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Ich war nie Cleopatra! Frühere Leben in Rückführungen: Phantasie oder Wirklichkeit? Teil 1

Ich war nie Cleopatra! Frühere Leben in Rückführungen: Phantasie oder Wirklichkeit? Teil 1
Erinnerungen in Rückführungen - Wahrheit oder Phantasie?

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(ca. 31 Min.)

Ich war nie Cleopatra! Frühere Leben in Rückführungen - Phantasie oder Wirklichkeit. Teil 1

von Ulf Parczyk

Hier der erste Teil des Artikels über die Echtheit von Rückführungserfahrungen, Erinnerungen in Reinkarnationstherapie an frühere Leben:

„Habe ich das damals wirklich erlebt?“

Viele, die sich mit Rückführungen in frühere Leben und Reinkarnationstherapie beschäftigen, bewegt die Frage danach, ob die Eindrücke und Bilder in den Rückführungen frühere Wirklichkeiten ihres Seelenlebens sind.
Diese Zweifel können manchmal durch Zweifel an der Tatsache der Reinkarnation unterstützt sein: Wer nicht an frühere Leben glaubt, tut sich wohl auch schwer, den Erinnerungen daran Glauben zu schenken.
Aber man kann auch ohne das einfach nur mit dem Glauben Schwierigkeiten haben, dass Rückerinnerungen in Reinkarnationssitzungen wahr sind.

Hinter der obigen Frage stecken die Zweifel oder Bedenken, dass man als KlientIn auf der Therapiecouch irgendwas dahinfabuliert, was nichts mit vergangenen Realitäten zu tun hat. Im schlimmsten Fall nur ein interessanter Zeitvertreib. Natürlich sind Zweifel oft gesund. Gerade wenn man keine Erfahrungen gemacht hat, soll man ja auch nicht einfach etwas übernehmen, nur weil es jemand behauptet.

Dafür, dass diese Eindrücke in den Sitzungen auch etwas anderes sein können als Erinnerungen an eigene frühere Leben, sprechen viele Argumente, die ich Euch hier gerne näher erläutern möchte. Außerdem wird hoffentlich etwas klarer, dass und wie mein eigenes therapeutisches Vorgehen Alternativerklärungen zur Wahrheit nahezu ausschließen kann.

Die häufigste Alternativerklärung für echte Erinnerungen ist natürlich folgende:

1. „Ich bilde mir das alles ein, ich phantasiere mir das zusammen.“

Hier kommen die Bedenken zum Tragen, man beschäftige sich in den Sitzungen mit Material, das man sich einfach ausgedacht hat. Ein Werk der blühenden Phantasie, über die jeder mehr oder minder verfügt. Zufällige Phantastereien.

Nur Bilder der Seele

Oder im „besten Falle“ nehmen manche an – oder hoffen -, dass die Seele sich in diesen Bildern ausdrückt: ähnlich wie in Träumen oder in einer Art Phantasiegeschichte oder einem Symboldrama, das das Problem des heutigen Lebens ausdrückt und dabei in früheren Zeiten spielen lässt. Frühere Leben wären dann in dieser Theorie Analogien für das heutige Drama, nur auf eine historische Bühne verschoben.

Diese Haltung wird sogar von manchen RückführungstherapeutInnen eingenommen, die sagen: „Wir nehmen die Bilder als Ausdruck der Seele, die uns damit etwas zeigen möchte. Ich arbeite einfach damit und ob es wahr ist, ist mir als Therapeut gleichgültig.“

Psychologen würden vielleicht sogar noch weiter gehen und würden sagen, dass diese Phantasie von einem früheren Leben eigentlich ein Trauma überdeckt, indem sie von einem noch schlimmeren Trauma im heutigen Leben ablenkt. Solche Bilder hätten dann den unbewussten Zweck, mehr Distanz zu erzeugen, wenn das Furchtbare in einem früheren Leben stattgefunden hätte. So in der Form: „Je länger her, umso weiter weg von mir und meinem heutigen Leben…“

Realität ist da, Phantasie wird gemacht.

Um auf die Phantasieannahme einzugehen, müssten wir zunächst kurz klären, was „Phantasie“ und „Realität“ eigentlich sind. Keine Angst, es wird nicht richtig philosophisch, das überlassen wir lieber den Philosophen, die sich schon seit je her mit dieser Frage herumschlagen.
Nur ganz (und hoffentlich nicht zu) einfach:

In einer Phantasie MACHEN wir ein Bild selbst. Es ist ein kreativer Vorgang. Wir verknüpfen dabei bekannte Inhalte mit Hilfe unserer Vorstellungskraft zu einem neuen Bild. Eine fliegende regenbogenfarbene Schildkröte mit sechs Beinen ist eine Phantasie. Wir erschaffen etwas Neues, zusammengesetzt aus bekannten Teilen – Beine, Flügel, Schildkröte, Farben – aus der Realität, die schon existiert. Ein individueller, kreativer Ausdruck, ein Spiel mit dem Realen. Gemeinhin sagt man daher, wer Phantasie und Realität nicht unterscheiden kann, ist psychotisch. Das führt uns gleich zum Begriff der

Realität. Sie ist hingegen das, worüber eine Übereinstimmung zwischen Menschen besteht, dass es wirklich IST. Beispielsweise, sieht jemand die berühmten weißen Mäuse, die anderen jedoch nicht, hat er sicher bald ein Problem… 😉  Für ihn selbst kann es wahr sein, es besteht aber mit den anderen keine Übereinkunft, dass es „wirklich“ so ist. (Daher sind Visionäre in Kunst und Wissenschaft auch immer erst mal als verrückt eingestuft worden…)
Realität ist einfach „da“ – „robust“, wie auch gesagt wird.


Mein Kommentar:

Zwei verschiedene Vorgänge

  • Erinnerungen an etwas Reales sind nicht in dem Moment „gemacht“, sie sind schon da und wir öffnen uns ihnen lediglich. Wir kreieren also nicht.
    (Das stimmt in der philosophisch-psychologischen Tiefe nicht exakt so, soll uns hier aber genügen, um es nicht noch komplizierter zu machen.)

    Im Falle von Erinnerungen an Verdrängtes, aber Reales, nehmen wir sogar Energie (Widerstandsenergie) weg, bei Phantasien stecken wir Energie in die Produktion der Bilder hinein. Es sind also verschiedene Vorgänge, die man sensibel auch manchmal spüren kann: Mache ich das jetzt oder öffne ich mich „nur“? Da das Sich-Öffnen bei verdrängtem Material, mit dem wir in der Rückführungstherapie immer zu tun haben, auch anstrengend ist und Energie kostet, sind die Unterschiede jedoch zugegebenermaßen in Sitzungen eher schwer zu spüren.

Phantasie besteht aus Realem

  • Die obige Beschreibung, was eine Phantasie ist, beinhaltet ja auch den interessanten Aspekt, dass die Teile, aus denen die Phantasie zusammengesetzt ist, real sind. Also müssen wir die Eindrücke irgendwie erfahren haben, hätten sie dann nur zusammengesetzt! Es GIBT Schildkröten, Beine, Regenbogenfarben…
    Also platt gesagt, es kann nicht alles „gesponnen“ sein!  🙂   Die Teile der Erinnerungen müssen also etwas Wahres in sich haben!
    Das wird übrigens auf viele Schriftsteller zutreffen, die lebendig von bestimmten historischen Zeiten schreiben. Sie nehmen – wahrscheinlich in den allermeisten Fällen unbewusst – eigene Erinnerungen an die früheren Zeiten, d.h. an ihre früheren Leben, und machen eine Geschichte mit Hilfe ihrer Phantasie daraus.

     

  • Realität ist eine Übereinkunft – und die gibt es ja oft im heutigen Leben z.B. zwischen Eltern und Kindern in der späteren Diskussion über Kindheitserinnerungen oft noch nicht enmal.
    Eltern-O-Töne später: „Aber das war doch gar nicht so schlimm“, „Das hab´ ich nie gesagt!“, „Das hätte ich doch nie gemacht!!“. Wir haben dieses Problem von Wahrheit und Realität also auch bei Erinnerungen an Ereignisse im heutigen Leben, darauf kommen wir aber später noch ausführlicher.

    Also wenn es sich bei den Erinnerungen an frühere Leben um Realitäten handelt, dann müssten sich aber solche Übereinkünfte auch durch Rückführungen finden, die Menschen in dieselbe Zeit führen. Einfach durch die Übereinstimmung ihrer Aussagen und Wahrnehmungen von Situationen und Lebensumständen.
    Und das ist auch in der Literatur belegt:
    Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte der amerikanische Therapeut Brian Weiss in seinem Buch „Die Liebe kennt keine Zeit“, in dem er beschreibt, dass er unabhängig voneinander zwei Menschen in Rückführungstherapie hat, die sich gar nicht kennen, die weder im Leben etwas miteinander zu tun, noch gemeinsame Sitzungen haben.
    In den Einzelsitzungen mit ihnen entdeckt Weiss in ihren Beschreibungen, dass sie sich in einem früheren Leben schon einmal begegnet sind – und zwar als Liebespaar!!
    Dies ist ein sehr sehr eindrucksvolles Beispiel, da dieselben Situationen aus zwei Perspektiven erinnert wurden. Da ist es m. E. sehr schwer möglich, dies als gemeinsame Phantasie zu interpretieren, da die beiden sich ja im heutigen Leben nicht kannten. Hier ist eben diese Übereinstimmung der Realitäten gegeben. Sie bestätigten sich quasi gegenseitig ihre Realitäten durch die Sitzungsinhalte, noch dazu unabhängig voneinander – was andere Erklärungen so ziemlich ausschließt.

     

  • Realität als Übereinstimmung: In den Rückführungen verhelfen wir, so könnte man es auch ausdrücken, uns selbst zu einer Übereinstimmung mit uns selbst, nämlich dem Teil, der weiß, was real für uns war und was nicht. Anders ausgedrückt: Was WAHR für uns war und was nicht. Und ein Teil weiß das in uns genau, auch wenn ein anderer Teil davon nie mehr etwas wissen wollte.
    Denn darum geht es eigentlich in Rückführungen.  Das IST das Annehmen der Vergangenheit. Das Ja zur Wahrheit.

    Das bringt Entspannung und Lösung.

Falsche Deckerinnerungen

  • Der oben erwähnte psychologische Einwand, dass es sich bei den Erinnerungen an frühere Leben um Konstruktionen handelt, die das eigentliche, schlimmere, Trauma in der Kindheit überdeckt und davon ablenkt (das wird „Deckerinnerung“ genannt), kann kaum gelten. Ob es sich bei den Erinnerungen um eine Konstruktion handelt, diskutiere ich ja im gesamten Artikel. Dass jedoch jede Erinnerung in dieser Form eine Deckerinnerung sein kann und dies oft auch ist, bevor man zu dem eigentlichen Trauma nicht vorgestoßen ist, stimmt. Es handelt sich hier aber nicht um eine Ablenkung, sondern Schritte auf dem Weg zum ursächlichen Trauma.

    Mein Vorgehen von der „Oberfläche“ trägt dem Rechnung: Wir sollten ja nur das anschauen und wiedererleben, was unser Widerstand erlaubt. Da Traumata (auch nach moderner Psychotraumatologie) wie Glieder an einer Kette aufgereiht sind, arbeiten wir häufig die Kette herab durch die Situationen, die nicht die eigentlich ursächlich traumatischen waren, sondern durch Auslöser noch einmal traumatisierend wirkten.
    Die riesige Dogge, die in der Kindheit nach uns schnappte, hatte vielleicht noch wildere Vorgänger in früheren Leben, in denen wir nicht „nur“ mit dem Schrecken heraus kamen.
    Ein Kind verkraftet solch einen Vorfall in der Kindheit gut, aber das mit einer üblen Vorgeschichte in einem früheren Leben, z.B. bei einem Tod durch ein wildes Tier, sehr viel weniger gut und entwickelt dann eine dauerhafte Phobie. Etwas Altes ist durch das Ereignis mit der Dogge wieder ausgelöst worden. Daher taucht vielleicht in der Sitzung erst einmal die Dogge auf und dann erst kommt die (schlimmere) Ursachensituation aus dem früheren Leben hoch.

    Wir arbeiten immer in der Geschwindigkeit, in der wir das Alte auch konfrontieren können. Was also zuerst kommt, muss nicht (kann aber) schon das stärkste Trauma sein und muss chronologisch auch nicht am Anfang der Kette stehen. Es taucht erst das auf, was geht und dann das nächste, dann das nächste… Manchmal taucht auch sofort die Ursache auf, je nach Kraft des Klienten bzw. seinem Widerstand.

    Demnach kann es auch sein (ist aber selten), dass wir zuerst in ein früheres Leben geraten und es durcharbeiten müssen und dann erst Situationen aus dem heutigen Leben „nachrücken“. Dann muss da noch etwas geheilt werden und/oder etwas ist passiert, das wir heute als noch schlimmer erleben als die Situation im früheren Leben. Es kann erst jetzt dadurch auftauchen, weil wir an Stärke gewonnen haben, weil wir das „Schwächere“ aus dem früheren Leben aufgearbeitet haben. Das wäre so ein Fall, bei dem die Psychologen recht hätten – über den Wahrheitsgehalt allerdings sagt es ja noch nichts aus.
    Aber solch ein Vorgang ist eher selten, wie gesagt.

Körper und Emotionen

  • In therapeutischen Rückführungen (und nur um die geht es mir hier) sind Erinnerungen nicht bloße Bilder, die wir von außen sehen. Wir erleben die Situationen wieder. Das ist gerade das Therapeutische, denn reines „Wissen“ oder alles als Film von außen sehen, heilt nicht wirklich.
    Wir müssen die früheren Situationen wirklich noch einmal durchleben, um sie völlig bewusst zu machen. Man kann sich vorstellen, dass dies zumeist mit heftigen – oft auch unangenehmen – körperlichen und emotionalen Reaktionen verbunden ist: Schmerzen, Wut, Trauer, Einsamkeit, aber auch Leichtigkeit, Glück, Freiheit; manchmal auch der Geschmack einer Speise, die man heute gar nicht kennt, oder Gerüche. Schon diese Eindrücke reduzieren bei Vielen den Zweifel, dass es sich bei den Erinnerungen um Phantasien handelt. Die Situationen sind sehr „handfest“ und am eigenen Leibe spürbar. S
    ubjektiv ist diese Tatsache meist sehr überzeugend. Wenige KlientInnen haben danach noch Zweifel an der Echtheit der Erinnerungen. Bilder sind eben leichter „ausgedacht“, aber noch dazu diese ganzen sonstigen Empfindungen zu haben, ist schon eine ganz andere Sache…
    Wissenschaftlich wäre dies sicher noch kein Beweis, aber kann zumindest als Indiz für eine Wirklichkeit herhalten.

 

Buch schreiben

Der Klient als Spontanautor von Epen

  • Was für mich persönlich auch unter anderem gegen die einfache Phantasietheorie spricht, ist die Detailgenauigkeit, die die Eindrücke meistens haben. Weit über das, was man mir als Therapeuten in dem Moment beschreiben kann, kann man z.B. genaue Nuancen in den Beziehungen zu den Menschen damals fühlen oder Dinge oder Gebäude oder Tätigkeiten genau wahrnehmen. Auch wenn manches in der Therapiesitzung nur am Rande gestreift wird, da uns nicht alles in dem früheren Leben interessiert. Jeder Klient wäre nach der Phantasietheorie Autor eines ganzen Epos´ über ein Leben – und das innerhalb von wenigen Stunden – und könnte einen biografischen Roman danach schreiben.

    Da ich mal unterstelle, dass nicht jeder Klient dieses schriftstellerische oder imaginative Talent hat, sich ad hoc diese ganzen Details über ein komplettes anderes Leben zu erfinden (sogar, wenn es ja eigentlich um ganz andere Dinge in der Rückführung geht, nämlich eher emotionale und traumatische), dann liegt es näher, die Eindrücke als frühere Realitäten zu begreifen.

     

  • Dazu kommt noch, dass viele Eindrücke aus Erfahrungen in den früheren Leben nicht mit dem Heute übereinstimmen. Auch das wäre eine immense Leistung, sich z.B. komplexe Beziehungen zu Personen auszudenken, die man im heutigen Leben gar nicht wiedergetroffen hat. Oder sich an Dinge zu erinnern, die heute überhaupt keine Rolle spielen. Oder etwas anders verlaufen sind. Hier zieht vor allem die „Symboldrama-Theorie“ nicht, die ja eine einfache Blaupause des Heutigen sein bräuchte. Das Eins-zu-Eins-zu-Heute könnte man unkomplizierter konstruieren.

 


Falsche Erinnerungen und Suggestion

Nehmen wir aber an, wir hätten es jetzt mit einer Phantasie zu tun, und würden sie für eine Realität halten, dann würde das in der psychologischen Forschung FALSE MEMORY SYNDROME genannt. Es handelt sich dann um Erinnerungen an Situationen, die von uns als wahr angenommen werden, die aber nicht real passiert sind. Nicht-Reales wird damit zu einer subjektiv als sicher empfundenen vergangenen Realität.

Diese Möglichkeit spielt in Gerichtsverfahren, in denen es z.B. um den Nachweis von sexuellem Missbrauch an Kindern geht, eine wichtige Rolle. Ist wirklich passiert, was das Kind behauptet?
Aber auch bzgl. Rückführungen könnte man diese These vertreten: Wir haben das sichere Gefühl, die Erinnerungen sind wahr, die Geschehnisse gab es aber gar nicht.

Beim False Memory Syndrome spielt die Außenwelt häufig eine große Rolle. Erinnerungen werden verfälscht oder gar „gemacht“, vor allem durch Beeinflussung von aussen. In einigen Fällen von Missbrauch wurden Therapeuten oder Sozialarbeiter für das Zustandekommen von Missbrauchsbeschreibungen von Kindern verantwortlich gemacht. Die von manchen Kindern berichteten Geschehnisse konnten in diesen Fällen vor Gericht nicht nachgewiesen werden. Man nimmt hier an, dass der Druck durch bewusst oder unbewusst suggestive Fragen der Betreuer und Therapeuten als Ursache für die angeblichen Falschaussagen des Kindes ursächlich war. Die Erinnerungen wären dann sogenannte induzierte Erinnerungen gewesen, false memories.

Diese mögliche Suggestion durch den Therapeuten wird von einigen Forschern oft als Alternativerklärung für die Erinnerung an frühere Leben angenommen. Der Therapeut hätte demnach ein Interesse daran, die Klienten in diese Bilder zu schicken und drücke sie – am besten noch in Hypnose – durch Fragen und Behauptungen in die Phantasie eines früheren Lebens. Dies, weil er selbst glaube, dass die Ursache in früheren Leben läge oder es irgendwie heilsam wäre, auf diese Art das Problem zu bearbeiten. Und bringt dann durch bestimmte Hypnoseeinleitungen und Suggestivfragen den Klienten dazu, ein früheres Leben zu „produzieren“.


Mein Kommentar:

Wie kann man wirklich ausschließen, dass unbewusste Suggestionen eine Rolle spielen? Man kann es nicht. Aber das bei keiner Realität, die sich bildet: ist sie doch – wie oben erläutert – eine Übereinkunft mit anderen. Und wer wird sich schon allgemeinen Übereinkünften verweigern, haben wir doch fast alle den Wunsch, nicht aus Allem herauszufallen? Also sind wir durch Glaubenssätze quasi sowieso hypnotisiert: Darüber, wie die Welt ist und wie wir sind; dass wir überhaupt sind und dass wir jeden Morgen noch dieselben sind; wie das hier alles auf der Erde funktioniert; was man tun und lassen sollte – was eben wirklich für uns ist und was nicht.
Alles Glaubenssätze und die meisten durch Übereinstimmungen.

Künstler und wirklich kühne Forscher, wie gesagt, bilden da möglicherweise eine Ausnahme. Sie nehmen sich die Freiheit, auch anders zu denken und wahrzunehmen als der Mainstream.

Aber zurück zur Therapie: Auf bewusster Ebene sind solche suggestiven Effekte schon durch mein Vorgehen und meine therapeutische Haltung minimiert (und ich kann hier nur von meinem Vorgehen sprechen, das sich über die vielen Jahre hin zu einem Minimum an Technik entwickelt hat).

  • Ich drücke Klienten nicht durch Instruktionen wie „Gehe in ein früheres Leben, wo Du …“  in frühere Leben.
  • Ich wende keine Hypnose (im Sinne von Schlafinduktionen) oder Entspannungseinleitungen an. Der Klient hat lediglich die Augen geschlossen, jederzeit die Kontrolle über die Sitzung und kann sich natürlich an alles erinnern. Erhöhte Suggestibilität (= Empfindlichkeit für Suggestionen) ist daher in meiner Arbeit gar kein Bestandteil oder gar Voraussetzung – anders als in klassischen Hypnosesitzungen.
  • Ich habe schon vom therapeutischen Standpunkt kein Interesse, nur in frühere Leben zu gehen und damit auch keine Motivation, solche Eindrücke produzieren zu lassen. Oft ist die Kindheit Thema, gerade zu Beginn der Arbeit. Da gibt es bei manchen schon genug „aufzuräumen“. Da braucht man nicht schon gleich in frühere Leben zu springen. Wenn es passiert, passiert es. Es kommt, wann es kommen möchte. Daher bei mir kein Druck in diese Richtung, weil ich gar keine therapeutische Veranlassung dazu habe.
  • Ich lege keinen Schwerpunkt darauf, dass der Klient sofort Bilder sieht. Oft sind die ersten Eindrücke des Klienten in Rückführungen Körperempfindungen und Emotionen, keine Bilder. Die Forschung zeigte, dass das Phänomen des False Memory Syndrome bei bildhaften Eindrücken öfter auftaucht als bei anderen Sinneseindrücken. Das heißt, Bilder sind eher „manipulierbar“ als andere Formen der Erinnerung. Auch hier von mir kein Druck in eine bestimmte Richtung, Erinnerungen in einem bestimmten Sinnessystem bevorzugt wahrzunehmen. Die Aufmerksamkeit des Klienten sollte alle Sinne einbeziehen. (Und wir wissen ja, dass wir nicht alle z.B. „visuelle Typen“ sind, also wäre das auch sowieso kontraproduktiv, den Klienten in diese Richtung zu drücken. Er „sieht“ da vielleicht gar nichts, sondern fühlt eher etwas.)
  • Suggestivfragen oder Behauptungen „Du bist ein Mann.“, „Da ist sonst niemand außer Dir!?“ etc. benutze ich bewusst, damit der Klient zu seiner eigenen Wahrheit kommt. Genau da spürt man als Befragter, dass es eine Wahrheit gibt, weil eine falsche Behauptung durch mich eine Spannung aufbaut: „Nein….nein… das ist es nicht….“, sogar, wenn man noch nicht genau weiß, was dann stimmt, ist man auf dem Weg dahin.
    Hier an dem kleinen Beispiel der Wahrheitsfindung sieht man auch, dass die Arbeit an Verdrängtem nicht ein „Zack, zurück und erzähl mal“ ist, sondern manchmal ein zähes Ringen um das, was sich am Ende dann auch stimmig und wahr anfühlt – ja, anfühlen muss, sonst ist noch etwas verdrängt oder verzerrt. Dazu verhelfen auch solche obigen Behauptungen von mir. Man könnte sie suggestiv nennen, wenn sie denn dieselben Inhalte im Klienten produzieren würden. Was sie aber nicht tun, wenn sie nicht stimmen. Wenn der Klient im früheren Leben kein Mann war, war er auch nach meiner Frage keiner. Da könnte ich mich auf den Kopf stellen.  😉

     

  • Es kann sein, dass man als erste Schicht auf eine Phantasie stößt, oder zumindest auf eine Verzerrung einer Erinnerung – wie sich dann beim weiteren Durcharbeiten herausstellt. Beide Phänomene sind durch die Verdrängung erklärbar. Das, was zuerst auftaucht, ist nicht gleich so, wie es sich eigentlich zugetragen hat. Solche Phantasien oder Verzerrungen sind dann Ausdruck des Widerstandes bzw. des Schutzes vor zu schnellem Auftauchen des Eigentlichen, des Traumatischen. Durch geduldiges Durcharbeiten und Weiter-Anschauen und Vertrauen und damit Angstreduktion kann dieser Widerstand schmelzen. Dann können diese Phänomene von alleine wegfallen wie überflüssige Schalen, die vor der Wahrheit schützen sollen. Man kann der Realität immer mehr Raum geben. Die Phantasie, die durch Angst gebildet wurde, kann sich in die eigentlich reale Szene verwandeln, wenn die Angst davor in der Sitzung abnimmt.
    (Schon alleine daher würde ich vor oberflächlichen RuckZuck-Rückführungen warnen.)

     

  • Die Phantasiethese kann man wissenschaftlich erst ausschließen, indem die Erinnerungen auf ihren Realitätsgehalt überprüft würden. Dies, indem man die Tatsachen, die in der Rückführung aufgetaucht sind, mit denen vergleicht, die Historiker gefunden haben (durch Übereinstimmung eben wieder). Da geht aber die Schwierigkeit schon los: Liegen uns da überhaupt Fakten vor? Tauchen ja in Rückführungen auch öfter Phasen der Geschichte der Erde oder des Universums auf, über die es wenig oder gar keine historischen Fakten gibt. Geschweige denn Beweise, dass die Person, die die Hauptrolle in dem früheren Leben spielte, wirklich existiert hat. Man denke an weit zurückliegende Zeiten ohne irgendwelche schriftlichen Aufzeichnungen oder Archive – oder gar an Leben auf anderen Planeten.

    In der VOX-Fernsehserie „Wer war ich?“ vor einigen Jahren wurden die in Rückführungen gewonnenen Eindrücke vor Ort überprüft. Wenn diese Serie kein Fake war, gab es sehr viele Übereinstimmungen in den Details. Es wurden von den Rückgeführten z.B. Teile von Kirchenschiffen oder ganze Gebäude in Rückführungen gesehen, die so heute nicht mehr existieren und von denen die Rückgeführten unmöglich wissen konnten, weil sie nur in lokalen historischen Archiven dokumentiert waren. Oder jemand hat den Weg durch einen Ort, an dem er in einem früheren Leben gelebt hat, ohne Schwierigkeit gefunden.
    Eine Klientin von mir hat im Urlaub in Arabien in einem Ort die Gasse ausfindig gemacht, in der das Haus stand, in dem sie in einem früheren Leben gelebt hat,  was wir durchgearbeitet hatten. Was natürlich sehr berührend für sie war.

    Da wir aber Rückführungen hier im therapeutischen Bereich nutzen, steht das Gewinnen von allen möglichen Eindrücken, die eine historische Nachforschung begünstigen würde, völlig im Hintergrund. Was es auch noch schwerer macht, solche „Echtheitsprüfungen“ erfolgreich durchzuführen.

     

  • !!!! Und ein ganz ganz wichtiger Punkt ist hier: Es wird in der psychologischen Forschung davon ausgegangen (z.B. in Lenore Terr: Schreckliches Vergessen, heilsames Erinnern.), dass falsche Erinnerungen keine Symptome oder Verhaltensänderungen auslösen. Das heißt, habe ich etwas Traumatisches nicht wirklich (und selbst) erlebt, hat es nicht solche gravierenden Auswirkungen (-> Symptome) auf mich. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich kann mir nicht kraft meiner Phantasie etwas einbilden, das dann solche Probleme oder Symptome produziert, die ich jetzt als KlientIn habe…  !!!!
    (Man könnte spitzfindigerweise und der Vollständigkeit halber noch anführen: Wenn es doch Auswirkungen hätte, dann liegt dem möglicherweise etwas anderes, eigenes Traumatisches zugrunde.)

     

  • Übrigens gibt es eine hochinteressante und aus meiner Sicht sehr plausible Erklärung für false memories, die das heutige Leben betreffen (also v.a. Berichte von Kindern über Missbrauch):
    Diese Erinnerungen könnten eine Vermischung von Erinnerungen aus früheren Leben mit denen aus dem heutigen Leben sein. Dabei spielten möglicherweise in der Erinnerung an den Missbrauch dieselben Menschen eine(Täter-)Rolle, die man im heutigen Leben als Täter identifiziert. Dadurch kann es zu einer „Verwirrung“ oder Vermischung der Erinnerungen kommen, auch wenn solch ein Missbrauch – zumindest in der erinnerten Form – im heutigen Leben nicht vorkam. (s. Hans TenDam: Exploring Reincarnation)

     

Frühere Leben Schottland

2. „Ich werde das dann irgendwo in einem Buch gelesen oder im Film gesehen haben.“

Bei dieser Alternative zu echten Erinnerungen kommt die Möglichkeit zum Tragen, dass man Wissen, Informationen, Bilder, Geschichten, die man irgendwann im Leben über Medien wie Fernsehen, Bücher, Internet, Kino aufgenommen hat, zu einer persönlichen Phantasie bastelt. Und dass sie dem aufgenommenen bewussten oder unbewussten Wissen und den Interessen folgt, die man sowieso schon hat.


Mein Kommentar:

  • Wenn man dies identifizieren kann, also wenn die Inhalte bewusst sind, ist es noch einfach. Man weiß, das und das habe ich gelesen oder letzte Woche im Fernsehen gesehen. Solche exakten Reproduktionen von Inhalten kommen jedoch eher selten in Sitzungen vor. Und wenn, geht es nach den ersten Eindrücken einer bekannten Geschichte, die vielleicht anfänglich als Assoziation zum Problem auftauchen, in eine andere Richtung, die Handlung verändert sich… Z.B. Jemand hat schon immer ein Faible für Schottland gehabt und hat noch dazu „Braveheart“ letzte Woche im Kino gesehen. In der Sitzung taucht jetzt ein Teil der Handlung dieses Filmes auf. Das könnte durchaus sein.
    Wieder ist jetzt das Vorgehen wichtig: Bleibt man dran (wie immer in den Sitzungen 😉 ), verändert sich die Handlung dann von alleine und läuft ganz anders ab als im Film. Die Erinnerung an den Film war nur die erste Schicht, nur der Einstieg über das Bekannte, um dann in die wahre Erinnerung überzugehen. Im Laufe der Sitzung stellt sich dann heraus, er lebte eigentlich in Wales, er war kein Anführer etc.

    Viele sagen auch mit etwas Zweifel im Hintergrund: Es kommt in der Sitzung ja nur das, für was ich mich sowieso interessiere: Ägypten, Kirchengeschichte, oder Schamanismus. Also sind die Inhalte in der Sitzung durch das Jetzt geprägt.
    Hier könnte man auch sagen: Nicht: Ich habe das jetzt in der Sitzung gesehen, weil ich das im Kino gesehen habe oder mich schon lange dafür interessiere –  sondern man könnte auch die Argumentation umkehren und sagen: Ich interessiere mich dafür, weil dahinter ein früheres Leben liegt, das noch mein Interesse erzeugt. Unser Unbewusstes zieht im heutigen Leben das in unser Leben, was nicht abgeschlossen war. Was sich dann ausdrückt in Form von Interessen, Hobbies, Berufen etc.
    Welche Version ich für wahrscheinlicher halte, könnt Ihr raten. 😉


Schwieriger ist die Einschätzung der Einflüsse auf Erinnerungen, deren inneren Bilder und das Wissen hieraus, wenn diese Einflüsse gar nicht bewusst sind. Hier spricht man von Kryptomnesie. In diesem Fall hier würde das so ablaufen:

Informationen, Ideen etc. werden aufgenommen. Dann vergisst man (über die Jahre möglicherweise), dass man sie aufgenommen hat (dass man ein bestimmtes Buch gelesen hat z.B.). Später tauchen diese Informationen vielleicht in einer Sitzung wieder auf und man weiß nicht, dass man sie vorher schon kannte, geschweige denn, woher sie stammen.
In Rückführungen könnten damit Umstände auftauchen, von denen man irgendwann mal gelesen hat, weiß aber nicht mehr, dass man es sich angelesen hat. Ein Krieg, die Pest, ein Kirchenbau – Fakten, die damit zusammenhängen….aber man bringt es in oder auch nach der Sitzung gar nicht mit ehedem Gelesenem in Verbindung, die Informationen wirken also neu.


Mein Kommentar:

  • Dieses Argument ist vielleicht manchmal für Rückführungen zutreffend, in denen es um Informationsgewinnung geht oder reine „Neugierrückführungen“, in denen nichts durchgearbeitet wird.
    Erst einmal interessieren uns in der therapeutischen Anwendung der Rückführungen weniger Daten und Fakten in den früheren Leben, sondern mehr das emotionale und subjektive Erleben insgesamt. Historische Bücher hätten dann wenig Einfluss auf unsere Arbeit.
    Wenn es jedoch um eine fiktive Handlung, einen Roman z.B., ginge, den man gelesen hat und diese Tatsache wieder vergessen, dann würde man mit Hilfe der „Bleib-Dran“-Technik irgendwann wieder zum Wahren vorstoßen, wie ich das weiter oben schon ausgeführt habe. Hat einen eine bestimmte Romanfigur so fasziniert, gibt es ja einen bestimmten emotionalen Grund für diese Identifikation und wir würden dann den persönlichen Kern und das ICH des Klienten wieder treffen, indem wir einfach weiter fragen.

     


 

Das war erst mal der erste Teil! 🙂  Damit das Ganze verdaulich bleibt, habe ich den Artikel aufgeteilt, doch der zweite Teil kommt schon in ein paar Tagen!
Darin weitere spannende Aspekte zum Thema, z.B. der „Cleopatra-Vorwurf“ und vor allem der dreifache Hammer, der zuletzt kommt und schwer zu widerlegen ist… 
Bis dahin!
Ich grüße Euch allerherzlichst
Euer
Ulf Parczyk

 


Photos: Beitragsbild „Theda Bara in the role of the film `Cleopatra´ (1917) von Orange County Archives, CC2.0   // „First Light“ (Schottland) von mendhak, flickr //  „diary writing“ von Fredrik Rubensson, flickr; CC2.0

 

 

 

 

 

 

 

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