie verstärkt sein, die dasselbe Gefühl in Dein Energiesystem mitgebracht hat. Auch Fremdenergien werden am Beginn einer Rückführungstherapie im sog. Clearing untersucht (auf Fremdenergien gehe ich aber in einigen anderen Blogartikeln und hier ein).
Bei Einigen, die von Aufgabe und Berufung sprechen, nehme ich wahr (abgesehen davon, dass es sich für mich persönlich oft so anstrengend und bemüht anhört):
Der Ego-Kamm schwillt dabei gehörig an. Es ist toll für das Gefühl von Bedeutung, eine Berufung zu haben, eine Aufgabe, das klingt so schön groß. Wer ist schon einfach ein simples Salatbesteck? Nein, schillern muss es, es müssen große Salatblätter bewegt werden. Keine Kresse, Riesenkopfsalat.
Nichts gegen Ego, aber das alles bringt 1. nur eine weitere, sich "besser" anfühlende Identifikation mit sich, die wieder Druck, Gewinnen und Scheitern beinhalten und damit neue Programmierungen schaffen kann, 2. die eigene Entwicklung, wie beschrieben, eher hemmt als fördert, wenn und weil Widerstände im Spiel sind, und 3. vom Effekt her wahrscheinlich etwas weniger "bringt", als man denkt, was sich aus Folgendem ergibt:
Hinter der Großen Ecke lauert - irgendwie logisch - die Wichtigkeit, die Wichtige Aufgabe der Weltrettung. Alles Kleine, Hilflose, Leidende, Unbewusste, Unspirituelle im Universum muss gerettet oder mindestens verbessert werden (und das nicht nur im Beruflichen, für manche ist schon der Partner eine Aufgabe!).
Die Erde bzw. ihre Bewohner, müssen renoviert werden; ganz klar braucht fast jeder hier eine spirituelle Aufmöbelung! (nicht meine Meinung, nur zitiert!)
Denn liebevoller, spiritueller, lichtvoller - einfach eben anders muss sie werden, die Welt. M-I-T-L-E-I-D ist auf den Salatbesteckteilen eingraviert (wer es besser weiß, benennt es um in "Mitgefühl", das ist zwar etwas anderes als Mitleid, klingt aber besser).
Daraus ergibt sich schon der Sinn, nämlich das Abstellen von dem, was Mitleid hervorruft:
"Meine dunklen, "bösen" Anteile sind schlecht, also auch die in der Welt. Meine Hilflosigkeit und Ohnmacht fühlen sich schlecht an, also soll sich auch kein anderer so fühlen. …Und dabei ist es einfacher, das alles im Außen anzugehen, da kann ich mich selbst in Ruhe lassen."
Schuldgefühle sind - nicht verwunderlich - oft die "andere Seite" bzw. der Motivator für das Helfen. Man vergisst schließlich täglich eher noch das Innere Kind (oder einen anderen Anteil aus der sog. Vergangenheit), das leidet und eigentlich Zuwendung bräuchte, um dann lieber "die Welt zu retten", stellt damit jede(n) "da draußen in der armen Welt" über das eigene innere Hilflose, Leidende. Die so gefühlte Schuld trägt sich so sicher nicht ab, vergrößert sich nach innen noch.
Vieles vom Helfen ist also energetisch mindestens fragwürdig, sowohl für die persönliche Entwicklung als auch vom Effekt her:
Denn alles, was aus Widerstand gegen Emotionen (Hilflosigkeit und Leid z.B.) passiert, verstärkt das, wogegen es rebelliert, gegen das, was es nicht haben will. Denn Widerstand gegen einen inneren Zustand (der äußere ist ja nur der Auslöser für die inneren Gefühle) kreiert ihn weiterhin (das habe ich in den meisten Blogartikeln genügend ausgearbeitet, glaube ich 🙂 )
what you resist, persists ("dasjenige, dem Du widerstehst, bleibt bei Dir") - habe ich auch irgendwann schon mal zitiert, ist aber eben ein wahrer Spruch, den man nicht oft genug wiederholen kann.
Was Helfen (in jeglicher Schattierung) aus Widerstand bewirkt, kann man sich dann an zwei Salatbestecken abzählen.
Eine "Aufgabe", die für Viele sinnstiftend ist, bekommt durch den Widerstand einen gewissen persönlichen Druck und hat dann das Ziel, diesen Zustand im Innen und Außen zu verändern. Daher bekommt es oft etwas Kriegerisches, schon in der Sprache: "Krieger des Lichts", "Kampf gegen die Dunkelheit - oder gegen das ˋElend in der Welt´, für Heilung, für die Schwachen etc."
Denn Viele haben immer noch die Hoffnung, dass sich durch Kampf gegen Inneres und/oder Äußeres sich irgendetwas zum Besseren ändern wird. Nope. Energetisch schon nicht möglich. Gebt ihn auf und befasst Euch anders und wirklich mit Euch, wenn Ihr weiterkommen wollt - das ist mein Vorschlag.
Solche Widerstände in sich selbst abzubauen, statt im Außen immer dieselben Kämpfe auszutragen, ist genau Sinn von Therapie, klar. Ob und wie man danach noch helfen möchte, ist dann offen. Jedenfalls nicht mehr aus dem Druck und Zwang des persönlichen Widerstands gegen das eigene Innere heraus. Und damit viel effektiver und nicht den "unerwünschten Pol" verstärkend.
Nicht nur basieren Berufung und Sinnsuche auf gefühltem Mangel (der immer ein Mangel an Liebe "von außen" ist, wie ich in anderen Artikeln schon ausführte), wir projizieren den Mangel auch noch nach außen (wie sollte es auch anders sein?).
"Die Welt ist verbesserungswürdig, es ist etwas nicht in Ordnung mit ihr. Das ist meine Aufgabe, hier einen Beitrag zu leisten. Genauso wie ich mich immer noch verändern muss, damit alles gut wird. Eigentlich ist nämlich nichts wirklich in Ordnung.
Kurz: Also eigentlich muss sich alles verändern - und das immer (zumindest bis zu einem imaginierten, aber nie zu erreichenden Zustand in der Zukunft, die ja auch wieder nur konstruiert ist)."
Da ist es wieder, das altbekannte Hamsterrad. Bin ich da angekommen, wo ich wollte, ist immer noch nicht alles in Ordnung. Wie auch? Der Mangel ist ja einprogrammiert.
Und die Programmierung ist "Es ist (und ich bin) nicht gut genug, falsch, nicht ausreichend. Und es wird nie reichen."
So stimmt dann der Satz fatalerweise:
Irgendwas ist immer (und wird immer sein).
Welch ein Feld für Aufgaben, Verändern, Machen, Sinnfindung!
Hm. Bilde Dir über den Sinn dieser komplizierten Struktur selbst eine Meinung.
Wo ist da die Leichtigkeit des Seins? Denn es hört sich hier so an, lieber Ulf, als wären Sinn und Aufgabe was Schlimmes!?
Klar kann man Aufgabe und Berufung auch sportlich sehen, das wäre dann …die Aufgabe! 🙂 🙂
Schlimm ist nichts, doch wenn Sinn und Aufgabe sportlich gesehen würden, wäre alles etwas entspannter und karmafreier. Meist ist Sinn aber, wie schon ausgeführt, belastet durch persönliche Widerstände und Bedürfnisse, die einen ziemlichen Druck aufbauen. Nicht verwunderlich, gerät Aufgabe daher oft zur Selbst-Aufgabe (Stichworte "Krieg gegen..."; "Ich muss..."; workaholic; BurnOut; Aufgabe zu groß oder nicht mehr die richtige; hohe Ansprüche bis hin zu Perfektionismus; unbedingt etwas erreichen müssen, sonst droht Versagen; Verlust der (Eigen-)Liebe, drohende Verdammnis etc etc.).
Sportlich wird es erst, wenn die überstarke Identifikation mit Sinn und Aufgabe reduziert wird, z.B. eben durch die Rückführungstherapie, die die (kindlichen) Projektionen von Glück und Erfolg und Liebe zurücknehmen hilft, die traumatischen Erinnerungen an Aufgaben und Scheitern entschärft.
Es geht ums Ganze, wie schon gesagt.
Denn das noch tiefere Thema ist eigentlich: Wie gestalten wir unser Sein?
Brauchen wir dafür unbedingt Konzepte, Gedankenkonstrukte wie den angeblich zu findenden "Sinn", um unseren Widerstand gegen Erleben zu pflegen und die Distanz zum Leben eher zu vergrößern?
...Konzepte, die das Konstrukt "Vergangenheit" "erklären" wollen oder Bedeutung in das Konstrukt "Zukunft" projizieren? Gibt es nicht einen "Sinn" JETZT?
Wenn Sinn immer schon da wäre, wir ihn weder wahrnehmen, noch kennen, noch als richtig oder falsch identifizieren müssen?
Auch wenn es Dir gerade weit entfernt vorkommt, nur mal wirken lassen, als Möglichkeit:
Wenn es überhaupt keinen Mangel gäbe, keine Konstruktionen von Sinn, Berufung und Aufgabe nötig wären - und alles wäre JETZT gut (Dich sogar eingeschlossen!)? Genau DAS HIER JETZT der Sinn, nicht größer, nicht kleiner, nicht morgen oder gestern.
Was übersetzt heißt: (Eigen-)Liebe und annehmen total.
Was wiederum bedeutet: Widerstand minimal bis NULL, NADA, NIENTE?
(Erinnere Dich: Die andere Wortbedeutung von "Sinn" ist Wahrnehmung, ohne Gedanken und Bewerten...)
Wie wäre das?
Kein Erreichen-, Verändern-, Vorwerfen-, Schuldigfühlen-, Retten-Müssen?
WOW
Oh, wie schrecklich (vielleicht auch tiefer und einfacher) muss das sein!?!
Tun als Spielen, nicht als Bürde, Schwere, Aufgabe?
Beide Bedeutungen des Wortes "Sinn" abdecken: Sinn-voll und Sinn-lich.
Aber: Wer will das schon?
😀
…und es wäre sicher immer noch etwas zu tun, es würde einfach getan, ohne Brimborium = Gedankengebäude drumherum.
Der einzige Sinn wäre dann einfach: Leben!
(Damit ist dann auch die Etikettierung und nachträgliche und gedankliche Interpretation als "Sinn" sinnlos: Leben wird so sinn-lich und damit schon sinn-voll genug.)
Einfach Salatbesteck sein, vorher noch das Label "Salatbesteck" ablegen (auch nur ein Konzept, ein Name, eine Zuweisung, die einschränkt wie jeder Name - auch Deiner übrigens) - und einfach sein! (...schließt ja nicht aus, wenn es Freude bereitet, auch mal als "Salatbesteck" zu fungieren!)
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Ein sinnvoller Abschluss wäre ein solcher:
Ich hoffe, dieser Artikel macht Sinn für Dich.
Er hat seinen Sinn schon im Schreiben gehabt, wenn Du ihn jetzt gelesen hast (danke dafür) und er Dir ein paar neue Anregungen gegeben hat, ist er noch sinnvoller!
Noch sinnnnnvoller ist er, wenn Du Lust bekommen hast, das Thema Deines persönlichen Sinnes in einer Therapie mit mir zu erforschen und Deiner Fülle, die immer schon da ist, näherzukommen: Widerstände abbauen, statt im Außen vergeblich "weiterzuwühlen", mehr in den Flow kommen, das Freisetzen von Potentialen, dadurch das Ganze und vor allem Dich mehr annehmen (Stichwort Eigenliebe), Sinn im "Im-Moment-Sein" und der Verbindung mit Dir selbst und allem zu ent-decken.
🙂
Lies bitte zu den "zwei Aspekten" des Sinns, man könnte sie "spielerisch" und "seinserfüllt" nennen, noch den älteren, kurzen Blogartikel Standbein-Spielbein! Der Beitrag trifft es zwar noch nicht genau, war aber immerhin ein guter pointierter Versuch darüber.
Ich wünsche Dir alles Liebe,
wie immer herzlichst,
Dein Ulf Parczyk
LESETIPPS: Natürlich weitere Artikel zur Rückführungstherapie. Hilfreich wären hierzu auch noch der erwähnte Beitrag Standbein-Spielbein, aber auch die kostenlose "Wirf den Mantel ab"-Hör-Meditation auf der Schätze-Seite! Auch der Artikel zum Verstehen-Wollen passt in diesem Zusammenhang gut.
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Photos: Beitragsphoto von rawpixel on Unsplash; Hölzernes Salatbesteck auf pixabay von EME: pixabay.com/en/cutlery-wooden-cutlery-spoon-fork-498479/; besonders verziertes Salatbesteck auf pixabay von stux: pixabay.com/en/cutlery-panel-cutlery-tool-379611/;
Wir haben bis jetzt zwei Umstände ausgemacht, die verantworltich sind, vom eigenen Weg abzukommen, das Innere nicht nach außen zu bringen und uns dann eher anzupassen: Die gefühlte (kindliche) Abhängigkeit vom Außen (Teil A) und abgespaltene Anteile (Teil B) waren die Themen bis jetzt, die Nein-Sagen so schwer machen können. Es gibt aber
(hört das denn gar nicht auf mit den Widerständen??):
Dich - vielleicht auch noch gegen den Willen eines anderen - selbst verwirklichen, frei sein, machen was Du willst, Dich leicht fühlen, Freude erleben?!!?
Ja, wo kämen wir denn da hin?
Vielleicht ins Glück!.... ohje, das wäre ja SCHRECKLICH!!! Nee, nee. Mach mal langsam! Die anderen... ja, die dürfen... aber ICH hab´ das doch nicht verdient!
Du willst Dich dann als "armes, ungenügendes Mangelwesen" anderen anbieten und ihnen wenigstens genügen, durch Selbst-Aufgabe, Brav-Sein, bei der Stange-Bleiben.
Hast Du das, was Du eigentlich möchtest, WIRKLICH nicht verdient?
Oder vielleicht doch?
Frag Dich das doch auch mal:
ODER VIELLEICHT DOCH?
(Wenn Du Teil A ernsthaft bearbeitet hast, bist Du vielleicht schon etwas näher am JA auf diese Frage, weil Du die hilflosen und abhängigen Teile etwas mehr in Deine liebevollen Arme genommen hast, und lies auch die Artikel Leuchtturm der Liebe und Verfolgungsjagd nach Liebe)
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Der andere Kandidat, der - in sehr naher Verbindung mit dem BESCHEIDENEN! - auch eine große Rolle spielen kann:
Dieser Teil muss einerseits alte Schuld abtragen (meist aus früheren Leben) und noch etwas erfüllen, was er früher nicht erfüllt hat - oder gutmachen, was er jemandem angetan hat. Manchmal direkt an der Person, um die es früher auch ging. Manchmal aber auch generell Menschen gegenüber (daher auch die Muster über verschiedene Beziehungen hinweg).
Da ist es schwer, loszukommen oder Nein zu sagen, wenn man sich sowieso schon schuldig fühlt. Noch schuldiger, wenn man nicht tut, was der andere will. Verlassen geht schon gar nicht. Runterschlucken. Weitermachen. Eine sehr beengende Geschichte, solche Beziehungen: Unfrei, beklemmend, kontrolliert. Manchmal sogar krankmachend. Und oft meilenweit weg von dem, was man sich für sein Leben und eine Beziehung gewünscht hat - Träume, die irgendwann weit unten im Dunkel versunken sind, doch noch leise aus der Tiefe rufen...
Da ist oft dieses schlechte Gewissen, den anderen im Stich zu lassen. Hier Nein zu sagen, ist dann natürlich schwer. Nicht helfen unmöglich! Das in Beziehungen, in denen Helfen-Wollen im Vordergrund steht. Was nicht selten ist in Beziehungen.
Immer für den anderen da sein wollen durch Selbstaufgabe, den oder die anderen in Deinen Mittelpunkt stellen. Im Extrem kann es bedeuten, den eigenen Fokus immer auf den anderen zu haben, gepaart mit diesen fiesen chronischen Schuldgefühlen. Und dann sich selbst und die eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr zu spüren. Da muss man ja nicht mal mehr Nein sagen... Der eigene Wille ist ja mit dem des anderen verschmolzen (ähnlich der in Teil B erwähnten Symbiose).
Du kannst Dich nicht von (aus Deiner Sicht) Hilfsbedürftigen ohne Schuldgefühl abgrenzen, mal nicht auf sie eingehen oder Dich gar von ihnen trennen:
Der arme Ehemann, wie soll der ohne Dich in der Welt zurecht kommen?
Die oben erwähnte Freundin, die steckt doch so in Depressionen, da steckst Du schon mal zurück,
Deine kranke Mutter braucht Dich doch unbedingt, ist doch kein anderer da etc etc.
Wie schon reichlich erwähnt, verkörpert auch im Schuldgefühl der Andere natürlich die eigenen Anteile, die man selbst in sich hat und dann auch völlig im Stich lassen würde. Die Anteile, die wissen, wie es sich anfühlt, sich unbeschützt, ungeborgen, alleine, verlassen zu fühlen. Da scheint ein NEIN unmöglich - ohne Schuldgefühle gar nicht.
Verantwortung und Schuldgefühle und wenig Eigenliebe spielen bei Schwierigkeiten beim authentischen Abgrenzen also auch eine große Rolle. Das alles macht standhafte Knie nicht so grün, aber so wabbelig wie Waldmeisterwackelpudding. Stimme ist weg, Hals ist zu. Es rumort im Bauch. Der eigene Wille verschwunden. Adieu...
Du denkst "Ich will das so nicht!", aber ein Teil von Dir fühlt sich dabei mies, mit schlechtem Gewissen, gibt oft die Unabhängigkeit dann lieber vorher auf und lässt sich von dem anderen kontrollieren.
So kann man auch sagen, dass das schlechte Gewissen gegenüber dem anderen am Ende das schlechte Gewissen diesen eigenen Anteilen in Dir darstellt! Und das Im-Stich-Lassen eigentlich ein Sich-Selbst-Im-Stich-Lassen wäre... HUI!
Konsequent-Sein ist dann ein Wunder. Immer mal wieder Aufbäumen, das bleibt vielleicht noch.
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Nun mal sauber jungfraumäßig zusammengefaßt:
1 - Aus verschiedenen Gründen, Deinen Erfahrungen mit Deinem Umfeld (Strafe, Zwecklosigkeit) und in Deiner Vorvergangenheit (Schuldgefühle, Angst), lehnst Du bestimmte Eigenschaften oder Emotionen von Dir ab, schiebst sie weg, willst sie ausklammern (Hilflosigkeit, Leichtigkeit, Ohnmacht, Freude etc): NEIN
2 - Die Folge ist: Weniger Eigenliebe, da Teile von Dir abgelehnt werden: Mangel: So, wie Du bist, bist Du nicht gut. (Sagst Du vor allem dann selbst zu Dir, nach 1.)
3 - Suche nach Bestätigung von außen. Die anderen sollen das wettmachen, was Du an Liebe nicht für Dich aufbringst (s. Teil A). Hinterherlaufen hinter der Liebe...könnte ja irgendwann kommen...oder willst das bisschen nicht verlieren...Mund halten....
4 - Deine ungeliebten, abgespaltenen Anteile wollen wieder zurück zu Dir, gesehen werden, da sie ja zu Dir gehören! Außerdem liegt da viel (Widerstands-/Ablehnungs-)Energie darauf, d.h. unbewusste Aufmerksamkeit. Sie sind wichtig für Dich, auch wenn sie nicht beliebt sind. Du hast Angst davor, dass sie erscheinen.
5 - Sie erscheinen daher (durch Deine Aufmerksamkeitsenergie aufgeladen) in der Umwelt: Im Partner, in Freunden, KollegInnen etc. Je abgespaltener, umso vehementer. Du ziehst mit der Widerstandsenergie genau die Menschen und Situationen in Dein Leben, die mit diesen Anteilen verbunden sind, sie quasi verkörpern.
6 - In Beziehungen: Konflikte und Mangel, oft: Helfen-Wollen (oder eher: "-Müssen"?), Zurücknehmen, Mitmachen, Weitermachen....
7 - Oft auch Schuldgefühle, sich dann abzugrenzen, nein zu sagen oder den Partner zu verlassen: Er ist ja auch so ein armes Mangelwesen (s. 2., Spiegel - Mitleid)! Und tief drinnen weißt Du: Du würdest durch Verlassen oder Nein-Sagen auch Deine inneren Anteile, die Du im Anderen siehst, auch wegstoßen (eigentlich: nochmal! s. 1.) und Du weißt ja genau, wie sich das anfühlt!
Das alles bindet wie Superkleber, hält Dich fest in Bezügen, die Dir "eigentlich" nicht gut tun. Oder läßt Dich nichts in den Beziehungen verändern vor lauter Angst vor Ablehnung und Verlusten.
Wenn Du Dich aber hier z.B. wieder mit den hilflosen, bedürftigen und sonstigen abgespaltenen, verleugneten Teilen (in beiden ersten Teilen dieses Blogartikels angesprochen) in Dir verbindest und sie annimmst, die jetzt noch die anderen für Dich verkörpern "dürfen", hat das vielfältige Auswirkungen:
Du erhöhst einerseits Deine Eigenliebe (ja, Du darfst Dich auch lieben, wenn Du hilflos bist!), dann senkt sich auch Dein Schuldgefühl gegenüber den Anderen und Du wirst freier, weil Du Deine eigenen Teile in Dir nicht mehr verlässt und verleugnest und dann nicht mehr im Außen anziehst. Die Verantwortung für das Leben der anderen kann von Deinen Schultern weichen. Leichtigkeit kann kommen - Freude! WOW!
Bewusstheitsarbeit wie diese Fragen hier in Teil A & B in Dir arbeiten zu lassen, wird schon einiges bringen. Tiefere Schuldgefühle sind jedoch zugegebenermaßen ein eher hartnäckiges Thema für jede Selbsthilfe, weil die Gründe dafür nicht bewusst sind. Vieles kann man durch die Wiedervereinigung mit den Anteilen, die Dir der andere zeigt, bewirken, aber manchmal nicht alles.
Dafür .... bin ich ja dann da... 🙂 Bei größeren Widerständen kannst Du mich also gerne für die Rückführungsarbeit in Anspruch nehmen: zum Wiedererlangen der eigenen Stärke, der größeren Eigenliebe durch Annehmen der Anteile, die ja nicht ohne Grund irgendwann (meist in früheren Leben) einmal von Dir abgespalten wurden, für die Ursachen der Schuldgefühle und dann die so wichtige Selbst-Vergebung - und damit eine größere Freiheit für Dich, ein Mehr-Du-Selbst-Sein, ein Mehr-In-Dir-Zu-Hause-Fühlen, größere Stärke.
So, das letzte war der Werbeblock. 🙂
Ich freue mich, wie immer, Dich dabei zu unterstützen. Dafür bin ich da. <3
Allerherzlichst, wie immer
Dein
Ulf Parczyk
Und: teilt das wie die Weltmeister 🙂 ..geht hier weiter unten auf der Seite ...oder auf Facebook...
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Photo: Ältere Dame von Alex Harvey, Unsplash
Nein-Sagen für Fortgeschrittene, daher gleich was zum Nachsinnen:
Jedes NEIN nach draußen kann ein NEIN nach innen zu Dir sein.
Jedes JA nach außen kann ein JA nach innen sein.
Ein NEIN nach draußen kann ein JA nach innen sein.
Ein JA nach draußen kann ein NEIN nach innen sein.
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Wow, das ist komplizierter Tobak! Aber das ist ja für Fortgeschrittene, wie alles hier in diesem Blog. Am Ende, nach Lesen von Teil A und B des Artikels hier, wird's klar. (Hoffentlich 😉 )
Abgrenzung bedeutet in unserem Zusammenhang, im umgangssprachlichen Gebrauch, dieses NEIN, das uns hier beschäftigen wird:
"Nein, das bin ich nicht/ist nicht mein Problem"
oder
"Nein, das möchte ich nicht/mache ich nicht mit".
Ich behaupte mich damit als Einzelwesen und setze mich von den bewussten oder unbewussten Ansprüchen des Gegenübers ab, und folge nicht allem, was der andere will oder braucht (oder was ich meine, was er will oder braucht). Das, was andere an mich herantragen und für das ich dann meine, Verantwortung übernehmen zu müssen...
Abgrenzung möchte ermöglichen, dass ich "mein eigenes Ding mache" - unabhängig von den Anforderungen der Anderen, ohne zu große Anpassung an andere.
Ich bin nicht der andere, ich habe einen eigenen Willen, eigene Bedürfnisse, gehe meinen eigenen Weg.
Bei dem Thema Abgrenzung von anderen ist man sehr schnell bei klassischen psychologischen Erläuterungen über die frühkindliche Mutter-Kind-Symbiose (heißt: es existiert keine fühlbar klare Unterscheidung zwischen den Ichs der Mutter und des Ungeborenen bzw. des Babys). Und natürlich auch bei der existentiellen und emotionalen Abhängigkeit des Kindes von der Umgebung in der späteren Zeit.
Als Rückführungstherapeut sehe ich den ersten Punkt etwas anders (aber das wäre ein Extraartikel für sich), aber der zweite Teil, die enorme Abhängigkeit des Kindes, ist eine Gegebenheit der menschlichen Entwicklung. Können wir als kleine, gerade geborene Menschen doch nach dem Ausstieg aus der Mutter nicht gleich aufstehen, ´rumrennen und uns selbst im nächsten Laden Milchflaschen kaufen gehen. Oder selbstbewusst auf die Meinung der großen Erwachsenen da oben über uns souverän und hocherhobenen Hauptes schei... ups, sorry... verzichten können.
Doch wir sind Seelen in erst mal hilflosen Säugetierkörpern, die sowohl Zuwendung als auch Nahrung erst mal von den Großen präsentiert bekommen müssen. Das hat natürlich auch was.
Denn es kann hier viel Schönes erlebt werden (Ja, Herr Therapeut, es gibt nicht immer nur Schreckliches!!! 😉 ) in Form von einer tragenden liebevollen Hände, die Schutz, Liebe, Wärme, Nähe, Bestätigt-Werden, Unterstützung, schöne Sättigung geben.
Aber auch (ja, dann wohl doch, Herr Therapeut... 🙁 ) uns in der Not auch in viele emotionale Verwicklungen stürzen können: emotional anstrengende und uns verbiegende Tauschgeschäfte beim Geben und Nehmen, Sich-Aufgeben- oder Sich-Durchsetzen-Müssen, Bindungs- und Verlustängste, Hilflosigkeit, Kälte, Zuwenig-Bekommen etc.
Aus der Angst, das eben erwähnte Lebensnotwendige, Schöne nicht zu bekommen oder zu verlieren, tun wir viel.
Über Teil A dieses Blogartikels und die dort gestellten Fragen (nochmal sehr zu empfehlen, bevor Du weiterliest) kommst Du wahrscheinlich an altbekannte Gefühle auch aus diesen Phasen: Abgrenzung im Sinne von Nein-Sagen z.B., ist dann eine Befreiung von den alten Fesseln der einstmals kindlichen existentiellen Abhängigkeiten. Nicht mehr brav alles erfüllen, was vom Außen gefordert wird, nicht mehr alles passiv hinnehmen. Ich bin ich und habe einen eigenen Willen. Ich stehe zu mir und meinen Bedürfnissen, äußere sie und versuche sie umzusetzen, zu erfüllen.
Sehr gut bis dahin, aber es geht noch tiefer! Wie das? Einfach, da diese Lebensphase ja nicht der Anfang des Lebens unserer Seele ist.
Daher wollen, ja müssen (szenedeutsch: dürfen 🙂 ) wir hier also noch weiter gehen. Komm mit, wenn Du möchtest und wir gehen das mal zusammen noch anders an und stellen erst mal Fragen in den Raum:
1. Ich kann mich schon abgrenzen, aber bin ich damit wirklich erfolgreich? Oder muss ich mich immer wieder abgrenzen?
2. Was ist das überhaupt, wovon ich mich abgrenzen möchte?
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Vorweg mal ganz weise gesprochen:
Aus spiritueller Sicht ist Abgrenzung sowieso eine Illusion. Eine künstliche Trennung von Ich und Welt, die man dann bewusst noch weiter treibt.
Das wollte ich hier an dieser Stelle mal gesagt haben. 🙂
Hat aber auch - denn es ist gar nicht so weltfern, wie es klingt - schon mit dem Geheimnis Deiner drei Finger zu tun. Aber später davon mehr.
Klar, wirst Du vielleicht spontan mit Recht sagen:
Wieder superspirituell, aber ich muss mich doch wohl von Schädlichem, Zerstörerischem, z.B. in Beziehungen, abtrennen dürfen, nein sagen dürfen, schützen dürfen, um mich nicht noch mehr Üblem auszusetzen, mich weiter aufzugeben, noch mehr Energie zu verlieren!? Um damit mich, meine Selbstachtung oder gar mein körperliches Wohl (vielleicht nach Jahren Schmach, Unbill, Mangel und/oder sogar Gewalt) zu retten?!
Endlich mich nicht mehr demütigen, schlagen, beleidigen, ausnutzen, übersehen, ignorieren zu lassen.
Schluss! Aus!
Okay. Klar. Das kann ein Riesenschritt und eine Wahnsinnsbefreiung sein, eine selbstschädigende innere Haltung (und damit auch solche Beziehungen) zu beenden. Das steht komplett außer Frage. Bitte nicht falsch verstehen!
UND DOCH - fortgeschritten wie wir sind 🙂 - es gibt eine noch etwas differenziertere Sichtweise, die dann auch zu einem unterschiedlichen Vorgehen führen kann und nicht nur theoretisch interessant ist. Und auf Dauer erfolgreicher sein wird als bloßes Training. Und Dich vor allem "ganzer" machen wird.
Denn einfache Schnellrezepte klingen immer gut, reichen aber manchmal (und häufiger als erwünscht) nicht aus.
Wichtig finde ich, dass wir in unserem Leben - Notrettungsmaßnahmen ausgenommen - Wege für etwas nachhaltigere Lösungen finden. Und nicht in einem Monat wieder in einer hoffnungsvollen Beziehung mit einem Partner/Partnerin stecken, die bald aber wieder die gleichen Probleme hervorbringt, von der wir uns dann wieder "erfolgreich abgrenzen" müssen. Oder weil derselbe Partner einfach, verdammt noch mal! nicht hören und begreifen will.
Denn da höre ich dann in der Ferne den Sisyphos-Stein den Berg wieder von oben 'runterscheppern.
Abgrenzung ist meist nur dann nötig, wenn ich das, was ich von mir abgrenzen möchte, immer noch anziehe; seien es Situationen oder Menschen. Sonst käme ich gar nicht mehr in deren Dunstkreis. Die berühmte Resonanz. Ich ziehe ja nicht irgendwas oder irgendwen in meine Welt. Sondern ganz Bestimmtes, das nach der Resonanz mit Teilen von meinem Innenleben übereinstimmen muss (oder "darf"? 😉 )
Oh weh. Ich sitze direkt mit im selben Boot - mit genau dem, womit ich nichts zu tun haben möchte!
Wenn ich mich erfolgreich abgegrenzt habe und das Thema in mir gelöst habe, muss ich mich meist nur noch einmal abgrenzen:
nämlich in der Zwischenphase, wenn ich in mir eine Veränderung gemacht habe und noch einmal (oft reicht das) das Altbekannte anziehe, von dem ich mich abgrenzen wollte. Nochmal ein Test, sozusagen. Die Befreiung.
Also Du kannst ganz einfach an den Ergebnissen ablesen: Ist die Abgrenzung geglückt oder nicht? Oder bleibt es eher ein Dauerkampf mit vielen Runden, wobei sich der Andere da drüben gar nicht so einfach abgrenzen läßt! Oder immer wieder ein ähnlicher "Anderer" auftaucht? Und es fühlt sich dabei auch gar nicht so frei an, wie es eigentlich sollte?
Die gelungene Abgrenzung kann man als Test oder ein Sich-und-der-Welt-zeigen-dass-es-geht sehen (kommt auch öfter nach Therapiesitzungen vor - sozusagen als "Realitätsüberprüfung") oder einfach als Teil des Loslassens der Energiereste des Alten - eine Art Trennungsritual. Oder beides, wenn es überhaupt zwei verschiedene Sachen sind.
Später dürfte Abgrenzung dann aber SELTEN MEHR NÖTIG sein, weil keine Resonanz mehr greifen sollte, die ja Abgrenzung überhaupt nötig oder problematisch macht.
...Das ist also der Erfolgstest, ob man mit dem Thema durch ist, von dem man sich abgrenzen möchte - oder eben nicht: Werde ich zu einem Dauerabgrenzer oder "schickt es dann auch mal"?
Wenn es nicht "schickt", es nicht dauerhaft (ok, hin und wieder muss es vielleicht noch mal sein) geschnackelt hat, was dann…?
Zum Beispiel:
Fremdenergien kommen jede Nacht und Du versuchst vehement-verzweifelt, sie mit einem inneren "Weg hier!"-Ruf loszuwerden (-> sie bleiben einfach - oder kommen bald wieder zurück);
Dein Partner bleibt stur, stoisch gradeaus blickend, ungerührt ob Deiner langen Ausführungen am Küchentisch über seine ewige emotionale Stummheit und dass Du das nicht mehr mitmachst (-> nächste Woche dann die Neuauflage dieser Diskussion);
Deine Freundin kaut Dir wieder stundenlang Dein heißes Telefon-Ohr ab, obwohl Du doch schon mal gesagt hast, dass Du nicht immer zuhö… (-> nachher wirst Du sie Energievampir nennen und übermorgen will sie unbedingt nochmal mit Dir telefonieren, wie ihr 524. Beziehungsdrama weiterging…);
Dir reicht's endgültig und Du machst mit Deinem Partner Schluß: Totalabgrenzung! Am besten gar kein Partner mehr. Aus die Maus. (-> aber kommt Dir dieser Ablauf nicht irgendwie bekannt vor? Das war doch nicht der erste, der….).
Wenn das Nein-Sagen nicht fruchtet und nicht zur Erfüllung Deiner Wünsche und Ziele führt, egal, wie laut und oft Du das NEIN äußerst, so ist bei Dir sehr wahrscheinlich nur ein WUNSCH NACH ABGRENZUNG vorhanden, die unbewusste Resonanz (=Anziehung) aber doch viel stärker.
Dann findet eigentlich gar keine Abgrenzung statt. Ich ziehe ja immer noch das Unerwünschte in mein Leben. In diesem Fall kann der bewusste Wunsch dann auch nichts ausrichten. So laut man auch brüllt, so sehr man Dellen in Jens (=nur der Ikea-Tisch!) schlägt.
Ja, Du kannst Dich dann vielleicht schon mal verbal "abgrenzen" (Du bemühst Dich auf jeden Fall wacker), ok. Aber es bleibt bei halbherzigen, erfolglosen Versuchen, auch wenn sie sich sehr "vollherzig" und mutig - für Dich zumindest - anfühlen mögen. Irgendwie kommst Du aber nicht an, nicht beim Gegenüber, nicht beim Universum. Zuwenig authentisch, zuwenig glaubwürdig. Als stehe jemand auf der Bremse. Auch wenn es Dir selbst vielleicht nicht so vorkommt. Die Dellen in Jens beeindrucken Dein Gegenüber irgendwie nicht. Mist.
Kleiner Exkurs Szenesprache: Ich höre öfter bewusste Menschen, die in einem Gespräch über ihre Beziehungen sehr explizit und vor allem auch öfter sagen müssen: "Das ist nicht meins, das ist seins…" Ein sehr beliebter Spruch in unserem Zusammenhang, klingt auch so schön säuberlich und als hätte man alles klar in der Hand.
Hier kann man bei allem wohlmeinenden Optimismus doch leider leicht skeptisch sein, ob das mit der Abgrenzung wirklich glückt oder eher oft noch der fromme Wunsch ist und daher wie eine Art hilflose Selbst-Bestärkung, Selbsthypnose, wirken soll…
Also, es klappt nicht so recht…. wieso und was dann?
(Über einen bestimmten Teil in Dir, der vielleicht gar keine Abgrenzung will, geht ja Teil A des Artikels)
"Wenn Du mit dem Finger auf andere zeigst, zeigen drei Deiner Finger auf Dich" heißt ja ein uralter Spruch. Abgrenzung ist ähnlich: Ich winke mit meinem Zeigefinger das Unerwünschte da draußen weg: " 'raus aus meinem Dunstkreis! Das bin ICH und dieser Dunst hier ist mir! Und ICH bestimme, was ich da drin haben will und was ich tue."
…tja, klingt gut. Was ist aber mit den blöden drei anderen Fingern?
Wenn es nicht glückt mit der Abgrenzung, bedeutet das:
Ich habe versucht, mich etwas gegenüber abzugrenzen, WAS ICH SELBER BIN - UND GLEICHZEITIG NICHT SEIN MÖCHTE.
Diese Tatsache kann schockierend sein, sind es doch genau die Sachen, von denen Du loskommen willst, die Du den anderen "zurückschieben" willst.
Abgrenzung ist dann Widerstand gegen etwas in Dir. In diesem Fall KANN sie gar nicht erfolgreich sein. Wie soll das auch gehen, es gehört ja zu Dir! (wenn auch ungeliebt, aber trotzdem).
Und wenn Abgrenzung demnach auch Widerstand ist, macht dieser das alles noch stärker und zieht genau das wieder in Dein Umfeld, wogegen er eigentlich gerichtet ist.
Das kann die "schöne Welt der Abgrenzung" sein.
Prost Mahlzeit.
Also, so auch die einfache Schlussfolgerung bezüglich erfolgreicher Abgrenzung:
Wenn Du Dich irgendwann mal erfolgreich und nachhaltig abgrenzen konntest, musst Du wohl vorher JA zu genau diesem in Dir gesagt und es integriert haben.
Vielleicht war es Dir gar nicht bewusst, aber es kann gar nicht anders sein.
In allen anderen - nicht dauerhaft erfolgreichen - Fällen bleibt es dann eine immer wiederkehrende Anstrengung. Und ein Kampf, der vielleicht Pyrrhussiege bringen, den Du auf Dauer aber nicht gewinnen kannst. Schon aus Energie(verlust)gründen nicht. Kämpfe zehren.
Die Frage ist also:
VON WAS GENAU IM ANDEREN / IN DER ANDEREN MÖCHTEST DU DICH EIGENTLICH ABGRENZEN?
Was nervt Dich so? Sein Egoismus? Seine Taubheit? Ihre Stummheit? Seine Gewalt? Ihr Egozentrismus? Seine Abwertungen? Ihre Distanz?
Die "schlechte" Nachricht:
Das hast du alles auch in Dir: Einen egoistischen oder tauben oder hilflosen oder einsamen oder stummen oder gewaltsamen oder egozentrischen oder Dich-abwertenden Teil.
Der Andere hat ihn für Dich gespielt, weil Du diesen Teil nicht annehmen wolltest. Glatt in Dein Leben gezogen hast durch Dein Nein Dir selbst gegenüber. Fatal.
Du kannst das Ganze ja selber mal anhand Deiner Geschichte überprüfen: Wann hast Du Dich erfolgreich abgegrenzt und wann nicht? Welche Anteile könnten da eine Rolle gespielt haben? (was "erfolgreich" eigentlich in diesem Zusammenhang bedeuten kann, wird in Teil B noch ausgeführt)
Also ist die einzige logische Möglichkeit:
´Ran an die Spiegelthemen (s. den Artikel Schattenboxen)!
´Ran ans Annehmen, Willkommen-Heißen dieser Anteile! JA JA JA! Ich habe sowas auch in mir!
Schon wieder dieses JA! JA aber jetzt zu dem Zustand, in dem der andere zu sein scheint! Nicht zu dem, was der andere von Dir möchte oder zu dem, was Du meinst machen zu müssen.
Ja zu dem, wogegen Du im Anderen kämpfst (übrigens kann Helfen-Wollen auch Kampf sein).
Annehmen des Abhängigen und Abgespaltenen in Dir durch JA-Sagen (Teil A UND Teil B des Artikels zusammen genommen!),
- dann testen (= einmal abgrenzen, richtig Tacheles reden, und sich dann auch so verhalten)
- und dann kannst Du den Kampf sein lassen.
Du bist sowieso alles.
Sei um Himmels willen (wörtlich gemeint) nur nicht mehr der, der DICH ablehnt. <3
Und:
Gesehen-Werden setzt Sich-Selber-Sehen voraus. In ALLEM, was Du in Dir trägst, egal, was Du "bist".
Mach das zu Deinem Kalenderspruch. 😀
Viel Erfolg beim JA-Sagen! Damit das NEIN-Sagen besser klappt und bald gar nicht mehr in dem bisherigen Umfang nötig ist!
Gleich kommt TEIL C des Artikels hinterher, weil es (meiner verflixten Vollständigkeit halber, das ist mein Jungfrau-Aszendent, sorry, ich kann nix dafür!!!) noch ein, zwei Teile in Dir gibt, die die Sache auch noch erschweren....und eine knackige Zusammenfassung.
Und ein Teil davon in uns ist echt verflixt hartnäckig, aber lies selber den dritten Teil der NEIN-Saga übers NEIN-Sagen!!
Ein weiteres Lese/Hör-Muss, um den meiner Ansicht nach ziemlich guten Überblick zu haben, was am Nein-Sagen so schwer ist und wie Du es Dir leichter machen kannst.
Bleib dran (am Üben und Lesen) und lass Dich ganz herzlich grüßen! JA!
Dein
Ulf Parczyk
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Photo: Ältere Dame von Alex Harvey, Unsplash (transformiert durch UP)
Aber was ist eigentlich Authentizität?
Du bist völlig authentisch, wenn Du Dich in völliger Übereinstimmung mit Deinem Innenleben anderen gegenüber ausdrückst und verhältst. Das ist gemeint, wenn wir über jemanden sagen: "Sie ist einfach sie selbst."
Wann und warum überhaupt bist Du nicht IMMER Du selbst? Das wäre doch super und das einfachste!
....tjaaaa.....
Eine gute Frage, die ich gerne erst mal an DICH weitergebe! 😉 ........
Warum passt Du Dich an, verlierst das, was Du eigentlich in Dir trägst, z.B. einen bestimmten Wunsch oder eine Intuition, aus den Augen? Warum sind Deine Äußerungen und Entscheidungen durch Dein Anschmiegen an andere manchmal so weit weg von Dir selbst? Deine Bedürfnisse bis zur Unkenntlichkeit kaum noch spürbar? Alles dreht sich nur noch um den anderen?
Zu Dir und zu den eigenen Wünschen und Zielen zu stehen, hat viel damit zu tun, Dich unabhängig(er) von anderen zu fühlen. Aus dem immersüßnetten WIR auch mal ein ICH zu machen. Also auch mal NEIN zu sagen. Nein, ich möchte nicht nach Marbella in den Urlaub, sondern in die Berge. Nein, ich finde es nicht gut, so viel zu trinken. Nein, ich möchte mal alleine sein. Nein, ich möchte dass Du zuhörst. Nein, ich kann das depressive Geschwafel nicht mehr hören etc. Du hast sicher auch ein paar Beispiele, was Du EIGENTLICH machen oder sagen möchtest, aber oft nicht tust oder sagst.
Also wird Authentisch-Sein häufig mit Nein-Sagen verbunden und weithin propagiert. Es erscheint als Lösung für viele Probleme und Dein Seelenheil. Der, der nein sagt, entledigt sich angeblich der Zwänge und Fesseln, Normen und Abhängigkeiten und steht zu sich.
Die Tipps, die kursieren, sind meist einfache Aufforderungen, authentisch zu sein und nein zu sagen, wenn Dir nach Nein ist. Und das fällt uns manchmal sehr schwer.
Und, wenn wir bewusster und schlauer geworden sind, weil wir das alles gelesen haben, sind wir dann auch geneigt, uns für diese "Schwäche" noch kräftig selbst zu bestrafen, sollten wir mal doch dann nochmal Nein sagen.
(bis zu einem bestimmten Punkt)
Und bis zu diesem Punkt ist der tonangebende Teil der innere Ja-Sager. Der, der bis jetzt am Drücker war. Der eine Teil in uns.
Ist Nein-Sagen in diesem Fall dann wirklich authentisch?
Das Ja ist echt, das Ja ist stärker. Wer ist aber dieser ja-sagende Teil und ist es wirklich ein Sieg, ab jetzt diesen einfach zu übergehen?
Das oft vorgeschlagene Trainieren, nein zu sagen, kann funktionieren, wie jede verhaltenstherapeutische Methode mal funktioniert, mal nicht. Die Idee dahinter ist hier: Versuche es und übe! Dann halte die Reaktionen der anderen mal aus. Und Du merkst dann, Du überlebst es, wenn sie Dich für Dein Nein ablehnen. Oder sie lehnen Dich gar nicht ab und Du hast jahrzehntelang umsonst ja gesagt.
So oder so ein Erfolg!
Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen, wenn es klappt. Versuche es.
Eine andere schönere, liebevollere Version ist, sich so stark mit dem Ja-Sager zu verbinden und ihn (meist unser kindliches Ich) zu umarmen und sich mal mit ihm/ihr zu unterhalten, ihm zuzuhören, ihn oder sie zu spüren und die Gefühle zu fühlen, die zum Ja führen.
Sei es die Angst vor Ablehnung, Einsamkeit und Isolation, vor Lieblosigkeit, Kälte, Ignoriert-Werden, Bestrafung.
Sei es das Gefühl totaler Abhängigkeit, Klein-Fühlen, Sich-gar-nicht-Fühlen, Leere.
Das mal spüren und willkommen-heißen.
Und spüre und heiße auch willkommen die dementsprechenden Wünsche nach Geborgenheit, Liebe, Sicherheit, Gesehen-Werden, Verbindung, Wärme, Aufmerksamkeit, Ent-Schuldigung/Entlastung, Endlich-Ausreichen, Genug-Sein.
Oder was fühlt und sagt DEIN JA-Sager?
Und was möchte dieser kleine bedürftige JA-Sager?
Forsche einfach jetzt mal in Dir nach. Höre ihm zu. Fühle ihn. (Stelle Dir dazu vor, mal Nein zu sagen. Oder nimm eine Erinnerung an eine Situation, in der du Nein gesagt hast und es war unangenehm für Dich.)
Das Herz des JA-Sagers in Dir möchte durch Dein JA eigentlich von außen gefüllt werden. Von dem - oder denen - wir willig sind: denen wir Ja sagen, denen wir uns anpassen, unsere Bedürfnisse hinten anstellen.
Und seine Schuldgefühle und Gefühle von Unzulänglichkeit sollen ausgeglichen werden:
"Ich mache das, was jemand anderes möchte, dann bin ich endlich ausreichend und gut und richtig und werde geliebt." Oder zumindest nicht isoliert und abgelehnt.
Also ist das NEIN-Training, die erste beschriebene Methode, der populärere Weg. Dadurch zeigst und lehrst Du dem Ja-Sager indirekt, dass er die anderen gar nicht so braucht, wie er denkt/fühlt. Viele kommen damit zurecht, glücklicherweise. Viele nicht. Es bleibt immer noch eine Riesenüberwindung, das zu tun, was andere nicht wollen oder das zu äußern, was vielleicht anderen nicht genehm ist.
Bei dieser Methode bleibt der JA-Sager in uns selbst eher unbewusst. Und die Gefahr, dass Dich die lange eingeübte Selbstbestrafung und -abwertung bei dem NEIN-Training weiter begleitet, ist hoch ("Doch schon wieder JA gesagt, Mist!"; "Das kann ich doch nicht machen, ich lasse ja den anderen im Stich!", "Mir steht es gar nicht zu, was Gutes nur für mich zu machen".).
Da diese Tendenz in Dir noch da ist, könnte es sein, dass Du Dich Dir selbst gegenüber verhältst wie die berühmte strenge kühle ehrgeizige Eiskunstlauf-Mama gegenüber ihrem Goldtöchterchen: immer die Peitsche in der Hand… Denn dann könnte es Dir auch immer noch um Leistung und Gut-sein wollen etc. gehen. Jetzt in Bezug aufs NEIN-Sagen.
Also eine leicht paradoxe Lernsituation, in der dann das Ziel ja gerade das Gegenteil des Weges ist…
Der JA-Sager hat ja auch seinen Sinn (bald: gehabt). Wenn Du diesen JA-Sager in Dir erst einmal ansiehst, spürst und annimmst und ihm bewusst selbst all Deine Liebe gibst, Dein einfühlsames Verständnis und Deine ganze Herzenswärme, ist das genau Heilung und GanzWerdung - und nicht wieder Bestrafung und weitere Verdrängung. Durch Bewusstwerdung und liebevolle Öffnung ihm gegenüber.
...und dann geht er von alleine immer selbstbewusster und voller Liebe nach draußen und muss nicht mehr jedem gefallen, weil er sich selbst gefällt, bejaht wurde. Das ist "Stärke aus Schwäche".
Weil er DIR endlich gefällt und Du die liebevolle Verbindung zu ihm über alles stellst. Dann kann er strahlen und von den anderen geliebt werden. Dass er nichts tun muss, um anderen zu gefallen. Und geht in Dir auf, blüht auf in Deinem Verständnis und deiner Liebe, kann dadurch ruhig da sein - und kann sich dann auch weiter verändern und wachsen.
Klar, der zweite Weg ist wieder mal unangenehmer als der erste, weil er Dich viel mehr mit den gerne weggeschobenen "weichen" und "schwachen" Gefühlen in Kontakt bringt. Aber darum geht es ja gerade. Die zu lieben und Deine Liebe zu diesen Gefühlen nicht durch die "Liebe" der anderen ersetzen, dass Du durch Dein JA (das ein NEIN zu Deinen tieferen Gefühlen und Bedürfnissen ist) mühsam erringen willst.
- Was sowieso gar nicht geht:
Denn wenn sein Herz gefüllt werden will: Von außen gefüllt läuft es immer leer, wie ein Herz mit einem Loch in der Herzkammer. Er braucht DEINE Liebe. Genau der Schwache, Verletzliche, Abhängige, Ängstliche, Einsame, Abgelehnte.
Er braucht aber keine weitere Hetze und Druck zu vermeintlicher Stärke durch verkrampftes und erzwungenes NEIN-Sagen.
JA-Sagen zum JA-Sager. Yes, you can!
Das genau ist erst einmal das Heilende.
Das Authentische.
Das Liebevolle in Dir verstärkende.
Dann kommt das NEIN automatisch als JA zu dir selbst. Peng.
Und dann erreichst Du wirkliche Stärke durch "Ganzer-Werden" - nicht durch Unterdrückung und Wegtrainieren des Neins wie störende Speckröllchen. Mehr Freiheit. Frei von dem Kontrollieren-Lassen von den Bedürfnissen der anderen. Mehr Weite und Leichtigkeit. Mehr nach Deiner Intuition leben. Deine Gefühle und Bedürfnisse mehr spüren. Dazu stehen.
(Pst! Der Tipp für die Fortgeschrittenen: Du kannst ja auch mit der Einstellung des zweiten Weges den ersten erleichtern, sie schließen sich ja nicht aus. Durch Liebevolles an die Hand nehmen und zeigen, dass Euch nichts Gewaltiges passiert da draußen, wenn ihr mal nicht macht, was die anderen von Euch wollen…
Und wenn es dann doch unangenehm wird durch die Reaktionen des Gegenübers, bist Du nahe an dem abgelehnten, verletzten Teil in Dir und bleibst jetzt einfach mal bei Deinen Gefühlen von z.B. Verletztheit und Abgelehnt-Werden und heißt auch diese Deine Reaktionen auf Ablehnung durch die anderen willkommen. Das ist eine - klar, erst mal unangenehme - aber eine weitere Chance. Damit wächst Du, auch wenn es sich erst mal besch…eiden anfühlt!)
Im nächsten Teil B werde ich für Dich den in diesem Zusammenhang vielbeschworenen Begriff "Abgrenzung" mal etwas anders beleuchten. Und was das einfache NEIN-Sagen noch so für Nachteile haben kann. Also noch ein wenig tiefer und fortgeschrittener.... Folge mir einfach weiter...
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Photo: Ältere Dame von Alex Harvey, Unsplash
