Destilliertes - Mein Blog

Die positive Kraft des Widerstands Teil II: …und „im Leben“

Die positive Kraft des Widerstands Teil II: …und „im Leben“

wasser-ball1-1024x711

Ich empfehle Ihnen, vor dem Lesen dieses Teils II Teil I zu lesen. Denn es ist natürlich im Leben wie in der Therapie: Was sich unangenehm anfühlt, wird weggeschoben. Hier ist vielleicht der Begriff „verleugnen“ besser angebracht als „verdrängen“. Wir unterdrücken Gefühle und Gedanken sehr oft im Alltag beim Auftauchen, scheinen sie uns doch aus dem „Funktionieren“ zu werfen oder einfach in unserem Wohlgefühl – oder angeblichen Wohlgefühl, das dann eher eine Art wackliger Balance darstellt – zu stören. Da gibt es für Viele von uns eine ganze Liste von „unangenehmen“ Emotionen – je nach Situation und Befindlichkeit störend: Traurigkeit, Wut, Schuldgefühle, Schmerz, Ohnmacht, Hass, Begehren, Apathie, Verweiflung…

Es gibt noch andere, meist dramatischere Gründe, Emotionen zu unterdrücken: Mit einer heutigen Emotion sind vergangene Situationen in diesem oder in früheren Leben verknüpft, in der wir diese erlebt haben. Die heutige Emotion ist dann für uns ein Auslöser, dass wir die alte Situation (besser gesagt: die unbewusste Erinnerung daran) wieder mit Energie versorgen und dann das komplette Paket, das mit Bildern, Emotionen, Gedanken / Glaubenssätzen und Körpergefühlen geschnürt ist, schnell wieder unterdrücken. Es ist zuviel – so weit wie möglich weg damit!

Aber warum ist das nicht „einfach ok“, sich nicht „schlecht fühlen“ zu wollen?

Es führt auf jeden Fall dazu, sich schlecht zu fühlen – „schlecht“ im Sinne von Unfähigkeit – bis dahin, dass man bestimmte Emotionen gar nicht mehr wahrnimmt. Das stellt natürlich eine Nivellierung, ein Unlebendiger-Werden dar. Aber das wäre noch nicht das Schlimmste. Es führt auch dazu, dass das, was unterdrückt wird, im Aussen angezogen wird, wir mit dem Unterdrückten auch noch unsere Realität kreieren. Also genau das Gegenteil bewirken, was wir bewusst möchten (mehr zu diesem Thema auch im kostenlosen E-Book „Ursprung der Probleme“ hier auf der Schätze-Seite).

Nehmen wir das Bild eines Balles für das Paket von unerwünschten Emotionen, Gedanken, Erinnerungen – die Emotionen sind der Kern des Balles. Wir stehen im „Swimming Pool des Lebens“ 😉 und halten diesen Ball so weit wie möglich von uns fern, drücken ihn ins Unsichtbare unter der Oberfläche, dieses Paket aus Unerwünschtem. Unser Widerstand arbeitet so gut, wie wir Kraft haben, den Ball zu unterdrücken. Je weiter weg unter die Wasseroberfläche wir ihn drücken, um so mehr Auftrieb bekommt er und um so mehr Kraft kostet es dann. Der Ball verschwindet dadurch nicht eigentlich, dafür drückt aber unsere Kraft sehr viel Energie auf den Ball. Er ist dann auch richtig wichtig für uns.

Jetzt mit diesem Bild können wir uns vorstellen, wie uns die Energie und Aufmerksamkeit für Dinge im Moment des gegenwärtigen Augenblicks fehlen. Sind wir doch sehr beschäftigt mit dem Unterdrücken von Emotionen, Gedanken, Bildern: eben unserem Ball (und: noch anstrengender und viel häufiger als nur ein „Solo“: vielleicht mehreren Bällen gleichzeitig!).

……und oberhalb der Wasseroberfläche überspielen wir dann alles und markieren die Unberührten, die im wahrsten Sinne des Wortes „alles im Griff“ haben, lächelnd…

Wir können uns dann auch gut vorstellen, dass dieser anstrengende Vorgang in der Folge auch zu körperlich und psychisch sehr eindeutigen Phänomenen führen wie BurnOut, Depression (da ist der Vorgang schon im Wort), Energielosigkeit bis hin zu Apathiezuständen. Er stellt natürlich auch körperlichen Stress dar, so dass uns Krankheiten schneller ereilen. Aber auch Konzentrationsschwierigkeiten (wie kann man sich auf etwas konzentrieren, wenn man doch „alle Hände voll“ zu tun hat?), Gedächtnisstörungen oder schnelle Ermüdung und schnelle Überforderung können uns ebenfalls das Leben im Alltag schwer machen, Aufgaben zu erledigen („es ist alles zu viel“). Man braucht ja die Muckies für was anderes, eben zum Unterdrücken. (Stimmig an dem Bild des unterdrückten Balles ist auch, dass, wenn die Kräfte aus welchen Gründen auch immer im Leben einmal nachlassen, die alten Pakete von alleine wieder nach oben kommen, Viele kennen dieses Phänomen…)

Leider ist dieser Vorgang der Unterdrückung von Gefühlen, wenn er schon lange „geübt“ wird, zur Gewohnheit geworden und dann die Reaktion auf das Auftauchen von Gefühlen so schnell, dass wir es oft gar nicht mehr mitbekommen. „Ich werde nie aggressiv, warum auch?“, „Nee, das ist mir egal, das geht zum einen Ohr rein und zum andern raus, was soll ich mich aufregen?“, „Schwäche? Ich habe gelernt, mich am Riemen zu reißen, das bringt doch sonst nichts“, „Man muss positiv denken! Sonst macht einen ja alles krank!“…

Was kann man aus solchen Aussagen lesen? Unterstellen wir, die Redner unterdrückten Gefühle, dann reden sie sich hier heraus, wie man so schön sagt: sie rationalisieren es. Das funktioniert erst mal wunderbar, weil wir dann gute Ausreden haben, zu unterdrücken.

Aber auch hinter dem Ausleben von Gefühlen steckt oft ein Nicht-Spüren-Wollen. Gab es – und gibt es auch oft noch – in der Therapie-Szene und außerhalb die Tendenz, das Ausleben von Emotionen als ultimative Heilungsmöglichkeit zu sehen, kann man aber auch darin ein Loswerden-Wollen erkennen. Das ist sicher erst einmal befreiend, muss aber dann auch immer wieder passieren, wenn man es spürt, weil man das Gefühl ja nicht wirklich annimmt.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, dass man Emotionen auch einsetzen kann, um andere Emotionen unterdrücken zu können, weil man sie nicht spüren möchte. Man kann zum Beispiel, um Gefühle von Ohnmacht wegzudrücken, gleich wütend werden. Oder man kann sich statt wütend zu sein in Trauer und Weinen stürzen. In diesem „Ersatzspiel“ gibt es natürlich jeweils persönliche Präferenzen und Tendenzen… 😉

Unterdrücken, verleugnen, ausdrücken – das alles Techniken, um Emotionen nicht wirklich zu spüren? Ja, was soll man denn dann damit machen?

Am besten: Nichts. Dableiben. Was da ist, anerkennen. Die Emotion einfach willkommen heißen und spüren – und dann loslassen. Voraussetzung ist, dass wir uns der Momente bewusst werden, in denen wir uns fast automatisch ablenken von hochkommender Trauer, Wut oder was auch immer wir nicht spüren möchten und uns schnell abwenden, sie wieder aus unserer Aufmerksamkeit drängen wollen, ausleben oder wie auch immer verändern wollen – der Widerstand eben. Dann den Widerstand oder Widerwillen spüren, auch dieser ist ja da.

Das nimmt sehr viel Druck aus dem System und eine Entspannung tritt ein, weil wir uns den Emotionen nicht mehr entgegenstellen. Dann wird der Widerstand nicht mehr notwendig und schmilzt. Bei starken Gefühlen muss man die Emotionen und den dazugehörigen Widerstand immer wieder einladen und loslassen. Den Ball richtig anfassen und spüren, aber auch den Widerstand, ihn nicht haben zu wollen, spüren und dann den Widerstand loslassen. Dann das Gefühl loslassen. Und das mehrmals, bis der Widerstand schmilzt und eine Erleichterung eintritt. Ohne das Einladen und Annehmen des Widerstandes, des Verändern-Wollens, wird das Annehmen nicht funktionieren, da man sonst mit angezogener Handbremse (er-)lebt, weil der Widerstand immer dagegenarbeiten wird (dies übrigens eine sehr sehr minimale Kurzform innerhalb der Sedona-Methode). Es ist also wichtig, den Widerstand anzuerkennen, nicht zu übergehen oder zu dämonisieren als „überflüssig“ oder „ineffektiv“, sondern ihn auch zu schätzen. Und dann erst loszulassen.

Das Befreiende ist dann die Befreiung vom Widerstand, nicht von der Emotion. Emotionen können dann kommen und gehen, sie verbrauchen keine Kraft mehr und sie werden nicht festgehalten, nicht vergrößert durch das Unterdrücken und nicht verschoben, weil sie angenommen werden. Die Aufmerksamkeit und Kraft kann im Moment sein und nicht aufgespalten und aufgebraucht in Kriegsschauplätzen.

Der Ball und die Hände sind frei. Wir können fangen und werfen.

wasser-ball2-1024x616

(Ist das nicht so einfach selbst zu erreichen, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung, die größeren Bälle zusammen mit Ihnen zu befreien. Dann muss man vielleicht in vergangene, festgehaltene Situationen direkt hinein und die Bälle dort befreien, um Ihren Prozess etwas zu beschleunigen, die komplexeren und tiefer sitzenden Emotionen, Glaubenssätze und damit zusammenhängenden Bilder freizusetzen. Dafür bin ich ja da. 😉 )

 

 

E-Mail an PraSenZ

Du möchtest einen Termin?

Du hast noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

 

 

PraeSenZ anrufen

Du möchtest einen Termin?


Phone-52Reply Filled-50

Du hast noch eine Frage? 

Nimm einfach Kontakt mit mir auf!

Ulf Parczyk, Dipl.-Psych.

Teile diese Seite mit denen, denen sie weiterhelfen könnte!

Ja, ich möchte den PraeSenZ-Newsletter!

Sei immer informiert, wenn es Neues von der PraeSenZ-Praxis gibt: Blogartikel, Downloads etc.
Falls nichts bei Dir ankommt, bitte in den Spamordner schauen und PraeSenZ dort freigeben!
Natürlich bekommst Du garantiert kein Spam!
Anmelden
close-link