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Schlangen und Leitern – Rückmeldung einer Klientin

Schlangen und Leitern – Rückmeldung einer Klientin

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Schlangen und Leitern - Rückmeldung einer Klientin

von Ulf Parczyk

Schlangen und Leitern – Rückmeldung einer Klientin

Erfahrungen nach der Rückführungstherapie

Ich habe Glück.
Nicht nur, dass ich mutige, offene und vertrauensvolle KlientInnen habe – nein, viele können sich auch noch wunderschön ausdrücken!  🙂
Davon profitiere ich gerne hin und wieder und möchte damit weiter zu einer Transparenz meiner Arbeit beitragen (lassen  😉  ).
Und damit etwas sicht- oder fühlbarer zu machen:
Was passiert mit einem nach einer Sitzung bzw. nach Sitzungen?
Das ist natürlich so individuell wie Individuen halt so sind… Aber ein paar Beispiele (das wird nicht das letzte sein – und am Ende des Artikels sind Links zu weiteren) sind sicher faszinierend für die, die noch gar keine Erfahrung mit der Rückführungstherapie haben und sicher sehr interessant auch für alle anderen, schon zum Vergleich.

Hier jetzt dazu eine E-Mail von Susanne (Name geändert), die ihre Erfahrungen zwei Monate nach der bislang letzten von drei Intensiv-Doppelsitzungen (im Laufe von vierzehn Monaten) beschreibt – ganz lieben Dank dafür!! Selbstredend hat sie lange vor, zwischen und nach den Sitzungen gelebt, um dahin zu kommen, wo sie jetzt “ist”. Wann kann je eine Therapie die alleinige Urheberschaft für Veränderung für sich reklamieren? Nie. Trotzdem bietet sie sicher gute und meist große Puzzlestücke dafür.
Jetzt bei ihr, auf jeden Fall, ein Annehmen, das fast(?) wie das Ende der Reise klingt und aus spirituellen Klischees von “Entwicklung”, “Zielen”, “Aufgaben” heraustreten lässt in etwas namenlos Bedingungsloses…
[Nur kurz zum Verständnis des Kommenden: unsere Sitzungsreisen begannen mit dem Thema der etwas problematischen Beziehung zu ihrem Cello-Lehrer Friedrich (Name geändert)….]


Lieber Ulf,

Für das, was ich im Moment fühle, gibt es keinen Platz.
Es ist unpopulär und nicht erwünscht. Es ist nicht produktiv, es strebt nirgendwo hin, es nützt niemand anderem und füllt nichts aus.
Nach der anfänglichen Leere und inneren Entspannung gab es plötzlich diesen einen Tag. Der Tag, an dem alles in sich zusammen fiel.

Es war ein seltsamer Tag, an dem nichts so lief, wie ich es geplant hatte. Nicht einmal die kleinsten Kleinigkeiten. Dabei hatte ich so viel zu erledigen. Und ich war so tatkräftig beschäftigt, als ich plötzlich mitten hinein geworfen wurde.

Und zwar in mich selbst.

Ich wollte noch schnell in meinem angestammten Stoffladen Garn und Futter kaufen. Als ich den Laden betrat, schwatzte dort eine Gruppe Frauen mit der Inhaberin fröhlich durcheinander. Da ich etwas von der Inhaberin wollte, kam ich nicht umhin mich dazu zu gesellen und bekam das Gespräch mit. Mir flog gerade noch der Rest eines Satzes zu: „…vielleicht kannste hier noch Workshops anbieten… hahaha… mit Rückführung und so…“
„Das ist kein Spaß, das ist ein hartes Stück Arbeit.“ hörte ich mich sagen.
Fünf Augenpaare starrten mich atemlos an. Ich war durch einen einzigen Satz von der Ladentür direkt in den Mittelpunkt gerückt. Da stand ich nun, im Auge des Hurrikanes. Was hatte mich nur geritten?!
„Haben Sie sowas schon gemacht???“, fragte eine.
Und genau dann kam der Moment, in dem sich alles veränderte…

„Ja.“

Ich spürte, dass es nicht nur die simple Antwort auf ihre Frage gewesen war.
Es war ein Bekenntnis.
Zu mir.
Zu meiner Geschichte.
Der heutigen genauso wie der vergangenen. Zu meinen Gefühlen und Erfahrungen. Meinen Bildern und Alpträumen.
Meinen Tränen, meinem Glück, meinem Mut und meinen Ängsten, meinem Versagen und meinem Wirken, meinem Schmerz, meinem Sterben, meiner Liebe und meinen unerfüllten Wünschen.
Die Frauen waren zu meiner Überraschung ehrlich interessiert und fragten mich, wie das so gewesen wäre. Und ich erzählte ihnen, so gut es in der Kürze der Situation ging, was ich erlebt und erfahren hatte.

Zum ersten mal berichtete ich wildfremden Leuten von Dingen, die ich bisher nur ganz wenigen Auserwählten mitgeteilt hatte.

Mit jedem Satz, den ich aussprach fühlte ich, wie meine Geschichte manifest wurde. Das waren keine Alpträume mehr, die Gespenstern gleich nur ätherisch waren, wie eine Hypothese. Nicht mehr nur meine Gefühle, die nie eine Erwiderung erhalten hatten, wie Fragen, die niemals eine Antwort bekamen.
Es waren keine Fragen mehr.
Es waren Aussagen. Meine Aussagen.
Es war meine Geschichte.
Mein Beitrag im Sein.
Ich spürte fast körperlich, wie es mich Satz um Satz veränderte.
Und die Susanne, die den Laden betreten hatte, war nicht mehr dieselbe Susanne, die ihn anschließend wieder verließ.

Das erste, was ich bemerke, war eine Veränderung um mich herum. Diese Leere, in der ich mich tagelang so wohl gefühlt hatte, war plötzlich weg. Und in alter Gewohnheit suchte ich nach ihr, fast panisch, in der gelernten Erwartung wieder etwas verloren zu haben. Bis ich sie fand. Und begriff…

Sie war jetzt in mir.
Sie war ein Teil von mir geworden.
Das hört sich vielleicht alles sehr schön und erhaben an. Aber zunächst empfand ich das überhaupt nicht so…

Vorher war dieses Gefühl größer gewesen als ich. Und ich hatte mich in ihm verstecken können. Wenn ich mich traurig fühlte oder allein. Hatte in ihm baden können, mich mit ihm zudecken, einhüllen können. Das war nun nicht mehr ohne weiteres möglich. Es war zu einem Werkzeug geworden, das ich benutzen konnte. Wie Arme und Hände, die mir dienen und helfen konnten. Aber ich konnte mich nicht mehr in ihm verstecken. Wie ein kleines Kind, das sich vor der Welt in seinem Schrank verkriecht.
Nicht ich war in ihm.
Es war in mir.
Und damit hatte sich alles verändert.
Meine Position und meine Perspektive.
Ich fühlte mich wie in dem Spiel mit Schlangen und Leitern. Ich hatte bereits einen langen Weg zurück gelegt, war kurz vor dem Schloss, dem Ziel, gewesen und nun war ich die längste der Schlangen hinunter zurück an den Start gerutscht.

Erfahrung eReinkarnationstherapie Rückführungstherapie

Da stand ich nun wieder auf Feld 1. Und begann das Spiel von vorn.
Aber ich war nicht mehr dieselbe. Ich würde die Reise nun anders antreten. Andere Schritte machen, andere Entscheidungen fällen. Andere Leitern und andere Schlangen erfahren.
Und noch etwas war neu in dieser Runde…
Ich hatte plötzlich gar keine Eile mehr ans Ziel zu kommen. Ich war mir nicht mal mehr sicher, ob ich überhaupt noch zum Schloss wollte. Es schien mir wie ein Ziel aus einer anderen Zeit. Oder vielmehr hatte ich in dieser anderen Zeit noch an jenes Ziel geglaubt. Denn nun erschien mir dieses Schloss wie eine Illusion. Ein Antrieb, der früher dazu gedient hatte, dass ich mich fortbewegte.

Jetzt aber, wollte ich gehen um des gehen willens.
Und es war mir vollkommen egal, wie weit ich war oder wo ist stand. Sogar wohin es ginge. Vorwärts. Rückwärts. Stillstand. Egal.
Alles war gut, genau so wie es war und sein würde.
Kein Ziel erreichen wollen.
Einfach nur sein.

Fühlt sich schön an. Aber geh damit mal in den Alltag. Das ist wie eine Boykotterklärung an die Gesellschaft, die nur davon lebt, dass es vorwärts geht. Nichts-erreichen-wollen dürfen sich nur Leute leisten, die schon längst alles erreicht haben. Die bereits ganz oben sind. Finanziell, gesellschaftlich oder spirituell im Vorstand angekommen sind. Sowas muss man sich erarbeitet haben, für alle sichtbar. Und dann muss man befördert worden sein. Durch Ausbildungen, Umschulung, Seminare, Krisen, Krankheiten, Meditation, Retreats, Investitionen, Versicherungen, Überstunden, Pilgerreisen und Prüfungen…

Dafür muss man was getan haben, sich angestrengt, geschuftet und verzichtet haben. Man muss fasten, seine Familie verlassen, einsam sein und schweigen, seinen Besitz aufgeben oder sein Herz (um den Besitz zu erwirtschaften, den man dann wieder wegwirft, sobald man ihn hat), sich ans Kreuz nageln und verleugnen lassen, mit Dämonen kämpfen, Götter besiegen, sich selbst überwinden und Schmerz zufügen oder sich in sonst einer Form durch ein Martyrium quälen.
Nur eines darf man nicht. Sich selbst genügen.
Immer mehr fiel mir auf, wie gerade in der sog. spirituellen Szene ein solch karriereorientiertes, wertendes und lineares Weltbild vorherrscht.
Aufstieg, weiter kommen, haufenweise Stufenmodelle, jede erdenkliche Form der Eingruppierung,… ein einziges Ranking!
Wer ist oben, wer ist unten?
Nur bloß nicht materiell werden, die Ebene haben wir schon hinter uns…
Es ist ein einziger Schrei nach ‚WO STEHE ICH?‘
Und ‚wie lange dauert es noch und was muss ich noch tun, bis ich es geschafft habe?‘
Was denn?
Zum Schloss??
Und dann???

Mir fiel meine große Tochter ein. Als sie drei war, sah sie zum ersten mal im Fernsehen ein Formel 1-Rennen und fragte mich: „Wo fahren die hin?“
Ich sagte: „ Nirgendwo. Die fahren immer nur ins runde.“
Darauf mein Kind: „… und warum fahren die dann so schnell?“

Es gibt nur eines, was ich meinen Kindern ehrlich mit auf den Weg geben kann…
Sei Du selbst.
So oft und so gut es Dir eben möglich ist. Alles andere ist Murks.
Und sei gut zu Dir selbst.
Weil nur Du weißt, was Du brauchst.

Deshalb habe ich mir wieder ein Cello gemietet.
Einfach nur, weil ich wieder Bock drauf hatte.
Weil es ein Teil von mir ist.
Auch ohne Friedrich.
Ob ich jemals wieder Unterricht bei irgendjemand nehme, weiß ich nicht. Im Moment will ich einfach nur die Töne genießen und den Klang an meinem Körper spüren.
Ich habe jetzt ein anderes Cello. Als ich zum Geigenbauer ging, hatte er bereits alle Schulinstrumente vermietet. Ich sagte ihm, dass es nicht schlimm sei, ich käme ein andermal wieder oder er könne mich benachrichtigen, wenn eines frei würde. Aber er sagte: „Warten Sie mal…“ und sah mich lange an. Dann ging er nach hinten in seine Werkstatt und holte doch noch eins hervor. Das war aber kein Schul-Cello. Das war eins von seinen guten. Den richtig guten. Die er eigentlich nicht vermietet. Aber ich durfte es mitnehmen.
Unbefristet. Wow…
Das erste, was ich spielte war ‚Hänschen klein‘…
Auf einem Cello, das fast soviel kostet, wie ein Kleinwagen.
Ich finde, das hab ich mir jetzt einfach mal verdient…  ;D

Liebe Grüße, Susanne

 

Ich hoffe, dieser Text hat Euch etwas motiviert, diese wunderbare Tiefenarbeit auch in Anspruch zu nehmen!?   🙂
So oder so wünsche ich Euch alles Liebe
Herzlichst wie immer
Euer Ulf


Hier noch weitere Artikel zum Thema “Erfahrungen mit Rückführungstherapie”: 

 

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Photo: Cellistin von StepanFoto, pixabay;  Schlangen und Leitern-Spiel “Snakes and Ladders” by Kevan is licensed under CC BY 2.0 

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