Mit dem Fluss - Einleitung und Widerstand in der Rückführungs­therapie

Verfasst von Dipl.-Psych. Ulf Parczyk - Zuerst veröffentlicht: 19. März 2021
Letzte Änderung: 16. Juni 2021
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Mit dem Fluss - Einleitung und Widerstand in der Rückführungs­therapie

Ich möchte auf meiner Website mein Vorgehen so transparent wie möglich machen (auch wenn das gewisse Grenzen hat - Rückführungstherapie muss man erleben!  🙂  ) Dieser Artikel soll meinen therapeutischen Ansatz anhand der Einleitung in eine Sitzung verdeutlichen. Und dabei auch das Thema Widerstand, das mir so am Herzen liegt, noch einmal von dieser Seite her näherbringen. Wiederholungen mit Inhalten anderer Artikel lassen sich da nicht ganz ausschließen, ich hoffe, das Thema wird dadurch nur deutlicher.

Wenn Du interessiert bist, ein besseres Bild von meinem Vorgehen und einen Blick "hinter die Kulissen" der Rückführungstherapie zu bekommen oder Dich für den Einstieg in eine Rückführungstherapie interessierst, dann ist dieser Artikel für Dich. Wenn Du Dich weniger für das Technische, aber mehr für den praktischen Umgang mit Widerstand in Deinem Leben interessierst, ist der Text vielleicht zu speziell und der Artikel "Emotionen befreien" (kommt bald!) oder die Polaritäten-Artikel eher das Richtige. Trotzdem wirst Du hier sicher immer mal wieder an Dich erinnert, das Thema ist ja nichts rein "Theoretisches", das ich hier teile.

Widerstand in der Einleitung in eine Rückführungs­therapie

Wie geht es los in einer Rückführungstherapie? (Ich kann immer nur von meinem Vorgehen sprechen - hier auch ein spannendes Beispiel für eine Rückführungstherapie ). Nachdem eine Interessentin ihre restlichen Fragen am Telefon geklärt hat und mich damit auch schon einmal persönlich gesprochen hat (kostenloses Orientierungsgespräch), vereinbaren wir einen Therapietermin. Der erste Termin ist meist das Komplett-Paket "IntensivPlus" (Erstgespräch mit zwei Sitzungen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen).
So fängt unsere Arbeit mit dem Erstgespräch an, das natürlich auch schon intensiv sein kann. Das Gespräch vertieft das Vertrauen, denn ich habe sicher einen Vertrauensvorschuss durch die Website und den ersten Kontakt, aber das soll sich ja noch vertiefen, damit wir eine gute Grundlage haben, bald in unsere Rückführungsarbeit zu gehen. Wie wir noch sehen werden, ist Vertrauen das wichtigste Mittel, Widerstand zu erweichen, sich sicher und verstanden zu fühlen. (Das ist auch ein Grund, warum meine Zwei-Tages-Termine effektiver sind als vor sich "hinplätschernde" Einzeltermine, bei denen man sich immer wieder aufwärmen muss.)

Die meisten Klient*innen äußern im Erstgespräch, dass sie jetzt etwas nervös sind oder zumindest vorher waren.
Das ist sehr verständlich und kann zwei Gründe haben:
1. Sie kennen die ganze Situation - inklusive mich - nicht und wissen nicht so recht, auf was sie sich da eingelassen haben - trotz Telefongespräch und Websitebesuch. Noch mehr vielleicht, wenn sie auch solch eine innere therapeutische Arbeit nicht kennen.
2. Der Klient hat Angst, dass es "nicht klappt".
3. Die Klientin hat Angst vor dem, was auftauchen könnte.

Das alles zeigt schon Widerstände, schwächer oder stärker, auch wenn es Klient*innen IMMER "wissen wollen". Gerade Rückführungstherapie löst da oft einiges aus, weil so unbestimmt ist, was da so auftauchen könnte. Diese ersten Widerstände reduzieren sich meiner Erfahrung nach im Laufe des Erstgesprächs und die Nervosität sinkt. Nummer 2. kann der Klientin noch zu schaffen machen, sie "beruhige" ich, weil bei allem Leidensdruck hier nichts zu leisten ist, man nicht versagen kann (sicher ein bekannter Druck für die jeweilige Klientin). Wir gehen mit dem, was auftaucht, da muss man nichts "machen" oder sich anstrengen (eigentlich im Gegenteil, aber zu sagen "Mach´Dir keinen Druck, das hilft noch weniger" würde natürlich nach hinten losgehen...). Der dritte Punkt liegt in der Natur der Sache, damit werden wir uns im Folgenden näher beschäftigen.

Erst einmal ist durch das offene Erstgespräch schon der Grundstein für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt. Kommen wir jetzt zur Therapiesitzung "im engeren Sinne":

Die Einleitung in eine Rückführung als Beispiel für den Umgang mit Widerstand

"Widerstand" (=Hemmung, Opposition, Entgegenstellen, Gegenkraft) bezeichnet in der Therapie "jenen Zustand, wenn mit Angst verbundene Gedächtnisinhalte vom Bewusstsein fern gehalten werden. Es handelt sich ... nach Auffassung der Psychoanalyse (der Psychotherapierichtung, die Sigmund Freud Ende des 19. Jahrhunderts begründet hat) um einen Zustand, der sich der Bewusstwerdung verdrängter und damit unbewusster psychischer Inhalte widersetzt."  (aus: Stangl, W. (2020). Stichwort: 'Widerstand'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. www: https://lexikon.stangl.eu/4632/widerstand/ (2021-01-14))  Dies jedoch nicht nur in der Psychoanalyse, auch in der Rückführungstherapie, in der wir ebenfalls an Erinnerungen kommen möchten, die unangenehm sind und die daher verdrängt wurden.

Der Widerstand ist also ein NEIN zu etwas, das auftauchen möchte, aber von Klient*innenseite lieber doch nicht soll - obwohl sie in die Praxis kam, weil sie mehr wissen möchte. Diese Spannung zwischen NachObenDrängen und NichtWissenWollen ist überhaupt die Ursache der Probleme, die jemanden zum Klienten machen (ausführlichere Informationen zu diesem Vorgang im kostenlosen E-Book "Der Ursprung der Probleme").

In der Psychotherapie, auch der Rückführungs- bzw. Reinkarnationstherapie, hat der Widerstand seitens vieler TherapeutInnen oft immer noch etwas Unerwünschtes. Diese Einstellung zeigt sich zum Beispiel in immer noch gängigen Einleitungen in eine Rückführungssitzung. Viele TherapeutInnen verlassen sich oft nicht auf den natürlichen Fluss, sondern führen Methoden wie beispielsweise Entspannung, Tiefenhypnose oder Atemübungen ein, um den Klienten in einen "besonderen Zustand" zu bringen, in dem er angeblich "leichter" Erinnerungen erreichen und erleben kann. Damit soll der Widerstand umgangen werden, der sonst angeblich das Ansteuern des unbewussten Gebietes, das die Heilung bringen könnte (in der Rückführungstherapie das dem Problem zugrunde liegende Trauma) verhindern würde. In dieser Haltung ist der Widerstand der Querulant, den es auszuschalten gilt, eben mit Hilfe der genannten Methoden. Er soll damit eingelullt werden. Darauf komme ich gleich zurück, Ihr ahnt oder wisst schon, dass das nicht mein Vorgehen ist.

Widerstand ist Merkmal und Ursache des Problems, das in die Therapie führte (s. auch den schon erwähnten Text über Emotionen und Widerstand)

Maximaler Widerstand gegen Situationen und deren Erleben ist Teil der Definition von Trauma. Verdrängung ins Unbewusste IST der größte Widerstand gegen das ErlebenWollen einer Situation, den wir kennen. Es lehnt das Erleben der Situation total ab.
Das ist jedoch keine Entscheidung, das passiert im Moment des Geschehens. Es ist Reaktion auf eine Überwältigung des Bewusstseins mit überstarken Emotionen, vor allem Angst und Schuldgefühlen.
Und Trauma (kurz erklärt: Wunde; unbewältigte, nicht verarbeitete, unbewusste, verdrängte Situation) ist das, was uns später, nach dem Trauma, die Probleme macht. Es hängt uns - wenn unbearbeitet - ewig nach - und das fast im wahrsten Sinne des Wortes.

Das heißt, dorthin, wohin die innere Reise in der Therapie gehen soll, um uns vor den nachteiligen Effekten der Verdrängung zu befreien. ist sowieso Widerstand zu finden, sonst wäre es gar kein heutiges Problem (siehe auch den Blogartikel "Ich liebe mein Problem...wäre das Ende des Problems") Genau dieser Widerstand kreiert das Problem immer wieder, wenn er durch ähnliche Situationen, Gedanken, Emotionen, Körpergefühle ausgelöst wird. So entstehen Muster, Phobien, Beziehungsprobleme etc., die allesamt der Vermeidung dienen.

Was ist das Positive am Widerstand?

Das Nicht-Zulassen von Erlebtem ist natürlich eine Folge von Angst, stellt also einen Schutz für uns dar und hat dadurch seine volle Berechtigung. Der Widerstand schützt vor dem zu schnellen Auftauchen von unbewussten Verknüpfungen mit einem inneren Zustand, der einmal traumatisch war: Extreme Zustände von AusgeliefertSein, VerlassenWerden, Ohnmacht oder Wut hatten in der Vergangenheit einmal solch große Ausmaße oder Folgen, dass sie ab da als untragbar, unerträglich eingestuft wurden. Der Widerstand gegen das Bewusstwerden ist also ein geballtes NEIN! gegen diese inneren Zustände, und damit auch gegen die diese Zustände auslösenden Situationen, gegen die Beteiligten, die Wahrnehmungen in der Situation.

In diesem Zuge wurden sie sofort oder über längere Zeit abgespalten, als nicht-existent erklärt, eben verdrängt, das heißt, ins Unbewusste verschoben, als hätte es sie nie gegeben. Das funktioniert als kurzfristiger Schutz (man kann dies ja auch gar nicht bewusst steuern). Doch im Untergrund wirkt das alles weiter, muss mühsam weiterhin weggedrückt werden,. Vor allem kann die traumatische Situation durch Ähnlichkeiten in der Umgebung (ähnliches Verhalten einer Person, z.B. Schreien, Abwerten, VerlassenWerden; Umstände wie Nacht, Enge, Geräusche etc.) oder innere Zustände (gleiche Emotionen oder Gedanken wie im Trauma, z.B. "Ich schaffe es nicht") immer wieder ausgelöst werden und einen dann regelrecht "unkontrolliert überfallen" - in Panikattacken oder sogenannten FlashBacks findet das sehr dramatisch statt. Bei unterdrückter Wut kann das im plötzlichen "unangemessenen Ausrasten" passieren; wenn man verlassen wird, in einem Gefühl, in Hilf- und Schutzlosigkeit zu versinken oder auch in einer "starken" Selbstkontrolle ("Ich muss es alleine schaffen", "Ich muss funktionieren"). Die Reaktionsweisen können sehr unterschiedlich sein.

Immer jedoch reagiert man, wenn eine unbewusste traumatische Erinnerung  ausgelöst wird, auf diese vergangene Situation mehr als auf die Gegenwart.
(Leider schafft man sich aber sehr ähnliche Situationen/Beziehungen kraft der Anziehung/Resonanz, so dass man dann doch auch wirklich auf die selbst geschaffene, dem Trauma immer ähnlicher werdende Gegenwart reagiert.)

Der Nutzen des Widerstands bzw. der Verdrängung

Die inneren Vorgänge im Trauma versuchen, unser Leben weiter am Laufen zu halten (manchmal im wahrsten Sinne des Wortes: Weglaufen, wenn es möglich ist). Die tief in der Evolution verwurzelten Reaktionsmöglichkeiten wie Kampf oder Flucht oder Totstellen werden möglicher, wenn man das Chaos in sich kontrolliert, wegdrückt, um sich erst mal einfach zu retten - körperlich und seelisch. Diese Notfallmaßnahmen behalten wir dann aber bei - vor allem, wenn die alte Situation durch eine ähnliche ausgelöst wird. Da wird es dann schwierig und macht Probleme... Dauernde Selbstkontrolle, Abstellen von Emotionen, Misstrauen in andere, auf die man sich ja nicht verlassen kann, Unterdrückung von Wut - nur ein paar Beispiele, die einem aufgrund von traumatischen Erfahrungen von Trennungen, Verlusten, Missbrauch, Demütigungen etc. entstehen. Sie sind dann bald nicht mehr gesund, aber auch nicht steuerbar und einfach abzulegen, dafür ist die Erfahrung zu tief und einschneidend gewesen. Und die Bewusstwerdung wäre immer noch so schlimm wie damals.

Der Widerstand dient also zum Schutz vor noch Üblerem, nämlich den unbewussten Erinnerungen an traumatische Erfahrungen, verbunden mit der Angst vor ihrer Wiederholung. Wir verdrängen zunächst einmal, um überleben zu können, müssen irgendwie weiter funktionieren auch in den schlimmsten Situationen und blenden sie aus, versuchen uns zu kontrollieren und machen weiter, so gut es geht.
Wir "wollen" diese Situationen in der Therapie dann wiedererleben (das ist nicht ganz richtig formuliert, Ihr wisst, ich bin gerne genau  😉  , denn eigentlich haben wir sie damals gar nicht richtig und voll bewusst erlebt, die Verdrängung schlug ja zu). Die sanfte Bewusstwerdung in einer empathischen, auffangenden therapeutischen Beziehung entkoppelt die Vergangenheit vom Heute, lässt sie frei. Dann können wir die Emotionen ohne Manipulationen, Unterdrücken, Fliehen und Vermeiden, also ohne Widerstände "einfach" da sein lassen. Das ist das Ziel. Einfach vor allem die früher kontrollierten oder eingefrorenen Emotionen fühlen und ausschwingen lassen, widerstandsfrei. Ohne einschränkende Vermeidungstechniken, die wir bis dato eingesetzt haben und die uns auch nicht recht glücklich gemacht haben.

Was genau ist überhaupt "Widerstand"?  

Widerstand heißt im emotionalen Bereich: Das NichtErlebenWollen, das Negieren. Das kann man erreichen durch Stoppen. Wenn ich z.B. als Kind nicht weinen will, damit die Umwelt mich nicht noch weiter demütigt, mich auslacht, mich als noch schwächer sieht, unterdrücke ich irgendwann auch die zugrundeliegende Trauer dauerhaft.

Wiederholtes Unterdrücken des Ausdrucks einer Emotion führt zu Verleugnung dieser Emotion

Das bewahrt mich davor, in der chronischen Spannung zu leben, Trauer zu spüren, sie aber nicht ausdrücken zu wollen. Irgendwann verschwindet sie (oder auch die Wut und sogar Freude kann betroffen sein) in den Untergrund, was aber Kraft und Energie kostet:
Wie viel Aufwand, Energie und Kräfte erforderte es, diesen Staudamm, einen solchen wie oben abgebildet, zu bauen?

Im Unbewussten wirkt die ungeliebte Emotion aber weiter! Bei länger anhaltender Unterdrückung ist sie oft sehr spürbar: Als körperliche Anspannung (beliebte Stellen dafür sind: Nacken, Rücken; die Kehle verschließen, der berühmte "Kloß im Hals" (Halschakra = Ausdruck von Emotionen), den Atem anhalten oder flach atmen, damit nicht so viel Energie da ist, sich festhalten), Schwächung des Immunsystems (als Stressfolge, weil die Emotionen nicht willkommen sind); Energielosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisproblemen. Und natürlich nicht zu vergessen das Anziehen von Unerwünschtem, da Energie darauf liegt, eben die Widerstandsenergie. (Resonanz: das habe ich so häufig hier im Blog erklärt, ich erspare uns hier Wiederholungen...)

Unterdrückung; Selbstkontrolle; Ablenkung (auch soll zum Beispiel das sogenannte positive Denken "Negatives" umlenken in etwas Helles, Positives); KrankWerden, um sich einer unangenehmen Situation zu entziehen; in die Arbeit stürzen; alles verstehen wollen; Süchte als Flucht zu nehmen; in die Zukunft schweifen; sich nicht im Körper zu fühlen oder gar zu sein; anders sein wollen; anders oder weniger fühlen zu wollen - kurz:

Alles, womit ich meine, an meiner inneren Situation etwas verändern zu müssen, ist Widerstand.

Jede/r hat da so seine Vorlieben, Du hast Dich vielleicht in manchen der beschriebenen Reaktionen erkannt. Das ist gut. So kommst Du dem, was hinter dem Widerstand liegt, schon ein Stück näher. Und damit näher zu Deiner Eigenliebe.

Die Rückführung als Weg aus dem Widerstand

Daher ist spannend, wie eine Bewusstwerdung des Verdrängten, die wir in der Therapie wollen, denn überhaupt zustande kommt. Daher zurück zur Einleitung in eine Rückführung als Beispiel dafür:

Dieser Widerstand gegen Inhalte kann sich folgerichtig manchmal auch im Einstieg in eine Therapiesitzung äußern, und zwar in vielen Umständen: Der Verstand zweifelt alles an, was an Eindrücken kommt; die Klientin "fühlt nichts", sieht "nichts", nimmt "nichts" wahr; es kommen unzusammenhängende wirre Bilder, die man sich nicht in Ruhe anschauen kann etc.

Da scheint es für viele TherapeutInnen "schneller" und "geschickter" zu sein, sich gar nicht lange mit diesen Phänomenen aufzuhalten, die sich dazwischen stellen. Man möchte ja mit der Klientin schnell zum "Eigentlichen" vordringen und ist dann versucht, "bewusstseinsverändernde" Techniken einzusetzen (oder benutzt das sogar standardmäßig), damit es erst überhaupt nicht zu diesen "Verzögerungen" kommt, damit sich der Klient "öffnet" und der Verstand, die "linke Hirnhälfte geschwächt" wird.

Rückführungstherapeut Widerstand

Meist soll hierbei der sogenannte Alpha-Zustand (= ein Zustand leichter Entspannung) erreicht werden, damit Verdrängtes auftauchen kann. So die Agenda. Und die Agenda der TherapeutInnen wird noch durch die Ungeduld der Klient*innen gestützt, die auch ganz schnell irgendwohin kommen wollen, damit sie ihr Problem loswerden. Und manche Klient*innen trauen sich auch nicht zu, dass überhaupt etwas auftauchen wird, weil ihre Eigenkontrolle so stark ist, und finden daher Hypnose attraktiv, "damit sie endlich dahinter kommen". Das heißt, da ist so viel Kontrolle, die man selbst nicht loslassen kann, so dass jemand anderer die Kontrolle übernehmen soll! Paradox, ja fast tragisch. (Zum verbreiteten Thema "Ungeduld" gibt es einen guten Artikel hier)

Das entspricht, prägnant gesagt, der Haltung, "wenn ich getrunken habe, kann ich meiner Frau die Meinung sagen" - Nur, was ist dann später ohne Alkohol!? ohje...   🙂   Es wird also von vielen TherapeutInnen ein vom Alltagsleben separater Zustand herbeigeführt. Viele kennen das auch von anderen Drogenzuständen oder der Meditation: Da wird etwas erlebt, was sich dann aber schwer in den Alltag integrieren lässt. Das sollte Therapie aber nicht, Therapie ist fürs Leben gedacht. (Ach nee...  🙂  )   

Unser Einstieg in die Therapie (wenn Du irgendwann dabei bist... 😉  )  - simpel & effektiv

Ich (und viele meiner KollegInnen, die dies ähnlich sehen, auch) verlasse mich jedoch auf den Moment.

Der normale Einstieg in eine Sitzung ist einfach das Problem oder die Frage des Klienten. Er oder sie konzentriert sich auf dieses Problem und es taucht auf, was dadurch in seinem oder ihrem Innenleben ausgelöst wird, auftaucht. Es wird immer etwas ausgelöst - auch wenn es vielleicht nicht das ist, was manche TherapeutInnen oder Klient*innen vorher dachten...

Wir gehen dann weiter zurück bis zum ersten Mal, wo er oder sie das gefühlt/gedacht/erlebt hat. So einfach, man kann es kaum glauben. (Mehr zum Vorgehen in der Rückführungstherapie siehe den Artikel zu einem Therapiebeispiel Neues vom Salatbesteck)  Es ist wirklich kein Hexenwerk, keine Raketentechnik, kein Wunderwerk! Schwer zu vermitteln, weil Laien (ich bekomme die Frage ja vor der Therapie öfters) den Einstieg für einen Quantensprung halten. Vielleicht ist diese ganze Arbeit ein Sprung für Dein Leben, der Einstieg selbst ist kaum ein Bocksprung...   😉  Aber darum geht es ja hier in der Vorstellung meines Vorgehens - und ich glaube, das muss man einfach selbst erleben...

Einstieg in Rückführungstherapie  Jetzt mal Butter bei die Fische (mögen die das?): Nehmen wir eine Ohnmacht gegenüber einer anderen Person als Thema der Therapiesitzung: Die Klientin soll sich vorstellen, dass der andere vor ihr steht oder sich an eine Situation erinnern, wo sie sich ihm gegenüber so gefühlt hat. Diese Gedanken, Emotionen und Körpergefühle ("ich fühle mich hilflos ausgeliefert", eine Angst im Bauch und Anspannung im Nacken z.B.). Darauf soll sich die Klientin konzentrieren. Und entweder kommt schon von alleine eine Assoziation, eine Erinnerung z.B. an die Kindheit, in der sie diesen Zustand sehr gut kannte, oder ich bitte sie, zurückzugehen zum frühesten Zeitpunkt, an dem sie in diesem Zustand war. Das ist vielleicht noch nicht der früheste oder erste Zustand überhaupt, aber der, der jetzt kommen kann, zugelassen wird. Vielleicht werden wir uns nach Durcharbeiten des ersten, der aufgetaucht ist, noch weiter zurückarbeiten müssen. Eben: je nach Widerstand taucht das im Moment Verkraftbare auf. Das beantwortet auch indirekt die weitere oft gestellte Frage: Wie viele Sitzungen braucht man? Ich weiß es nicht. Es dauert, so lange es dauert, hängt vom Widerstand ab. Von mir aus eine halbe Stunde... (das geht aber wohl kaum bei größeren Problemen), vielleicht aber auch mehrere Sitzungen! Etwas unbefriedigend, diese Antwort, aber ehrlich.)

Nicht unwichtig für Viele ist hier: Die weit verbreitete Angst ist dann auch unbegründet, dass durch Druck und Manipulation Tiefliegendes zu schnell hochkommt und uns überflutet. Denn wir gehen auf den Weg, der sich selbst öffnet. Da WARTET ja auch etwas, Zerren ist da ganz unangebracht und unnötig. (Trotzdem wollen wir uns natürlich gemeinsam Unangenehmem stellen, darin besteht ja die Therapie gerade.)
Also habe ich hier in diesem Absatz gleich DREI der häufigsten Fragen an mich beantwortet: Muss ich Angst haben - wie lange dauert eine Therapie - wie kommt man überhaupt in frühere Leben? Nicht übel, was?  🙂

Erwartungen gegenüber der Therapie von Klient und Therapeut - und der Widerstand

  • Wir RückführungstherapeutInnen arbeiten mit der Prämisse, es wäre heilend, die Ursachen von Problemen, Ängsten, Beziehungsschwierigkeiten etc. bewusst zu machen.
    Von Vielen (TherapeutInnen wie Klient*innen) eine weitere Prämisse: Es muss schnell gehen (fast ein Wettlauf mit anderen "langsameren" Therapien um schnelleren Erfolg als "Gütekriterium").
  • Viele Klient*innen kommen in eine Rückführungstherapie (die ja einengenderweise oft auch "Reinkarnationstherapie" genannt wird), um am besten gleich die tiefste Ursache, am besten in einem früheren Leben, durchzuarbeiten und loszuwerden. (Also wieder: es muss schnell gehen.)

Das sind verständliche Gedanken und Erwartungen. Erwartungen haben nur die Eigenschaften, dass sie das Erleben einschränken auf das Erwartete, in einer Art Tunnelblick. So gesehen sind diese Erwartungen ("das und das sollte jetzt kommen"; "es muss schnell gehen", "ich will das jetzt nach so viel Jahren loswerden") auch schon selber Widerstand: Widerstand gegen den Moment. Man möchte vorwegnehmen, was passiert, also die Zukunft kontrollieren, etwas überspringen, d.h. würdigt den Moment und das, was jetzt da ist, nicht.

Darin sind sich manche Klienten und Therapeuten dann einig.  😉

Der Erwartungsdruck ist Widerstand gegen den Widerstand, der ja aber eine Funktion hat. Sonst könnte man ja in Nullkommanix alles Lästige loslassen: Die Dauer einer Therapie hängt allein vom Widerstand ab.

Meiner Ansicht nach heißt das: Wenn nicht gewürdigt wird, was jetzt im Moment da ist, schaut man woanders hin, nämlich in die Fiktion, wie es eigentlich sein sollte ...und verliert das, was gerade da ist, aus den Augen, ja, es (also z.B. ein sogenannter "Widerstand") erscheint dann geradezu überflüssig, eher lästig. 

Die Motivation für diese Ungeduld kann Angst und natürlich der Leidensdruck auf Klientenseite und (Schnell)HelfenWollen, Angst und Erfolgsdruck auf Therapeutenseite sein.
In meinem Vorgehen gibt es also kein "Falschmachen" (die oben erwähnte Angst Vieler vor einer Sitzung, die Druck verursacht)!

Widerstände als großer Gewinn für die Therapie (und damit für Dich als KlientIn natürlich)

Würdigen wir jedoch den Widerstand, das heißt auch die Erwartungen oder Ängste oder jeden anderen möglichen Widerstand, tauchen möglicherweise wichtige Programmierungen gleich am Beginn der Therapie auf: Zum Beispiel "Ich gehe nicht zurück", "Ich bin hilflos", "Ich habe Angst, die Kontrolle zu verlieren", "Ich glaube, es nicht zu schaffen (also den Einstieg in die Therapie) und setze mich unter Druck". Diese Zustände spielen dann natürlich nicht nur jetzt in der Therapie, sondern auch im sonstigen Leben eine große Rolle. Und daher ist ihr Auftauchen so wertvoll, auch wenn sie nicht die Probleme sind, die der Klient bewusst ansteuern wollte. Aber jetzt sind sie da und können (und müssen natürlich) zuerst bearbeitet werden. Das alles hat erfahrungsgemäß meistens auch einen engen Zusammenhang mit dem "eigentlichen Thema", weswegen der Klient kam.

Außerdem vertieft dies alles das Vertrauen, das Wichtigste für einen Erfolg in einer Therapie. Dies, weil die Seele spürt: "Hier ist alles richtig, hier kann ich ohne Kontrolle (und das ist auch eine Themensetzung) endlich präsentieren, was mir am Herzen liegt. Und wenn das erst mal Angst in dieser ungewohnten Situation wäre (wie es die Therapiesitzung vielleicht für jemanden darstellt, zumindest kennt jemand mich in der ersten Sitzung nicht), dann ist DAS dann das Wichtigste in diesem Moment. Ohne sie zu bearbeiten und damit gleichzeitig das Vertrauen zu gewinnen, kämen wir auch nicht in das bewusst gewählte Thema. Das kann der Grund sein, dass ich öfter höre "Ich habe das schon mal versucht, aber es hat nicht geklappt". Das kann sehr gut am fehlenden Vertrauen bzw. der beiderseitigen Ungeduld, Kontrolle des Themas und Druck gelegen haben.

Das heißt aber nicht, dass Widerstand gegen das SichÖffnen IMMER eine Rolle spielt! Oft können wir auch direkt in das Thema starten.

Weitere Formen von Widerständen die auch zu Beginn in der Therapie auftauchen können

Es können sich auch Fremdenergien melden, die den Verlauf der Therapie beeinflussen oder gar torpedieren können (daher findet sinnigerweise standardmäßig ein Clearing vor der ersten Rückführungssitzung statt, um Fremdenergien gleich vorher anzusprechen und nicht später in diesen Widerstand hineinzulaufen);

oder sekundärer Krankheitsgewinn (= es hat mehr Vorteile, das Problem zu behalten, als es zu verlieren) ist ein Widerstand gegen die Besserung des Zustandes und wird jetzt in der Therapie (hoffentlich) bewusster. Dieses Bewusstsein ist sehr wichtig, weil sonst ein Therapiebesuch zum Alibi wird ("Keiner kann mir helfen, ich versuche doch alles!"). Man möchte unbewusst das Symptom eigentlich behalten  (wegen einer Rente, Arbeitsunfähigkeit, Zuwendung der Ärzte, Aufmerksamkeit des Umfeldes etc.), bewusst würde man das aber immer abstreiten. Das kann jeden Therapieerfolg unterminieren.

Also insgesamt ein reicher Schatz an vorgeschalteten ("Widerstands-")Themen, die die Klientin, wie gesagt, natürlich auch im Alltag einschränken werden. Die Therapie produziert hier keine Probleme, wo sonst keine sind. Es sind aber eben vielleicht nicht die Themen oder Schauplätze, die Therapeutin und Klientin im Vorgespräch ansteuern wollten. Da hat das Unbewusste beiden einen Streich gespielt... und wusste es besser...   😉

Wenn es gerade um die Abweichung von einer vorgegebenen Thematik geht: Natürlich kann es auch sein, dass die Seele überhaupt eine andere Agenda in der Therapie hat und das Thema des Klienten nur bewusst für ihn die oberste Priorität hat. Vielleicht taucht dann in der Sitzung überhaupt das Thema auf, weswegen der Klient eigentlich gekommen ist, woran er aber gar nicht gedacht hatte. Das passiert öfter und ist eigentlich ein Geschenk: Die Seele ist weiser als das Bewusstsein.   😉      Kontrollfreaks wird das vielleicht nicht passen...  😉

Widerstand versus Vertrauen

Vertrauen vs. Widerstand

Und außerdem ist Therapie - gerade eine, die, wie die Rückführungstherapie, tiefer gehen möchte - fast ausschließlich angewiesen auf das Vertrauen, davon war ganz am Anfang schon die Rede.

Das Vertrauen, dass nichts Schlimmes durch die Bewusstwerdung geschieht, muss größer sein als die Angst davor.

Es gibt keine kalte Technik, die man abspult und die ermöglicht, dass unbewusstes Traumatisches auftaucht. Es ist immer die Angstfreiheit, also das Vertrauen, das ermöglicht, dass Unbewusstes freigegeben wird.
Wenn Misstrauen in Menschen (incl. dann den Therapeuten), starke Emotionskontrolle und Angst vor dem Auftauchen von Überraschendem oder Unangenehmem aus dem eigenen Innenleben beim Klienten eine Rolle spielt, dann IST DAS erst einmal das Thema. Dann gibt es nichts, was wichtiger ist, sonst kommt man gar nicht zusammen tiefer bzw. an das gewünschte Thema.

Praktisch gesehen kann es sein, dass wir uns dann gemeinsam die Situationen anschauen müssen, in denen der Klient enttäuscht wurde, sein Vertrauen missbraucht wurde, er sich nicht verlassen konnte - oder in der Tiefe: er enttäuscht, im Stich gelassen hat. Erst dann ist die Kraft da, zu vertrauen und sich tiefer auf die Therapie (und überhaupt andere Menschen) stärker einzulassen.
Oder die Kontrolle von Emotionen blockiert das Einsteigen, weil Erinnerungen ja eben starke Gefühle auslösen könnten. In diesem Falle würden wir uns erst einmal die Vorteile des "Nicht-Fühlens" anschauen. Dafür gibt es sicherlich genügend Gründe und Erfahrungen, die wir dann durcharbeiten können.

Du siehst: Also ist das keine unsinnige Arbeit, die aus dem anfänglichen Widerstand gegen die Therapie entsteht!! Ganz im Gegenteil!

[Nebenbei bemerkt, habe ich schon manchmal beobachtet, dass das In-frühere-Leben-zurückgehen-Wollen von Klienten paradoxerweise manchmal ebenfalls einen Widerstand / Umweg darstellen kann. Wenn er oder sie das, was in dem heutigen Leben an Unangenehmem erlebt wurde, zuerst nicht konfrontieren kann, ist es erst einmal einfacher, in eine "entfernte Zeit" zu springen. Das kann dann erst über diesen Umweg die Möglichkeit eröffnen, in diesem Leben "aufzuräumen", z. B. Traumata aus der Kindheit zu bearbeiten. Die Abfolge dessen, was zuerst auftaucht, geschieht aber nicht auf meine Instruktion hin, sondern das Bewusstsein des Klienten lässt immer einströmen, was im Moment möglich und damit ungefährlich ist.]

Also: Mit der entsprechenden würdigenden Haltung können Widerstände zu hilfreichen "Umwegen" werden!
...und das könnte natürlich auch fürs Leben gelten!...
Oh! Ruhig nochmal lesen!  🙂

Annehmen - immer wieder!

Konsequentes Mitgehen und Annehmen dessen, was da ist, auf Seiten des Therapeuten kann überhaupt erst zu Annehmen des bisher Unakzeptablen für den Klienten führen. Wenn schon der Therapeut etwas nicht aushält, was auftaucht (inklusive der Widerstände) und sofort Techniken gegen das volle Erleben einsetzt (eine Art Aktionismus: Wegschicken von Fremdenergien oder Verändern von Emotionen, Beruhigen, Umdeuten von Situationen etc. etc.) bestätigt das den Klienten in der Tatsache, es sei wirklich unannehmbar. Therapeut und Klient wären sich in diesem Fall - etwas unselig - auch noch einig darin, dass es im Leben Aspekte gibt, die überhaupt nicht zu ertragen oder anzunehmen sind. Das Ergebnis wäre dann: wieder Verleugnung oder gar Zurückdrängen der Inhalte statt Sicherheit und Stärkung durch das Erleben des Annehmens. Denn das ist meines Erachtens genau, warum der Klient eigentlich kam, auch wenn er es nicht bewusst ausdrückt: das Annehmen des Unakzeptablen in sich.

Die Haltung des Annehmens gilt also nicht nur für den Einstieg, sondern spielt in jedem Moment der Therapie eine Rolle, auch "im Widerstand". Der Einstieg spiegelt hier nur die allgemeine Haltung des Therapeuten wider. Natürlich sind wir TherapeutInnen auch "nur Menschen" (so sagt man zumindest... 😉  - einige sagen auch, wir wären verrückt...). Und Annehmen ist ein Weg - selten 100%ig und in jeder Situation schon ausgebildet...  das muss man uns wohl auch nachsehen...  🙂

Und trotzdem wollen wir dem Traumatischen durch Beharrlichkeit begegnen und den Widerstand, zum Beispiel durch wiederholtes Erleben und Erzählen der Erinnerung, abschmelzen. Nur sich den alten verdrängten Situationen auszusetzen führt zu dem erwünschten Annehmen. Und das wiederum nimmt den Situationen die Kraft und Wirkung, die sie in Form von Problemen in der Gegenwart unbewusst verursacht haben.

Bewusstwerden ist Annehmen. Und Annehmen ist Loslassen.

Das ist wahrlich ein ganzheitlicher Prozess und findet auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene statt: "Alte" Körpergefühle, Emotionen und Gedanken werden reaktiviert, um sie dann loslassen zu können.

Emotionen Wasser

Beharrlichkeit lässt große Widerstände schmelzen

Wer sich nicht mit seiner unbewussten oder bewussten Vergangenheit beschäftigen möchte, d.h. nicht in altes Leid "zurückgehen" möchte, der sollte lieber eine andere Therapieform wählen. (Das klingt überflüssig in einem Rückführungstherapie-Blog, aber einige wenige Klient*innen scheinen dennoch überrascht davon, dass alter Schmerz auftaucht...)

Steter Tropfen höhlt den Stein: Beharrlichkeit ist wichtig in der Therapie. Wenn wir immer wieder vor etwas weglaufen (übersetzt für die Psyche heißt das eben unterdrücken, verleugnen, verdrängen, aus dem Weg gehen, kontrollieren), dann fühlt sich das vielleicht erst mal besser oder erleichternd an, ändert aber an dem Problem genau Nullkommanull. Nicht mal aufgerundet wird es mehr, eher sogar weniger. Das Ausweichen ist wie Urlaub von einem üblen Job oder ein Besäufnis: kurze Auszeit und dann zurück in dasselbe Elend - drastisch ausgedrückt. Denn es bedeutet, nur dem Widerstand zu frönen und nicht ihn zu verringern. Und all das verkleinert den Radius des Lebens und die Lebendigkeit. Auch wenn Du die Übungen im Emotionen-befreien-Artikel für Dein Leben anwendest, was mich freuen würde, spielt Beharrlichkeit natürlich dieselbe große Rolle beim Aufweichen des Widerstands. "Einmal machen" ist nicht die erfolgsträchtige Haltung dazu....  😉

Großer Widerstand funktioniert nicht ohne große Verluste im Leben.

Auto fahren Vermeidung Widerstand

Ein Beispiel für das Umgehen von Emotionen durch Widerstand:
Nehmen wir jemanden, der Angst hat, Auto zu fahren. Er würde es dann vor lauter Angst wahrscheinlich einfach nicht machen - die simple Lösung. Dadurch kann er zwar sagen, er ist nie in Furcht, weil er ja den Auslöser der Furcht vermeidet, beschneidet aber dadurch seine Möglichkeiten. Die Angst wird dadurch natürlich nicht geringer - das Leben jedoch eingeschränkter. Ok, NichtAutofahrenKönnen ist für manche vielleicht kein großer Verlust, aber setze jetzt für die Angst vor dem Autofahren die Angst vor Nähe oder vor Verletzung, vor Enttäuschung, vor VerlassenWerden, vor Ohnmacht, AusgenutztWerden oder DominiertWerden, vor Anfeindungen, "Schwäche", Emotionen generell... - dann kannst Du einen Aspekt von dieser Liste vielleicht auch auf Dich anwenden? Oder andere Beispiele finden?...
....noch andere?
...und Du kannst vielleicht auch sehen, was Dich das "SchützenVorSchlimmerem" auch kostet... ?

Therapie möchte jetzt Deine Möglichkeiten und Freiheiten wieder erweitern, indem wir das "Schlimmere" neutralisieren, damit der Schutz auf diese Weise nicht mehr nötig ist und Dich nicht mehr hemmt oder einschränkt. Dafür gehen wir zusammen dem Angstauslöser nicht aus dem Weg, sondern steuern ihn gerade an und begegnen ihm.

Zuerst einmal vermeidet der Auto-Phobiker in unserem Beispiel die Angst. Dann geht es uns aber weiter darum: Wovor hat er überhaupt Angst? Durch die Vermeidung des Autofahrens stellt er die maximale Distanz zu dem Geschehen, das die Angst auslöst, her, die ihm möglich ist. Was schreckt ihn aber so ab?
Die Theorie und Praxis der Rückführungstherapie sagt, dass es immer Gründe für Ängste gibt, sie sind nur teilweise oder gänzlich unbewusst (im Autobeispiel möglicherweise ein Unfall mit einer Kutsche in einem früheren Leben, an dem er Schuld hatte?, ein Autounfall in der Kindheit? o.ä.). Diesen traumatischen Erfahrungen weichen wir nicht mehr aus (sie sind ja so stark vermieden, könnte man sagen, dass sie unbewusst sind) - wir machen sie jetzt in der Therapie bewusst und "entschärfen" sie jetzt dadurch, neutralisieren sie.

Wir erweichen den Widerstand in der Therapie (nur) durch
1. das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, das der Therapeut ausstrahlen und bieten sollte (achte daher auf Deine TherapeutInnenwahl! - hier dazu ein Artikel zum Finden eines guten Rückführungstherapeuten) und
2. durch das Herantasten und Wiederholen der Erinnerung, bis alles bewusst ist und alle Emotionen "entladen" sind, so dass das auslösende Ereignis (oder die Ereignisse) neutralisiert ist.

Wenn der Widerstand also gleich null ist, d.h. die traumatische Situation bewusst ist, hat das Zurückliegende auch keine unerwünschten Auswirkungen mehr.

Das ist auch die Antwort auf die mir oft gestellte Frage: "Was wirkt denn in der Rückführungstherapie? Was mache ich dann damit?" - Vor allem gut in den Sitzungen das durcharbeiten, das man findet und den Widerstand abbauen, d.h. auch alle Emotionen und Körpergefühle neutralisieren - das ist das zentral Wirkende einer Rückführungstherapie, mit dem man wirklich von der Vergangenheit loslassen kann. Das ist Arbeit genung! Fast alles andere wären wieder Tricks und Kontrollmaßnahmen: also weiteres NichtAnnehmen (Emotionen wegschicken, in Flammen werfen, Vergangenheiten umschreiben etc).
(Vergebung und Selbstvergebung am Ende ist auch wichtig, wenn sie denn authentisch ist.)

Ähnlich wie in einer Therapie einer Schlangenphobie nähern wir uns der bedrohlichen Szenerie Schritt für Schritt; spüren bei jedem Schritt, dass der Schritt uns nicht umgebracht hat - immer weiter, bis wir die Schlange (=bedrohliche Erinnerung) anfassen bzw. wir in der Rückführung das Ereignis voll bewusst haben. Am Ende steht die Angstfreiheit vor dem traumatischen Ereignis und dann das AnfassenKönnen der Schlange bzw. in unserem Beispiel, dass unser Autophobiker ins Auto steigen kann.
Peng Aus, Ende Gelände.
Frei von den mit dem früheren Trauma verbundenen Verwicklungen, Einschränkungen, Widerständen, Vermeidungen, Problemen, Symptomen etc. etc. ....

Vielleicht nicht ausschlaggebend für Dich als potentielle Klientin, möchte ich doch noch für mich persönlich erwähnen:   🙂
Wenn man nicht nur von Effizienz oder inhaltlicher Relevanz, sondern auch von einer "Ästhetik der Therapie" sprechen würde, finde ich diesen Ansatz des Auftauchenlassens ohne Kontrolle, nur durch das Folgen der Aufmerksamkeit hinsichtlich eines Themas oder Problems auch ästhetischer, geschmeidiger, purer. Ohne "Austricksen" und doppelten Boden alles annehmen, was KlientIn und TherapeutIn bei der Reise nach innen begegnet, und das schon beim Einstieg.
KontrollierenWollen ist ja schon (nicht zu vermeidende) Ursache des Problems gewesen, also führt man das in der Therapie besser nicht auch noch weiter, das wäre gegen alle Überzeugung. Wenn es ums Annehmen geht, betrifft das natürlich auch die Widerstände! Auch das gilt fürs Leben: Ein gequältes  pseudospirituelles "Ich muss Alles annehmen" muss ja dann wohl auch den Widerstand annehmen, sonst ist es Widerstand auf Widerstand!  😀

Therapie und Widerstand zusammengefasst:

Annehmen, spüren, ansehen, in der Existenz würdigen (= bejahen = aus der Verdrängung befreien), dann das nächste Auftauchende annehmen etc. - bis eine Entspannung im Thema spürbar wird. Dann ist Unbewusstheit und Verdrängung und Energie-gegen-Energie-Stellen (was ja Widerstand ist) aufgehoben und die (Aufmerksamkeits-)Energie wieder frei verfügbar ist - für ein im wahrsten Sinne des Wortes leichteres Leben. Und das Unerwünschte wird nicht durch Widerstand auch noch angezogen.

Ganz kurz gesagt

...versuchte ich zu zeigen, wie mein Vorgehen in der Rückführungstherapie am Beispiel der Einleitung in die Rückführung den Widerstand mit einbinden möchte, weil er immer gute Gründe hat. Die hat er natürlich auch im Leben. Bei allen dargestellten Vorteilen jedoch (Schutz vor unangenehmen Emotionen und Reaktionen und dahinterliegenden traumatischen Situationen) kann er - chronisch angewandt - zu einem Problem werden. Er ist dann der Verursacher von Problemen, die durch Vermeidung und Unterdrückung entstehen, auf seelischer, mentaler, körperlicher Ebene. Immer, wenn die alten Situationen und der Widerstand dagegen ausgelöst werden, schützen wir uns dann immer noch. Dann leben wir innerlich immer noch unbewusst in der Vergangenheit und reagieren darauf: Living in the Past heißt ein Album aus dem Anfang der Siebziger Jahre meiner geliebten Rockband Jethro Tull...

Die Therapie versucht, diese Widerstände aufzuweichen und letztendlich zu einer Befreiung durch Loslassen dieser Situationen und Emotionen zu kommen, indem Du das NichtAkzeptable - und damit Dich selbst - mehr annehmen kannst.

Sei mehr Fluss als Staudamm!

im Fluss

Der oben mehrmals erwähnte Artikel "Emotionen befreien: Lebendiger, authentischer, gesünder - ein praktischer Weg dorthin!" liegt mir noch am Herzen. Er handelt von den Widerständen im Alltag, die Kraft kosten und uns von unserer Lebendigkeit abschneiden, die eben erwähnte Freiheit einschränken und uns zwar zunächst Schutz, aber auch ein unerfüllteres Leben bescheren. Darin gibt es einen praktischen und einfachen Weg der Selbsthilfe, der Dir schon helfen kann - neben der Rückführungstherapie, die mit Dir die "dicksten Klöpse" ausräumen möchte. Dafür stelle ich Dir dort eine einfache Übung vor, mit einem Hörbeispiel. Also wieder - ähnlich wie im zweiten Teil des wichtigen Polaritäten-Artikels - etwas für die Fleißigen, die an sich arbeiten möchten! Freue Dich drauf und springe dorthin!  🙂
Ich freue mich, wenn Du diese Möglichkeiten nutzt - und vielleicht auch anderen weitergibst, die davon profitieren könnten!
Herzlichst!
Dein Ulf Parczyk

_________________________
Im Text erwähnte und andere hilfreiche Artikel in diesem Zusammenhang:
Das kostenlose E-Book "Der Ursprung der Probleme"
Ein Beispiel für eine Rückführungstherapie zum Thema "Sinn"
Die Polaritäten-Artikel
Die Liebe zum Problem
Zum Thema Ungeduld
Zum VerstehenWollen
Fremdenergien als Beispiele für gespiegelte abgelehnte innere Anteile 
Ein praktisches Beispiel einer Rückführungstherapie
Die ganze Artikel-Kategorie zu Emotionen & Widerstand

 

 

Photos: Beitragsfoto: Staudamm von Chuan on Unsplash; Therapie: Mark Williams on Unsplash; vom Verf. kombiniert: Butter: Alice Pasqual on Unsplash   & Fisch: David Clode on Unsplash; Kind am Adler von Dieterich01, pixabay: pixabay.com/photos/nature-waters-flying-adventure-3188987/ ; Sprudelndes Wasser von Samara Doole on Unsplash; Autofahrerin von takahiro taguchi on Unsplash; fliessender Strom von Tim Peterson on Unsplash

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