Destilliertes - Mein Blog

Die positive Kraft des Widerstands Teil I: …in der Rückführungstherapie. Ein Plädoyer.

Die positive Kraft des Widerstands  Teil I: …in der Rückführungstherapie. Ein Plädoyer.

Widerstand 2

Widerstand“ (=Hemmung, Opposition, Entgegenstellen, Gegenkraft) – das ist ein Begriff, der meist erst einmal keine positiven Reaktionen auslöst: „Anti“/“Gegen“ regt meist selbst ein „Anti“/“Gegen“-Gefühl an. Querulanten sind meist nicht gerne gesehen und Spielverderber.

(Eine Ausnahme stellt sicher der Widerstand gegen unmenschlich-diktatorische Regime dar.)

In der Psychotherapie, auch der Rückführungs- bzw. Reinkarnationstherapie, hat der Widerstand aber seitens der TherapeutInnen oft immer noch etwas „Unerwünschtes“. Das zeigt sich in manchen Einleitungen in eine Rückführungssitzung. Der Therapeut verlässt sich dann nicht auf den natürlichen Fluss, sondern führt Methoden wie beispielsweise Entspannung, Tiefenhypnose oder Atemübungen ein, um den Klienten in einen „besonderen Zustand“ zu bringen, in dem er angeblich „leichter“ Erinnerungen erreichen und erleben kann. Damit soll der Widerstand umgangen werden, der außerhalb dieses Zustandes vielleicht die Zielführung in das Gebiet, das die Heilung bringen könnte (in der Rückführungstherapie das dem Problem zugrundeliegende Trauma) verhindern würde.

Maximaler Widerstand gegen Situationen und deren Erleben ist eine andere Definition von Trauma.

Das heißt, wo die Reise hingeht, ist sowieso Widerstand zu finden, sonst wäre es gar kein heutiges Problem. Der Widerstand kreiert das Problem immer wieder, wenn er ausgelöst wird. So entstehen Muster (mehr dazu auch im kostenlosen E-Book „Der Ursprung der Probleme“ auf der Schätze-Seite). Das Nicht-Zulassen von Erlebtem ist natürlich eine Funktion der Angst, stellt also einen Schutz dar und hat demnach seine Berechtigung.

Dieser Widerstand kann sich im Einstieg in eine Therapiesitzung in vielen Umständen äußern: Der Verstand zweifelt alles an, was an Eindrücken kommt; die Klientin „fühlt nichts“, sieht nichts, nimmt „nichts“ wahr; es kommen unzusammenhängende wirre Bilder, die man sich nicht in Ruhe anschauen kann etc. Da scheint es für viele TherapeutInnen „schneller“ und „geschickter“ zu sein, sich gar nicht lange mit diesen Phänomenen aufzuhalten, die sich dazwischen stellen. Man möchte ja mit der Klientin schnell zum Eigentlichen vordringen und ist dann versucht (oder benutzt das sogar standardmäßig), „bewusstseinsverändernde“ Techniken einzusetzen, damit es gar nicht zu diesen „Verzögerungen“ kommt, damit sich der Klient „öffnet“ und der Verstand, die „linke Hirnhälfte geschwächt“ wird, der Alpha-Zustand erreicht werden soll, damit Verdrängtes auftauchen kann. So die Agenda. (Das Foto oben als Bild hierfür zu benutzen: man möchte gleich über die begrenzenden Äste springen…)

Das entspricht, prägnant gesagt, der Haltung, „wenn ich getrunken habe, kann ich meiner Frau die Meinung sagen“ – nur eben ohne Alkohol… 😉

Ich (und viele meiner KollegInnen, die dies ähnlich sehen, auch) verlasse mich jedoch auf den Moment. Der Einstieg in die Sitzung ist einfach das Problem oder die Frage des Klienten. Er oder sie konzentriert sich auf dieses Problem und es taucht auf, was dadurch in seinem / ihrem Innenleben ausgelöst wird. Und es wird immer etwas ausgelöst, auch wenn es vielleicht nicht das, was manche TherapeutInnen oder KlientInnen dachten…

[nebenbei bemerkt, aber nicht unwichtig: und Druck und Manipulation, Tiefliegendes müsse schnell hochkommen und überflutet dann das Bewusstsein möglicherweise in ungesunder Manier, diese weit verbreitete Angst ist dann auch nicht begründet.]

Ob hier etwas „richtig“ ist, ist also eine Sache der Erwartung beider:

  • RückführungstherapeutInnen arbeiten mit der Prämisse, es wäre heilend, die Ursachen von Problemen, Ängsten, Beziehungsschwierigkeiten etc. bewusst zu machen.
    Von Vielen eine weitere Prämisse: Es muss schnell gehen (fast ein Wettlauf mit anderen „langsameren“ Therapien um Geschwindigkeit in der Effizienz als Gütekriterium).
  • Viele KlientInnen kommen in eine Rückführungstherapie (die ja einengenderweise auch noch „Reinkarnationstherapie“ genannt wird), um am besten gleich die Ursache durchzuarbeiten. (Also auch: es muss schnell gehen.)

Das sind verständliche Gedanken und Erwartungen. Erwartungen haben nur die Eigenschaften, das Erleben einzuschränken auf das Erwartete. So gesehen sind diese Erwartungen („das und das sollte jetzt kommen“; „es muss schnell gehen“) auch schon selber Widerstand: Widerstand gegen den Moment. Man möchte vorwegnehmen, was passiert, also die Zukunft kontrollieren. Da sind sich manche Klienten und Therapeuten einig. 😉

Meiner Ansicht nach heißt das: Wenn nicht gewürdigt wird, was jetzt im Moment da ist, schaut man woanders hin, nämlich in die Fiktion, wie es eigentlich sein sollte.

Die Motivation hierfür kann Angst auf Klientenseite sein und HelfenWollen oder auch Angst auf Therapeutenseite uvm. Würdigt man die Erwartungen und/oder einen möglichen anderen Widerstand, tauchen möglicherweise wichtige Programmierungen auf („Ich gehe nicht zurück“, „Ich bin hilflos“…), oder Fremdenergien melden sich, die den Verlauf der Therapie beeinflussen; sekundärer Krankheitsgewinn (= es hat mehr Vorteile, das Problem zu behalten als zu verlieren) wird deutlich etc. etc. Ein reicher Schatz an Themen, die die Klientin natürlich auch im Alltag einschränken werden. Die Therapie produziert hier keine Probleme, wo sonst keine sind. Es sind vielleicht aber nicht die Themen oder Schauplätze, die Therapeutin und Klientin im Vorgespräch angesteuert haben. Da hat das Unbewusste beiden einen Streich gespielt… 😉

[Nebenbei bemerkt habe ich schon mehrmals beobachtet, dass das In-frühere-Leben-zurückgehen-Wollen von Klienten paradoxerweise manchmal ebenfalls einen Widerstand / Umweg darstellen kann. Wenn er/sie das, was in dem heutigen Leben an Unangenehmem erlebt wurde, zuerst nicht konfrontieren kann, ist es erst einmal einfacher, in eine „entfernte Zeit“ zu springen. Das kann dann erst die Möglichkeit eröffnen, in diesem Leben „aufzuräumen“. Das passiert aber nicht auf Instruktion, sondern das Bewusstsein des Klienten lässt immer einströmen, was im Moment möglich und ungefährlich ist.]

Konsequentes Mitgehen und Annehmen dessen, was da ist, auf Seiten des Therapeuten kann überhaupt erst zu Annehmen des bisher Unakzeptablen für den Klienten führen. Wenn schon der Therapeut etwas nicht aushält, was auftaucht und sofort Techniken gegen das volle Erleben einsetzt (eine Art Aktionismus: Wegschicken von Fremdenergien oder Emotionen etc. etc.) bestätigt den Klienten in der Tatsache, es sei wirklich unannehmbar. Therapeut und Klient sind sich also auch noch einig, dass es im Leben Aspekte gibt, die man nicht ertragen kann. Also wieder Verleugnung oder gar Zurückdrängen der Inhalte, keine Sicherheit und Stärkung durch Erleben des Annehmens. Und das ist meines Erachtens genau, warum der Klient eigentlich kam, auch wenn er es nicht bewusst ausdrückt: das Annehmen des Unakzeptablen in sich.

Die Haltung des Annehmens gilt also nicht nur für den Einstieg, sondern spielt in jedem Moment der Therapie eine Rolle. Der Einstieg spiegelt nur die Haltung des Therapeuten wider. Natürlich sind wir auch „nur Menschen“ (so sagt man) und Annehmen ist ein Weg, selten in 100% und in jeder Situation schon ausgebildet… 🙂

Vielleicht nicht ausschlaggebend, geht es um Lebensveränderung durch Therapie, aber doch:

Wenn man nicht nur von Effizienz oder inhaltlicher Relevanz, sondern auch von einer „Ästhetik der Therapie“ sprechen würde, finde ich diesen Ansatz auch ästhetischer, geschmeidiger, purer: ohne Tricks und doppelten Boden alles annehmen, was KlientIn und TherapeutIn bei der Reise nach innen begegnet. Annehmen, spüren, ansehen, in der Existenz würdigen (= bejahen = aus der Verdrängung befreien), dann das nächste Auftauchende annehmen etc. – bis eine Entladung und Entspannung im Thema spürbar wird. Dann ist Unbewusstheit und Verdrängung und Energie-gegen-Energie-Stellen aufgehoben und die (Aufmerksamkeits-)Energie ist wieder frei verfügbar für ein im wahrsten Sinne des Wortes leichteres Leben.

(…daher folgt hier auch bald „Die positive Kraft des Widerstands Teil II: …und `im Leben´“)

Photos: Ulf Parczyk

 

 

E-Mail an PraSenZ

Du möchtest einen Termin?

Du hast noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

Hier bitte zur Kontakt-Seite

 

 

PraeSenZ anrufen

Du möchtest einen Termin?


Phone-52Reply Filled-50

Du hast noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

Hier bitte zur Kontakt-Seite

Teile diese Seite mit denen, denen sie weiterhelfen könnte!