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Nicht so, wie ich wollte! – Lebensvermieser Enttäuschung. Teil 2: Das Acht-Punkte-Programm

Nicht so, wie ich wollte! – Lebensvermieser Enttäuschung. Teil 2: Das Acht-Punkte-Programm

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(ca. 32 min.)

Dies ist Teil 2 – Teil 1 hier bitte vorher lesen/hören!

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Also hier jetzt:

DIE SICHERE (= enttäuschungsfreie!) UND KOMPLETTE ENTTÄUSCHUNGSREZEPTUR

(5-Sterne-Rezept)

Enttäuschungsrezeptur

Ingredienzien:
Also wenn wir näher hinsehen, kann Enttäuschung Phasen aufweisen, wie immer natürlich, ganz individuell.

Immer ist da jedoch ein BILD, das wir von einer Zukunft malen – ein Bild, in dem unsere Bedürfnisse befriedigt sind:

eben ein guter Job, in dem wir uns entfalten können, ein schöner entspannter Urlaub, etwas Schönes zum SichSchmücken, eine glückliche Beziehung, spirituelle Erleuchtung…

Bilder. Wir kreieren sie und dann laufen wir in sie hinein. Es sind wie Projektionen am Himmel, Abbilder von uns selbst, wie wir meinen zu sein oder gerne wären; wie andere sind oder wir sie gerne hätten; oder wie eine Lebenssituation sein soll: die schöne jetzige festhalten oder eine schöne in der Zukunft kreieren.

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Kleiner Exkurs: Natürlich geht es bei diesem Thema in den allermeisten Fällen um das Umsetzen von positiven, befriedigenden Bildern. Wir streben ja nach schönen, glücklichen Zuständen. So sind wir halt. (Sogar der Masochist. 😉 )

Das Nicht-Erfüllen eines negativen Bildes (“Ach, ich habe die Prüfung sicher nicht geschafft”) führt dann eher zu positiver Überraschung – manche praktizieren daher einen gepflegten Zweckpessimismus, da werden sie nicht enttäuscht. Doch – Vorsicht! – ernst gemeinter und nicht nur koketter Pessimismus wird zielsicher zur Erfüllung des negativen Bildes führen, also lieber lassen.

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ÜBER INNERE BILDER

Bilder erschaffen, die über das JETZT hinausgehen, heißt auch: Es ist jetzt so, wie es ist, nicht ok, nicht ausreichend, ich will etwas anderes. Oder ich will unbedingt das Schöne, was jetzt ist, festhalten, habe also Angst davor, dass ich in der Zukunft Mangel leide. Und dabei übersehe ich oft, was in der Realität ist (-> das “Aufwachen” kommt dann irgendwann).

Mit diesem Unterschied zwischen Anspruch und Realität ist am schwierigsten umzugehen, wenn er groß ist und die Realität ablehnt. Selbstablehnung und gar Selbsthaß können die Folge sein, vor allem wenn die Realität, der Ist-Zustand, überhaupt nicht angenommen wird. Das spielt nicht nur bei Bildern und Ansprüchen, die sich in der Kindheit bildeten, wie wir gesehen haben, sondern auch im spirituellen Bereich eine Rolle. Dieser ist besonders prädestiniert für Erwartungen und Bilder, die wir von uns erschaffen und die wir erreichen möchten. Nicht nur in den Religionen, auch in der “freieren”, konfessionslosen Spiritualität ist sehr verbreitet, schon da sein zu wollen, wo man vermeintlich hin möchte. Diese Ansprüche an uns selbst führen leider oft zu einem Verleugnen von Anteilen, die nicht in das spirituelle Bild passen. Sexualität und vielleicht noch mehr Aggression oder generell “das Böse” in uns waren nicht nur zu Freuds Zeiten gerne ein Opfer der Verleugnung.

Auch heute möchten spirituelle Menschen schon ein angebliches Ideal von Selbstlosigkeit, bedingungsloser Liebe und innerem Frieden erreichen, dass sie lieber diese Anteile unterdrücken und ins Unbewusste verschieben und sich selbst auf die “Lichtseite” stellen. Die Resonanz zeigt dann spätestens, wie authentisch das Ganze ist. Die meisten der KlientInnen, die mit destruktiven Fremdenergien bis hin zu schwarzmagischen Angriffen zu kämpfen haben, haben diese erwähnten Anteile ausgeklammert und sich damit lieber zu Opfern gemacht als diese Anteile in sich zu entdecken und anzunehmen. Und das oft mit spirituellen Argumenten bzw. dem Anspruch, schon das sogenannte Dunkle in sich “transformiert” zu haben. Die Abwehr führt zum Anziehen desselben im Außen – die berühmte Rückkehr des Verdrängten.

Kurz gesagt, man macht sich dann heiliger als man eigentlich ist. Das nicht unbedingt bewusst, die Anteile sind oft so verschüttet, weil sie nur in den verdrängten Erinnerungen an Vorleben existieren und dort eingekapselt sind. Wer war schon wirklich im heutigen Leben böse? Die Arbeit – die Kombination von Clearing und Rückführungstherapie – besteht dann in der Re-Integration, dem Annehmen dieser Erinnerungen und dieser abgelehnten Anteile. Damit wird das Bild von sich (erst mal schmerzhaft) realistischer als vorher und nimmt dem Anspruch den ungeheuren Druck, weil man mehr Selbstliebe gewonnen hat – und damit fast paradoxerweise – der Liebe überhaupt natürlich näher ist. Es ist, wie es ist und man ist, wie man ist. Ende des spirituellen Hamsterrads, das genau wegen der nicht-bedingungslosen Liebe zu sich selbst drehte!

Zum Enttäuschungsrezept (bitte nicht zuhause nachkochen, es reicht schon, was ungewollt passiert) gehört dann noch, dass wir die Inhalte der Bilder HABEN WOLLEN, sie sollen sich in der Realität unserer Zukunft umsetzen. Dazu dienen:

Das Leben in Bildern von der Zukunft:
Hoffnung, Wunsch, Erwartung

Alle drei sind Energien, mit denen wir das Bild aufladen. (Dieser Vorgang kann auch Magie genannt werden.)

Diese Energien können sich unterscheiden, z.B.
in Festigkeit und Sicherheitsgefühl (wenn sehr sicher und stark, dann ist die Erwartung seeehr fest: es wird aus unserer Sicht sehr wahrscheinlich eintreten) und Stärke:  wie sehr brauche ich die Erfüllung? (große Hoffnung, starker Wunsch, feste Erwartung – und ihre Gegenteile). Und meines Erachtens auch hinsichtlich der Passivität (“Hoffnung” ist passiver, “Wunsch” aktiver).

Bilder können sich ebenso inhaltlich unterscheiden in der Differenz zwischen dem Nicht-Erfüllen und der Erfüllung: Bei großer Differenz sind es große Wünsche bzw. hohe Erwartungen. Dementsprechend geben wir unterschiedlich viel Energie hinein: Viel Geld in den Urlaub, viel Zeit, viel Herzensenergie.

Wenn später dann die Realität nicht dem Bild entsprechen will (das ist die Täuschung, obwohl ich dieses Wort hier allgemein nicht so passend finde), tritt irgendwann Enttäuschung ein: Dann, wenn wir realisieren, dass der Traum oder Wunsch in unseren Augen endgültig gescheitert ist. Scheitern bedeutet die Erkenntnis, die mit dem Bild verbundenen Bedürfnisse und Emotionen werden nicht befriedigt werden. Die Hoffnung auf das Umsetzen des Bildes in Realität ist (erst mal) erloschen.

Frust.

Den Kopf hängen lassen – oder weiterkämpfen? Was jetzt zu tun ist, um gut damit umzugehen, wird uns später natürlich noch beschäftigen.

 

DIE GRÖßE VON ENTTÄUSCHUNGEN

Pulli Enttäuschung

Und nach den obigen Ausführungen über die Art und Menge an Energie, die wir in dieses Bild gesteckt haben, ist das Ausmaß unserer Enttäuschung von den genannten Größen abhängig: Erwarteten wir mit großer Sicherheit einen guten Job, sind wir enttäuschter, als wenn wir schon bei der Abgabe einen missmutigen Blick des Personalchefs auf unsere Unterlagen mitbekommen haben.

Einen guten Job oder einen wunderbaren Pulli bekommen: Der Aufwand, es zu erreichen, ist unterschiedlich hoch und die Bedeutung dieser Ziele ist auch unterschiedlich groß (es sei denn, man stirbt für einen guten Pulli und der Job ist wurscht. …ist eben alles individuell…. 🙂 )

Wie groß das Bedürfnis ist, spielt dabei natürlich eine Rolle. Ist das Bedürfnis und die Bedeutung klein, dann auch die Enttäuschung. Ist dann nicht sooo tragisch. Das wäre so eine Krone-richten-Situation. Leider ist das nicht immer so. Vor allem nicht, wenn sich Enttäuschungen aufsummieren. Da wird es richtig hart. Schwer, sich immer und immer wieder aufzurappeln.

Vor allem dann nicht: Habe ich mich so richtig fest darauf verlassen, dass das Bild eintrifft, heißt das auch, dass ich die Situation auf eine bestimmte Weise als hoffnungsträchtig eingeschätzt habe. “Meine neue Flamme hat erst einen super Eindruck gemacht und auf diesen habe ich mich dann verlassen”. Wenn das dann später doch nicht so ganz zutrifft, enttäuscht das umso mehr, hat sich doch herausgestellt, dass ich mich in meiner Intuition/Einschätzung geirrt habe. Ich habe mich getäuscht, eine Situation, mich oder einen anderen Menschen “falsch eingeschätzt” oder mich auf Gesagtes oder gar ein Versprechen verlassen. Im letzteren Falle fühle ich mich auch noch betrogen oder hintergangen, zusätzlich ist Vertrauen missbraucht worden.

Das Irren in der Intuition oder ein häufig beteiligtes Augen-Verschliessen vor einer Wahrheit, die man schon irgendwie “sah” oder fühlte, aber nicht wirklich wahrhaben wollte. Wir haben da die “kleinen Dinge links und rechts” übersehen…das wird uns oft erst später wirklich bewusst, wenn die Schuppen von den Augen gefallen sind: “Ach klar! Deshalb war sie damals so komisch, ich wußte doch, da ist noch was anderes, habe ich aber gar nicht so beachtet…”

Also haben wir das, was eigentlich da war, in unserer Wahrnehmung verzerrt oder gar nicht voll bewusst registriert.
WARUM machen wir das?
Dafür verantwortlich sind immer unsere überstarken Wünsche und Bedürfnisse:

 Großer Mangel kann zu Tunnelblick und Verleugnungen führen: Ich will die Frau nicht verlieren, da übersehe ich Anzeichen, dass sie mich betrügt…
Oder ich sehe gar nicht, dass da etwas “Ungutes” im Anderen ist, was mir irgendwann mal nicht gut tun würde, weil er mich doch so umwirbt, mir Anerkennung gibt…
Oder ich kann eigentlich gar nicht mehr im Job, aber das übergehe ich, ich brauche das Geld ja, und ackere weiter…
Oder ich will einfach nicht glauben, dass ich wieder enttäuscht werden könnte…

Solche Verzerrungen werden dann über kurz oder lang mit der Wahrheit konfrontiert, werden enthüllt. Und sind auch hier, wie gesagt, nur oberflächlich gesehen Enttäuschungen. “Nur oberflächlich” heißt, von der bewussten Warte aus gesehen.

Nach der Enthüllung, dem schmerzhaften “Erwachen”, kommen zum ganzen Elend unserer Situation oft noch die schon erwähnten Selbstvorwürfe und Selbstzweifel an unserer Intuition zu dem Nicht-Erfüllen des schönen Bildes dazu. Das Rezept XL.

ALSO:
Gefühlte Sicherheit – Aufwand – Bedeutung – Bedürfnisgröße – Vertrauensbruch – eigene Verantwortung in der Enttäuschung

spielen alle eine Rolle bei der Größe der Enttäuschung.

Klingt selbstzerstörerisch. Ist es auch. Auf der anderen Seite weisen die Selbstvorwürfe jedoch auf den Hauptverursacher der Enttäuschung hin: Nämlich UNS, die wir uns das Bild zu Beginn ja selbst geschaffen haben, kein anderer – es ist UNSER Bild und UNSER Mangel. Und dann, später, zeigt die Zeit, dass sich das Bild von UNSERER Realität unterscheidet. Dann wiederum es ist UNSERE Einschätzung, dass das Bild nicht zutrifft. Und UNSERE Bedürfnisse, die wir nicht geschafft haben zu befriedigen. Und UNSERE Einschätzungen und Emotionen und Abwertungen danach, die wir dem ganzen unguten Mix dann noch hinzufügen, um die Misere noch zu verschlimmern.  🙁  

So gesehen, enttäuscht uns also gar nicht die Welt. Denn nur unsere bewussten Erwartungen sind enttäuscht worden. Und WIR haben nicht geschafft, unser Bild zu realisieren, unseren Wunsch oder die Hoffnung in die Welt zu bringen – oder versäumt, die Welt so zu sehen, wie sie ist – oder eine Entwicklung einzuschätzen, und nicht nur unser Bild von ihr. Also könnten wir eigentlich Verantwortung übernehmen und aus dem Opferdasein und der Selbstmitleidsecke herauskommen, wenn es auf eine bestimmte merkwürdige Weise nicht so kuschelig darin wäre…  😉


Also können wir uns noch so sehr als Opfer einer uns täuschenden und betrügenden Welt empfinden – wir sind an dem ganzen Spiel, wie immer, schon “etwas” beteiligt. Oder wir bleiben das arme Ich im OpferSelbstmitleid, weil wir ja gar nichts dafür können (es also auch nicht ändern): Wir gut – die Welt schlecht. Ein sicher entlastendes, aber zum Scheitern verurteiltes Konzept, das sich dann immer wieder selbst erfüllen wird. Nicht empfehlenswerte Dauerrezeptur.

Und überhaupt, oft sind es nicht mal die anderen, die Männer oder Frauen, die Jobs oder die Pullis der Welt, über die wir vermeintlich enttäuscht sind. Schlimmer noch ist, wenn wir uns selbst enttäuschen. Nicht nur, dass wir enttäuscht darüber sind, dass wir uns getäuscht haben.

Auch hier kennen wir kaum Grenzen:
Das Leben verpfuscht, nix (oder netter: zuwenig) geleistet, Vieles falsch gemacht, einiges nicht erreicht, Beziehung versemmelt, andere enttäuscht, den Ehemann / die Ehefrau betrogen trotz der besten Vorsätze etc. etc. Enttäuschungen können ein weites Feld sein. Ich habe versagt, ich bin gescheitert.

Enttäuschungen haben ja eine Nähe zu Verlustgefühlen (hier und da verabschiedet man sich von einem Bild von der Zukunft, das hat aber bei Verlust eine gewisse Endgültigkeit) und Schuldgefühlen (auch hier bleibt man hinter den Ansprüchen zurück, hier aber meistens verbunden mit einer vermeintlichen oder wirklichen Schädigung eines anderen).

Kurz-Exkurs:
Es gibt ja den bekannten Spruch, dass man sich in der Ent-Täuschung getäuscht hat und jetzt die Täuschung aufgeflogen ist, also eigentlich das Ganze eine (begrüßenswerte) Desillusionierung ist, vor der man sich in der Zukunft durch Realitätsnähe dann endlich schützen kann. Während also das Deutsche den Schwerpunkt auf Täuschung legt, richtet das Englische interessanterweise den Hauptaugenmerk auf das Nicht-Erfüllen des Bildes: Dis-appointment: Realität trifft sich nicht mit Bild: das Date verpasst. Immer tragisch.

Und vergessen wir nicht: Der Mangel, den wir durch das Erreichen der Bilder und Ziele ausgleichen wollen, liegt in uns und kann von der Umwelt in den allermeisten Fällen gar nicht ausgeglichen, gefüllt werden. Liebe, Sicherheit, Geborgenheit, Fülle, Verbindung – das alles kann gar nicht nur von außen kommen und deren “Erfüllung” von außen muss daher irgendwann enttäuscht werden, weil sie sich fälschlicherweise aus einer externen Quelle speist, die immer versiegen kann und irgendwann wird. Es geht also weniger um das bessere und täuschungsfreie Einschätzen der Umwelt (das ist ja das, was Viele an der Enttäuschung preisen: man lerne daraus, mehr auf seine Intuition zu achten etc…) Sondern meines Erachtens darum, sich etwas weniger kindlich auf die Außenwelt als einzige Quelle der Bedürfnisbefriedigung zu verlassen. Sogar wenn es vordergründig um das Erreichen von eigenen inneren Zielen geht – wenn es nicht mehr spielerisch geht und Versagen den Untergang für die Selbstliebe bedeutet, sind existentielle Gründe der Hintergrund. Daher ist die Identifikation so hoch, diese Ziele erreichen zu müssen. Diese existentiellen Ängste liegen entweder in der Kindheit begründet oder in früheren Leben, in denen es katastrophal und traumatisch war, etwas nicht erreicht zu haben, nicht ausgereicht zu haben.

Wie zumeist gegen Ende meiner Blogartikel kommt nach der gründlichen Untersuchung einer Thematik der Versuch, Euch LeserInnen etwas zum Kontemplieren zu geben, es in Euch hin- und herwälzen zu können, um vielleicht etwas Bewegung hinein zu bringen. Das immer alles im Bewusstsein, dass es nie eine Therapie ersetzen kann, die die oben beschriebenen Hintergründe aufarbeiten lässt.

Enttäuschungsmenü

Vorweg nochmal kurz:

Der Ablauf, wie die Rezeptingredienzien zur Enttäuschung zubereitet werden:

0. Die Gegenwart ist nicht genug. Oder wir wollen etwas festhalten.
Dafür kommt ein Bild ins Spiel:

1. Wir machen uns ein Bild
* von einer jetzigen Situation, in der wir glücklich sind, oder
* einer Wunschsituation oder
* wir machen uns ein Bild von uns selbst oder
* von einem anderen Menschen
und projizieren dies in die Zukunft.
Also es geht um Hoffnung, Wunsch, Erwartung: es wird positiv für mich werden (Urlaub) oder sich in Positive ändern (der Mann wird sich schon noch ändern und mir dann genug Liebe geben) oder so positiv bleiben (Pulli) – je nach dem, um was es geht)

2. Uns wird irgendwann klar (Schuppen-von-den-Augen-Moment): Die Realität deckt sich nicht mit unserem Bild

3.a. Bewertung dieser Differenz als negativ: Mangel: Bedürfnisse, Erwartungen an uns selbst oder andere werden nicht befriedigt. Oft werden allgemeine Schlüsse gezogen: “Ich bin nicht genug”, “Ich bekomme nicht genug”, “Ich bin dumm”, vor allem nach Wiederholungen

3.b. Enttäuschung (Trauer, Wut, “Frust”…)

4. dann kommt es meist zu:

a. Selbstabwertung

b. Unsicherheit – je nach Vorfall: Misstrauen anderen und Dir selbst, Deinen Fähigkeiten und/oder Deiner Intuition gegenüber

5. und zu:
dauerhaften Konsequenzen (sicher umso größer, je häufiger sich die Enttäuschungen wiederholt haben) in Form von bewussten oder unbewussten Schlüssen, die eine Wiederholung verhindern sollen. Und die oft meist vorsichtiger, aber meist nicht glücklicher machen. Denn sie beinhalten oft Misstrauen uns selbst gegenüber (“Ich traue meiner Intuition jetzt nicht mehr”) oder/und Misstrauen der Welt und anderen gegenüber (z.B. “Ich lasse die Finger von Männern”, “Ich traue keiner mehr über den Weg”, “Ich prüfe noch genauer”). Andere unglückliche Konsequenzen, die wir bei häufiger Wiederholung (die es hier öfter gibt; warum, sehen wir noch) ziehen können, sind Rückzug oder Bitterkeit oder alles zusammen.

Das Scheitern wird oft noch tiefer einprogrammiert, die Hoffnung auf Erfüllung schwindet immer mehr.

Jetzt haben wir den Ablauf ziemlich genau. Nich so doll. Was jetzt?

WAS KANN MAN TUN, WENN ENTTÄUSCHUNG EIN HÄUFIGER BESTANDTEIL DER EIGENEN MUSTER IST?

Der Text in der blauen Box oben brachte es auf den Punkt: Wir können immer nur bei uns selbst ansetzen. Und diese Sätze dort geben uns schon die Stellschrauben an die Hand, was zu verändern sein kann. Dabei erinnere Dich an die letzte Enttäuschung und/oder eine, die in einer Reihe von Enttäuschungen steht, die Dir immer wieder zu schaffen macht.

Das Gesamtpaket einer Selbsthilfe,

ansetzend an den Ingredienzien:

  • 1. Das Bild selbst: Müssen Deine Erwartungen und Ansprüche so hoch sein und damit Enttäuschungen geradezu einladen? Klar, in unserer Gesellschaft gilt der, der hohe Ansprüche hat – an den Lebensstil, an andere, an sich, als Superheld. Toll, wie die oder der das macht! “Entweder ganz oder gar nicht” – das gilt als Richtlinie für Sieger. Schulterklopfen.
    Tut DIR (überall) gut, diesem “Ideal” nachzueifern? Ist das immer liebevoll zu Dir selbst und anderen? Wann und wo überfordert es Deine Mittel und Fähigkeiten? Ist es wichtig, kein Loser zu sein? Für wen?
  • 2. Was in Dir hat Dich möglicherweise zu einer Fehleinschätzung der Situation/Dir selbst/eines anderen geführt? – Die Angst vor Nicht-Erfüllung
    Wenn Du Dich oder einen anderen überschätzt hast, was hast Du damit vermieden? Welche (großen) Mangelgefühle sollte das Erreichen des Ziels ausgleichen (Dich ungeliebt fühlen, erfolglos sein, versagen, unerfüllt bleiben, ohnmächtig…)? – Die Angst vor diesen Emotionen und Gedanken und dadurch das Vermeiden dieser Gefühle führte, wie oben besprochen, zur berühmten rosaroten Brille oder dem Druck, Erwartungen zu erfüllen. Kannst Du diese Gefühle identifizieren und in Dir entfalten und versuchen willkommen zu heißen, brauchst Du nicht zwanghaft die Realität verzerren, oder Dir alle Beine ausreißen, nur um Enttäuschung zu entgehen.
    Denn dann kannst Du schon etwas besser die inneren Katastrophenbilder – oder zunächst die Emotionen von Verlust, Ablehnung, Isolation, Ohnmacht, Versagen etc, ertragen, die Du mit den erwähnten Strategien unbedingt verhindern willst. Dadurch kannst so viel besser das sehen, was wirklich da ist:  in einer Situation, im Anderen, in Dir. Der Druck weicht, die Not wird kleiner, bis sie ganz verschwinden kann.
    Und es ist nicht mehr so nötig, die Erfüllung des Mangels nach außen zu verlagern, weil der Mangel immer kleiner wird. Durch das Annehmen desselben in Dir. Den Kampf dagegen beenden. So machst Du dich unabhängiger von dem Zwang, den Mangel unbedingt auszufüllen bzw. ausfüllen zu lassen, weil Du Dich selber mehr magst. Irgendwie logisch, oder?
    Hier kann auch mein Artikel Verfolgungsjagd nach Liebe weiterhelfen und – da es um Druck geht, auch immer mal wieder DAS versuchen.
  • 3. Gibt es bewusste oder (noch eher:) unbewusste Widerstände und Ängste vor der Erfüllung? – also davor, es endlich zu sein oder zu bekommen, was Du dir wünschst?
    Das zum Beispiel lädt Enttäuschungen ein: “Ach, ich habe es sowieso nicht verdient”, “Ich muss noch mehr machen, es reicht nicht”, “Es kann nie ehrlich sein, wenn ich von jemandem was Schönes bekomme”, “Ich bin eigentlich ein Hochstapler und sie entdecken mich irgendwann”… Stell´ Dir vor, das Gewünschte kommt WIRKLICH auf Dich zu, IST DA! Da MUSS es Widerstände geben. Die Antwort: “Dann ist alles toll” ist nur die oberflächliche, bewusste “Wahrheit”. Wenn es keine Widerstände gäbe, wäre es eingetreten und keine Enttäuschung.
  • 4. Wenn Du gerade schon in Enttäuschung und vielleicht Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung steckst, diese ruhig auch willkommen heißen, nicht wegdrücken!
    “Ich bekomme nie, was ich will, ich werde immer verarscht, enttäuscht, hintergangen, getäuscht…”  etc.  Spüren, wie sich das (auch im Körper) anfühlt, erforschen!  Nicht davor weglaufen und “zu früh” positiv denken, das heißt verleugnen! Aber danach auch in Dir den Raum öffnen, mal das Bild in Dich´reinlassen, dass die Zukunft flexibel sein könnte, wenn Du sie nicht vorprogrammierst, indem Du Deine Erfahrungen und Geschichten in die Zukunft projizierst und somit festschreibst. Ist schwer, aber versuchen! – unbedingt beide Seiten, das unangenehme, hoffnungslose, schmerzhafte und das freie, befreite, offene Gefühl! Immer wieder, damit das Starre aufweicht. Die Freiheit, die in jedem Moment steckt, wieder schnuppern: Es kann auch anders kommen!
  • 5. Du könntest Dich verbessern, zumindest wenn es um Leistung geht, klar. Schnell bist Du dann aber in die PerfektionismusFalle getreten. Vor allem dann, wenn Du das Erreichen mit Deiner Selbstliebe koppelst. Dann verhungerst Du ziemlich sicher auf dem Weg – früher oder später. Wenn Du es (ehrlich) sportlich sehen kannst, bist Du davor gefeit. Ziele und Aufgaben und deren Erfüllung zu ernst zu nehmen, ist ebenfalls ein sicherer Weg, eine angespannte Person zu werden, die verbissen arbeitet – an sich oder der Welt – und sich, je nach Anspruch, enttäuscht. (siehe auch die Artikel zu Sinn und Aufgabe in der Rückführungstherapie)  In Beziehungen noch mehr anpassen, noch gefügiger sein, Noch-mehr-Dich-Aufgeben ist sowieso keine Option. Dank Resonanz führen Vorsicht, Misstrauen, Kontrolle und Angst vor Wiederholung zu noch mehr Enttäuschung. Also lieber weniger tun, mehr Du selbst sein.
  • 6. Intuition wieder mehr zum Zuge kommen lassen. Dafür ist die Bewusstheit für eine mögliche rosarote Brille nötig, ohne in komplettes Misstrauen gegenüber der eigenen Intuition wie auch gegenüber den anderen zu rutschen. Da brauchst du meines Erachtens den ersten Punkt oben, Deine Bedürftigkeit betreffend, um die Intuition wieder zu verbessern und auf die vertrauen zu können. Bewusstheit für Mangel und das Annehmen dessen (und irgendwann die Einsicht, dass es gar keinen Mangel gibt…).
    Dazu gehört auch vor allem:
  • 7. Baue Deine Eigenliebe wieder auf. Einfach gesagt, ich weiß. Lies daher bitte dazu den passenden Artikel Leuchtturm der Liebe.
    Hier geht es darum, den Strudel nach unten durch eine oder vor allem mehrere Enttäuschungen aufzuhalten. Dich nicht mehr noch zusätzlich zu allem Übel herunterziehen und Dich für die Enttäuschungen selbst abzulehnen oder gar zu hassen (“Ich Idiotin!”), diese unselige, negative Dynamik herausnehmen. Liebevoll bleiben – oder wieder mehr zu werden im größeren Verständnis (hoffentlich auch durch diesen Artikel) für Dich selbst. Jetzt hast Du schon nicht bekommen, was Du wolltest, Dich dafür auch noch selbst malträtieren, muss das unbedingt sein? Bist Du MasochistIn?
    Mangel steht eben am Anfang! Dafür musst Du Dich persönlich nicht verurteilen, hättest nicht besser sein müssen und musst es auch jetzt nicht sein. Mangel gehört zum Spiel bzw. ohne ihn gäbe es gar keins, wie oben ausgeführt. Es wird erst ernst, genau durch diese Koppelung zur Eigenliebe! Entkoppelung ist also der Schlüssel. Dann bekommst Du wieder mehr Leichtigkeit.
    Also Selbstverdammnis einstellen ist einer der ersten Schritte! Shit happens – aber bist Du deswegen weniger liebenswert (ja, jetzt für Dich scheinbar noch, wie doof und traurig…)
    Der nächste Schritt wäre also, den Mangel nicht persönlich zu nehmen. Das ist auch nicht ganz einfach, aber sonst lädst Du ihn noch unnötig auf.
    Frage Dich mal z.B.: “Bin ich für mich nicht liebenswert, weil andere mich nicht lieben oder nicht geliebt haben? …weil ich etwas nicht erreiche, nicht optimal funktioniere, immer gewinne? …weil ein Partner nicht so will wie ich? … weil ich nicht wusste, dass der Pulli schrumpft? …weil ich den Falschen gewählt habe?…”  Beantworte es ehrlich. Wenn JA, dann JA, wenn NEIN, dann NEIN. Beides offen anzuhören ist verändernd. Nur nicht zum NEIN zwingen,weil es sich “spirituell korrekt” anfühlt (das Fatale der spirituellen Korrektheit haben wir ja oben schon besprochen).
    – Dich liebevoll als “Mangelwesen” annehmen ist der Ausstieg aus dem Hamsterrad und den Selbstbeschuldigungen. Dich so nehmen, wie Du bist, Du hättest es NIE besser machen können in der Vergangenheit, sonst hättest Du es gemacht, glaub´ mir. Kein Grund, Dich fertig zu machen. Umarm´ Dich mal. Lieber einmal mehr als weniger.
  • 8. Die Erwartungen und Bilder und deren Nicht-Übereinstimmung mit einem Resultat sind, wie wir gesehen haben, überhaupt die Ursache für Enttäuschung. Daher ist der Königsweg, der zugegebenermaßen ambitioniert ist, das Verabschieden von Erwartungen. Das bedeutet, das Aufgeben des Wunsches nach Kontrolle der Zukunft. Das Leben im Moment ohne belastende Konstruktionen, befreit von Ansprüchen und im Annehmen des Jetzt. Das alles sind Wörter, die es sicher nicht genau treffen, nur Annäherungen an das, was ich meine. Im Fluss des Lebens sein heißt auch, ihn gar nicht zu steuern. Das Gefühl, das Leben nicht unter Kontrolle zu haben: das ist eine unserer Grundängste, die zu den gewaltigsten Gedankenkonstruktionen führen, NichtKontrolle ist aber die Wahrheit. Unser Misstrauen führt jedoch zur Illusion, wir könnten uns, die anderen, die Zukunft kontrollieren, und vor allem die Konstruktion: es gäbe überhaupt so etwas wie “Zukunft”! Aber das könnte Euch jetzt zu abgefahren sein…nur mal als Gedankenanstoß … darüber schreibe ich später mal ausführlicher, muss ich aber am Ende jetzt immer mal einfließen lassen…  😉

Ich hoffe, diese Hinweise zur Selbsthilfe sind schon ein Anstoß, etwas anders mit dem Thema Enttäuschung umzugehen.
Es bleibt jedoch wie immer im Leben, das Scheitern und mögliche Blessuren in Kauf nehmen und Dich trotzdem ins Risiko zu stürzen!
Doch umso stärker und spielerischer, um so leichter.
Nicht immer muss das Leben von Ergebnissen abhängen, das kannst Du vor allem durch das Aufarbeiten der Hintergründe – ja, Ihr wisst, ich muss es am Schluss nochmal sagen! – durch die Rückführungstherapie erfahren. Nur hier werden die Ursachen für das Anziehen und den Umgang mit Enttäuschungen tiefgreifend bearbeitet, damit Du sie nachhaltig loslassen kannst. Hab´ ruhig den Mut, das wirklich anzugehen! Meine Website praesenz-web.de hilft Dir dabei, Deine Fragen zu beantworten und etwaige Zweifel oder Ängste vor einer Therapie abzubauen – hier in den Blogartikeln, in den “Fragen und Antworten” oder auf der Schätze-Seite mit den kostenlosen Downloads und Videos.

Was Großes machen! Do Something Great!

Ich freue mich, wenn wir zusammen an Deinen Themen arbeiten!

Ich danke Dir fürs Lesen und Weiterleiten an andere – und für Eure Kommentare und Likes auf meiner Facebook-Seite!
Ich wünsche Dir eine weitgehend enttäuschungsfreie Zeit!
Herzlichst,
Dein Ulf Parczyk

Die im Text erwähnten Artikel:

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Beitragsphoto: Frau, von Foundry, pixabay, CC0 //  Im Beitrag: Rezept auf Tablet von Jeff Sheldon, Unsplash //  Pullover von Ralph Aichinger, CC2.0 //  Backzutaten von Monika Grabkowska, Unsplash   //  Do Something Great von Clark Tibbs, Unsplash

 

 

 

 

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