Destilliertes - Mein Blog

Salatbesteck II: Die Praxis der Rückführungstherapie. Ein Beispiel zum Thema “Lebenssinn”.

Salatbesteck II: Die Praxis der Rückführungstherapie. Ein Beispiel zum Thema “Lebenssinn”.

[Vorbemerkungen: Diesmal gibt es ausnahmsweise kein Audio, weil der Text nur vorübergehend als Blogartikel zur Verfügung steht, weil er als Teil eines E-Books erscheinen wird. 
Lies bitte auch den ersten, theoretischeren, Teil zu Sinn und Aufgabe in der Rückführungstherapie “Neues vom Salatbesteck”!]

“Ich habe keinen Platz!”

Welch ein Satz.

Lass´ Dir diesen Satz einmal durchs Herz gehen.
Wie fühlt sich das Leben wohl an, wenn Du diese Überzeugung hättest? (“hättest”, falls Du die damit verbundenen Gefühle nicht kennst)
Wie wäre Deine Beziehung zu dem Ort, wo Du lebst, zu einem Zuhause, zu den Dich umgebenden Menschen?
Wie ist dann Deine Beziehung zu Dir selbst oder zu Deinem Körper? Willst Du hier sein oder lieber nicht?
Und wie wäre mit dieser Überzeugung das Gefühl, dass das Leben hier sinnvoll, glücklich und bereichernd sein kann?

Vielleicht kommt Dir das auch sehr bekannt vor. Denn solch ein Glaubenssatz ist verbreiteter als Viele, auch die davon Betroffenen selbst, denken würden: Denn alle anderen kommen ja (angeblich) so gut zurecht mit ihrem Leben, sind so “drin”, gehören dazu, sind erfolgreich. Zumindest “packen” sie es hier ja augenscheinlich… Das macht dann noch einsamer, isolierter, als es sowieso schon ist.
Als Therapeut habe ich da sicherlich eine andere Sicht darauf, enthüllen KlientInnen doch mir gegenüber in meiner Praxis ihre tiefsten Ängste, Probleme und Überzeugungen. Und dann sieht es oft sehr anders aus als die vielleicht noch “funktionierende Oberfläche”. Eine Oberfläche, die oft nicht einfach ist, aufzugeben, den Blick dahinter freizugeben und sich den auftauchenden Erinnerungen und Gefühlen zu stellen. Leiden und Verzweiflung – Folgen davon, dass es einfach zu schlimm geworden ist – helfen dabei (leider oder zum Glück?), den Widerstand dagegen zu überwinden. Dieses ÖffnenMüssen/”Wollen” ist natürlich eine Voraussetzung für eine tiefergehende Therapie wie die Rückführungstherapie.

Die Klientin, von deren Sitzungen ich hier erzählen möchte, nennen wir sie Marie, hat diesen Mut, sich dem zu stellen, sich zu offenbaren. Und hat mir netterweise erlaubt, von unserer Arbeit zu berichten.

ÜBER DEN BERICHT

Ich schreibe so wenig bis keine “Fall”beispiele (das Wort geFÄLLt mir gar nicht), denn ich habe wohl selbst zu viele davon gelesen und bin sie überdrüssig geworden (dieses “Frau E. hat Neurodermitis und kam in einem früheren Leben im Feuer…”…ach!…). Und da ich ganz egoistisch nur schreibe, was mir selber Freude macht, lasse ich das Konkrete oft weg. Wiewohl ich verstehen kann, dass man als Interessierte plastische Beispiele für so eine spannende Arbeit bekommen möchte – gerade, wenn man selbst solch eine Therapie noch nicht erlebt hat und sie sich daher schlecht vorstellen kann. (Es geht jedoch nichts über die eigene Erfahrung, also los…!  🙂  )

Daher ist aber dieser Bericht auch sicher nicht typisch für sonstige “Fallbeispiele”, da ich hier offen meine Gedanken in Form von Kommentaren in BLAU gegeben habe und nicht nur den Sitzungsverlauf, die Inhalte, protokolliert habe. Dieser Blick hinter die Praxiskulissen ist hoffentlich auch spannender als nur “Frau E. und ihrer Verbrennung” auf den Scheiterhaufen zu folgen… Auf jeden FALL ist es das für mich, es zu schreiben… 😉

Es gibt Dir hoffentlich auch ein offenes Bild von meinem Therapiestil, der, kurz gesagt, ohne viel SchnickSchnack (Atemübungen, hypnotische Schlafeinleitungen, Musik etc.) – und sei er noch so angeblich “spirituell” (Engels- oder Geistführerunterstützung, Höheres Selbst etc etc….). Das alles wirst Du bei mir nicht finden, jedenfalls nicht künstlich aufgerufen. Spirituell ist diese Arbeit sowieso. Ich bin auch nicht so der Einhorn-Delphin-Erzengel-Gabriel-Freak, das wird sicher schon auf meiner Website klar. Wenn Du das brauchst, bin ich sicher nicht der richtige Therapeut für Dich (oder gerade…. 😉 ) Meine Begleitung ist eher puristisch, direkt, gedönslos, einfühlend und unterstützend zum Kern vordringend.

Mein Vorgehen hat sich über die Jahre an Erfahrung gebildet (Du kannst mich alter Hase nennen, bin ich doch seit 2001 Rückführungstherapeut und seit 35 Jahren an psychologischer und spiritueller Entwicklung interessiert, inklusive des Psychologiestudiums) und hat sich in dieser Zeit weit von dem in meinen Ausbildungen Gelernten entfernt: hin zu einem persönlichen, mir und meinen Erfahrungen passenden – wie es ja auch sein soll. Ausgerichtet an Authentizität und Effektivität, nicht an Regeln und Dogma. Ich folgte damit meinem Weg, wie ich jetzt im Überblick sehe, selbst immer weniger Widerstand gegen das Leben aufzubauen oder festzuhalten. Und damit wurde Therapietechnik im Sinne von “Machen” und “Wegmachen” eher zu DaSein, die Klienten möglichst nah und einfühlsam Begleiten – und Annehmen. Annehmen auch seines oder ihres Leids.
Wenn Du bis jetzt weder viel über andere TherapeutInnen gelesen hast, noch Therapieerfahrungen hast, kannst Du zwar nicht vergleichen, aber auch sicher so spüren, ob Dir solch ein Vorgehen liegen könnte.

Diese Sitzungsbeschreibung ist auch ein Beispiel für die (Mit-)Bearbeitung des Themas Sinn (lies bitte den VORIGEN ARTIKEL darüber), das nicht explizit angesprochen, angezielt wurde, sondern – wie meist – im Zusammenhang mit anderen Problemen auftaucht.
Der vorige Artikel darüber, welche Rolle die Themen ‘Sinn’ und ‘Aufgabe’ in der Rückführungstherapie spielen, sollte erst gar keine Fortsetzung bekommen. Dann häuften sich jedoch (“zufälligerweise” 😉 ) Sitzungen, wo es explizit um diese Themen ging. Und nicht nur das, auch ging es dabei um die im Artikel nebenbei erwähnten “außerirdischen” Vorleben, die für das bzw. die Erdenleben eine große Rolle spielen können. Sie betreffen den Kern unserer Existenz auch im Heutigen, da es um unsere Herkunft geht, also um tief in uns sitzende Erfahrungen von Seelenheimat und Zuhause, und vor allem auch von Aufgaben und Zielen von damals, die heute immer noch in ungebremster Stärke unbewusst wirken und die meist alle Lebensbereiche betreffen.
Also entschloss ich mich, diesem Wink zu folgen (auch hier, nicht nur in den Sitzungen, “mit dem Lebensstrom” gehen 😉 ) und doch einmal ein lebendiges Beispiel zu geben. Also eine Premiere hier im Blog!

Der Intensität wegen arbeite ich mit KlientInnen immer an zwei Tagen hintereinander zusammen (s. VERLAUF), der Schwerpunkt meiner Schilderung liegt hier auf dem zweiten Sitzungstag. (Natürlich hat mir die Klientin ihre Einwilligung gegeben – vielen Dank dafür nochmal! Ich habe natürlich ihren Namen geändert und bestimmte Umstände unscharf beschrieben, damit sie nicht identifiziert werden kann.)

ABGEFAHREN?! DU WIRST DICH DOCH WIEDERERKENNEN

Dieses Beispiel ist nicht so exotisch (zumindest für meine Praxis – jede/r Therapeut/in hat da natürlich individuell andere Resonanzen), wie es für manche vielleicht klingen mag. Schon gar nicht, was die dahinterliegenden Themen betrifft, die auftauchten; auch Du wirst Dich darin sicher oft wiedererkennen. Hier kommen ganz grundlegende Themen zur Sprache, die (fast) alle hier Inkarnierten betreffen – ob es ihnen bewusst ist oder nicht.
Und es macht deutlich, dass das Thema “Sinn” immer auch mit anderen Themen zusammenhängt und gar nicht so isoliert dasteht.

Und es wird vielleicht durchschimmern, dass das therapeutische Begleiten geschmeidig dem Fluss der Aufmerksamkeit folgt. Es weicht jedoch nicht allem aus, das die Klientin vermeiden möchte, sondern bleibt sanft und nahe an diesem Strom, der etwas ans Licht bringen möchte, das wir dann zusammen bergen können.
Das Vertrauen in den Willen der Seele zur Selbstheilung, genau das Richtige zu bringen, damit wir es durcharbeiten können, unterliegt diesem aufmerksamen und liebevollen Begleiten einer Klientin und ist die Ernte meiner Erfahrungen und der Sicherheit durch die bald zwanzig Jahre therapeutischer und selbstverständlich auch innerer eigenen Arbeit.

Natürlich kann in solch einem sehr verkürzten Bericht nicht die Arbeit und Mühe für die Klientin (und aller KlientInnen natürlich), die dieses Bergen kostet, transportiert werden – dies ist auch schwer möglich, soll aber in einer ehrlichen und ungeschminkten Beschreibung nicht unerwähnt bleiben. Wer Darstellungen auf meiner Website nur ein wenig kennt, weiß, dass ich nichts schönreden oder marketinggerecht aufblasen möchte. Sitzungsbeispiele sind immer einfacher zu lesen als zu erleben. (Dafür hat man aber auch weniger davon…)
Apropos Lesbarkeit: Ihretwegen habe ich auf den sprachlich korrekten Konjunktiv bei den Aussagen von Marie verzichtet (“es wäre so und so gewesen, sagt sie” ist einfach sperrig.)

KEIN PLATZ – KEIN SINN. DAS ERSTGESPRÄCH

Genug der Vorrede, wo war ich? …”wo bin ich – und wie?” … darum geht es übrigens auch in der Beschäftigung mit dem Satz
“Ich habe keinen Platz!”

Im Erstgespräch, das der tieferen Therapie – zum gegenseitigen Kennenlernen, VertrauenVertiefen, Klären von Fragen, Sondieren der Probleme – natürlich immer vorausgeht, äußert Marie diesen wichtigen (Glaubens-)Satz schon.

Wo ist dann der Platz? Warum habe ich ihn nicht? Hatte ich ihn mal? Geht es um einen Ort oder um ein Gefühl für Heimat? wären beispielsweise gute Fragen, die aber nur in der späteren Arbeit mit dem Unbewussten wirklich beantwortet werden können. Aber wir sind jetzt noch im Erstgespräch, im Bewusstsein sozusagen, offene Augen, gegenübersitzend, kennenlernend, “normal therapeutisch”. Dieses Gespräch kann schon sehr tief und emotional sein und ist es hier mit Marie auch. Ihre Situation, nicht verwunderlich mit diesem das gesamte Leben und alle seine Bereiche betreffenden Satz im Hintergrund, ist mittlerweile in der letzten Zeit unerträglich geworden:
In großem Maße Schlaflosigkeit, eine starke Energielosigkeit, körperliche Symptome (Magen, Schilddrüse, Haut), das Fehlen von Sinn oder Zielen. Auch Selbstmordgedanken hatte sie in der Vergangenheit schon, verständlich.
Die Verzweiflung an ihrer Situation ist groß.

Sie ist um die 50, die Kinder zum größten Teil außer Haus. Doch eine ‘einfache Midlife-Crisis’ ist keine Begründung, wie sowieso überhaupt kein Etikett irgendeine Begründung liefert, noch irgendeine Hilfe darstellt. (Übrigens auch das nahe liegende Etikett ‘Depression’ nicht. Es sei denn für einen Psychiater, von dem man entweder ein Psychopharmakon möchte oder eine Krankschreibung.)

“…um die 50…” Sicher spielt für uns das Alter oft eine wichtige Rolle (s. a. mein ARTIKEL ÜBER DIE 50er…) im Sinne eines Katalysators und Druckes, in diesem Leben noch Potentiale einzubringen oder/und Themen zu lösen: wir merken, unsere Zeit ist begrenzt, bestimmte Lebensabschnitte (die Kindererziehung z.B.) sind abgeschlossen. Und nicht zuletzt: die Energie, ein möglicherweise angepasstes und in Teilen unechtes, aus den festen Strukturen aus Kindheit und früheren Inkarnationen entstandenes, Leben aufrechtzuerhalten, kann nicht zusammengehalten werden.
Kurz: Der innere unbewusste Widerstand, der zum Echten & Heilen, ruft, wird stärker – nenne es Selbstheilung – und will endlich durchkommen.

WIE ENTSTEHT EINE KRISE? DURCH WIDERSTAND.

In einem sehr aufgeladenen Kampf zwischen Wollen/NichtWollen, Funktionieren/UngeliebtFühlen und Freiheit/wirklicher Bestimmung kreierst Du genau die Situationen, vor denen Du immer – bewusst oder unbewusst und mehr oder minder erfolgreich – geflüchtet bist. Genau das Drama spielt sich jetzt in der Krise auf Dir ab, vor dem Du die ganze Zeit geflohen bist: Schwäche, Einsamkeit, Depression, NichtMehrKönnen, Abhängigkeit, VerlassenFühlen, SchuldigFühlen – was immer Du als größte Katastrophe in Dir trägst, kommt jetzt durch. Weil der innere Druck nach dem “echten”, authentischen Leben stärker wird (“Mach´ jetzt endlich hin!”) und gleichzeitig der innere jahrzehntealte Widerstand erschöpft ausbrennt… (…das heißt jedoch keinesfalls, dass Jüngere nicht schon dasselbe Problem haben können. Alter ist ja relativ und der Druck kann auch in früheren Jahren schon stark werden…)
Dadurch kommt es, dass Du Dich dann in exakt Deinem unerwünschtesten inneren (vorher unbewussten, jetzt ‘realen’) Film wiederfindest – genau in dem, den Du immer verhindern wolltest – das Verdrängte drängt zurück und zeigt sich. Und Dein Widerstand, d. h. Leiden und Verzweiflung, wird dadurch wiederum größer.
JETZT sitzt Du richtig im Schlamassel.

Das ist sicher ein Teil der jetzigen Situation von Marie (und jeder, die mit unerwünschten Problemen kämpft): Jetzt genau, in diesem Tief, ist also die Zeit, an diese Themen zu gehen. Für Viele ist das der Weg in körperliche Symptome oder in Therapien – oder beides. Rückführungstherapie ist hier ein Weg, den aufgetauchten, unliebsamen Erscheinungen wirklich auf den Grund zu gehen, da uns unbewusste Erfahrungen und abgespaltene Emotionen dorthin gebracht haben.

Aber es ist nicht nur die jetzige Situation, in der Marie wenig Unterstützung in der Beziehung fühlt, kaum Freundschaften hat, wenig Liebevolles erfährt, feststeckt, keine Kraft mehr hat. Diese Situation, das wird schon im Erstgespräch klar, ist ihr – nicht sehr überraschend mit solch einem Glaubenssatz – schon seit der Kindheit vertraut:
Ihre Kindheit ist geprägt von extremer Ablehnung bis hin zu physischer Gewalt, lieblos dominiert von den Eltern und daher im Gefühl, von Anfang an nicht willkommen zu sein, nicht dazuzugehören, sich extrem isoliert zu fühlen, einsam, mit einem starken Bedürfnis nach GeliebtWerden, VerbundenFühlen, Sicherheit und Schutz. Letzteres findet sie nur alleine, im Rückzug von den anderen, denn keiner stellt der kleinen Marie das zur Verfügung. Die Eltern sind viel weg, niemand beschützt sie vor dem abwertenden und gewalttätigen Bruder, dem sie also allein ausgeliefert ist.
Hier gibt es kein Zuhause für sie, keinen liebevollen Platz – das lernt sie schnell (ob sie mit dieser Überzeugung schon in diese Inkarnation gestartet ist, wissen wir noch nicht; ist also jetzt, im Erstgespräch, nur eine Annahme). Die emotionale Situation der “kleinen” Marie hat sich später eigentlich nie wirklich verändert, sich in den letzten Jahren eher noch zugespitzt. Die Schlaf- und Energielosigkeit schwächt jetzt nur noch mehr und lässt irgendwelche Ziele, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und sich mehr mit Menschen zu verbinden, eher weit weg erscheinen. Die Kraft reicht ja gerade noch für das, was im Alltag nötig ist, für Herausforderungen jedoch nicht mehr.

Das Erstgespräch ist durch ihre Offenheit schon sehr tiefgehend. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass sie nicht unerfahren in Therapie ist, sie hatte unter anderem schon viele Familienaufstellungen. Unser Vorgespräch jedenfalls hat uns wichtige Themen auf der bewussten Ebene gezeigt und hat durch die Geballtheit, das “Leben” in so kurzer Zeit komprimiert zu erzählen, einiges emotional verdichtet und fokussiert. Eine gute Voraussetzung für die kommenden Sitzungen. Das Clearing folgt gleich nach einer kurzen Pause von wenigen Minuten. Damit nutzen wir die Energie des Vorgesprächs gleich für die Sitzung (KompaktIntensivPaket s. VERLAUF).

Was jetzt? Sie findet verständlicherweise die Schlaflosigkeit zur Zeit am quälendsten und schwächendsten. Dieses Thema werden wir im Hinterkopf behalten, ich kläre sie jedoch auf, dass wir – mit ihrer Einwilligung natürlich – zuerst mit dem Clearing beginnen.

DER ERSTE TAG

Das als erste Sitzung bei mir standardmäßig durchgeführte Clearing hat das Ziel, mit möglicherweise wirkenden fremden Energien (mehr Informationen HIER) in oder bei ihr Kontakt aufzunehmen. Sie beschweren uns in den meisten Fällen eher, auch dann, wenn sie nicht feindlich gesonnen sind. Und wenn sie uns im Leben sabotieren möchten, könnten sie, wenn nicht vorher angesprochen, auch unsere weitere therapeutische Arbeit torpedieren. Und ausserdem zeigt uns das Clearing, egal, was uns begegnet, vor allem schon die unbewussten Themen auf, Resonanz sei dank.

Ich möchte mich hier jedoch der Rückführungsarbeit und eben dem Beispielthema “Sinn” zuwenden, das in der ersten Sitzung nur indirekt eine Rolle spielte. (Doch versprochen, ein Beispiel für mein Vorgehen in der Clearingarbeit werde ich Dir in einem der nächsten Artikel geben. Wenn Du automatisch über kommende Artikel informiert werden möchtest, abonniere meinen Newsletter HIER, falls Du das noch nicht getan hast.)

Nur so viel zur ersten Sitzung: Marie öffnet hier Ihr Inneres weiter und daher gewinnen wir schon viel Boden und wir können Einiges bearbeiten. Wir entdecken eine widerstreitende Energie in ihr, die sich, so könnte man sagen, im heutigen Leben in ihrer Mutter verkörpert hat. Es geht hier schon darum, dass Marie sich in ihrem HierSein von der Mutter bedroht fühlte. Und es geht auch um den Willen, diesen Kampf aufzugeben, indem sie ihr Leben in der Pubertät beenden will. Sie schafft es in der Sitzung dann, durch Bewusstwerdung von diesen sich bekriegenden Energien, schon einen guten Schritt in Richtung einer Integration dieser Kräfte zu gehen.

DER ZWEITE TAG

Marie kommt mit einem Schmerz im Oberbauch in die Sitzung. Der hatte sich am ersten Tag noch nicht gezeigt.

Der erste Tag setzt immer auch etwas frei – und das muss nicht immer gleich angenehm sein – Therapie ist ein Prozess, das kann man nicht oft genug betonen. “Instant Happiness” wird hier eher selten bedient – wer das will, muss woanders suchen…

“Wasch mich, aber mach mich nicht nass” ist meines Erachtens jedenfalls keine Option, wenn es um Therapie geht. Du willst ein Symptom loswerden, aber Dich nicht ändern?
Wenn ich mich nicht gleich top fühle nach einer Therapie, gehört das dann auch dazu. Weitermachen wie vorher? Als wäre nichts gewesen? Als hätte man nicht traurige, wütende, unangepasste Teile nicht ewig unterdrückt und nach dem Freilassen soll alles wieder zurück in die Reihe, schön weiterfunktionieren? Das geht nicht immer. Es geht erst einmal ums besser FÜHLEN, nicht ums BESSER fühlen. Da kann dann endlich Bewegung hinein kommen, die nicht immer angenehm ist, weil ja vorher alles in einer zwar ungesunden, aber immerhin in Balance war. Doch die war trügerisch und krankmachend.

Wir haben jetzt jedenfalls den Vorteil, wir können am zweiten Tag eines Doppeltermins gleich weiterarbeiten. Jetzt ist Marie drin im Fluss und wir können noch tiefer gehen, die nächste Schicht anschauen, da das Vertrauen durch die erste Sitzung und das Erstgespräch gewachsen ist und wir schon einiges am ersten Tag durcharbeiten konnten.

Wir gehen gleich in die Sitzung und untersuchen diesen Schmerz im Bauch. Ich frage Marie, wie er aussieht: es ist eine rote, bewegliche Kugel “so groß wie ein Tennisball” unter dem Rippenbogen (Solarplexusbereich). Außerdem nimmt sie von dem “Ball” in der Mitte nach links und rechts Bänder – eine Art “Geländer” – wahr, starr und in etwas anderem Rot. Dieses “Geländer” ist jedoch nicht immer da, aber sie kennt es.

WISSEN UND KONTROLLE – BEI KLIENTINNEN UND THERAPEUTEN

Jetzt zeigt sich, wer informierter Laie ist und wer in meiner Sicht guter Profi: Der informierte Laie – und viele schlaue Experten – haben gleich Hypothesen: “unter Rippenbogen” = Solarplexus = 3. Chakra = …. und zu “rot, beweglich” = Feuer = Aggressionen. Das alles kann wahr sein oder auch nicht, mir ist dieses Wissen im Moment gleichgültig, es nützt mir nichts. Was sollte man mit diesem “Wissen” jetzt anfangen? Besser nichts! Sonst kämen nur schlaue Kommentare vom Therapeuten, wo Marie jetzt steht – oder sogar schlimmer noch: hin müsste. Oder es sind “nur” innere Kommentare im Therapeuten, das ist auch nicht viel besser (“Ah, das ist es jetzt … und da sollte sie jetzt hin.”). WENN Marie etwas mit Aggressionen zu tun hat, kommt es sowieso – oder nicht – oder NOCH nicht – egal. Ich muss nicht vorher wissen, was los ist, ich muss nicht mehr wissen; ich vertraue hier nicht meinem Wissen, sondern lieber ihr: dem, was auftaucht und ihrer Entwicklung – mehr, als sie höchstwahrscheinlich sich selbst vertraut.
– Möglichst einen Freiraum lassen, in dem alles unbewertet und wie von alleine erscheinen und sich entwickeln kann.
Hinter WissenWollen steht meist das Bedürfnis nach Kontrolle (s. a. diesen ARTIKEL).

Und die Klientin sollte es selbst erfahren, nicht von außen hören, was für sie richtig ist und was ihr Innerstes ausdrücken möchte. Es ist halt, wie gesagt, Therapie und kein Kaffeesatzlesen (nichts gegen gutes Kaffeesatzlesen, aber nicht hier.).
Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass nicht nur wie hier Klientin Marie, auch wir TherapeutInnen gerne Kontrolle haben – hier dann durch Techniken (“Toolbox”) oder durch Wissen. Das sind perfekte Waffen gegen direkte Erfahrungen – auf in den Kampf mit dem ganzen Equipment! Es macht uns Helfer vermeintlich sicher, reduziert die Angst vor dem, was in der Klientin hochkommen könnte, macht alles griffig, denn: “das kriegen wir alles schon hin”. Diese Art der Experten-Ausstrahlung haben wir verständlicherweise sehr gerne. Alles im Griff, das weckt Vertrauen. Doch eigentlich bedeutet es: Gemeinsam mit der Klientin im Widerstand mit dem unerträglichen jetzigen Zustand, der Verzweiflung, dem BurnOut, der Depression, der Angst etc.
Doch: “einfach” begleiten, sich als Therapeut offen halten, möglichst nichts dagegensetzen. Das ist der bessere Weg. Und ist eine ganz andere, tiefere Sicherheit des Therapeuten.

Ich habe irgendwann angefangen, meine Sicherheit nicht mehr auf Wissen und Techniken zu bauen, sondern auf Vertrauen in den Moment, in “das Ganze”, wenn Du so willst. Das schließt, könnte man sagen, natürlich das Vertrauen in den Klienten oder die Klientin (in seine oder ihre Seele vielleicht ein wenig mehr als in die Konzepte, wie etwas sein müsste… 😉 ) und ihren Prozess ein; das heißt, in das, was geht oder nicht geht – jetzt im Moment. Meine Motivation dabei war ganz einfach: Freiheit. Ich wollte/will frei sein von Ängsten und Widerständen, die meine Arbeit und/oder mein Leben (was ja untrennbar ist…) zu sehr einschränken. Das heißt für mich dann auch, die Widerstände in mir selbst anzuschauen, denen ich möglicherweise in der Arbeit begegne.

KlientInnen selbst wollen natürlich meist den Prozess kontrollieren, forcieren, weil sie etwas “loswerden” wollen. Dazu gehört auch die Überzeugung, nie gut genug zu sein. In all seinen Auswirkungen und Schattierungen ist das der Mangel, der die Eigenliebe herunterzieht und Schuldgefühlen Tür und Tor öffnet, bewusst oder unbewusst. Dies und das soll weg sein oder anders werden, aber das ist der EIGENTLICHE, tief sitzende Mangel, der ihn oder sie in die Praxis gebracht hat – nie (gut) genug zu sein, falsch, nicht ausreichend, nicht liebenswert (für sie selbst zuerst) -zumindest nicht ohne Leistung und Mühe.
Und das Problem oder Symptom ist auch nicht gut, klar.

Darin ist dann auch “folgerichtig” eine Angst vor der ersten Sitzung begründet (die jedoch unbegründet ist 😉 ): “Ich bekomme das mit der Rückführung nicht hin” – oder (noch besser! 😉 ): “Der Therapeut kriegt es vielleicht nicht hin”. Denn solch eine Überzeugung schließt auch immer die Umwelt mit ein: “nicht nur ich bin, nein, es ist nie genug, was ich bekomme. Die anderen sind auch nicht genug (s. Helferbeziehungen) oder geben mir auch nie genug”. Der Schluss daraus dann: noch besser werden, mehr anstrengen, sich noch mehr kontrollieren, perfekter werden – dann klappt es schon, dann werde ich geliebt und liebe mich dann auch selbst mehr.

Dieser Druck, es richtig zu machen, macht auch vor einer Praxistür nicht halt. Nur: Hier in der Praxis ist nichts falsch, musst Du nicht irgendwo hin, irgendwie anders sein, ist irgendwas zu schaffen, zu leisten, zu bringen. (Du kannst sogar den Druck mitbringen…. oder die Probleme wieder mitnehmen, wenn Du sie festhalten möchtest! 😉 ) Jedenfalls ist hier aus meiner Sicht nichts “gut” oder “schlecht” zu machen. KlientInnen, wie gesagt, sehen das oft weniger relaxt und glauben, sie könnten “versagen”… (und, ähem, auch ich habe etwas gebraucht, um als Mensch und Therapeut mir “genug zu sein”…)

Natürlich gibt es Voraussetzungen (s. FRAGEN UND ANTWORTEN – “Bin ich geeignet…?”), und darunter auch solche, die eine Therapie “einfacher”, “schneller effektiver” machen, was mir persönlich jedoch nicht wichtig ist. Überkontrolliert zu sein z. B.: Doch wenn eine Klientin sich nicht (mir nicht, im Moment nicht oder überhaupt nicht) öffnen, emotional sein, d. h. etwas Kontrolle loslassen kann – so what? Dann können wir uns doch immer weiter herantasten und Boden an Vertrauen gewinnen, als Voraussetzung dafür, sich dann immer weiter zu öffnen, um dann dickere Brocken auszuräumen. …zumindest wenn die Ungeduld (was nichts anderes ist als wieder der Kontrollwille und Widerstand) nicht zu groß ist und sie nach einer Doppelsitzung schon “geheilt” sein wollte und daher nicht mehr wiederkommt. – Um lieber den nächsten Therapeuten oder die nächste Therapieform “auszuprobieren”… Dann so.

Tja – es dauert, so lange es dauert. Hier in diesem sensiblen Bereich große Versprechungen zu machen oder die Brechstange anzusetzen ist nicht nur schlechter Stil, sondern auch kontraproduktiv.
Ist doch der Widerstand zwar nicht effektiv, um zu dem zu kommen, das man ist. Aber in dem Widerstand stecken langerprobte Schutzmechanismen, begründet auf dem Misstrauen in die Welt, die man manchmal nicht mal eben so in fünf Minuten ablegen kann, weil ich vielleicht ein netter Kerl bin. Wir umarmen jedenfalls die Widerstände in der Therapie und nehmen sie mit, machen sie gegebenenfalls zum Thema. Das ist das Geschmeidigste: mit dem Fluss schwimmen. Dann kommen wir da schon an, wo die Seele hin will, was sie zeigen will, wodurch sie heilen kann.
– Doch ich schweife sehr ab, zurück zu Marie – die mit dem Einlassen auf die Sitzung wenig Probleme hatte, wie viele KlientInnen auch.

Also: roter Ball – Schmerz im Bauch. Diesen Schmerz hätte Marie in den letzten zwei Wochen vermehrt gehabt – und sie kenne ihn von früher aus Situationen, die sie als sehr stressig empfunden hat. Was genau ist das für ein Stress?
Es liegt auf der Hand, wir gehen jetzt zurück, um den Schmerz weiter zu erforschen:
Wo und wann ist der Schmerz schon einmal aufgetreten, der früheste Moment, der ihr jetzt einfällt?

Meist formuliere ich die Bitte, zurückzugehen, so frei, dass die Seele wählen kann, ob sie schon weit zurück geht oder noch “in sichererem Terrain” bleibt, d.h. in Erinnerungen, die ganz oder zum größten Teil schon bewusst sind. Die Seele muss nicht (und SOLLTE meines Erachtens auch nicht) in frühere Situationen GEDRÜCKT werden. Es kommt schon, was nötig ist, zu dem Zeitpunkt, zu dem es freigegeben werden kann. Das ist – oder sollte sein – alleine abhängig von dem Vertrauen, das auch wirklich verarbeiten zu können, was kommt.
Daher lautet die Devise, schon wieder: Einfach auf die Seele verlassen, nicht auf Techniken.

Es taucht eine Situation auf, in der Marie ein Fest vorbereiten wollte, das ist viele Jahre her: Es gibt viel zu tun, doch die professionellen Helferinnen arbeiten nicht so, wie sie es möchte. Dieses Fest ist ihr sehr wichtig, daher soll alles schön werden und sie möchte es gut machen! Ein ganzer Strauß von Emotionen explodiert in ihr: Druck, es so machen und hinbekommen zu wollen, wie sie möchte: Wut, darunter Ohnmacht und Hilflosigkeit. Doch das ganze Gemisch erlebt sie bewusst nur in einer Starre: da ist es, das “Geländer im Bauch”. Im Bauch wird signalisiert, so Marie: “Alarm! Aber Ruhe bewahren! Aufpassen!” Sie lässt ihrer Wut damals keinen Raum und spürt, dass das “Geländer deeskalierend” wirkt. Es beschützt sie (und die anderen…) davor, “wie ein Berserker” (Maries Worte) auszuflippen, “aus der Bahn geworfen zu werden”. Mit dem “Geländer” kann sie diplomatisch bleiben. Sie verletzt niemanden mit Worten oder gar Taten und bewahrt sich so auch vor Schuldgefühlen und möglicher Ablehnung.

So ist die Gefühls- & Widerstands-Kette, die wohl das “Geländer” im Bauch kreiert und alles dort festhält. Eine Art Rahmen, der sie in der Bahn hält:
Bedürfnis nach Liebe – Ohnmacht, das Gefühl falsch oder nicht ausreichend zu sein, Wut gegen andere, die auch nicht genügen und das Ergebnis torpedieren könnten – Starre, letzteres scheint erst mal in dieser früheren Situation das Passendste zu sein.
Wir arbeiten mit diesen Emotionen und Zuständen Abhängigkeit, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut – und den Widerständen gegen diese Zustände genauer, in Form von Übungen, die ihr Annehmen ermöglichen.

Ich höre sie jetzt, die “Diagnostiker” unter den LeserInnen, die nun Recht bekommen haben 😉 : Schilddrüsenprobleme (5. Chakra: u. a. Ausdruck, Kommunikation) und Magenprobleme (3. Chakra: u. a. Ego, Durchsetzung, Abgrenzung). (Übrigens, wer sich da schlau machen möchte, kann sich gerne mein kostenloses Chakra-E-Büchlein auf der SCHÄTZE-SEITE anschauen oder herunterladen. 😉 )
Man sieht aber hier auch, diese Hypothesen hat es gar nicht gebraucht…

Diese Situation vor dem Fest ist so stark aufgeladen, jedoch bei gleichzeitigem Fehlen eines “existentiell wichtigen Anlasses” für die Stärke der Gefühle und des Widerstands dagegen. Die Frage “Aus welchem Erlebnis genau kommt die Angst vor dem Äußern der Gefühle der Wut und ihrer Gedanken bzw. ihr Gedanke ˋRuhe bewahren´?” bleibt natürlich daher in meinem Hinterkopf, das ist ja die Ursache für den Widerstand bzw. das “Contenance-Geländer”.)

Wir bleiben weiter bei diesem Thema. Es kommt noch mehr und wir verfolgen den Faden “nach hinten”. Und ja, dieser Schutz, den das Geländer und die Starre darstellen, spielte schon mal eine Rolle in ihrer Vergangenheit. Sie spürt diesen “Berserker” hinter dem Geländer deutlich: ein “Borstenvieh”, wie sie ihn nennt. Sein Name ist ja schon vielsagend… Wir haben dieses Vieh gestern in der ersten Sitzung schon kennengelernt, da war es aber noch weit weniger explosiv und eher versteckt hinter dem Geländer, noch ausschließlich starr – eine Entwicklung… mal sehen…
Sie beschreibt das Vieh so: Es ist eine sehr irdische, bodenständige Energie, die helfen und beschützen kann, sich frei und stark fühlt, jedoch – einmal losgelassen – richtig gefährlich wird und keine Grenzen oder gar Gerechtigkeit kennt. Dieses Borstenvieh kann in anderen sein, das weiß Marie. Und es ist in ihr, also gefährlich und böse und gleichzeitig gut und nötig… Diese Kombination ist nicht ganz einfach (ok, wenn es einfach wäre, wäre Marie nicht Klientin).

In diesem Zusammenhang tauchen jetzt Erinnerungen an ihren Bruder auf. Das Borstenvieh hat sie da geschützt. Denn beides kann schützend sein: Nicht-Explodieren und Explodieren, was, anders gesagt, bedeutet: “Totstellen” und Kampf, zwei evolutionäre Reaktionsweisen auf existentielle Bedrohung. Für beide Schutzreaktionen ist es anscheinend zuständig. (Die andere mögliche Reaktion, Flucht, findet sich bei Marie in der Todessehnsucht, den Selbstmordgedanken wieder.)

EINE ENTDECKUNG – NOCH TIEFER VERSTECKT!

Und jetzt plötzlich wird Marie bewusst: Da gibt es noch etwas anderes, das im Schatten des Borstenviehs steht, von ihm beschützt wird, aber dort nicht wachsen kann und vom Borstenvieh verstellt wird, unsichtbar ist. Es taucht quasi hinter dem Raum einnehmenden, großen Vieh langsam auf, lugt vorsichtig hervor: Und das ist etwas Zartes, Empfindsames, Empathisches…

Da ist also jetzt eine Polarität aufgetaucht (die sehr häufig und in den Extremen in Sitzungen bewusst wird), nämlich die zwischen Härte, Schützen, Aggression, “Stärke” einerseits und andererseits dem Zarten, Hellen, Leichten, Lichtvollen, Zerbrechlichen.
Diese Polaritäten zeigen sich im irdischen Spiel auch oft als männlich vs. weiblich, körperlich vs. seelisch, dunkel vs. hell, erwachsen vs. “kindlich unschuldig”, stark/schwach, kontrollierend/ausgeliefert, mächtig/ohnmächtig – am Ende: Licht und Dunkelheit, yin und yang.

Also eine sehr grundlegende Polarität in aller unserer Leben. Im Missbrauch z. B. crashen diese beiden Polaritäten brutal zusammen. Die archetypisch männliche dunkle “machtvolle” überwältigende aggressive Energie und die archetypisch weibliche zarte kindliche helle “schwache” ausgelieferte Energie. Im Extrem der Widerstände, in der extremen Abspaltung der Anteile in beiden, in Opfer und Täter, kann dieses Zusammentreffen in einem Missbrauch traumatisch werden.

Jetzt gehe ich mit Marie in eine Situation mit ihrem Bruder hinein. Marie ist neun oder zehn Jahre alt, ihr älterer Bruder steht vor ihr, sie fühlt sich alleine, hilflos, ohnmächtig und tief verletzt durch seine Worte und Schläge.

Nur darüber reden hilft nicht viel: wir müssen uns mit der Person, die wir damals waren, verbinden, so gut es geht, sonst bleibt alles ein mentales Filmchen ohne viele Auswirkungen. Man muss sich manchmal aus einer Distanz annähern, wenn der Widerstand groß ist, aber dabei bleiben sollte es nicht. Wir wollen die Erfahrung möglichst eins zu eins, dann erst findet das heilsame Annehmen statt, nicht durch weiteres VonSichWegHalten und Abwehr. Daher: immer möglichst direkt hinein in die Situation! Aber ohne Druck.

Der Bruder ist machtvoll, verletzend, böse zu ihr, schlägt sie manchmal. Eine ablehnende Angstfigur, der sie jeden Tag ausgeliefert ist und vor der sie weder Eltern noch Großmutter schützen, deren Lieblingsenkel er auch noch ist. Alle Liebesbeweise – zum Beispiel Bilder, die sie für ihn gemalt hat – helfen nichts, genügen nicht(!). Nichts hilft. Er will sie nicht; nicht ihre Zuneigung, ihre Friedensangebote oder ihre Geschenke. Er schlägt sie weiter und sie ist wehrlos und noch dazu allein damit. Angst, Ablehnung: “Ich habe keinen Platz” – wo auch, wenn nicht mal in der eigenen Familie.
Das Borstenvieh möchte aber helfen – es ist der Teil, der hier sein will, sich schützen, den Platz verteidigen, damit das Zarte leben kann. Marie will hier nicht untergehen, gar sterben, aber es fühlt sich jetzt schon fast so an (und Selbstmordgedanken sind nicht weit). Sie fühlt sich ungeliebt, ausgeliefert, hilflos, isoliert, ungeschützt und total unverbunden – weder mit sich noch mit der Welt eins. Man könnte sagen, “im Stich gelassen”, aber sogar dafür müsste in diesem Leben wenigstens schon mal jemand wirklich für sie dagewesen sein.

Im direkten Kontakt mit dem Bruder bleibt nur die Starre, das NichtRühren, um nicht alles noch schlimmer zu machen durch Wehren. Oder ihn gütig stimmen wollen, was ja aber auch nichts bringt, wie sich immer wieder zeigt.
Eigentlich bringt absolut nichts etwas, um ihre Situation zu ändern. Und von außen kommt auch keine Unterstützung. Niemand stellt sich vor sie. Sie muss sich selber helfen und ruft innerlich das Borstenvieh.

Borstenvieh lässt sie ein Buch gegen die Wand schmeißen vor Hass und Verzweiflung. Wenigstens das bleibt, mal eine Entladung.

MACHT UND OHNMACHT

Es ist das Schwanken zwischen einerseits Totstellen/SichAbschneidenVonGefühlen/”Geländer” und aktivem Borstenvieh/Rage/SichAktivSchützen/”Ball” – zwei Verteidigungsschichten. Und zwar einerseits (Ball) gegen die Angst vor dem Untergehen, Verschwinden, Sterben, ZerstörtWerden – und andererseits (Geländer) die Angst gegen das SelbstZumZerstörerWerden, SchuldigWerden – wiederum zwei grundlegenden Ängste.

Und dann dieses Zarte, das mühsam und tief drinnen überleben will und immer noch die Sehnsucht nach einem Platz hier hat, wo es endlich ungefährdet leben und wachsen kann und eine Freude ist, willkommen, dazugehörig, geliebt – hell und leicht.
Und in Maries Drama ist der Bruder hier der Gegenspieler. Und eigentlich ist er jetzt die dunklere, “bösere”, grenzüberschreitende Version des Borstenviehs.

Die Beschreibung einer Sitzung gibt, wie erwähnt, kein sehr genaues Bild:
Was hier z. B. nicht übermittelt werden kann und was hier als kurzer und schnell zu lesender Text erscheint, ist manchmal mühsam abgerungen. Es dauert oft etwas, dem Widerstand und der Verdrängung sei dank, bis Situationen erforscht sind und möglichst alles darin bewusst ist. Vielleicht taucht erst mal ein Bild oder gar ein Wort auf, und wir nehmen es auf und untersuchen es. Es wird nicht sofort der Breitwand3D-Buntfilm gegeben, der mühelos abläuft.
Dabei antwortet eine Klientin auch meist nicht so schnell wie in einem normalen Gespräch. Sie geht ja in sich, lässt eine Antwort zu, die nicht einfach schnell “aus dem Kopf” kommt (der das Meiste sowieso nicht beantworten könnte und oft Vieles für Quatsch hält…)

SEHR WICHTIG: UNSERE EMOTIONEN

Und außerdem bleiben wir in Sitzungen immer wieder bei den auftauchenden Emotionen, die uns begegnen, denn sie sind das Zentrale in unserer Arbeit. Sie sind es ja, die über Trauma oder nicht, Zuviel und Überforderung oder “AllesSafe” entscheiden.

Die Widerstände gegen die Emotionen, die in der Therapiearbeit erscheinen, sind das, was uns im alltäglichen Leben zu schaffen macht und unsere Probleme kreiert.

Und die Emotionen, die in den früheren Situationen am stärksten waren, sind die, denen wir in der Therapie begegnen und die wir bewusst machen und “zur Blüte” kommen lassen wollen. Und dadurch die Widerstände abschmelzen lassen, damit diese eben nicht mehr in unserem Leben genau das wieder kreieren, das wir gerade vermeiden wollen und was uns zu Klienten gemacht hat.


(Das war die absolute Kurzfassung zur Rückführungstherapie. Wenn Dir das verständlicherweise zu komprimiert war, schmökere einfach ein bisschen hier auf der Webseite und im Blog weiter.)

Bis jetzt waren es bei Marie schon viele aufgeladene Emotionen und Zustände wie Druck, AusgeliefertFühlen, Trauer, Wut, Schutzlosigkeit, Abhängigkeit von der Zuwendung – und jeweils die Widerstände dagegen: körperliche (Starre z. B.), gedankliche (“Das ist zuviel, ich will weg”, “Es ist egal, was ich mache, ich kann nichts ändern”, “ich werde nicht geschützt, nicht geliebt” und der bekannte Satz “Ich habe keinen Platz”), und wiederum emotionale (Wut als Widerstand gegen Ohnmacht etc.)
Sich diesen Emotionen in Ruhe und mit Begleitung zu widmen, erleichtert schon wesentlich, dabei tritt oft schon eine Entspannung ein. Ich leite sie mit einfachen Übungen an, um das Annehmen der Emotionen systematisch zu erleichtern. Das übt schon einen annehmenderen und gesünderen Umgang mit Emotionen auch im Alltag ein, wenn Marie diese Übungen dort weiter anwendet, um sich dem Leben widerstandsfreier und energieschonender widmen zu können. Eben mehr im Flow! Nicht mehr auf der Bremse stehen oder auf dauernden Umwegen um bestimmte ungeliebte Emotionen herumlarvieren oder in Ablenkungen flüchten vor dem, was ist.

Wir sind jetzt hier bei eine zentralen Fragen des Seelenlebens überhaupt:

Wie schütze ich hier meine zerbrechlich anfühlende Seele, mein Licht?

Was ist mit DIR? Wie hast DU es bis hierher geschafft? Wie hast DU Dein kleines, zartes, helles Wesen bewahrt? Gab es dabei innere Verluste? Hast Du etwas verkauft, um es zu behalten? Etwas gewonnen? Kontrolle anstelle von Vertrauen gesetzt? Funktionieren anstelle von Fühlen? Erwachsen spielen, “stark, tough und selbständig”, aber eigentlich innerlich doch noch abhängig vom Außen … aber keiner soll´s entdecken, Du am Ende auch nicht mehr? Oder hast Du beides gut in Dir integriert: Kannst Dich mal anlehnen, hingeben, vertrauen, mal alles laufen lassen und dann auch mal wieder machen, führen, Dein Leben steuern, Dich abgrenzen?
Wenn Dein Resultat dieser Fragen ist, diese Wechsel sind noch nicht so geschmeidig in Dir, gehörst Du wahrscheinlich zur Mehrheit der Menschen. Wir haben wohl alle mehr oder mehr Probleme mit dem Themenkreis Kontrolle und Vertrauen.

Was ist das “Zarte” aber genau? Wir wollen es untersuchen, es ist von Marie so wenig beachtet worden, dort im Schatten des schützenwollenden Borstenviehs. Schon das ist wichtig und wird vielleicht unterschätzt: Wir kommen in den Sitzungen immer an Energien (seien es Emotionen oder Zustände), die wir weg geschoben haben, meist schon über viele Leben hinweg. Wir ahnen sie vielleicht, manche kennen wir vielleicht sogar, aber gemeinsam ist ihnen: wir wollten sie immer so wenig wie möglich wirklich haben. Wir leben ja mehr oder weniger oft und viel im Widerstand mit unserem (Er-)Leben. Meist ist uns nicht einmal bewusst, wie sehr. Verdrängungen und Verleugnungen stellen dabei die stärksten Widerstände dar. Das, was wir überhaupt nicht in und von uns wahrhaben und wahrnehmen wollen. Für Solches ist dann Therapie da, da das schwer oder gar nicht alleine geht.
Manche nennen ungewollte, verleugnete innere Anteile “unsere Schatten”. Und, wie das “Zarte” hier uns lehrt, sind Schatten nicht immer nur düstere Energien aus Gewalt und Schuld, sondern auch vom “Bewusstsein geliebte” wie Freiheit, Stärke, Leichtigkeit – oder eben dieses Zarte. Aber auch dagegen haben wir meist Widerstände.
Das “ruft” jetzt, daher muss ich hier jetzt zu Marie zurückkehren…

Was ist das Zarte genau, was ist so unbedingt zu beschützen und so fragil?
In Marie erscheint ein Bild einer “Pflanze in ätherischem Hellblau”, so sagt sie.

Interessant! “Nur” ein Bild – oder eine Erinnerung? Wir Rückführungstherapeuten schließen NIE aus, dass es eine Erinnerung ist, gleich, wie merkwürdig oder absurd es einem (bzw. dem Verstand) erst einmal vorkommen mag, sind aber auch offen für Symbolisches (- letzteres ist meiner Erfahrung nach zugegebenermaßen weitaus seltener als TherapeutInnen anderer Richtungen glauben. Zum Thema Wahrheit in Rückführungstherapien siehe die Artikelreihe “ICH WAR NIE CLEOPATRA!“).
Wir müssen es sowieso erst untersuchen, bevor wir irgendetwas in Richtung “Wahrheit” entscheiden können. Schubladenlosigkeit in Form von möglichst unvoreingenommenem Fragen ohne Theorienbelastung – wie oben schon bei den Chakren erwähnt – macht einen guten Therapeuten aus. Daher ist möglichst große Angstfreiheit auf Therapeutenseite gefragt, damit Raum für Auftauchen und Annehmen entstehen kann. Sonst würde dann gleich das SichEntfaltende nach dem “HalloSagen” schon gedeutet, verändert oder gar weg geschoben.

“Was ist mit dieser Pflanze?”
“Diese zarte Pflanze hat etwas Schutzengelhaftes.… und hat zu tun mit LIEBE.”

Hier taucht also noch einmal das Thema “Schutz” auf … und …. Liebe…

“Wo siehst Du sie?”
“Sie ist außerhalb von mir, rechts oben…”
Marie hält kurz inne, lässt das Bild auf sich wirken.

Diese Haltung ist wichtig, WirkenLassen statt DarüberWegHuschen. Annähern, es senken lassen: in diesem fragilen Feld geschieht Annehmen. Sich dem, was kommt, in Ruhe aussetzen, JA sagen dazu, was vorher unbewusst war und ein NEIN hatte. Und das braucht auch Zeit.

AUS DER RUHE KOMMT DIE KRAFT, könnte man hier in Abwandlung eines Spruches sagen.
Oder – noch eine Abwandlung: GESCHWINDIGKEIT IST HEXEREI. Und damit meines Erachtens schlechte Therapie, Aktionismus, Therapeut und Klientin im gleichen Widerstand: Das Unangenehme schnell verändern, wegmachen, loswerden. Das ist sicher NICHT Annehmen. Und transportiert dadurch wieder das, was die Klientin in die Praxis gebracht hat: Es gäbe etwas, das absolut nicht anzunehmen ist. Die Symptome vorneweg, aber auch das dahinterliegende natürlich erst recht – das Wegschieben dessen hat ja die Symptome erst verursacht.
Damit sind Wissen und VerändernWollen, wie erwähnt, immer in der Gefahr, grundlegende therapeutische Fallen zu sein!
Tückisch, sind wir Therapeuten doch da, damit sich etwas verändert… Paradox…

Es arbeitet sichtlich in ihr.
Dazu kommt ein überraschtes:
“Ich bin das selbst! – Die Pflanze bin ich selbst!”

Solche “Schreckmomente” gibt es häufig in der Rückführungstherapie. Sie sind die logische Folge der vorherigen Verleugnung und sind aber (bzw. daher) sehr heilsam. Wie Du Dir vorstellen kannst, bemerkt die innere Stimme in solchen, selbst entdeckten Erkenntnissen zuerst kopfschüttelnd: “Das kann nicht sein, das warst Du nicht (je nach dem: weil zu peinlich, zu monströs, zu gewalttätig, zu spirituell, zu mächtig, zu dunkel, zu hell, zu ohnmächtig).”
Doch etwas Tieferes weiß schon jetzt: “Es stimmt. Ich war´s. Klar.”

Und das ist dann immer auch sehr erleichternd, sogar wenn der Schrecken unangenehm ist und man zum Beispiel “Täter” in einer Situation war. Erleichternd, weil es eben das besagte JA zu einer Wahrheit ist, die bis dahin verleugnet wurde. “Unbewusst gewusst” hat man es ja doch immer. Nur nicht zugelassen – was es eher schlimmer als besser macht.

Dieser Konflikt zwischen Wahrheit und Verleugnung (=Lüge) hat bis dahin eine starke innere Spannung aufgebaut, die sich jetzt endlich, oft nach Jahrhunderten, entspannen, befrieden kann.
Den Widerstand also loslassen und die damit einhergehende Erleichterung durch das Annehmen und Integrieren führen auch dazu, die ewigen unangenehmen Wiederholungen lassen zu können, die sich durch Abwehr und die daraus folgende Resonanz immer wieder ergeben haben.

Das alles sei auch den Vielen gesagt, von denen ich, halb lustig gemeint, höre: “Ich finde Deine Therapie ja spannend, Ulf, aber ich will gar nicht wissen, was ich irgendwann mal gemacht habe!” Und dann folgen normalerweise natürlich “lustig gemeinte”, ganz “zufällige” Beispiele, was sie alles Furchtbares gewesen sein könnten… 😉
Tja… Chance (noch) nicht genutzt, sich das anzuschauen und zu überprüfen – nicht mehr unbewusst wirken zu lassen, sondern loszulassen… dann kommen die eigentlich Neugierigen irgendwann vielleicht: wenn der Druck größer ist, das Verdrängte “real” in ihrem Leben wird… ich kann warten… 😉 (Sarkasmusalarm 😉 )

Maries “Ja, ich bin das!” ist ein wichtiger Schritt zur Integration. Denn Sie IST das auch JETZT im Moment, diese Pflanze – sie WAR das nicht nur. Sie ist sehr lebendig in ihr – und mit ihr all das, was das Pflanzendasein begleitet hat. Und das werden und müssen wir herausfinden. Das ist der Grund, warum die Pflanze als Thema aufgetaucht ist. Sie hat jetzt eine Verbindung mit irgendetwas Erlebtem, das überhaupt zur Verleugnung geführt hat. Diese Pflanze ist heute wichtig für Marie, sie stellt etwas Blockiertes dar, das sie aber braucht.

Es ist klar, das Wort “Pflanze” ist nur ein Begriff, der uns jetzt zwar etwas sagt, aber nicht irdisch-wörtlich gemeint ist. Es ist die Beschreibung einer Energieform, die sicher feiner und unkörperlicher ist als unsere Pflanzen hier auf der Erde, feinstofflich eben, “ätherisch”, wie sie sagt..
Meiner Erfahrung nach sind außerirdische “Leben” oft wenig star-warsmäßig, eher feinstofflich (komisch, dass man sie immer noch nicht mit Teleskopen gefunden hat… 🙂 ) und oft Ziel einer (“Todes-“)Sehnsucht von Menschen, da das der Seele nähere Gefühl der Verbindung und des Friedens und der Leichtigkeit stärker war – bis ein Abschied von oder der Verlust dieser Welt eine schmerzliche Trennung verursacht. Die Rückverbindung dahin und IN diesem Menschenkörper diese Energie umzusetzen stellt dann eine Herausforderung dar.

Weiter geht´s mit der Untersuchung! (…und da äußern manche unerfahrenen KlientInnen beim Hinlegen auf die Couch die Befürchtung, sie könnten einschlafen!…):

extraterrestrisch, ausserirdisch, Aufgabe

Meine Frage an Marie ist jetzt, woher kommt diese “Pflanze”? Wo ist sie zu Hause? Auf der Erde? Auf einem anderen Planeten?
Die Antwort kommt ohne Verzögerung:
“Die Pflanze …ich …komme nicht von einem Planeten, da ist kein PLANET“, stellt sie klar.
An diesem Ort gäbe es aber noch andere, die ihr ähnlich sind. Sie ist nicht alleine dort – wo immer das ist.
“Die Erde ist da unten irgendwo, aber hier oben fühle ich mich wohler.
Aber ich musste gehen…”

Beim Lesen stutzt der Laie vielleicht: Wie kommt man auf sowas, bzw. AN sowas? Tiefenhypnose? Weg geschossenes Bewusstsein durch psychedelisch wirksame Pilze? Exzessive Weihrauchinhalation?
Nein, Quatsch. Wir haben genau das gemacht, was ich hier am Anfang beschrieben habe, nicht mehr und nicht weniger. Keine Schlafbefehle, keine Entspannungsübung, keine künstliche Atmung oder sonst eine noch so schillernde Brechstange, um irgendetwas zu öffnen, was sich gar nicht öffnen wollte.
Bei Marie hier nur anfänglich die Konzentration auf das Körperliche (hier: den Bauch) – und dann der Spur folgen, so einfach ist das. Dann kommt an die Oberfläche, was sich zeigen MÖCHTE. Das “kannst” auch Du, LeserIn.

Manchen begegnet bei diesem Vorgehen vielleicht mehreres aus der Kindheit, manche springen gleich in ein früheres Leben, manche später erst – das liegt an der Stärke des Widerstandes gegen das, was da tief drinnen auftauchen möchte.
Beschleunigung?
Kann man nicht ungeduldig aufs Gas treten und gleich zum Kern vorstoßen?
Auf (auch sanften) Druck oder gar Befehl wird (zum Glück bzw. zum Schutz) gar nichts gehen. Verständlich.

Und: Wir WOLLTEN da nicht hin (so in dem Stil: “Geh´ doch einfach mal in eine vorirdische Existenz!”). Nein, wir SOLLTEN da hin – über die Empfindungen im Bauchbereich, nicht über unser Wollen.

So jedenfalls ist Marie am zweiten Sitzungstag schon in einer vorinkarnationellen (? gibt´s das Wort? glaube nicht…), sagen wir: “vorirdischen” Existenz, gelandet, die nicht nur zeitlich vor den Inkarnationen liegt, sondern dadurch auch alle folgenden Inkarnationen mit dieser Erfahrung geprägt haben wird. Aber das sehen wir erst noch, ich nehme vorweg…

ABSCHIED UND AUFGABE

“…ich MUSSTE gehen…”

Da wird man natürlich hellhörig (dumme Formulierung, das ist man als Therapeut ja immer…).

“…da war was, da muss ich hin!”

Hm. Wir forschen weiter…

“Ich muss da hin, um was zusammenzubringen, Menschen verbinden…”

Warum gerade auf der Erde?
“Die Erde lag in meinem Sichtfeld.”

Aus irgendwelchen Gründen hatte sie also von vornherein die Erde im Fokus. Und eine Aufgabe mit dieser Erde gefühlt – im wahrsten Sinne des Wortes eine Berufung.

Spannend, oder? 😉 Ja, Du siehst, neben allem Leid, das einen in die Rückführungstherapie bringt, ist sie doch immer auch eine spannende Entdeckungsreise – auch wenn sie nicht immer in solch exotische Gefilde führt wie hier. Immer auch eine “Reise zu Dir”, den verlorenen Teilen oder Wurzeln, zu Deiner verschütteten Wahrheit.

Und jetzt willst Du als LeserIn hier natürlich mehr über dieses “Pflanzenleben” wissen.
Die Klientin sondiert zusammen mit mir das Terrain, um Widerstände abzubauen und Bewusstsein über das Vergangene zu schaffen. Man könnte jetzt hier als Begleiter alles Mögliche fragen, was sicher hochinteressant wäre. Auch in anderen Rückführungen: “Wie hat das genau geschmeckt, was Du da gegessen hast?”, “Wie genau hast Du da in der Schmiede gearbeitet?”, “Wie fühlt sich so ein Römerschwert genau an?”, für Frauen im heutigen Leben: “Wie ist das Pinkeln als Mann? oder für Männer: “Wie ist es, als Mutter ein Kind zu säugen?” etc. etc.

Aber bei aller Neugier für die Historie oder andere Existenzformen sind die Fragen doch immer davon geleitet, die Klientin weiterzubringen. Sie kann dann immer nochmal selbst zu Hause innerlich dorthin gehen und weiter forschen, wenn sie mehr wissen möchte. Denn ist einmal der Widerstand aus der Situation draußen, kann sie ja auch alleine wieder hineingehen und sich mehr anschauen. Wir konzentrieren uns in den Sitzungen auf das therapeutisch Nötige, da haben wir genug zu tun.

Ich frage daher weiter nach, wie das genau war und warum sie unbedingt gehen musste.
“Es war keine plötzliche Idee. Und es war dann schwer für mich, zu gehen. Es war so, wie wenn man seine Familie zurücklässt…”

HEIMAT & KRIEG

Da ist sie also, Maries “eigentliche” Familie. Die Heimat. Die Geborgenheit, Sicherheit und Verbundenheit. Und scheinbar überhaupt kein Anlass, sich schützen zu müssen.
Da “oben” zumindest.

Und “da oben” ist nicht ein fiktiver “Himmel” oder eine viel beschworene “geistige Welt” (zu diesem Unwort sage ich nichts mehr) – nein, es ist eine Erinnerung an einen ganz bestimmten Ort in einer bestimmten Zeit (auch wenn wir sie nicht bestimmen müssen).

Und diesen Ort und diese Zeit hat Marie ihrem Gefühl nach verloren. Das ist die Tragik, die deutlich wurde. Kein guter Abschied damals und damit keine gute Ankunft hier, da ein Teil von ihr noch oben blieb.
Damit hat sie sich auch von den Gefühlen der Verbundenheit getrennt und sie in dieser Phase “zurückgelassen”. Schwer, es dann woanders wiederzuerlangen. Und dann, mit der Ablehnung des Neuen trifft sie dann auf die Ablehnung durch die Anderen, die Neuen, die Erdenbewohner.
Der Einstieg in eine/jede Erdinkarnation ist daher schon kompliziert und unharmonisch. Auch diese Gefühle sind nicht einfach etwas “Altes von früher”, etwas “Aufgewärmtes aus früheren Leben, mit dem wir nichts zu tun haben, weil wir ja genug Probleme im heutigen Leben haben” (ein uraltes, ignorantes und falsches Argument gegen die Rückführungstherapie), sondern, wie ihre Erfahrungen ja im heutigen Leben zeigen, sehr aktuell und immer wiederholt.
Aber weiter:

Da ist eine große Zerrissenheit in ihr:
“Es ist so… wo hingehen, wo man weiß, dass es schwer wird… es war klar, dass es traurig wird:
Es ist WIE IN DEN KRIEG ZIEHEN.”

Das war ihr von vornherein klar, sagt sie.
Sie weint sehr. Sie ist nochmal da, bei dem Abschied, erlebt ihn wieder. Gut. Heilsam.

Eigentlich ist sie unbewusst immer in diesem Verlust; mal mehr, mal weniger ausgelöst.
Wie kam sie in die Praxis? Schlaflos, energielos, Schmerzen…
Nicht, dass wir alles auf dieses eine “Leben” bzw. diese Phase zurückführen können, das wäre vermessen. Aber, wie schon gesagt und hier sicher deutlich wird: es sind zentrale Erlebnisse, die die Gefühle der Schwere, Trauer und Isolation, das Nicht-Mehr-Wollen begründen. Und dahinter die Vergeblichkeit und die Sehnsucht nach dem, was sie tief drinnen als Heimat kennt und der Unterschied zwischen den Welten, der einen zerreißen kann…
Das alles kennt Marie ja so gut: keinen Platz haben.

Worum geht es in diesem Krieg und wieso ist er so wichtig?

“Es geht um den Kampf; darum, dort Ruhe und Frieden hineinzubringen. [Mit “dort” ist die Erde gemeint]

Was für ein Kampf ist das?
“Es geht eigentlich um den KAMPF ZWISCHEN BORSTENVIEH UND PFLANZE!”
[bzw. den Energien, die sie repräsentieren, darf ich hier der Leserin anfügen]

PENG!, da ist es ´raus! Genau der Konflikt, der uns schon gestern, am ersten Tag, beschäftigt hat, weil er uns als Einstieg angeboten wurde (die Seele hat´s einfach drauf…) und uns heute weiter beschäftigt! Wer eine Bestätigung brauchte, dass die Seele in den Sitzungen immer von selbst das Wichtigste nach vorne bringt, dem ist hier wieder ein Beispiel gegeben.
Es ist also DER grundlegende Konflikt, DIE Kernpolarität, die sich durch Maries Leben (Plural) zieht und so ziemlich allem unterliegt, da es eine so allgemeine Polarität ist, dass man ihr schwer oder gar nicht aus dem Weg gehen kann.
Und sich nicht nur als Konflikt durch die Leben zieht (es gibt jedenfalls keinen Grund anzunehmen, warum es Leben gegeben haben soll, in denen dieser Konflikt keine Rolle gespielt haben soll. Die Erfahrungen sind ja ab dem “Abschied” in ihrer Seele, samt der Verdrängungen.). Also nicht nur der Konflikt, sondern auch als unerfüllte Aufgabe bis heute. Eine Aufgabe, die sonst weiterwirken würde, ohne dass man ihr und diesem Konflikt wüsste – nur die Symptome, problematischen “Ausläufer”, Muster, Wiederholungen – so stellt es sich eben vor einer Therapie dar.
(Und mal ganz nebenbei gesagt, welche Therapieform fällt Dir noch ein, die überhaupt so etwas Zentrales aufdecken und bewusst machen kann?) (Marketingalarm)

Genau dieser innere Konflikt stellt den Sinn in Form einer Aufgabe her, die hier auf der Erde im Außen zu meistern ist. Der GRUND, überhaupt hier zu sein. Das ist, klar, nicht gerade etwas Marginales im Seelenleben und noch weniger in den Erdenleben.

Und der Hinderungsgrund, hier einen Platz zu finden. Schlechter Start durch
– erstens nur halbfreiwilligen Aufbruch,
– zweitens die Aufgabe sehr groß und die Konfrontation Pflanze-Borstenvieh sehr polar war,
– drittens die Ressourcen fehlten, mit den fremdartigen (Borstenvieh-)Energien zurecht zu kommen, auf die sie hier auf der Erde getroffen ist (“ich reiche nicht, schaffe es nicht”),
– viertens soll oder will sie genau diese ihr fremde Borstenvieh-Energie mit ihrer eigenen (und damit denen ihr ähnlichen auf der Erde, in allen Erdlingen befindliche) befrieden! Sie konnte ja selbst diese beiden Kräfte nicht in sich integrieren!

Das alles führte genau wieder zu einem Verlust bzw. Verstecken, Verleugnen des “Pflanzendaseins” und sich trotzdem gleichzeitig anders, einsam und unter den Erdlingen isoliert fühlend – die Pflanze ist ja nicht tot in ihr. Und dann immer wieder die gleichen Konfliktsituation im Außen anziehend. Diese Sehnsucht nach Schutz, die aber auch Menschen, Partner, Umfeld anzieht, die sich oft – nicht erstaunlich – als “starke”, lieblose Vertreter dieser Borstenvieh-Energie entpuppen.
Was wiederum verstärkt, wegzuwollen – ob zurück oder einfach weg.
Unerträglich hier.

(Das ist auch die Antwort auf die vielleicht aufgekeimte Frage “Und was war jetzt so schlimm daran? Kein Tod auf dem Scheiterhaufen, kein Beziehungsmord, kein Blutrausch?”.)

POLARITÄTEN SCHMILZEN

Wir gehen jetzt zurück auf den ganz aktuellen Zustand von Borstenvieh und Pflanze, hier und jetzt im Moment in Marie:

Wir nehmen Kontakt auf, rufen die Energien nochmal explizit auf und dabei sieht sie die beiden vor ihrem inneren Auge vor sich:
Das Borstenvieh ist kleiner geworden, etwas zurückgetreten und die Pflanze in Maries inneren Raum ist nach vorne getreten: “Das Borstenvieh hat seinen Dienst getan”, sagt Marie, “es ist nicht mehr so feindlich und böse, blind und wütend… es hat mir auch geholfen, wenn man richtig mit ihm umgeht…” Marie weint wieder sehr. Ihre Sehnsucht nach der verlorenen Welt, wo diese Art Schutz nicht nötig war und der Schmerz über alles, was sie mit ihm und durch diese Energie in den anderen erlebt hat, ist noch groß, die ganze Einsamkeit und Hilflosigkeit und das Gefühl, ungeliebt und nicht richtig zu sein ist noch sehr präsent. Sie fängt jedoch an, sich voller Liebe für sich und Trauer über diese Zeiten davon zu verabschieden.

Das Weinen lässt nach und sie spürt schon etwas Zutrauen: “Die Pflanze kann jetzt schon überleben hier… es wird jetzt erst mal anders. Es ist Zeit für einen Stellungswechsel zwischen den beiden.”

“Stellungswechsel”. Ein passendes Wort dafür, dass sich hier die scheinbaren Polaritäten neu arrangieren. Denn sie waren vor den Sitzungen 1. weitgehend unbewusst, 2. haben sich gegenseitig nicht abgesprochen, 3. nicht auf eine gesunde Art (im wahrsten Sinne des Wortes) in Marie austariert: das Borstenvieh “zu stark und zerstörerisch”, aber “zu starr” und unterdrückt – und die Pflanze “zu schwach für diese Welt”.
Man könnte auch sagen, das Verhältnis der beiden hat einmal früh in ihrem Leben im Sinne einer Überlebensnotwendigkeit gestimmt, aber als Dauerzustand hat Marie unter dem Schutz und damit der weitgehenden Unterdrückung der Pflanzenenergie gelitten. Und auch unter der Unterdrückung des Berserkeranteils des Borstenviehs.

Chronisch ist dieser Kampf keine Lösung, er ist nur überlebenswichtiges Notfallprogramm.

Aber das Leben als Notfallprogramm – das ist hyperanstrengend …und macht krank. 

Außerdem hat sie ja interessanterweise das Wilde des Borstenviehs, also das Trennende, die Wutseite, die sie von ihrer Heimat “da oben” nicht so kannte, aber dann doch hier auf der Erde in sich gespürt – die Energie, die nötig ist, um die Pflanze zu verteidigen. (Übrigens: Wenn dieser Konflikt gelöst ist, geht es nicht mehr um Kampf und Verteidigung, weil keine Bedrohung empfunden wird.)

Und dann wurde das Borstenvieh aber von ihr kontrolliert und unterdrückt, warum? Was wir bis jetzt wissen: Aus dem Gefühl der Fremdheit und Ablehnung des Irdischen, aber auch, weil sich dann so viel aufgestaut hatte, dass es drohte, zur zerstörerischen Bestie und schuldig zu werden. Und wenn sie das Vieh auch nur ein kleines Minibisschen von der Leine lässt, hat(te) sie Angst, gleich die Liebe der anderen zu verlieren. Und das in einer Umgebung, in der sie sich sowieso nie heimisch fühlte, auch noch einsamer und verlassener fühlen, ist kaum eine Option…
Also blieb wohl nur, es an die kurze Leine nehmen (mit dem “Geländer” im Bauch), brav sein, um die Liebe ringen, beschwichtigen, versuchen, sich einzureihen und die eigenen Bedürfnisse und das Gefühl, Vieles so nicht zu wollen und eigentlich gar nicht dazuzugehören, nach hinten zu drücken, und doch immer wieder zu versuchen, “dabeizusein”.
Leben im Widerstand – gegen Innen, gegen Außen; gegen das “rohe, gewalttätige” Irdische und gegen das “schwache, sensible” Außerirdische. Und damit nach allen Seiten isoliert.

Mit diesem Widerstand ist aber fatalerweise, wieder Resonanz sei Dank, diese Borstenvieh-Energie in ihr so aufgeladen, dass sie in der Umwelt genau solche Menschen anzieht, die diese Energie im wahrsten Sinne des Wortes verkörpern und ausleben. Und zwar dann gegen Marie – so wie eben der Bruder im heutigen Leben und später im Leben andere Personen. Schutz und Bedrohung durch solche Menschen, die Zugriff auf diese inneren Energien haben, liegen sehr nahe beieinander.

Wehren ohne Schuldgefühle oder Angst vor Ablehnung und das SichSelbstSchützenKönnen (und es vielleicht dann auch nicht mehr brauchen) – das ist die Integration des Borstenviehs, die Viele brauchen können.

Woher genau diese Unterdrückung stammt, die Erfahrung, dass dieses Borstenvieh zuviel ist und so zerstörerisch, wäre eine sehr gute therapeutische Frage für weitere Sitzungen, um auch die Energie noch weiter anzunehmen und zu integrieren. Denn es könnte sein, dass es nicht nur so zerstörerisch ist, weil es immer wieder unterdrückt wurde (die Cholerikervariante), sondern – das wäre der “Klassiker” – irgendwann einmal so unangenehm stark gewesen, dass es danach verleugnet werden musste (in einem “Täterleben”, wenn ich diesen Begriff auch sehr ungenau finde). Aber jetzt können wir uns in dieser Sitzung nicht mehr damit beschäftigen. Alles kann man oft auch in einer Doppelsitzung nicht ausräumen. Wir sind schon weit gekommen, auch wenn manches noch offen bleibt, was ja in einer weiteren Sitzung Thema sein kann. Marie und ich haben in dieser einen Sitzung heute schon fast vier Stunden intensiv gearbeitet. Jetzt ist nicht mehr viel Energie für mehr übrig, daher machen wir die Sitzung jetzt noch rund.

Das war die Situation von Marie vor der Sitzung: Rückzug, Energielosigkeit, unbewusste Selbstvorwürfe, Abwertung, Schlaflosigkeit, körperliche Symptome.
Dazu kennen wir jetzt schon wichtige Hintergründe. Sie hat die Pflanze unterdrückt, das Borstenvieh unterdrückt, sich nie hier heimisch gefühlt, daher schon lange Sehnsucht nach einem Ende des Daseins hier auf der Erde. Sehnsucht nach Schutz (der auch gefühlten Wert bedeutet) und auch in der Todessehnsucht wahrscheinlich das unbewusste Verlangen nach dem Platz, den sie hier nicht findet, weil dieser “da oben” ist, wo das (Pflanzen-)Dasein mühelos war, und das AngenommenSein gar kein Thema. Und das war natürlich auch die Zeit vor ihrer Aufgabe, die immer noch unerfüllt über ihr schwebt, aus ihrer Sicht bis jetzt da versagt, sie hat in ihren Augen nie genügt, es nicht gut genug gemacht! Und sie erfährt hier starke Ablehnung, lehnt selber ab, fühlt sich falsch, sie reicht nie. Woher sollen dann Eigenliebe und Selbstwert kommen?

Wir sind also sehr weit gekommen. Trotz anderer Therapien vorher hat sie viel Neues tief in ihr kennengelernt.
Die Aufgabe und ihre Heimat ist jetzt bewusst. Sie hat angefangen, die Emotionen anzunehmen, die mit den Polaritäten zusammenhingen, die die Widerstände gegen beide Pole darstellten. Die Übungen, die wir in den Sitzungen zum Annehmen dieser Emotionen gemacht haben, sind dabei gut und sehr wichtig gewesen.

In manchen Fällen ist es förderlich, die Übungen mit den Emotionen aus den Sitzungen zu Hause weiterzuführen. Vor allem, wenn sehr viel Widerstand eine Rolle spielte, wir noch nicht alles durcharbeiten konnten und Marie daher noch Reste im Alltag spüren sollte, kann sie dann – anhand einer Mail, die ich ihr, wie jedem Klienten, nach der Sitzung zusende – die Emotionen selbständig weiter bearbeiten. Und auch selbstverständlich jede andere unangenehme Emotion, die ihr im Alltag begegnet: Denn weniger Widerstand gegen das Leben macht uns insgesamt zentrierter, ruhiger, annehmender – uns selbst und anderen gegenüber.

DIE AUFGABE, JA!

Das war ja der Anlass, diesen Artikel zu schreiben, das Thema “Sinn”! Das ist natürlich wichtig. Wir kommen darauf noch einmal zurück.

Maries Aufgabe ist noch offen, die (jetzt bewusst kennengelernten) Polaritäten in der Welt zu befrieden. Als Beispiele nennt Marie ihre Ursprungsfamilie und ihre jetzige. Das ist noch nicht erledigt. Doch jetzt, mit diesem Bewusstsein kann sie sich überhaupt entscheiden: Will ich diese Aufgabe überhaupt jetzt noch? Ist sie doch zuviel oder könnte es jetzt, bewusster, klappen? Welche Aufgabe soll sie haben, wann ist sie erfüllt? Bewusstsein ist daher wichtig, denn im Laufe unseres Seelenlebens übernehmen wir uns sehr gerne mal in unseren Aufgaben. An deren Zielerreichung knüpfen wir unsere Erwartung an uns. Und wir fesseln auch unsere Eigenliebe daran, weil wir so sehr identifiziert mit der Zielerfüllung sind. Das letztere ist eigentlich das Fatalste, sonst könnten wir alles spielerischer nehmen und es würde nicht gleich zu so dramatischen Verallgemeinerungen wie “Ich genüge nicht”, “Ich schaffe es nicht”, “Es reicht nie aus” etc. führen.

Wenn wir uns nur in der Perfektion oder Zielerreichung, dem LeistungErfüllen lieben, “bedingungsvoll”, ist es fatal.

Dann, wenn ein Malheur (d. h. traumatisches Versagen in der Aufgabe oder wie hier durch die zweifelhafte Startsituation) passiert, können wir die Aufgabe aber durch die Verdrängung des Traumatischen gar nicht mehr revidieren! Wir versenken alles so gut wie möglich im Dunkel, auch die Aufgabe selbst. Vergessen, als wäre sie nie gewesen. Doch sie arbeitet unbewusst trotzdem weiter, sie ist ja unerfüllt. Das ist sicher sogar der Normalfall: Denn das allermeiste, was wir tun, ist durch unbewusste Erfahrungen “kontaminiert”: unterstützt oder blockiert.

Und Marie kann sich bzw. ich sie jetzt fragen: Kann sie sich vergeben, dass sie es bis jetzt nicht geschafft hat? Das wäre ein Schritt hin zum Ende von Schuldgefühlen, Versagensgefühlen, Selbstvorwürfen, HelfenWollen und Abhängigkeit von Liebe, dem Glaubenssatz “Ich reiche nicht aus, bin nicht genug” und damit der enttäuschten Erwartung, Hoffnungslosigkeit und Vergeblichkeit, die das alles verursacht. Also der dicken Portion Selbsthaß, die das alles begleitet und die in alles, was man tut oder möchte, ausstrahlt – Beziehungen, Beruf, Kinder, Freude, alles.
Selbstvergebung entlastet sehr, wie Du Dir vorstellen kannst. Endlich enden damit diese Selbstvorwürfe – oder zumindest beginnen sie zu heilen.
Vergebungen dürfen aber nie ein Muss sein! Das einzige Muss ist hier, dass sie echt sein müssen. Kein aufgesetztes, verstandesgesteuertes “Ist schon ok, verzeihe mir/dir/ihm, dann bin ich frei”. Da höre ich als Therapeut sehr genau hin. Das, was gegebenenfalls doch nicht so recht vergeben möchte, müsste angesprochen werden. Davon ist hier bei Marie aber nichts zu spüren.

So gesehen ist Marie mit einer Aufgabe hier “herunter” gekommen und landet dann – nicht verwunderlich – genau mitten im gleichen “Themenschlamassel”. Der Kampf, der im Außen tobt und uns wohl fast alle beschäftigt, ist plötzlich auch in ihr. Die Themen Identifikation, Schutz, Kontrolle, Sicherheit, Macht, Getrenntheit aber auch “einfach Sein”, Ohnmacht, Verletzlichkeit, Vertrauen, Freiheit, Verbunden-/EinsSein spielen dabei eine Rolle, wie wir gesehen haben.
Genau um solche Themen geht es in der Rückführungstherapie, d.h. wenn wir unter die Oberfläche der Symptome schauen, eigentlich immer. Höchstwahrscheinlich wirst Du also, wenn Du tief genug nach innen gehst, auch über diese Themen stolpern.

Wir haben also hier gesehen, dass die Aufgabe zwar das vemeintliche “Außen” betrifft, doch derselbe Konflikt im Innen liegt. Wie kann man jedoch im Außen erfolgreich wirken, wenn im Innen derselbe Kampf tobt? (Marie wollte dies ja auch schon gar nicht mehr, so hoffnungslos war die Situation für sie, was aber nichts an dem inneren Konflikt änderte.)

Wenden wir uns alle also besser erst mal uns selbst zu, wie Marie dies mutig in diesen Sitzungen tut, dann können wir uns immer noch um die anderen kümmern – zumindest, wenn wir wollen bzw. uns dann bewusst dafür oder dagegen entscheiden können. Frei(er) von Schuldgefühlen, Ängsten vor Ablehnung, Versagen, NichtGenugSein, dem Druck, dass die anderen unbedingt anders und besser sein sollen etc etc. – das fühlt sich schon allein beim Lesen leichter an, oder? Und der innere Konflikt wird ja nie durch Arbeit am Außen befriedet, das ist Hamsterrad, irgendwann BurnOut.

VERSÖHNUNG, VERGEBUNG UND HEILUNG

Zurück in die Sitzung.
Die beiden Energien, Borstenvieh und Pflanze, sind bewusst und haben sich also schon neu formiert und “berappeln” sich jetzt. Mit Hilfe der besagten “Hausaufgaben-Übungen” kann Marie selber noch weiter daran feilen.

Zum Abschluss der Sitzung bitte ich Marie, nacheinander die Personen, die sie einmal war und die in unseren beiden Sitzungen eine Rolle gespielt haben (in ihrem Fall die 3-, 9- und die 14-jährige Marie aus dem heutigen Leben) in der Vorstellung zu sich zu bitten. Eine innere Gegenüberstellung mit sich und anderen ist eine meiner seltenen “Standards” in einer Rückführungstherapie, weil so machtvoll und versöhnend.
Dabei noch einmal in Kontakt sein und das aussprechen oder mit dem inneren Gegenüber das tun, wonach sich Marie oder ihr jüngeres Gegenüber schon so lange sehnt: GesehenWerden, Mit-Fühlen, Sprechen, Umarmen, Vergeben, Bestätigen, InsOhrFlüstern “Du bist richtig und hast alles richtig gemacht”, GehaltenWerden, AngenommenWerden…
Da kann in Marie auch noch viel heilen, was mich, der Zeuge sein darf, auch sehr berührt ja, auch als Therapeut hat man des öfteren ein Tränchen in den Augen, die KlientInnen sehen es nur nicht…). In solchen Momenten der inneren Begegnung passiert so viel, was so lange unerfüllt gewartet hat.
Es kommen hier in Marie noch viele Emotionen nach oben, vor allem Trauer und tiefe Rührung. Hier findet echte Vergebung statt und ganz viel Vereinigung und Liebe zu sich selbst.
Das alles ist wichtig für die Aussöhnung mit sich selbst: sich umarmen bei allen sogenannten “Fehlern”, die wir angeblich gemacht haben, dem vermeintlichen “ZuwenigSein” oder gar “FalschSein”. Sich die Liebe geben, weil alles so richtig war, nicht anders sein konnte, wir immer unser Bestes getan haben. Wir haben uns in diesen Therapiesitzungen bewusst und wirklich tief vom Herzen her verstanden, wenn wir uns vergeben. Die Bedingungen, die unsere Eigenliebe hatte, fallengelassen und uns “virtuell” in den Arm genommen. Jeweils die Person, die wir damals waren: innere Kinder, Ichs aus früheren Inkarnationen…
Vereinigung, Annehmen, Integration.

In Marie ist es jetzt sehr ruhig geworden. Ein Frieden ist in sie und die Praxis eingezogen, der typisch ist für das Ende von Sitzungen am zweiten Tag. Wir haben begonnen, viel von ihren inneren erschöpfenden Kämpfen zu befrieden.
Ein guter Moment, die Sitzung zu beenden, wir haben genug gearbeitet an den zwei Tagen.

Erschöpft und erleichtert öffnet Marie die Augen und kommt wieder ganz “in die Gegenwart zurück”…
Noch ein wenig Nachbesprechung, so viel Marie das jetzt überhaupt noch braucht.
Doch Marie braucht jetzt nicht viel, weil erst einmal nicht viel mehr zu klären ist.

Und hoffentlich hat sie jetzt ein wenig den Platz “da oben”, den sie verloren bzw. aufgegeben hat für ihre Aufgabe, wieder etwas zurückgewonnen. Und durch die begonnene Aufarbeitung des Abschiedes mehr hier “herunterholen” können auf die Erde, in ihr Jetzt. Denn das ist passiert: Wir haben den großen Widerstand um alles herum, was mit ihrem Platz und ihrer Aufgabe zu tun hatte, schon sehr aufgeweicht. Der Platz, der eigentlich immer in ihr ist (wir waren ja vorhin “da” und sie hat sich dadurch wieder mit ihm verbunden!), nicht nur “damals, da oben”, scheinbar getrennt von ihr, wie es bisher war.

Das Alles dank der Empfindung des Druckes in Maries Bauch am Anfang der Sitzung! (Der übrigens jetzt am Ende der Sitzung nicht mehr so spürbar ist.)

 Rückführungstherapie:
Der Faden, den uns Symptome & Probleme in die Hand legen, aufnehmen und in die Tiefe verfolgen und das dort Gefundene (Situationen, Emotionen, Glaubenssätze etc.) bewusst machen dadurch Annehmen und auflösen.

Kommunikation mit dem Verdrängten und Verleugneten führt zu Annehmen, Entspannung, Befreiung, größerer Leichtigkeit und Lebensfreude

So zeigt sich hier auch, was alles buchstäblich an einem Symptom hängen kann. Genau an dem, was uns lästig ist und wir ja eigentlich loswerden möchten und dessen Sinn wir erst einmal nicht verstehen. Wenn wir aber dann der Spur folgen, offen, mutig und mit Begleitung den Weg in die Tiefe gehen, das Angebot des Körpers annehmen, wir alles bergen können! Wir stoßen immer auf unsere zentralen, wichtigen (Lebens-)Themen, die wir dann bearbeiten können.

Das muss sich in Marie sicher alles erst mal “setzen”! Das ist schon ein Hammer, so mal eben die eigene Herkunft wiederzuerleben und auch die vielen Erkenntnisse und unterschiedlichen durchlebten Emotionen!

Und Marie wird in den nächsten Tagen, in der nächsten Zeit, sehen – besser: fühlen, wie es ihr geht, was sich verändert hat und ob noch etwas offen ist, um da die Übungen anzuwenden. Wir haben getan, was wir konnten in der Zeit. Es ist sicher noch nicht alles an Problemen und Symptomen ausgeräumt. Was nicht so überraschend ist, wenn der Widerstand gegen das Leben und HierSein so groß war wie bei Marie. Etwas Unterstützung für die Übungen ein paar Tage später am Telefon noch und sie macht erst mal für sich weiter. Sie kann sich ja immer dafür entscheiden, an diese tiefe, intensive Arbeit anzuknüpfen und wiederzukommen, das weiß sie natürlich.
Wir könnten dann gut anknüpfen, das Vertrauen ist gebildet und wir könnten weiter gehen: Neues entdecken oder, wenn nötig, das Bekannte weiterbearbeiten: Sind noch Emotionen übrig, die schwer annehmbar sind, sind die Polaritäten immer noch Polaritäten, wie steht es jetzt mit der Eigenliebe, der Einsamkeit, Aggression, den Möglichkeiten, sich mit anderen zu verbinden, den körperlichen Symptomen, wie steht es mit Abschieden, der Aufgabe, dem NichtGenugFühlen?
Das wären meine anknüpfende Einstiegsfragen bei einer weiteren Sitzung. Mal sehen…

Heilung im FastFoodStil, das wollen wir alle. Schnell ´raus aus der Misere. Viele KlientInnen halten ihr Unglück unbewusst auch nach Jahren oder gar Jahrzehnten psychotherapeutischer und spiritueller Arbeit fest und sind trotzdem (oder gerade deswegen) ungeduldig. Verständlich. Doch schöner wäre, wir könnten liebevoller mit uns umgehen und uns etwas Verständnis entgegenbringen, dass da etwas sehr Tiefes, mit sehr viel Widerstand Behaftetes (Emotionen wie totale Ohnmacht, Angst oder ein immenses Schuldgefühl z.B.) dem Leiden zugrunde liegt.
Und, wie hier gesehen, wir immer mit grundlegenden Kernkonflikten zu tun haben, die unsere Freiheit und positive Widerstandslosigkeit verhindern, damit wir nicht immer wieder das Ungewollte in unser Leben ziehen.
Das ist nicht mal nebenbei erledigt, fordert schon etwas von KlientInnen, auch vielleicht über eine Sitzung hinaus, in Form von Eigenarbeit und/oder weiteren Terminen.

Weiter haben wir gesehen – und ich verallgemeinere das mal aufgrund meiner langen Erfahrung:

 Verletzlichkeit ist unser Urgrund.  

Nur wenn wir diese ehren und uns vor ihr verneigen, können wir ein Leben führen, das sich nicht immer in Widerstand lebt – in (oft unbewusster) permanenter Angst, in Misstrauen und dem Willen nach Kontrolle – über uns selbst oder/und andere.

Diesen Urgrund von den Erfahrungen zu befreien, die uns irgendwann Gefühle von Schwäche, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ausgeliefertheit mit etwas Negativem, Traumatischen verbinden ließen, dafür ist die Rückführungstherapie das geeignetste Mittel. Sie allein kann auch die Widerstände gegen die andere Polarität befreien, die wir ebenfalls nach Erfahrungen weg geschoben haben: die Macht und Stärke, das Erreichen im Tun in den Welten. Auch diese ist zurückzugewinnen in der Therapie.
Danach sinken diese Polaritäten geradezu in die Selbstverständlichkeit und sind gar keine mehr.

Dass da immer etwas Unverletzliches, Ewiges ist, was immer geliebt ist, können wir danach (hoffentlich) etwas besser erahnen oder gar erfahren.

 Liebe kennt keine Ausnahmen.  

Und Du bist ihr dann durch solche Arbeit in Deiner Haltung zu Dir selbst näher gekommen, weil Du wieder Teile von Dir angenommen hast, errettet aus der Unbewusstheit und Ablehnung. Mehr “Seelennähe”, Leichtigkeit, Lebendigkeit, Emotionalität.

Und um noch einmal auf das Thema “Sinn” zurückzukommen: Es war auch spannend zu sehen, wie sehr diese Themen mit einer Aufgabe verknüpft waren und das Durcharbeiten davon die Aufgabe nach so langer Zeit wieder befreien kann. Auch die Verbindung von Sinn mit der Eigenliebe und auch dem inneren Konflikt in uns, um den es eigentlich geht, wurde sehr deutlich. Es gibt keine Aufgabe, aus der wir mit unserem Innenleben “draußen” sind und nur im vermeintlichen Außen etwas bewegen oder bewirken wollen.

Mach Dich auch auf!
Ich bin für Dich da.
Und bitte vergiss nicht: Das Sein braucht eigentlich gar keine Aufgabe! (s. Salatbesteck Teil 1)

Herzlichst, wie immer,
Dein
Ulf Parczyk

________________________________

Photos: Beitragsbild Sternenhimmel von Clemente Ruiz Abenza, Unsplash; Pflanzenbild (von Autor verändert) auf pixabay von InspiredImages, CC0; 

 

 

 

E-Mail an PraSenZ

Du möchtest einen Termin?

Du hast Du noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

 

 

PraeSenZ anrufen

Du möchtest einen Termin?

 


Phone-52Reply Filled-50

Du hast noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

 

Immer automatisch informiert werden,

wenn es bei PraeSenZ Neues gibt: Blogeinträge, Videos, Audios...

 

PraeSenZ-Newsletter

abonnieren!

 

(Erscheint ca. alle 8 Wochen, jederzeit abmeldbar; zu Datenschutzhinweisen hier entlang)

JA!

PraeSenZ-

Newsletter

abonnieren

!

 

(Erscheint ca. alle 8 Wochen, jederzeit abmeldbar; zu Datenschutzhinweisen hier entlang)

Teile diese Seite mit denen, denen sie weiterhelfen könnte!


Ja! Ich möchte den PraeSenZ-Newsletter!
 

Immer informiert, wenn es Neues von der PraeSenZ-Praxis gibt: Blogartikel, Downloads etc. zu Beziehungsthemen und allgemein zu Deiner spirituellen Weiterentwicklung!
Jederzeit abmeldbar. Erscheint ca. alle acht Wochen.
Zur Datenschutzerklärung.
Anmelden
close-link


Ja! Ich möchte den PraeSenZ-Newsletter!
 

Immer informiert, wenn es Neues von der PraeSenZ-Praxis gibt: Blogartikel, Downloads etc. zu Beziehungsthemen und allgemein zu Deiner spirituellen Weiterentwicklung!
Jederzeit abmeldbar. Erscheint ca. alle acht Wochen.
Zur Datenschutzerklärung.
Anmelden
close-link