"Das Risiko zu blühen" - Eine Klientin blickt auf die Zeit nach der Therapie zurück

Verfasst von Dipl.-Psych. Ulf Parczyk - Zuerst veröffentlicht: 23. Dezember 2021
Letzte Änderung: 30. Dezember 2021
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"Das Risiko zu blühen" - Eine Klientin blickt auf die Zeit nach der Therapie zurück

Hier veröffentliche ich Euch dieses Mal einen Rückblick einer Klientin (natürlich mit ihrer Einwilligung), in der sie ihre Erfahrungen beschreibt, die sie durch und nach unseren Therapiesitzungen gemacht hat. Ich gebe ja gerne hier auf meiner Seite weiter, was Klient*innen zurückmelden, damit Ihr einen besseren und realistischen Einblick in das bekommst, worum es bei der Rückführungstherapie geht. Denn: Ich selbst kann ja viel erzählen, wenn der Tag lang ist...  😉

Der Bericht meiner Klientin ist auch wieder ein gutes Beispiel dafür, dass Entwicklung ein Prozess und meist wunschgemäß nicht mit einer Therapiesitzung erledigt ist - und dass Geduld, Annehmen dieser Tatsache und Weiterarbeiten an den Widerständen gegen das Leben und die Emotionen uns dann überhaupt erst weiterbringen kann.

Simone hatte einen ersten und bislang einzigen Doppeltermin (allgemein zu meinem Vorgehen s. Verlauf) Ende Juni 2021, also sechs Monate vor dem Schreiben ihres Rückblicks.
Sie nahm den Weg von Berlin nach Frankfurt zu meiner Praxis in Kauf, nachdem sie eine Geschichte von verschiedenen, teils dramatischen körperlichen Beschwerden und Zeiten starker depressiver Verstimmungen hinter sich hatte. Simone sah das Leben schon lange als Kampf - und noch dazu als einen, den man alleine kämpfen muss. Jetzt wollte sie sich helfen lassen.
Aber ich lasse sie jetzt lieber selber erzählen:

 

"Lieber Ulf!

Das Jahr ist fast vergangen und wenn ich zurückblicke, wie das Jahr begonnen hat, mit all meiner Verzweiflung, meiner inneren Unruhe, meinem Chaos im Kopf, meinem körperlichen Kollaps und meiner Ausweglosigkeit, wie ich gedacht habe, was für ein katastrophaler Jahresbeginn. Ich fühlte mich total leer und freudlos, gefangen in einem engen Käfig, von mir selbst gebaut.
Alles in mir war starr, eingefroren, ein dicker Eispanzer um mich herum, alle Emotionen unterdrückt oder weggedrückt, selbst auf meinen Körper wollte ich nicht hören, auch nicht als der innere Druck so zu spüren war, mächtig gegen meinen Brustkorb drückte.

Nach meinem Kollaps bin ich das erste Mal aufgewacht, wollte etwas an meinem Zustand ändern, mein Leben ändern und habe den ersten und wertvollsten Schritt für mein neues Leben gemacht. Ich wollte keine klassische Therapie, ich wollte mich nicht mit irgendwelchen Antidepressiva betäuben lassen. Ich wollte eine Therapie, die in der Tiefe arbeitet und wo ich aktiv mit und an mir arbeiten kann.

Ich bin so dankbar, dass Du diese in die Tiefe gehende Rückführungstherapie/spirituelles Clearing auf Deine Weise praktizierst und ich sie für mich gefunden habe. Deine Tiefentherapie trägt Deine Handschrift und ist besonders, weil Du ganz auf Hilfsmittel verzichtest, wie z.B. Hypnose, der Seele den Raum gibst, das zu zeigen, was sie zu zeigen bereit ist, was zu verkraften ist. Rückführungstherapien gibt es viele, Deine hat einen besonderen Stil, eine besondere Ausrichtung. Sie trägt Deinen ganz persönlichen Stempel und damit ist sie einzigartig.

Diese Rückführungstherapie ist für mich ein unglaublich starker Türöffner und eine Brücke, über die ich gegangen bin, um endlich erstmalig die Verbindung zu meiner Seele zu finden und damit zu mir.

Sie ist ein Schlüssel für so viele verschlossenen Türen. Eine davon habe ich mit Deiner einfühlsamen Begleitung geöffnet und es war nicht einfach hinein zu gehen, sehr schmerzvoll, alles nochmal zu erleben und doch so befreiend, es zu tun. Diese zwei Tage waren so intensiv und heute kann ich es sagen, ich wusste erst einmal nicht wohin mit all den aufkommenden Gefühlen, mit all dem Erlebten. Ich war etwas überfordert und fragte mich: ,Und jetzt?! Wie geht es weiter? Was mache ich mit all dem Erlebten?´
Ganz viele Fragen kamen erst viel später in mir auf. Einen Tag später stellte sich dann ein leichtes, schönes, befreiendes Gefühl bei mir ein, ganz zart und das tat mir gut, bestätigte mir, alles richtig entschieden zu haben, diese Rückführung bei Dir zu machen.

An mir weiter zu arbeiten, dran zu bleiben, nicht aufzugeben, war für mich eine große Herausforderung.
Und sie war es, sie war sehr groß. Alles, von Erstmal-Alleine-Schaffen-Wollen, Aufgeben, bis Wieder-Alles-Wegdrücken-Wollen, Hinfallen, Nochmal-Beginnen, endlich Hilfe-Zulassen und auch Annehmen. Weitermachen mit den Emotionsübungen, ohne sich zu überfordern und gut zu sich selbst zu sein, mir Pausen gönnen, mir zuhören...

Es gab einige Aufs und Abs, Panikattacken, schwere Situationen, wo ich das Gefühl hatte, alles holt mich ein. Wo ich gesagt habe, ich kann nicht mehr und ich dachte, der Boden bricht unter mir zusammen. In dieser ganzen Zeit hast Du mich so unterstützt, mich aufgefangen, wenn es schwer für mich war, mich immer wieder ermutigt dran zu bleiben, nicht aufzugeben. Hast mich behutsam zurecht geschubst. Mir zugehört, meine Fragen beantwortet, Dir die Zeit genommen, mir die richtigen Anstöße gegeben, Fragen gestellt, die mich dazu gebracht haben, alles nochmal zu reflektieren.
Du warst einfach da. Für mich war es ein ungewohntes, aber ein gutes Gefühl, zu wissen, dass jemand für mich da ist, wenn ich Hilfe brauchte, ich nicht alleine da durch muss, ich es nicht alleine schaffen muss... Und Du hast Dich so für mich gefreut, als ich Dir von meinem ersten Moment berichtet habe, wo ich ohne Grund, einfach von innen heraus, glücklich war und mein Kopf stillstand. Endlich ein Lichtblick, ein Sonnenstrahl.
Ulf, ich bin Dir für alles so unendlich dankbar, von Herzen Danke.

Heute geht es mir gut, ich kann mich besser fühlen, ich bin dankbar über jeden kleinen Schritt, den ich bisher gegangen bin, für jeden Stolperstein. Ich muss sicher noch viele kleine Schritte gehen, aber ich freue mich darauf, diese zu gehen, auch wenn es manchmal nicht einfach sein wird.
Alles war richtig, alles war zur richtigen Zeit und heute kann ich sagen, es war nicht nur ein gutes Jahr, es war ein wichtiges Jahr, ein besonders wertvolles für mich. Ich merke die kleinen Veränderungen, ich bin offener anderen Menschen gegenüber, bin nicht mehr so verkrampft oder streng, ich bewege mich ungezwungener, keine aufgesetzte Freundlichkeit, eher natürlich - und das spüren die Menschen, lächeln zurück oder es beginnt ein kleines Gespräch.

Auch auf der Arbeit geht es leichter, ich bin innerlich ruhiger, denke von Tag zu Tag, mache mich weniger verrückt, gebe einfach mein Bestes und ich denke, dass ich innerlich langsam von meinem [Friseur-]Salon loslasse. Ich habe noch keinen richtigen Plan B, und mein Salon steht nach wie vor auf wackligen Beinen, aber wenn ich ihn aufgeben muss, dann soll es so sein, dann findet sich ein Weg, der wird sich dann zeigen. So habe ich vor ein paar Wochen noch nicht gedacht.

Die Übungen kann ich immer besser im Alltag integrieren, bin aufmerksamer, wenn sich Wut, Angst, Traurigkeit... zeigen oder ich nicht so gute Gedanken habe. Wenn ich sie mache, ist nach kurzer Zeit der Druck weg, die Gedanken, ich bin innerlich wieder ruhiger. Das funktioniert auch gut bei Stress oder wenn ich mit unangenehmen Situationen konfrontiert werde. Mein Körper sendet mir sehr schnell in Form von innerem Druck gegen den Brustkorb die Signale.

Ich versuche mehr und mehr in mich hinein zu spüren: was tut mir gut, was nicht; was möchte ich, was nicht; welche Menschen tun mir gut, welche nicht und versuche mich dann davon zu lösen, von dem, was ich nicht möchte. Es gelingt mir nicht immer, aber ich hole es mir dann immer wieder ins Gedächtnis zurück, erinnere mich daran.

Lächeln Frau

Ein kleines Ritual am Morgen oder Abend: ich lächle mich im Spiegel an - klingt lustig, aber es hilft besonders gut, wenn der Tag nicht so gut angefangen hat oder der Tag nicht so gut war. Das macht vieles leichter, alles entspannt sich, schließlich kommt ja das Lächeln zurück. Auch dass ich meine Tränen immer mehr zulassen kann, zeigt mir, wie viel sich in mir bewegt hat. Ich nehme die kleinen schönen Momente wahr oder schaffe mir selbst welche, indem ich `raus gehe, durch den großen Park laufe, die Natur genieße oder mich mit Freunden oder meiner Tochter treffe.
Ich freue mich einfach mehr.
Ich habe in diesem letzten halben Jahr so viel gelernt, besonders über mich, mein wahres Ich. Und ich werde weiter lernen. Es ist für mich ein kostbares Geschenk, sich endlich selbst zu finden, sich zu erkennen, die fehlenden Puzzleteile zusammen zu fügen, um mich dann irgendwann wieder ganzer zu fühlen.

Einige Tage, nachdem ich zu Hause war (also nach der Therapie) und ich in mein Tagebuch geschrieben habe, kam in einem von mir geschriebenen Gedicht die Frage auf "Kinderseele kaputt gemacht, kann sie jemals heilen?"
Meine Antwort heute: ja, sie kann heilen, es braucht Zeit und Geduld, aber sie kann heilen!

Aufgehende Blüte, Entfaltung

Auch das habe ich gelernt, Geduld mit mir zu haben. Niemand heilt von heute auf morgen und nichts ändert sich von heute auf morgen, alles geschieht langsam, es ist ein Prozess, wie dickes Eis, was langsam bricht, Risse bekommt, um dann, viel später, zu schmelzen, Schicht für Schicht, um bei meinem Eispanzer zu bleiben. Es gibt viele Beispiele in der Natur, die diesen Prozess so gut beschreiben.
Ein Beispiel habe ich, diese Aussage ist nicht von mir, aber ich mag diese Aussage sehr, es steckt so viel Wahres drin:
"Es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde, als das Risiko, zu erblühen."

Ich habe meine Entscheidung nach Frankfurt zu fahren, nie bereut, Deine Tiefentherapie / Rückführung ist intensiv, befreiend, auch schmerzlich, aber vor allem ist sie nachhaltig, sie bewegt etwas tief im Inneren, in der Seele.

Alles Liebe und Gute für dich! Liebe Grüße!
Simone

PS: Ich hoffe, dass es mir gelingt, irgendwann im nächsten Jahr noch einmal nach Frankfurt zu kommen."

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Das war der beeindruckende Bericht von Simone. Er berührt mich, weil sie sich als Solokriegerin schon lange durch so viel Schweres kämpfen musste. Und das auch nach unseren intensiven Sitzungen noch tat, mit denen bei ihrer schwierigen emotionalen Ausgangssituation lange nicht alles getan war.
Sie nahm die Chance wahr, weiter an dem zu arbeiten, was wir in den Sitzungen vorfanden: ging noch einmal durch problematische Gefühle, nutzte die Emotionsübungen, die ich Klient*innen vorschlage und machte sich damit auf den Weg der Befreiung aus altem Leid, Schwere, Anspannung, Durchhalten, aus dem Lebenskampf.
Und - für sie auch eine Lernerfahrung - nutzte auch mal Unterstützung (was Vielen schwerfällt, sind wir doch aus den verschiedensten Gründen eher eine Gesellschaft von Einzelkämpfern*innen). Dabei bekam sie immer wieder Schwung durch einzelne Sonnenstrahlen, die durchbrachen und sie motivierten, weiter zu gehen.

Nicht alle Klient*innen kommen mit so schwieriger emotionaler Ausgangslage, die Wenigsten gehen daher nach intensiven und guten Sitzungen durch so harte Zeiten und brauchen viel Unterstützung - die Meisten aber profitieren hoffentlich von den Übungen, die ihren Alltag erleichtern und Einige nutzen weitere Termine bei mir, um zusammen in einer oder mehreren Rückführungssitzungen "nachzufeilen".
Ich bin für sie alle da, auch für Dich, wenn Du auf Deinem Weg solche Schritte gehen möchtest.

Wenn Dich daher der Bericht auch zu einer Zusammenarbeit mit mir motiviert, freue ich mich über Deine Nachricht!
Wenn Dir der Bericht zumindest eine realistischere Einschätzung von (Rückführungs-)Therapie gegeben hat, dann freut es mich auch, denn ich bin kein Freund von wilden, unrealistischen Versprechungen.

Wenn Du noch weitere Fragen hast und mich, meine Arbeit und meine Website noch nicht so gut kennst, hilft Dir die Fragen-und-Antworten-Seite sicher weiter. Wenn dann noch Fragen bleiben, stehe ich Dir natürlich gerne zur Verfügung.

Ich wünsche Dir alles Liebe und freue mich, wenn Du noch weiter auf meiner Seite stöberst!
Herzlichst wie immer!
Ulf Parczyk

PS. Herzlichen Dank nochmal an Simone.

Und hier noch der Link zu den Artikeln mit den Erklärungen der Emotionsübungen: Übung 1 und Übung 2

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Photos: Sonnenaufgang von Harli Marten on Unsplash; Lächeln von Lesly Juarez on Unsplash; aufgehende Blüte von Lucas Silva Pinheiro Santos on Unsplash 

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