Destilliertes - Mein Blog

Nicht so, wie ich wollte! – Lebensvermieser Enttäuschung. Teil 1

Nicht so, wie ich wollte! – Lebensvermieser Enttäuschung. Teil 1

Hier diesen Blogeintrag anhören:

(ca. 32 min.)

Was willst Du denn überhaupt? Du warst ein Superidiot! Total naiv! Absolut blind und unfähig.
Du willst Dich verkriechen, Dein Kissen tränenfluten und Dir in schmerzhaftem Multitasking gleichzeitig noch herzhafte Tritte in den Allerwertesten geben. Du hast es ja auch gar nicht anders verdient.

Wärst Du doch vorher so schlau gewesen, wie Du jetzt, hinterher, bist! Dann könntest Dir so dieses unendlich traurige Gefühl sparen:

ENTTÄUSCHUNG.

Enttäuschend kann so gut wie alles in unserem Leben sein – manche von uns sind da sehr gut darin – und die Auswahl an Möglichkeiten, enttäuscht zu sein in dieser Welt ist es auch:

In Deinem ersehnten Jahresstrandurlaub fällt die Sonne aus und das Zimmer hat einen wunderbaren Ausblick auf einen herrlich grauen Hinterhof, in den sich Dein leicht zur Depression neigender Teil am liebsten gleich hineinwerfen würde.

Dein neuer Traumjob ist der totale Reinfall: der Chef stellt sich als Choleriker heraus und die Arbeit so interessant, dass An-die-kahle-Wand-Starren sogar eine Nuance interessanter erscheint, als das, was Du da an Papierkrieg jeden Tag bewältigen musst.

Der teure neue Pulli, der Dich im Ladenspiegel noch superb in Szene gesetzt hat, hängt nach dem Waschen wie ein schwerer Lappen an Dir. Wahrscheinlich wird er jetzt wohl nicht mal mehr umgetauscht. Herzlichen Glückwunsch. Mmpf.

Endlich den richtigen Mann / die richtige Frau gefunden, Wolke 7, ach … 8! Denn diesmal stimmt so ziemlich alles. Du hattest schon genug Deppen, aber diesmal… Doch irgendwann das Erwachen: Er wird schwierig, zieht sich immer mehr zurück, schlimme Kindheit gehabt, so wie alle Deine Männer vorher – egal, was Du für ihn machst, er macht Dich ´runter, so sehr, dass Du Dich selbst dafür schämst.
Oder Du hast wieder einen mit sicherem Händchen erwischt, der notorisch fremdgeht. Oder eine Frau, die an Dir ´rumzerrt und gerade dies und gleich danach das von Dir will – nie genug, nie zufrieden mit Dir.

…Da kann sich Enttäuschung an Enttäuschung reihen. Besch…eidenes Muster. Auch das ist dann sogar das noch obendrauf enttäuschend: auch dieses Muster des Beziehungsreinfalls hast Du immer noch nicht überwunden! – und die Stimmungsspirale saugt Dich weiter nach unten.

Und dann noch der RATTENSCHWANZ –
Deine selbstgebastelten eigenen Reaktionen auf Enttäuschung

Nett, wenn Du in dieser Stimmung irgendwo den populären Spruch liest:

Hinfallen - Aufstehen - Krone richten - Weitergehen

Super, so super wie die meisten superschlauen Ratschläge.

Richten… das schon…aber eher Dich selbst: Scharfrichten, vor allem, wenn es um Beziehungen geht. Da haben wir das: Naiver als ein Teenager, doofer als das berühmte Bohnenstroh je war, blinder als ein Pappkarton. Und dass Du es nicht hast kommen sehen, Dich hast täuschen lassen, auf einen Blender hereingefallen bist, nichts bemerkt hast. Dass es immer wieder weh tut. Dass Du überhaupt geglaubt hast, dass es mal anders sein könnte. Dass Du auch mal Glück haben könntest.

Wieder: Nada.

Schwarz. Loch. Schwarzes Loch aus mea culpa und Selbstmitleid. Zusammenkauern, Kopf zwischen die Knie und ins Weinen versinken. Scheisswelt.

Hoffnung adé.…. und Eigenliebe – was war das gleich nochmal? Schlurps…ab im Schwarzen Loch. Von jetzt auf gleich weggesaugt vom Dust Devil des Universums.

Übrig nur noch Deine wunden Reste, die die kosmischen Reinigungskräfte nebenbei auch noch aufkehren können.

Du würdest gerne die Kalenderblätter wieder ankleben, die Zeit zurückdrehen. Auf eine Minute, bevor das alles anfing. Dich dann anders entscheiden und damit beschützen vor diesem Abrutschen, bei dem kein Fels hält – eher glitschiger Schlamm – und Dich unbarmherzig abwärts zieht – direkt in die Schwere, in den Schmerz Deines brennenden Herzens.

Wenn es noch gut kommt, findest Du Dich in den Armen einer Freundin wieder, alles vor ihr auskotzen.

Unterstützung holen, Bestätigung und Tröstung dabei bekommen: Der Pulli muss nur liegend trocknen; der Job kann sich noch entwickeln oder Du kannst doch nochmal wechseln; und Dein Typ ist ein Riesena..loch, der hat die hölligste Hölle verdient; und die Fotos vom Innenhof des Hotels haben was Künstlerisches in Schwarz-Weiß, Urlaube kommen doch wieder.

Das tut mal gut. Kühlender Balsam für Deine geschundene Seele. Hoffnung atmen.

Wenn das Traurige abflaut, kommt die Wut – oder die beiden gehen Hand in Hand: Wut nicht mehr nur auf Dich selbst, auch auf den oder die anderen, die Dich wohl beschissen haben: um Dein Liebesglück, den besseren Job, den schönen Pulli, den fröhlichen Urlaub. Jetzt sind die anderen dran. Sie haben Dich getäuscht, hinters Licht geführt, ums Gute betrogen, Dir was vorgemacht.

Kommt das alles öfter vor, führt es Dich möglicherweise in eine Verbitterung, zu einem Misstrauen Dir selbst oder anderen gegenüber oder zu Resignation und Aufgeben. Diese Reaktionen schränken Dich in der Zukunft ein, die Schlüsse, die Du aus Enttäuschungen ziehst, können Dich dann über Eis gehen lassen, wenn neue Möglichkeiten auftauchen. Die Vergangenheit verfolgt Dich und macht Dich enger. Die selbsterfüllende Prophezeiung droht am Horizont: “es wird wieder nix”…

So sagt ja die Erfahrung.

DIE HINTERGRÜNDE VON ENTTÄUSCHUNG

– UND DAMIT VERBUNDEN: WAS KANN DIE RÜCKFÜHRUNGSTHERAPIE DA TUN?

Bilder entstehen

SPIEL & MANGEL – DIE ENTSTEHUNG VON ENTTÄUSCHUNG DURCH INNERE BILDER

Es ist das Spiel. Zu Beginn – gaaaanz “am Anfang” Deines Seelenlebens – trennst Du Dich für DAS GROßE SPIEL hier von der Einheit, vom Göttlichen ab (= “Einzelseele”, “Ich”, “Individuum”).

Und: Kein Spiel ohne Spieler, kein Spiel ohne Gegenüber, was bedeutet: Hürde, Blockade, Gegenspieler.
Da sind halt auch noch die anderen, die Anderes wollen als Du, ihre eigene Agenda haben.

Ansonsten hätte das “Ich” ja schon alles, denn in der Einheit ist ja alles, gibt es keine Trennung, kein Ich, keine anderen.

Also führt diese künstliche Abtrennung zu Mangel. “Ich” ist nicht mehr alles. Durch diesen Mangel gibt es überhaupt Bedürfnisse und Ziele, also etwas erreichen wollen, um den Mangel wieder auszugleichen. (Dieser Mangel – ganz nebenbei -, diese (scheinbare) Trennung von der Einheit, ist die große Illusion, die viele spirituellen Lehrer beschreiben.)

Wir starten unser Seelen- (und natürlich heutiges) Leben mit Zielen, also auch mit Hoffnungen. Bilder entstehen in uns, wie es sein soll, zeigen, wo weniger Mangel ist. So entstehen Pläne, Projekte, Aufgaben, die erfolgreich sein sollen, denn unsere Wünsche sollen wahr werden. Und so machen wir uns auf unseren Weg: mit Vorstellungen über ihre Erfüllung, das Erreichen unserer Ziele:

Liebe, Geborgenheit und Wärme in einer Beziehung, den Geschäftserfolg, die Erfüllung einer Aufgabe, die südliche Sonne über einem tiefblauen Meer untergehen sehen, Entspannung, ein leckeres romantisches Essen, sich mit schönen Dingen umgeben, einen sicheren Job haben.

Jede und jeder hat da eigene Wünsche und Phantasien, wie das Leben oder der nächste Schritt oder die kommenden Stunden aussehen sollen.

Darin liegt eben auch die Spannung, die Unsicherheit, das Abenteuer: Klappt es? Kann ich es? Wird es so werden, wie ich es mir vorstelle? Bekomme ich, was ich möchte?

Die Unsicherheit liegt ja darin, dass ich das Ende nicht kenne, weil ich die Welt und mich nicht völlig kontrollieren kann (so sehr ich es vielleicht auch möchte). Sonst könnte ich ja – SCHNIPS! – meine Bilder und Vorstellungen von der Zukunft wahr werden lassen.  Denn es gibt eben diese “Gegenspieler” oder unbewusste Hürden (innere Gegenspieler, wenn Du so willst), die das Abenteuer, Deine persönliche Heldengeschichte, spannender machen.

Wir sprechen also über diese Spielebene des Ichs, das immer etwas im Außen braucht, bedürftig ist und in dem der Mangel durch diese scheinbare Abtrennung vom Ganzen schon vorgegeben ist. Also wünschen wir, brauchen wir Zukunft, haben wir Vergangenheit, schreiben unsere Geschichten. Damit brauchen wir auch Bilder, in die wir dann hineinleben. Denn mit dieser Einstellung ist der Mangel immer Mangel und wird immer Mangel bleiben. Wir nehmen wenig hin, wie es ist. Wir brauchen immer. Nicht umsonst ist Mangel DAS große (Leidens-)Thema von uns allen. Nichts so lassen können: irgendwohin wollen, wo mehr ist, wo es heiler ist, besser ist…
Oder – wenn wir im Glück sind – unbedingt da bleiben wollen, wo Glück ist. Doch hier kommt dann irgendwann der unvermeidliche Verlust, wenn dieses Glück auf “schönen Gefühlen” aufbaut, die immer flüchtig sind.
Unsere Wunschbilder treffen dann auf unsere Erfahrungen, die wir unbewusst angezogen haben. Und das muss uns dann nicht immer passen…

Bewegung: Kommen und Gehen, Werden und Vergehen, Gewinn und Verlust, Erfüllung und Nicht-Erfüllung.

Treffen diese Bilder von uns, von anderen, von der “Welt” –  also allgemein vom Erträumten – nicht ein, können wir enttäuscht sein (wir müssen nicht!). 

 Kind Enttäuschung Überforderung

“ABENTEUER WOLLEN” – DIE KINDHEIT

Das Verlassen eines Zustandes – der Einheit oder allgemein: des Bekannten – ob gemütlich oder ungemütlich – ist immer Anfang einer kleinen oder – wie eben beschrieben –  unserer größeren Reise. Unser Leben im Körper ist ja auch ein Abbild dieser Reise, nämlich aus dem Mutterleib in einen Zustand von größerem Gefühl von Abtrennung, von ICH.
Also nehmen wir jetzt das, was wir alle – und wirklich alle, die hier im Körper herumrennen! – erlebt haben: Unsere Geburt!

Ob es im warmen Mutterleib unangenehm oder angenehm ist – irgendwann geht´s ´RAUS (Ausnahmen beiseite gelassen). Das ist so sicher wie der letzte Herzschlag, die Steuer oder dass die Scheibe Brot auf die Butterseite fällt.

Hoffnung.

Die Steuer kommt später auf jeden Fall (die Hoffnung auf ihr Ausbleiben wird also irgendwann sicher enttäuscht), das Unsicherste und Wichtigste ist aber erst mal:
Der starke Wunsch, DER Wunsch, ganz angenommen zu werden, gesehen, geborgen, geschützt vor den Gefahren und unterstützt zu werden – kurz: geliebt zu werden!
Doch meistens auch der Zweifel: Überlebe ich da draußen und werde ich geliebt?
Da ist sie dann schon bei den Allermeisten: die “Mangelangst“: es gibt möglicherweise von allem zuwenig! – und dann muss ich wohl etwas tun, mich also bemühen, um es zu bekommen bzw. – wenn ich das Glück habe und es schon habe: es zu behalten. “Es” – das sind eben unsere Grundbedürfnisse nach Liebe/Verbindung, ErnährtWerden, Aufmerksamkeit/GesehenWerden, Sicherheit, Schutz/Geborgenheit, Individualität, Entfaltung.

Mangel und die Angst vor dem Mangel bilden den Kern jeder Enttäuschung.
Mangel bedeutet auf allen Ebenen (mindestens eine wirst Du sicher kennen): “Ich bin nicht (gut) genug / die anderen sind nicht (gut) genug / was ich gebe und/oder bekomme ist nicht (gut) genug.”  (Da ist eine ganz gute Frage, die Du an Dich selbst stellen kannst: Trifft da etwas auch auf Dich zu? Viele fühlen sich als nicht gut genug, aber die anderen wären es sehr wohl. Doch wer sich selbst als nicht gut genug ansieht, nimmt gar nicht an, was die Welt zu bieten hat. Kann gar nicht, das würde der eigenen Überzeugung von sich widersprechen.)

Eine wacklige Geschichte ist das schon und gerade in der Kindheit, so ausgeliefert wir der Umwelt als kleine hilflose menschliche Wesen ja sind.
Und von der in erleichternden und emotionalen Rückführungssitzungen erzählt werden muss, um sich mit dieser Ohnmacht und Hilflosigkeit zu verbinden, sie zu bejahen und damit (paradoxerweise, wie es vielen erscheint) wieder mehr Autonomie von der emotionalen und existentiellen Abhängigkeit zurückzuerobern, erwachsen zu werden, gleich, wie alt man ist.

Wacklig und fragil ist die Situation in der Kindheit für die meisten. Denn was uns da droht, kann Vieles sein: Verlust des Heimes (ins Krankenhaus oder Heim oder Internat kommen, der Tod eines Elternteils etc.); Ignoranz, NichtWillkommenFühlen, Ablehnung, Missbrauch und Gewalt durch die Eltern oder Verwandte, oder auch “nur” die Bedrohung durch die Ankunft eines Geschwisterchens, dem erst einmal mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit entgegengebracht wird (diese Konkurrenz allein zeigt uns schon, wie dünn das Eis der Zuwendung ist und wie groß die Angst vor dem Einbruch ins Eis!).

Es ist der alltägliche kindliche Kampf um “Liebe” oder zumindest, um Abwertung und Gewalt von uns abzuwenden: gute Noten bekommen, toll im Sport sein, klasse Instrument spielen, von den Mitschülerinnen anerkannt sein, alles perfekt erledigen, nettes Mädchen oder toller Junge sein etc.

Also sind wir in der Abhängigkeit unbedingt bestrebt, die Bilder und Erwartungen der anderen, die uns etwas geben sollen, nur nicht enttäuschen.

Überall Druck, etwas nicht zu erreichen, Beziehung und Anerkennung behalten zu können – Mangel und Angst vor Verlusten aus Angst vor Untergang und Isolierung. Klingt nicht nach schöner Kindheit, ist sie für viele auch nicht. Vielleicht sogar für die meisten, auch wenn nichts “Dramatisches” passiert ist und die Kindheit in der eigenen Erinnerung angeblich “ganz normal” war. Hinter diesem “normal” stecken oft genug aber Dramen, die man herunterspielt oder ausblendet (“Ich kann mich kaum an meine Kindheit erinnern”).
Vielleicht sehe ich das als Therapeut zu düster, ich glaube aber nicht, sieht man sich die Welt an. Wo sind da die vielen Erwachsenen und die, die ihre heile Kindheit weitergeben?

ENTTÄUSCHUNG UND ÜBERFORDERUNG

WIR ENTTÄUSCHEN AUCH UNS SELBST

Wir bleiben oft genug nicht nur hinter den Erwartungen der Eltern – nein, auch in den eigenen Augen sich selbst (als Kind!) bei Aufgaben nicht enttäuschen, nicht versagen dürfen – Aufgaben, in denen es nicht nur um die Leistung in der Schule ging und die eigentlich für uns zu groß waren, begegnen mir in den Sitzungen zuhauf:

Die Eltern und die Familie zusammenhalten, Streit schlichten, ZuhörerIn / TherapeutIn der Mutter oder des Vaters sein, die Rolle eines Elternteils übernehmen (z.B. Mutterersatz für Geschwister wegen einer kranken oder überforderten Mutter, oder Partnerersatz für Vater oder Mutter) etc.

Das sind alles eigentlich keine Kinderaufgaben. Da ist dieser schier übermenschliche Druck, der mit der Aufgabenerfüllung verbunden ist und bei der so viel Verantwortung auf kleinen Schultern liegt – was sich oft auch körperlich später bemerkbar macht: In der Form von Schulter-, Nacken-, Rückenproblemen z.B. Da wollen wir als kleines Wesen verzweifelt und voller Angst uns und oft auch anderen in der Familie die Liebe, Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit retten.
Scheitern ist dann häufig: Wir können vielleicht die Ehe der Eltern nicht kitten; den Vater nicht vom Alkoholismus heilen; die kleine Schwester nicht vor allem bewahren, denn sie fällt auch mal hin und wir bekommen dann auch noch Vorwürfe… …so viele Möglichkeiten, wo wir nicht ausreichen, uns enttäuschen, indem wir das Ziel verfehlen oder glatt versagen können.

Es reichte schon nicht, einfach nur da zu sein, einfach nur Kind zu sein: sogar das, was wir getan haben reichte nicht, da reichten wir nicht. MANGEL und ein nagendes Gefühl von Unzulänglichkeit und Makel, das uns nicht mehr verlässt, gegen das wir dann in der Zukunft immer weiter ankämpfen werden.

Zu erfüllende Anforderungen, allesamt Bilder – in uns und in wichtigen Anderen -, denen wir nicht genügt haben. Druck. Enttäuschungen. Nicht gerade das sportlich-spielerische Kämpfen um ein Ziel. Bitterer Ernst. Und der begleitet uns dann auch in unser Erwachsenenleben. Anstrengen und Versagen sitzen tief. Also mehr anstrengen, um die Angst nicht zu spüren und doch diesmal nicht zu versagen. Endlich doch die Ziele erfüllen und die Anerkennung bekommen – die eigene und die der anderen, auch noch von denen aus der kindlichen Vergangenheit. Seien sie lebendig oder schon tot, sogar das ist oft egal dabei. Es uns und allen “unsere Stärke beweisen”. Meist fatal. Hamsterrad und BurnOut, wir kommen!

Hamsterrad Burnout Erschöpfung

Das alles sind dann Situationen, die oft in der Rückführungstherapie auftauchen. Sich mit dem abgelehnten, hilflosen, gestressten, belasteten Kind in uns verbinden, das sich der Umwelt ausgeliefert fühlte und oft einem starken Teil Platz machen musste, der alles erfüllen sollte (“Ich schaff´ das schon – und auch alleine”). Der “schwache”, kindliche Teil wird dann von uns durch viele Strategien weggedrückt, um den Mangel und die Hilflosigkeit und Ängste (allen voran Verlustangst) nicht allzu sehr zu spüren, um den Anforderungen entsprechen zu können (oder in den Trotz zu switchen und das Außen ablehnen). Du verbindest Dich in der Therapie wieder mit dem Kind, das “versagt” hat, das überfordert war, das die Aufgabe nicht erfüllt hat, die zu groß war oder mit Deinem inneren Kind, das es zwar schaffte, aber dauernd in Angst lebte, zu versagen.
Es ist das Kind in Dir, das viel wollte (vor allem Schutz, Liebe, Sicherheit, Geborgenheit) und zu wenig bekam – oder fast nur durch Anstrengungen und Leistungen. Und immer unterschwellig in der Angst lebt, es auch wieder zu verlieren oder es doch nicht zu schaffen. Das Kind-Sein, die Leichtigkeit, das Spielerische, das Helle, Wilde, Unangepasste verhungert dabei meist auf der Strecke.

Wir wollen die Eltern nicht enttäuschen, nicht versagen, deren Bilder unbedingt erfüllen. Dann werden wir diese Bilder übernehmen (waren es zumeist schon die eigenen, die wir aus früheren Leben mitgenommen haben, und die Eltern haben sie uns dann in diesem Leben nochmal im Außen verkörpert) und dann später auch von uns selbst enttäuscht sein, wenn wir ihnen nicht entsprechen. Also haben wir auch unsere eigene Liebe nicht “verdient”, wenn wir etwas nicht schaffen, genauso wenig wie die der Eltern damals. In den meisten Fällen haben wir uns unsere ablehnenden, bewertenden Eltern dann als bewusste oder unbewusste “Stimmen im Kopf” erhalten, und wollen dann auch später diese Stimmen nicht enttäuschen, die schon ganz mit unserer eigenen Stimme verschmolzen sind – oder – siehe frühere Leben – schon lange vor diesen Eltern unsere eigene war.

Oder wir trotzen und lehnen alles ab, was von außen kommt, weil wir es sowieso nicht erreichen. Und werden dann der Rebell oder die Rebellin. Auch nicht frei. Meist ist dies die Verweigerung, um der Enttäuschung zu entgehen und sich aggressiv abzuwenden. Das wird auch nicht ohne große Verluste von Anteilen vonstatten gehen. Das Kleine, Abhängige in uns wird meist auch hier verleugnet. Der einsame Reiter…

ANDERE ENTTÄUSCHEN UNS

ABER! Wir sind nicht nur Opfer von Erwartungen und Enttäuschungen, sondern finden auch sehr oft, dass WIR von unseren Eltern enttäuscht wurden.

Da gibt es auch eine ganze Liste von Möglichkeiten:

Wir kommen hier an, quälen uns durch den verflixt engen Muttermund in die Welt … und die Mutter freut sich dann nicht mal über uns! (Wie sagte ein Klient da mal sinngemäß: “Jetzt inkarniere ich schon und dann das!…”) Man ist lästig, zuviel, hat das “falsche Geschlecht” oder hat gar mit dem Kommen das Leben der Mutter “zerstört”…
Oder ein oder beide Elternteile nehmen uns nicht in Schutz, lassen uns in wichtigen Situationen im Stich – am schlimmsten, wenn es sich um Missbrauch handelt, aber auch wenn sie uns zeitweise oder für immer weggeben oder immer wieder alleine lassen; oder uns immer wieder abwerten, obwohl wir doch unser Bestes geben; oder wir bemühen uns redlich und der Bruder bekommt ALLES und wir selbst NICHTS; nichts, was von uns kommt, wird geschätzt oder reicht aus; oder man hat uns einfach schreien lassen und wir brauchten unbedingt NÄHE…

Das sind tief schmerzende Enttäuschungen von der Umwelt, die wir dann aber oft auch noch gegen uns richten, indem wir den Standpunkt der lieblosen Außenwelt einnehmen und uns selbst dabei verlassen: “Wenn die mich nicht mögen, bin ich wohl auch nicht richtig, oder kann zuwenig, oder bin falsch” — wiederum: Mangel und Selbstabwertung, die unsere Eigenliebe senkt. Das Herz schmerzt dann und die Brust wird eng und bedrückt, das Atmen fällt schwer und das Herz versteinert mit der Zeit oder wird durch eine feste schützende Muschel umhüllt.

Enttäuschung 2

KLAR PASSIERT MIR DAS WIEDER!

Diese Situationen im heutigen Leben ziehen sich dann als Muster bis in das Erwachsenenleben hinein, sonst wäre man gar nicht KlientIn geworden (es gibt nur wenige Probleme, die sich nicht schon in der Kindheit spiegeln).

Wie schon kurz erwähnt, beginnt der Mangel aber meist nicht mit der Geburt. In der Rückführungstherapie taucht in den allermeisten Fällen auf, dass es einige Situationen in früheren Leben gegeben hat, die die Mangelsituationen im heutigen Leben angezogen haben (“Resonanz”, diesen Begriff muss man ja nicht mehr erklären).

Worum geht es da zum Beispiel?

Immer um ein traumatisches Scheitern. Entweder
1. sind wir total in unseren Zielen gestoppt worden oder konnten jemandem nicht helfen (in beiden Fällen extreme Ohnmacht, oft auch Schuldgefühle) oder
2. wir haben selbst Macht gehabt und etwas getan, was uns hat schuldig fühlen lassen.
In beiden Fällen sind wir an unseren Bildern von uns gescheitert, die eigenen Ansprüche verfehlt: Nicht das Ziel erreicht im ersten Fall, unsere moralischen Prinzipien verletzt und andere geschädigt im zweiten Fall. Das sind Anlässe, in denen wir unsere Eigenliebe drosseln bis zum Selbsthass, und uns herabsetzen, weil wir zu schwach oder missbräuchlich waren.

Es können also viele, ganz verschiedene, Situationen sein, die Hintergrund unserer “Enttäuschungsgeschichte” sein können. Entscheidend ist, dass wir diese Situationen aus den früheren Leben verdrängt haben und sie uns durch den Widerstand immer wieder begegnen (mehr dazu HIER im kostenlosen E-Book). Sie sind auch verbunden mit “Wahrheiten”, die wir aus der Bewertung dieser Situationen gezogen haben. Da es bei Enttäuschung (und vielen anderen Arten des UnglücklichSeins natürlich) darum geht, dass das Leben nicht so verlaufen ist, wie wir es uns gewünscht haben, geht es hier um Glaubenssätze (unsere “Wahrheiten”), die uns oder die Welt negativ darstellen (z.B. “Man kann keinem hier trauen”, “das Böse holt Dich immer”, “Frauen sind falsch”, “Männer sind  gewalttätig”) und vor allem unsere Eigenliebe reduzieren: “Ich reiche nie aus, schaffe es einfach nicht, bekomme nie, was ich will, mache alles oder bin irgendwie falsch, habe keinen Platz hier, bin nicht willkommen, habe das Gute nicht verdient, bin eine Versagerin, zu schwach für diese Welt” etc..

ZWEI VERSCHIEDENE STIMMEN IN UNS

Da ist der Teil in uns, der dieses Negative aus den Erfahrungen über uns glaubt und es folgerichtig auch anzieht. Und gegen diesen Teil wehren wir uns aber auch, indem wir ihn nicht hören und übertönen wollen. Es soll nicht sein, dass wir unfähig sind oder versagen oder keine Liebe verdient haben. Wir halten an der Hoffnung fest (in einigen Situationen auch oft bar jeder realistischen Grundlage), dass sich am Ende unser Bild von Änderung und Erfolg und Zielerreichung realisiert. Aber da ist trotzdem eben diese andere, sabotierende, starke, unbewusste oder bewusste Stimme in uns, die Stimme der negativen Glaubenssätze und Überzeugungen aus der Vergangenheit, die “mehr” Recht hat, das “wissen” wir, wir haben es ja selbst in den besagten traumatischen Situationen erlebt. Wir sind schlecht, unfähig, nicht ausreichend – so diese Stimme.

ENTTÄUSCHUNG IST OFT KEINE ÜBERRASCHUNG

Also gibt es eigentlich vom Unbewussten her gesehen keine Überraschungen! Das Scheitern war immer eine Möglichkeit und die machte Angst. (Und Angst, wie wir wissen, lädt ein katastrophales Bild energetisch auf und lässt es uns fatalerweise anziehen – die unangenehme Version der Resonanz.)
Enttäuschung bestätigt also meist unsere eigene unbewusste Selbstablehnung, die wir noch an das Scheitern drankleben. Und hat damit eine direkte Beziehung zu unserer Eigenliebe: Wir haben den negativen Ausgang der Dinge verdient. Traurig…

Wir wollen ja eigentlich immer Schönes für uns. Leider sind die bewussten und/oder unbewussten abwertenden Glaubenssätze (oder inneren Monologe) so stark aufgeladen, da sie in oder nach traumatischen Situationen gefasst wurden, die existentiell waren – eben (siehe oben) maximale Ohnmacht oder maximales Schuldgefühl auslösten. Das ist danach nicht mehr einfach zu korrigieren. Vor allem nicht durch Positives Denken und Affirmationen (aber deren Ruf ist ja mittlerweile zu Recht auch so schlecht wie diese Techniken eben sind. Das Unbewusste lässt sich nicht nach existentiellen Situationen einfach verscheissern mit positiven Botschaften: “Ich bin gut, liebenswert” etc., wenn man ganz andere Erfahrungen mit sich gemacht hat. Da hilft nur: Dort innerlich hingehen und durch Durchleben bewusst machen, um dadurch die Situation und mich selbst am Ende annehmen zu können – genau das ist zufälligerweise: Rückführungstherapie! 🙂 )

Kommt es zu wiederholten Enttäuschungen, trotz der beschriebenen Anstrengungen, können Hass auf die Umwelt, Selbsthass, Verbitterung (es gibt mittlerweile eine “posttraumatische Verbitterungsstörung”!), Zynismus, Depression.
Die “normalen” Reaktionen dabei sind oft, neben den vermehrten Anstrengungen, wie schon erwähnt: allgemeine, negative Glaubenssätze und Zweckpessimismus (“Ich schaffe es einfach nicht; “ich bekomme nie, was ich will” etc.) oder die rosarote Brille, mit der man die schmerzhafte Realität gar nicht mehr sieht (“Er geht nicht fremd”, “Diesmal ist alles anders”).
Beides ist ein Schutz, in dem das, was da ist, nicht mehr offen wahrgenommen wird. An die Stelle von Offenheit und Neugier, die ohne Vorerfahrungen möglich wären, ist eine Festigkeit getreten, die schwer anderes als einen negativen Ausgang – die erneute Enttäuschung, dann aber schon (das ist der Schutz) “vorhergesagt” – zulässt. Im zweiten Falle, der Brille, ist das “ungute Wissen”, dass es jetzt auch nicht richtig ist, ins Vorbewusste verschoben und dafür wird eine gefilterte Realität wird darüber gelegt (was bis zu einem Wahn führen kann). Weniger Leiden, aber mit Glück hat das nichts zu tun. Und befriedigt wird immer noch nichts.

So. Das war der erste Teil. Ich hoffe, er hat Dir schon ein paar Aufschlüsse über das Thema gegeben! Es gibt natürlich einen zweiten Teil, ich will ja nicht enttäuschen!  😉
Darin die komplette Enttäuschungsrezeptur und natürlich wieder Anstöße und Anregungen, wie Du mit diesem Thema besser umgehen kannst, und die sich aus dem Beschriebenen ergeben. Sei gespannt … und bleib´ dran!  🙂     (Wenn Du mit Hilfe meines Newsletters über das Erscheinen automatisch informiert werden möchtest, trage Dich HIER ein!)   HIER ZU TEIL 2

Also ich freue mich, wenn Du weiterliest! Und natürlich auch (und vielleicht noch mehr!?), wenn Du mich für meine “eigentliche” Arbeit in Anspruch nehmen möchtest, um dieses oder andere Themen anzugehen: Therapie!   🙂

Alles Liebe,
herzlichst,
Dein Ulf Parczyk

_____________________________________
Beitragsphoto: Frau, von Foundry, pixabay, CC0 //  Im Beitrag: Heraldik Herzog Krone, von Atomic Gaugou, CC3.0….  //  Mann vor Photowand, von Bench Accounting, Unsplash // Mädchen von Janko Ferlič, Unsplash  //  Schlafender Hamster von Sean McGee on Unsplash //  Frau in Schwarz-Weiß von Mar Boy-Schmidt  // 

 

 

 

 

E-Mail an PraSenZ

Du möchtest einen Termin?

Du hast Du noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

 

 

PraeSenZ anrufen

Du möchtest einen Termin?

 


Phone-52Reply Filled-50

Du hast noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

 

Immer automatisch informiert werden,

wenn es bei PraeSenZ Neues gibt: Blogeinträge, Videos, Audios...

 

PraeSenZ-Newsletter

abonnieren!

 

(Erscheint ca. alle 8 Wochen, jederzeit abmeldbar; zu Datenschutzhinweisen hier entlang)

JA!

PraeSenZ-

Newsletter

abonnieren

!

 

(Erscheint ca. alle 8 Wochen, jederzeit abmeldbar; zu Datenschutzhinweisen hier entlang)

Teile diese Seite mit denen, denen sie weiterhelfen könnte!


Ja! Ich möchte den PraeSenZ-Newsletter!
 

Immer informiert, wenn es Neues von der PraeSenZ-Praxis gibt: Blogartikel, Downloads etc. zu Beziehungsthemen und allgemein zu Deiner spirituellen Weiterentwicklung!
Jederzeit abmeldbar. Erscheint ca. alle acht Wochen.
Zur Datenschutzerklärung.
Anmelden
close-link